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       „Der Islam ist eine tolerante Religion“
   DIR By: Ben
       Date: June 16, 2012, 7:28 am
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       „Der Islam ist eine tolerante Religion“
       Die muslimische Ditib-Gemeinde stellt sich klar gegen
       salafistische Umtriebe
       "Jeder soll nach seiner Fasson selig werden." Dieser von
       Friedrich II. überlieferte Satz steht wie kaum ein anderer für
       gegenseitige Toleranz. Allerdings kann damit nicht jeder etwas
       anfangen. Radikale Salafisten schon gar nicht.
       Diese Gruppierung steht derzeit im Zentrum der
       Islamismus-Debatte. Am Donnerstag gab es bundesweit Razzien bei
       radikalen Salafisten. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt
       für Religion (Ditib) indes vertritt einen moderaten, auf Respekt
       und Toleranz beruhenden Islam. Im LZ-Gespräch weisen der
       Landshuter Ditib-Vorsitzende Mesut Karaüzüm und Imam Harun
       Aydogdu salafistische Umtriebe energisch zurück.
       Landshuter Zeitung: Gibt es Salafisten in Landshut?
       Mesut Karaüzüm: Ich kenne fast alle unsere Mitglieder
       persönlich, unter ihnen ist kein einziger Salafist. Und mit
       denen, die ich nicht kenne, sind wiederum andere Moscheebesucher
       vertraut. Wenn sich also jemand einschleichen wollte, würde uns
       das sofort auffallen.
       Die Salafisten, eine Minderheit der Muslime, unterstellt
       Angehörigen ihrer eigenen Religion, keine echten Muslime zu
       sein. Und sie akzeptieren keine anderen Religionen. Was sagen
       Sie diesen Leuten?
       Karaüzüm: Der Islam ist die Religion der Toleranz. Diese
       Gruppierungen widersprechen sich also selbst, wenn sie andere
       Religionen nicht tolerieren.
       Harun Aydogdu: Wie in jeder Religion gibt es auch im Islam
       radikale Elemente. Die Salafisten bezeichnen sich als Muslime,
       repräsentieren aber nicht den wahren Islam. Wir von der Ditib
       verurteilen die Handlungen dieser Leute. Aber wie gesagt, sie
       sind eine kleine Minderheit.
       Karaüzüm: Radikale Muslime sind eine große Gefahr, nicht nur für
       die große Mehrheit der friedlichen Muslime und Christen, sondern
       für die ganze Gesellschaft.
       Der Bundesinnenminister hat den salafistischen Verein "Millatu
       Ibrahim" (Abrahams Religion) aus Solingen verboten. Was bringt
       so ein Verbot?
       Karaüzüm: Ein Verbot ist gar nicht schlecht. Es könnte andere
       Gruppen abschrecken. Wichtig ist, dass die Radikalen nicht die
       Oberhand bekommen. Der Staat und Organisationen wie die Ditib
       sind aufgerufen, gegenzusteuern. Wir dürfen nicht zulassen, dass
       sich Salafisten unsere Jugendlichen krallen.
       Was kann man dagegen unternehmen?
       Aydogdu: Wichtig ist es, dass wir den Islam erklären, wie er
       ist. Ich versuche, den Menschen die tolerante Seite unserer
       Religion zu vermitteln. Salafismus und andere extreme Richtungen
       sind zum Beispiel in der türkischen Geschichte nicht zu finden.
       Es gab stets ein friedliches Nebeneinander der Religionen.
       Was unternehmen Sie vorbeugend?
       Aydogdu: In meinen Predigten und anderen Botschaften mache ich
       deutlich, dass die Verfassung des Landes zu akzeptieren ist und
       dass sich die Gläubigen um ein friedliches Miteinander aller
       bemühen sollen. Die Tradition und die Religion kann ausgeübt
       werden, aber die Gesetze müssen geachtet werden. Eine wichtige
       Aufgabe der Ditib besteht in der Jugendarbeit. Ich sage den
       jungen Leuten: Haltet euch von Gewalt fern, seid tüchtig in der
       Schule und integriert euch in die Gesellschaft. Wenn wir nicht
       da wären, entstünde eine Lücke.
       Karaüzüm: In diese Lücke könnten die Radikalen stoßen.
       Jugendliche, die sich ausgegrenzt fühlen, können schnell von
       solchen Leuten eingelullt werden.
       Es gibt auch Salafisten, die nicht gewalttätig sind, sondern
       ihre Vorstellungen im Privaten leben. Wo ziehen Sie die Grenze?
       Aydogdu: Die Grenze ist dort, wo man beginnt, die Freiheit des
       anderen einzuengen.
       Sie haben sich als Ditib-Vorsitzender schon oft für religiöse
       Toleranz und gegenseitige Achtung ausgesprochen. Wie kann man
       gewalttätige Salafisten umstimmen?
       Karaüzüm: Bei manchen ist es vielleicht schon zu spät. Umso
       wichtiger ist die Präventionsarbeit. Und die macht unser Hodscha
       sehr gut. Er ist eine Respektsperson, die von den Gläubigen sehr
       ernstgenommen wird.
       An diesem Samstag ist ein besonderer Tag. Welche Wünsche
       verbinden Sie damit?
       Aydogdu: Am Samstag feiern wir die Miradsch (Himmelfahrt) des
       Propheten. Ich wünsche allen Muslimen, dass sie ihn ehren und
       das ihrige zu einer friedlichen Gesellschaft beitragen.
       Das Interview führte Siegfried Rüdenauer.
  HTML http://www.idowa.de/home/artikel/2012/06/15/der-islam-ist-eine-tolerante-religion.html
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