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#Post#: 299--------------------------------------------------
"Allah macht die Gesetze"
DIR By: Ben
Date: June 15, 2012, 4:56 am
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14.6.2012
Zu viel Scharia bedroht die Demokratie
"Allah macht die Gesetze"
Die Reaktion war deutlich. Mit der Großrazzia in sieben
Bundesländern und dem Verbot der Salafisten-Gruppe "Millatu
Ibrahim" ("Gemeinschaft Abrahams") hat der Staat mitten ins
Schwarze der Islamistenszene in Deutschland getroffen. Offenbar
plant Bundesinnenminister Friedrich, deren Strukturen
vollständig zu zerschlagen.
Einen Vorgeschmack auf das salafistische Verständnis von
politischer Auseinandersetzung gaben die gewalttätigen Proteste
gegen die rechtspopulistische Gruppierung "Pro NRW" Anfang Mai,
bei denen mehrere Polizisten verletzt wurden. Danach erklärten
Salafisten wie der selbsternannte "Emir" und Gründer der
"Millatu Ibrahim", Mohammed Mahmoud, Deutschland zum
"Dschihad-Gebiet".
Die dahinter stehende Ideologie hat Bundesinnenminister
Hans-Peter Friedrich (CSU) noch einmal klar benannt: "Salafisten
verfolgen das Ziel, den demokratischen Rechtsstaat zugunsten
einer Ordnung, die nach ihren Maßstäben ,gottgewollt" ist, zu
überwinden. Sie sehen in der Scharia das einzig legitime
Gesetz." Womit er zwar recht hat. Doch wünschenswert wäre jetzt
ein neuer Anlauf in der Debatte um das Verhältnis der
grundverschiedenen islamischen Milieus zu Demokratie, Scharia
und freiheitlichen Bürgerrechten. Schon deshalb, weil die
aufsehenerregende Offensive gegen den hiesigen Salafismus wieder
jene auf den Plan rufen wird, die à la "Pro NRW" das zu
schlichte Diktum vertreten: "Islam und Rechtsstaat sind eben
unvereinbar". Die also dem Anspruch der Salafisten auf den Leim
gehen, die "wahren Muslime" zu sein.
Millionen Muslime haben sich friedlich ins demokratische Europa
integriert
Inzwischen haben sich Millionen Muslime nicht nur friedlich ins
demokratische Europa integriert, sondern schätzen auch die damit
verbundenen Freiheiten. Und Zigmillionen Muslime sind im
vergangenen Jahr aufgestanden, um die Kernelemente dieser
Freiheit in ihren Ländern einzufordern: Rechtsstaatlichkeit,
freie Wahlen, Menschenrechte. Ihre religiöse Identität sehen sie
dadurch offenbar nicht gefährdet. Indes zeigt die Entwicklung,
dass der Ruf nach einer islamische Legitimierung der neuen
Ordnung von Tunesien bis Ägypten, demnächst vielleicht auch in
Syrien, eine wesentliche Rolle spielt. Doch lassen sich moderne
Demokratien mit Koran und Sunna begründen?
Das ist allein eine Frage ihrer Interpretation, die den
Salafisten als Teufelswerk gilt. Tatsächlich schreiben die
islamischen Quellen keine bestimmte Staatsordnung vor. Der
religiöse Führerstaat, das Kalifat, kann daraus ebenso
abgeleitet werden wie ein Mehrparteiensystem mit
Volkssouveränität. Entscheidend ist, dass jede islamische
Ordnung auf der Scharia fußen muss. Für gläubige Muslime
garantiert sie als göttliches Gesetz Gerechtigkeit und gute
Regierungsführung. Und bis zu einem gewissen Grad tut sie das
auch.
Doch je rigider man den Corpus aus den Kompendien der
islamischen Rechtsschulen auslegt, desto weniger taugt er für
die Demokratie.
Vor allem mit Blick auf deren wichtigstes Gut: die bürgerlichen
Freiheitsrechte, etwa von Frauen und religiösen Minderheiten.
Der belgische Salafist Abu Imran drückte es offen aus:
"Demokratie ist das Gegenteil von Islam. Allah sagt, was erlaubt
und was verboten ist." Ein demokratischer Muslim, so Imran, sei
so absurd wie anzunehmen, es gäbe christliche Juden. Der Schritt
von dieser Einstellung hin zum bewaffneten Kampf gegen
pluralistische Gesellschaften ist nicht groß.
Demokratiefähigkeit des Islam steht und fällt mit dem Verhältnis
zur Scharia
In vielen islamischen Staaten ist ein eher strenges
Scharia-Verständnis Hauptquelle der Gesetzgebung. Mit den
bekannten Folgen für Bürgerrechte wie die Religionsfreiheit.
Echte Demokratien gibt es in der islamischen Welt dagegen kaum.
Die Demokratiefähigkeit des Islam steht und fällt aber mit dem
Verhältnis zur Scharia. Ansätze, sie auf einige allgemeine
Grundwerte zu reduzieren - Toleranz, soziale Gerechtigkeit,
Verantwortung, Barmherzigkeit -, sind bisher Randerscheinungen
im Gelehrtenestablishment. Sie wären aber nötig, um Auswüchse
wie den weltweiten Salafismus zurückzudrängen. Islamkritiker wie
die Publizistin Necla Kelek wünschen sich dazu auch von den
deutschen Muslimen, dass sie sich stärker als "wehrhafte
Demokraten" positionieren. Die Distanzierung von salafistischer
Gewalt reiche nicht aus.
( Christoph Schmidt / kna )
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