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#Post#: 307--------------------------------------------------
„Der Islam ist eine tolerante Religion“
DIR By: Ben
Date: June 16, 2012, 7:28 am
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„Der Islam ist eine tolerante Religion“
Die muslimische Ditib-Gemeinde stellt sich klar gegen
salafistische Umtriebe
"Jeder soll nach seiner Fasson selig werden." Dieser von
Friedrich II. überlieferte Satz steht wie kaum ein anderer für
gegenseitige Toleranz. Allerdings kann damit nicht jeder etwas
anfangen. Radikale Salafisten schon gar nicht.
Diese Gruppierung steht derzeit im Zentrum der
Islamismus-Debatte. Am Donnerstag gab es bundesweit Razzien bei
radikalen Salafisten. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt
für Religion (Ditib) indes vertritt einen moderaten, auf Respekt
und Toleranz beruhenden Islam. Im LZ-Gespräch weisen der
Landshuter Ditib-Vorsitzende Mesut Karaüzüm und Imam Harun
Aydogdu salafistische Umtriebe energisch zurück.
Landshuter Zeitung: Gibt es Salafisten in Landshut?
Mesut Karaüzüm: Ich kenne fast alle unsere Mitglieder
persönlich, unter ihnen ist kein einziger Salafist. Und mit
denen, die ich nicht kenne, sind wiederum andere Moscheebesucher
vertraut. Wenn sich also jemand einschleichen wollte, würde uns
das sofort auffallen.
Die Salafisten, eine Minderheit der Muslime, unterstellt
Angehörigen ihrer eigenen Religion, keine echten Muslime zu
sein. Und sie akzeptieren keine anderen Religionen. Was sagen
Sie diesen Leuten?
Karaüzüm: Der Islam ist die Religion der Toleranz. Diese
Gruppierungen widersprechen sich also selbst, wenn sie andere
Religionen nicht tolerieren.
Harun Aydogdu: Wie in jeder Religion gibt es auch im Islam
radikale Elemente. Die Salafisten bezeichnen sich als Muslime,
repräsentieren aber nicht den wahren Islam. Wir von der Ditib
verurteilen die Handlungen dieser Leute. Aber wie gesagt, sie
sind eine kleine Minderheit.
Karaüzüm: Radikale Muslime sind eine große Gefahr, nicht nur für
die große Mehrheit der friedlichen Muslime und Christen, sondern
für die ganze Gesellschaft.
Der Bundesinnenminister hat den salafistischen Verein "Millatu
Ibrahim" (Abrahams Religion) aus Solingen verboten. Was bringt
so ein Verbot?
Karaüzüm: Ein Verbot ist gar nicht schlecht. Es könnte andere
Gruppen abschrecken. Wichtig ist, dass die Radikalen nicht die
Oberhand bekommen. Der Staat und Organisationen wie die Ditib
sind aufgerufen, gegenzusteuern. Wir dürfen nicht zulassen, dass
sich Salafisten unsere Jugendlichen krallen.
Was kann man dagegen unternehmen?
Aydogdu: Wichtig ist es, dass wir den Islam erklären, wie er
ist. Ich versuche, den Menschen die tolerante Seite unserer
Religion zu vermitteln. Salafismus und andere extreme Richtungen
sind zum Beispiel in der türkischen Geschichte nicht zu finden.
Es gab stets ein friedliches Nebeneinander der Religionen.
Was unternehmen Sie vorbeugend?
Aydogdu: In meinen Predigten und anderen Botschaften mache ich
deutlich, dass die Verfassung des Landes zu akzeptieren ist und
dass sich die Gläubigen um ein friedliches Miteinander aller
bemühen sollen. Die Tradition und die Religion kann ausgeübt
werden, aber die Gesetze müssen geachtet werden. Eine wichtige
Aufgabe der Ditib besteht in der Jugendarbeit. Ich sage den
jungen Leuten: Haltet euch von Gewalt fern, seid tüchtig in der
Schule und integriert euch in die Gesellschaft. Wenn wir nicht
da wären, entstünde eine Lücke.
Karaüzüm: In diese Lücke könnten die Radikalen stoßen.
Jugendliche, die sich ausgegrenzt fühlen, können schnell von
solchen Leuten eingelullt werden.
Es gibt auch Salafisten, die nicht gewalttätig sind, sondern
ihre Vorstellungen im Privaten leben. Wo ziehen Sie die Grenze?
Aydogdu: Die Grenze ist dort, wo man beginnt, die Freiheit des
anderen einzuengen.
Sie haben sich als Ditib-Vorsitzender schon oft für religiöse
Toleranz und gegenseitige Achtung ausgesprochen. Wie kann man
gewalttätige Salafisten umstimmen?
Karaüzüm: Bei manchen ist es vielleicht schon zu spät. Umso
wichtiger ist die Präventionsarbeit. Und die macht unser Hodscha
sehr gut. Er ist eine Respektsperson, die von den Gläubigen sehr
ernstgenommen wird.
An diesem Samstag ist ein besonderer Tag. Welche Wünsche
verbinden Sie damit?
Aydogdu: Am Samstag feiern wir die Miradsch (Himmelfahrt) des
Propheten. Ich wünsche allen Muslimen, dass sie ihn ehren und
das ihrige zu einer friedlichen Gesellschaft beitragen.
Das Interview führte Siegfried Rüdenauer.
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