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#Post#: 304--------------------------------------------------
Segelkurs Starrsinn, Zum Tod von Roger Garaudy
DIR By: Ben
Date: June 15, 2012, 9:58 am
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Zum Tod von Roger Garaudy
Segelkurs Starrsinn
15.06.2012
Von Joseph Hanimann
Wo er dazugehörte, provozierte er auch. Der Philosoph und
Kulturwissenschaftler Roger Garaudy war erst Kommunist und
Christ, später aber bekannte er sich zum Islam und leugnete den
Holocaust. Trotzdem zieht sich der Dialog der Kulturen durch
sein Lebenswerk. Nun ist der Franzose im Alter von 98 Jahren
gestorben. Wäre er nicht so alt geworden, so würde ihm wohl mehr
Ehre zuteil.
Hätte er die Gnade eines früheren Todes gehabt, würde dieser
Nachruf eine halbe Zeitungsseite einnehmen. Roger Garaudy hat
sich in seinem fast hundertjährigen Leben vom anregenden Denken
zwischen den Systemen zum systematischen Wahndenken entwickelt.
Seine Leugnung des Holocausts im Buch "Die Gründungsmythen der
Politik Israels" ließ 1996 seinen produktiven Eigensinn in
politischen Starrsinn übergehen.
Dabei brachte der 1913 in Marseille geborene Garaudy alles mit
für einen Intellektuellen, wie das vergangene Jahrhundert sie
liebte. Nach einem brillanten Studienabschluss in Philosophie
schloss er sich der Kommunistischen Partei an, kam unter Vichy
in Gefangenschaft, beteiligte sich in der Résistance, wurde nach
dem Krieg Parlamentsabgeordneter.
Als Führungsmitglied seiner Partei suchte er in seinen Büchern
über Marxismus und Katholizismus Doktringrenzen zu
überschreiten. Unter dem Eindruck des Mai '68 und des
sowjetischen Einmarsches in Prag kam er in offenen Konflikt mit
den Kommunisten und wurde 1970 ausgeschlossen. Nach kurzer
Annäherung an den katholischen Glauben trat er zum Islam über.
Das Brückenschlagen mehr in der Kontroverse als in der
Verschmelzungseuphorie brachte ihn oft in Konflikt mit den
Kollegen. Man warf ihm bald Sektierertum, bald einen obsessiven
Hang vor, das Unvereinbare vereinen zu wollen. Als junger
Philosophielehrer stritt er sich in Clermont-Ferrand mit dem
dort ebenfalls lehrenden Michel Foucault.
Im Buch "Questions à Jean-Paul Sartre" forderte Roger Garaudy
1960 die Existentialisten heraus. In seinen Publikationen über
Aragon, Picasso und die Geschichte des Tanzes sprach der
Ideologe leider manchmal lauter als der inspirierte Liebhaber.
"Dialog der Kulturen" - so der Titel eines Buchs 1977 - wurde zu
einem Zentralthema seines Wirkens. In der Torre de la Calahorra
in Córdoba richtete Garaudy 1987 seine Stiftung eines "Museums
der drei Kulturen" Europas ein. Gleichzeitig trat er gern als
"Einsamer Segler durchs Jahrhundert" auf - so lautete der Titel
seiner im Jahr 1989 erschienenen Autobiografie.
Sein unbändiger Drang zum messianischen Denken, der Garaudy bei
vielen Kollegen philosophisch diskreditierte, beförderte ihn
1996 vollends ins Abseits. Nach Büchern über den christlichen
und den islamischen Radikalismus verrannte er sich in "Les
mythes fondateurs de la politique israelienne" in die
Behauptung, der Holocaust sei historisch nicht nachweisbar und
eine Erfindung zum Zweck der Expansion des Staates Israel.
Nachdem er 1998 wegen Negationismus und Aufwiegelung zum
Rassenhass verurteilt wurde, ist es 1998 um ihn stiller
geworden. In seinem Haus in der Pariser Vorstadt Chennevières
ist Roger Garaudy nun gestorben.
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