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       Mehr Realismus: Ein iranischer Wissenschaftler warnt seine
       Regierung vor Übermut
   DIR By: Ben
       Date: June 16, 2012, 7:38 am
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       Dr. Wahied Wahdat-Hagh   16.06.2012
       Mehr Realismus: Ein iranischer Wissenschaftler warnt seine
       Regierung vor Übermut
       Ein iranischer Insider, Mahoud Sariulqalam, analysiert aus der
       machtpolitischen Perspektive des Iran die Politik des Westens
       und einiger Staaten des Nahen Ostens. Der iranische
       Politikwissenschaftler und USA-Experte arbeitet an einer
       Teheraner Universität und gilt als pragmatisch-realistisch. Er
       verfolgt das Ziel, der islamistischen Diktatur zu einer
       korrektem Einschätzung ihrer eigenen Macht zu verhelfen, um sich
       realistisch mit anderen Mächten auseinandersetzen zu können. Der
       iranische Professor ist genauso antisemitisch wie seine
       Regierung. Seiner Meinung nach hat Israel alleine nicht
       erforderliche die militärische Macht, um den Iran anzugreifen.
       Und die USA wollten unter der Präsidentschaft Obamas keinen
       Krieg riskieren. Daher verfolgten die USA das Ziel, die
       Atomverhandlungen zu verlängern.
       Sariulqalam lobt die Türkei und Saudi-Arabien. Insbesondere die
       Türkei entwickle sich zu einem Modell für die islamische Welt,
       und nicht der Iran. Saudi-Arabien sei die eigentliche
       wirtschaftliche Macht und die Türkei die diplomatisch-politische
       Macht in der Region. Der iranische Politikwissenschaftler geht
       davon aus, dass die Zukunft des Islam in Ägypten entschieden
       werde und nicht im Iran. Falls Obama wiedergewählt werde, würde
       die “idealistische Politik” des Panislamismus abnehmen und die
       arabische Welt sich mehr mit wirtschaftlichen Fragen
       beschäftigen.
       Mit einer solchen Aussage relativiert er natürlich die sonst
       übliche Propaganda der iranischen Machthaber. Aber auch dieser
       iranische Wissenschaftler will Wege aufzeigen, wie die
       islamistische Diktatur des Iran ihre Ziele besser durchsetzen
       kann.
       Sariulqalam ist der Meinung, dass der Iran sich heute weltweit
       engagieren müsse und sich nicht isolieren dürfe. Dabei stellt er
       das im Iran herrschende System keineswegs in Frage. Explizit
       sagt der iranische Wissenschaftler, dass er sich nicht am Westen
       orientiere, vielmehr seien Staaten der Dritten Welt wie
       Brasilien für ihn von Interesse. Ein Staat wie Brasilien sei
       erfolgreich, weil er weltoffen sei. Er kritisiert, dass der Iran
       rund 3000 oder bestenfalls 4000 Manager habe, die überdies kaum
       Fremdsprachen sprechen würden. Daher schlägt er vor, dass auch
       religiöse und fromme Menschen Beziehungen zur Welt aufbauen
       müssen. Er verteidigt mitnichten eine offene säkulare
       Demokratie. Im Gegenteil, auch die „Islamische Republik Iran“
       müsse mit der Welt umgehen können. Er will die islamistische
       Diktatur erhalten und dafür sorgen, dass diese ihre Interessen
       in der Welt besser durchsetzt. Deswegen argumentiert er in der
       Tat aus der islamistischen Machtperspektive pragmatischer, aber
       dafür nicht weniger entschlossen als die herrschenden Ideologen
       im islamistischen Pseudo-Parlament oder in der Regierung Mahmoud
       Ahmadinejads.
       Als Realist kritisiert der iranische Professor, dass die Russen
       und die Iraner für ihre idealistische Mentalität bekannt seien.
       Der Realismus sei aber eine Tugend und brauche eine Methodologie
       und eine Philosophie. Sariulqalam verteidigt den chinesischen
       Weg. Die chinesische Führung habe zwar keine positive Meinung
       über Europa und die USA. Dennoch versuche China von der Welt zu
       lernen, um die eigenen Ziele besser durchsetzen zu können.
       Die verschiedenen Staaten der Region des Nahen Ostens würden
       lediglich machtpolitisch miteinander konkurrieren. Dieser
       Konkurrenzkampf habe zwar manchmal auch ein religiöses Gesicht,
       aber die eigentlich konkurrierten Iran, Saudi-Arabien, der
       Türkei und Ägypten um politische Macht. Es sei die westliche
       Propaganda, die einen Gegensatz zwischen der schiitischen und
       der arabisch-sunnitischen Welt sehen wolle. Iran habe überhaupt
       nicht die logistische Macht, die Schiiten gegen die Sunniten zu
       organisieren. Zwar seien 15 Prozent der Muslime Schiiten, aber
       sogar der schiitische Staat Azerbaijan habe Konflikte mit dem
       Iran.
       Sariulqalam räumt ein, dass in Zukunft Änderungen in der
       syrischen Regierung vorstellbaren seien, aber es sei nicht klar,
       wie “die politische Matrix” nach einem Machtwechsel in Syrien
       aussehen würde. Russland, Europa, die USA, aber auch regionale
       Staaten wie der Iran würden eine Rolle bei der Gestaltung der
       Zukunft Syriens spielen.
       Der iranische Politologe meint, dass der Iran die
       wirtschaftlichen Beziehungen mit seinen Nachbarstaaten ausbauen
       müsse, auch mit Saudi-Arabien. Es gebe eine gute wirtschaftliche
       Zusammenarbeit zwischen Staaten der Region wie Jordanien,
       Saudi-Arabien und Tunesien. So würden diese Staaten auch ihre
       einseitige Abhängigkeit von den USA aufgeben. Besonders die
       Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Saudi-Arabien sei sehr
       wichtig. Diese beiden Staaten würden die Zukunft Ägyptens und
       des politischen Islam bestimmen. Die US-Regierung, aber auch die
       Türkei und Saudi-Arabien wollten, dass auch die ägyptische
       Muslimbruderschaft sich stärker und pragmatische mit
       wirtschaftlichen Problemem auseinandersetzt, statt rein
       ideologischen Fragen zu debattieren.
       Sariulqalam meint, dass Obama keine Konfrontationspolitik im
       Nahen Osten verfolge. Die US-Regierung wolle nicht ein direktes
       Problem für den „arabischen Frühling“ werden und verfolge die
       Strategie der “remote leadership”, d.h. sie versuche, aus der
       Ferne Einfluss zu nehmen und zu führen. In Bezug auf die
       US-amerikanische Sicht auf den Iran ist er der Meinung, dass die
       US-Regierung aus geopolitischen Gründen die territoriale
       Integrität des Iran erhalten wolle. Iran habe im Vergleich mit
       seinen Nachbarstaaten eine entwickelte Gesellschaft.
       Der iranische Professor äußert sich antisemitisch und folgt hier
       der iranischen Staatsdoktrin. Die US-Regierung würde
       programmatisch alles tun, was die “jüdische Lobby” von ihr
       fordere. Obama könne es sich nicht leisten, gegenüber der
       “jüdischen Lobby” gleichgültig zu sein. Deswegen sei die
       iranische Atomakte von Wien (Sitz der Internationalen
       Atomenergiebehörde IAEA) nach New York (Hauptquartier des
       UN-Sicherheitsrates) gegangen und deswegen seien mehrere
       Resolutionen gegen den Iran verabschiedet worden. Auch der
       pragmatische Politikwissenschaftler, der im Dienste der
       islamistischen Diktatur arbeitet, muss die politische
       Verschwörungstheorie propagieren, der zufolge die Juden schuld
       daran seien, dass Resolutionen gegen den Iran verabschiedet
       werden.
       Israel habe nicht die militärische Macht, den Iran anzugreifen,
       sagt der iranische Professor. Israelische Kampfflugzeuge müssten
       mindestens zwei Mal in der Luft tanken, wenn sie den Iran
       angreifen wollten, ganz gleich ob sie vom Westen oder vom Süden
       anfliegen würden. Israel sei daher auf die militärische Macht
       der USA angewiesen. Der iranische Wissenschaftler weiß auch,
       dass die USA die israelische Regierung vor einem Krieg gegen den
       Iran abhalten wollen. Gerade weil der Iran im Falle eines
       Angriffs mit einem asymmetrischen Krieg, d.h. mit Terrorismus,
       antworten würde, könne sich ein US-amerikanischer Präsident, der
       wiedergewählt werden wolle, einen riskanten Krieg nicht leisten.
       Dennoch wollten die USA die Sanktionspolitik gegen den Iran
       fortsetzen, um eine wirtschaftliche, sicherheitspolitische und
       politische Krise infolge eines Krieges zu vermeiden.
       Obama müsse beweisen, dass das iranische Atomprogramm unter
       Kontrolle sei, dabei tue er gleichzeitig alles, was die
       “jüdische Lobby” von ihm fordere. Dennoch sei der Iran für die
       US-amerikanischen Experten ein langfristiges Thema. Die USA
       hätten keine Probleme mehr mit dem Iran, wenn die Probleme mit
       dem Atomprogramm gelöst würden. Insbesondere verfolge die USA
       das Ziel, den russischen und den chinesischen Einfluss auf den
       Iran zu vermindern. Der Iran sei in der US-Politik kein
       parteipolitisches Thema, sondern ein großes strategisches und
       politisches Thema der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Die
       Politik der US-Regierung unter Obama unterscheide sich nur in
       den taktischen Fragen von der Politik der Bush-Regierung.
       Demokraten arbeiteten generell programmatischer als die
       Republikaner, meint der iranische Experte. Die Bush-Regierung
       habe trotz 9/11 und der militärischen Angriffe auf den Irak und
       Afghanistan gegenüber dem Iran eine vorsichtige Politik
       verfolgt. Prinzipiell würden die US-Regierungen die Probleme des
       Nahen Ostens aus geopolitischer Sicht betrachten. Viele würden
       denken, dass die USA wegen Ölinteressen im Nahen Osten aktiv
       seien. Dies sei falsch, da die USA nur sehr wenig Öl aus dem
       Iran beziehen würden. Die USA haben aber geopolitische
       Interessen, die weitreichender seien als Ölinteressen. Die USA
       wollten die Region unter Kontrolle bekommen, um sich gegen China
       und Russland zu behaupten. Der Iran spiele im Kampf der
       Großmächte nur eine geringfügige Rolle, er sei eben nur eine
       mittlere Macht und eine Regionalmacht. Mit solchen Aussagen
       dämpft der iranische Politologe die Allmachtphantasien mancher
       iranischer Staatskleriker.
       Für die US-Regierung sei es sehr wichtig, dass die Ölpreise
       niedrig bleiben. Sariulqalam geht davon aus, dass die USA
       gegenwärtig nicht vorhaben, militärisch gegen den Iran
       vorzugehen. Der iranische Experte meint aber, dass sich das
       politische Verhalten der US-Regierung nach den nächsten
       Präsidentschaftswahlen ändern könne. Man wolle das Problem des
       iranischen Atomprogramms in der Schwebe halten bis die
       Präsidentschaftswahl vorbei ist. Die USA wollten die
       Verhandlungen über das iranische Atomprogramms verzögern und
       einen langfristigen Dialog mit dem Iran eröffnen.
       Ähnlich wie die iranische Regierung fordert Sariulqalam, dass
       die iranische Akte von New York wieder nach Wien zurückgeschickt
       werden müsse. Der Iran verhalte sich bei den Atomverhandlungen
       sehr realistisch. Das iranische Verhandlungskomitee agiere im
       Rahmen der Anordnungen, die es von der Regierung bekommen habe.
       Der iranische Experte will den Atomunterhändlern nur dann die
       beste Note geben, wenn sie mit geringfügigen Zugeständnissen die
       iranische Atomakte von New York wieder nach Wien zurückholen. Er
       fordert ein Ende der Sanktionspolitik.
       Sariulqalam ist einer der Experten, die die Welt für die
       iranischen Machthaber erklären. Er gehört zu den iranischen
       Wissenschaftlern, die an den besten US-amerikanischen
       Universitäten studiert haben, um gemeinsam mit der totalitären
       Macht der „Islamischen Republik“ gegen die Interessen Europas
       und der USA zu kämpfen.
       Wahied Wahdat-Hagh, Fellow bei der European Foundation for
       Democracy (EFD).
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