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#Post#: 305--------------------------------------------------
Salafisten in Augsburg: Eine Gemeinde unter Beobachtung
DIR By: Ben
Date: June 16, 2012, 7:12 am
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Salafisten in Augsburg: Eine Gemeinde unter Beobachtung
Die Salafistenszene in Augsburg gilt als klein und nicht
gewaltbereit. Ihre Moschee steht trotzdem im Visier der
Behörden. Von Erçin Özlü und Stefanie Schoene
Wer den Weg zur Salaheddine Moschee nicht kennt, kann das
Gebäude leicht verfehlen. Die Gebetsräume liegen unauffällig im
Keller eines Mehrfamilienhauses im Domviertel. Einzig ein
kleines Türschild „Islamischer Verein Augsburg“ weist auf die
Gemeinde hin, die seit gestern in den Fokus der Öffentlichkeit
gerückt ist. Im Rahmen einer bundesweiten Razzia gegen
salafistische Netzwerke ist auch die Wohnung des Zweiten
Vereinsvorsitzenden durchsucht worden. Der 33-jährigen Mann soll
den Behörden zufolge Kontakte zum Netzwerk „Die wahre Religion“
des radikalen Kölner Predigers Ibrahim Abou-Nagie gepflegt
haben, dem Initiator der Koran-Verteilaktion. Der Augsburger
wurde nicht festgenommen, derzeit werden ihm auch keine
konkreten Straftaten vorgeworfen.
Ist die Augsburger Moschee etwa Brutstätte für gewaltbereite
Hassprediger?
Doch die Durchsuchung bei dem Prediger, der im vergangenen Jahr
viele seiner Vorträge als Video ins Internet gestellt hat, wirft
auch Fragen zur Gemeinde auf: Ist die Augsburger Moschee etwa
Brutstätte für gewaltbereite Hassprediger? Nein, sagt der
bayerische Verfassungsschutz. Die Moschee sei zwar ein Ort, wo
unter anderem „salafistisches Gedankengut verbreitet wird“, doch
nicht alle der dort Betenden seien dieser ultrakonservativen
islamischen Strömung zuzuordnen. Zumal die Behörden derzeit
davon ausgehen, dass der kleine Kreis von Augsburger Salafisten
nicht gewaltbereit ist.
Die Gläubigen der Salaheddine Moschee können die Aufregung, die
um sie herrscht, nicht verstehen. Der Vereinsvorsitzende, der
seinen Namen nicht öffentlich machen möchte, lehnt die
Kategorisierung der Behörden ab: „Wir sind keine Salafisten, wir
sind einfach nur Muslime, die ihren Glauben leben,“ sagt der
36-Jährige. Selbstverständlich werde in ihrem Gebetshaus kein
Hass, sondern ein friedliches Miteinander gepredigt, gerade auch
im Verhältnis zu Nicht-Muslimen. Die Glaubensregeln stellen
seiner Ansicht nach auch keinen Gegensatz zum deutschen Staat
dar: „Wir achten die Gesetze dieses Landes.“
Verein wird als extremistisch eingestuft
Wie kann es dann sein, dass der Zweite Vorsitzende des Vereins
anscheinend schon länger ins Visier der Ermittler geraten ist?
Das könne er auch nicht beantworten, schließlich sei der Mann
schon seit mehreren Monaten nicht mehr in der Moschee
aufgetaucht. Alles, was er getan oder nicht getan habe, sei
seine Privatangelegenheit.
Der bayerische Verfassungsschutz wirft den Salafisten besonders
die offensive Missionierungsarbeit vor. Auch der Islamische
Verein Augsburg hat in der Innenstadt immer wieder Infostände
aufgebaut und für den Islam geworben. Der Vereinsvorsitzende
sieht darin kein Problem. Andere würden das schließlich auch
machen. Da ihre „Aufklärungsarbeit“ aber falsch verstanden
würde, hätten sie seit knapp einem Jahr auch keinen Infostand
mehr angemeldet. Die Behörden sehen das problematischer. Der
Salafismus lehne die weltlichen Gesetze ab, daher sei auch der
Augsburger Trägerverein als „extremistisch“ einzustufen. Nach
Informationen unserer Zeitung läuft deswegen auch die Prüfung
der Gemeinnützigkeit des Vereins. Schon bald könnte ihm dieser
Status und die damit verbundenen steuerlichen Vorteile entzogen
werden.
Mit der Stadt hat der Islamische Verein bisher nicht
zusammengearbeitet
Aber nicht nur mit den Behörden hat die Gemeinde Probleme. Auch
mit anderen Moscheevereinen gibt es Reibungspunkte. Besonders
mit den spirituellen Sufis steht man Konflikt. Sven Abdul Hakim
etwa, deutscher Konvertit und Vorsitzender des kleinen
islamischen „Kaiser-Wilhelm-Vereins“ in Augsburg, begrüßt die
Razzien gegen Salafisten. Er hält sie für gefährlich, da sie
„junge Männer, die auf der Suche nach Identität sind,
indoktrinieren“.
Mit der Stadt hat der Islamische Verein bisher nicht
zusammengearbeitet. Bei zwei Sitzungen des Islamforums war ein
Vertreter dabei. Danach sei trotz Einladung niemand mehr
aufgetaucht, berichtet Matthias Garte, der bei der Stadt
zuständig ist für interkulturelle Arbeit: „Sie scheinen für
Kooperationen nicht sehr offen zu sein.“
HTML http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Salafisten-in-Augsburg-Eine-Gemeinde-unter-Beobachtung-id20592866.html
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