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       #Post#: 298--------------------------------------------------
       Aishe trägt Kopftuch, Ahmed einen Bart
   DIR By: Ben
       Date: June 15, 2012, 4:52 am
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       Aishe trägt Kopftuch, Ahmed einen Bart
       Deutsch-britische Vergleichsstudie über das Bild der Muslime in
       den Medien
       Von Bettina Köster
       Muslime fühlen sich in unseren, aber auch in britischen Medien
       nicht repräsentiert und in ihrem Glauben meist stereotyp
       dargestellt. Das ist ein Ergebnis einer Studie zur
       Medienwahrnehmung, die von der Universität Bielefeld und der
       Keele University durchgeführt wurde.
       Aische trägt selbstverständlich ein Kopftuch, macht natürlich
       alles, was ihr Mann ihr nahe legt und geht allein kaum vor die
       Tür. Und der bärtige Ahmed läuft regelmäßig in die Moschee und
       wirkt eher wie eine zwielichtige Gestalt. Wird über Muslime
       geschrieben, so gibt es in den Medien immer wieder eine Flut von
       Klischees, die oft auch die eigenen Vorurteile neu bedienen.
       Kein Wunder also, dass die Befragten in der Untersuchung erst
       einmal skeptisch reagierten, als sie von den Wissenschaftlern an
       Universitäten und Moscheen angesprochen wurden.
       "Es gab zu Anfang mitunter auch immer Vorbehalte, da wurde
       gesagt, das ist doch dann bestimmt wieder eine Studie, wo wir
       dann komplett als Muslime dargestellt werden und wir sind doch
       viel mehr, wir haben multiple Identitäten, das war so ein Zitat,
       das relativ zu Anfang kam, wo wir gefragt haben, können wir euch
       interviewen. "
       An der englischen Keele University und dem Institut für
       interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität
       Bielefeld schauten sich die Wissenschaftler dann die Ergebnisse
       ihrer Befragungen an: Fast 90 Prozent der befragten Muslime
       fühlen sich in den etablierten Medien in Deutschland und
       Großbritannien nicht richtig repräsentiert. Sie haben den
       Eindruck, dass Muslime stereotyp dargestellt werden und das Bild
       vom Islam sehr respektlos ist. Rund 60 Prozent fühlen sich sogar
       durch die Berichte über Islamfeindlichkeit bedroht. Es gab
       jedoch auch Unterschiede zwischen Deutschland und
       Großbritannien. Der Bielefelder Sozialwissenschaftler Prof.
       Andreas Zick.
       "Also der Unterschied ist ziemlich evident, das sieht man auch
       in unserer Befragung der Konsumenten. In Deutschland gibt es
       eine sehr starke Hoffnung von Muslimen, dass die Medien ein
       positiveres Verhältnis zwischen Mehrheitsgesellschaft und
       Muslimen tun können. In England ist das Existieren von
       parallelen Medienwelten, die man so miteinander ergänzt sehr
       viel selbstverständlicher. Die Frage, ob Muslime oder der Islam
       Teil der Gesellschaft sind, ist in England etwas, was die Leute
       erst mal verwundert, dass man so eine Frage stellt, weil man
       versteht, sich einfach als multikulturelles Land, es gibt eine
       höhere Selbstverständlichkeit und Journalistinnen in Deutschland
       kämpfen doch mehr mit diesen multiplen Identitäten."
       Historisch gesehen wurden Muslime in Deutschland nicht gleich
       als unsere potenziellen Feinde gesehen, so der
       Sozialwissenschaftler Andreas Zick. Erst nach den
       terroristischen Attentaten, angefangen am 11. September 2001
       seien aus Türken Muslime geworden, die dann schnell in
       terroristische Schubladen gesteckt wurden. Viele Journalisten
       sind sich dieser Stereotypisierung in ihrer Berichterstattung
       durchaus bewusst. Ihnen sei natürlich auch klar, dass man mit
       klischeehaften Geschichten in den Boulevardmedien schneller
       Leser oder Zuschauer fesseln kann. Es gibt aber auch
       Journalisten, die sich ernsthaft Gedanken machen und
       Veränderungswillen in den Befragungen zeigten.
       "So wie wir es beobachtet haben, waren die Journalisten hin und
       hergerissen. Auf der einen Seite der journalistische Anspruch
       Missstände in der Gesellschaft aufzudecken, wenn diese
       Missstände mit islamisch sein zu tun haben, dann sollte man auch
       darüber berichten, das war eine Auffassung. Auf der anderen
       Seite war aber auch die große Kritik, man kann nicht alles mit
       Muslim-Sein, mit Islam verknüpfen. Und da war schon der Wille
       da, dann differenziert zu gucken, ist es ein Thema, weil jemand
       Muslim war, oder hat er auch anderen Erwägungen
       herausgehandelt."
       In vielen etablierten Mainstream-Medien, wie Spiegel, Bild oder
       überregionale Tageszeitungen arbeiten zwar auch einige
       muslimische Journalisten, aber sie fühlen sich in den
       Redaktionskonferenzen oft auf verlorenem Posten. Der
       Sozialwissenschafter Jörg Heeren.
       "Es ist schwer als Moslem dann auch mal das Wort zu ergreifen
       und gehört zu werden. Man wird auch leicht mal in die Nische
       gesteckt und man wird oft auch mehr oder weniger genötigt über
       Muslime und Islam zu berichten und hat dann weniger die Freiheit
       auch mal über andere Themen zu berichten."
       Obwohl sich viele Muslime in den etablierten Medien nicht
       wirklich wiederfinden und eher vorgeführt fühlen, konsumieren
       sie sie weiter. Die meisten vertrauen darauf, dass im Laufe der
       Zeit mehr Zeitungen und Rundfunkprogramme zu einer
       differenzierteren Darstellung kommen werden. Vereinzelt gibt es
       die auch schon, wenn ganz normale Alltagsgeschichten und damit
       verbundene Konflikte aus der
       deutsch-türkisch-christlich-muslimischen Welt erzählt werden.
       Auch andere Studien zur Medienwahrnehmung haben inzwischen
       gezeigt, dass die Alltagswelt und die sozialen Fragen, die damit
       verbunden sind für muslimische Menschen viel wichtiger sind als
       ihr Glauben. Die Bielefelder Wissenschaftler haben zwar in ihrer
       aktuellen Studie keine repräsentativen Daten, dafür haben sie
       die Erfahrung gemacht, dass ihre Befragungen durchaus einige
       Steine ins Rollen bringen. Prof. Zick:
       "Solche Studien, wie wir sie durchführen, die qualitativen Daten
       werden benutzt in den Redaktionen, um zu diskutieren, auch schon
       während der Interviews haben die Journalistinnen Ideen
       entwickelt, was man zukünftig besser tun kann. Wir können wir in
       den Redaktionen mehr Expertise für den Islam hinbekommen. Und
       etwas, was sich entwickelt hat im Verlauf unserer Studie, eine
       Idee, die die Journalistinnen sehr begrüßt haben, wie können wir
       eigentlich kollektiv als Muslime, wenn es um Themen des Islam
       geht, wie können wir kollektiv zusammen Geschichten schreiben."
       Islamische Journalistenverbände arbeiten schon jetzt daran, wie
       sie beispielsweise zu Islamkonferenzen eigene Geschichten mit
       neuen Perspektiven in die Medien bringen können. Jörg Heeren:
       "MIGAZIN.de auch eine Seite, ein Blog, den wir in der Studie mit
       drin haben, die auch darauf achten, dass sie darüber berichten,
       wie sieht denn die andere Seite aus. Dass die da aufgreifen, was
       ist denn da falsch gelaufen in der Berichterstattung und dann
       ein Gegenbild dahinstellen."
       Es gibt inzwischen auch verschiedene andere Internetseiten, auf
       denen sowohl in Deutsch also auch in Türkisch über Ideen
       gemeinsamer Lebenswelten geschrieben wird - jenseits der
       klischeehaften Aische und Ahmed. Die haben auf Dauer sowieso
       keine Überlebenschance meint Prof. Zick, zumindest nicht in
       ernsthaften Berichten.
       " Ich glaube, dass die Dekonstruktion, das Erzählen, dass das
       Vorurteil nicht stimmt, das Beschreiben von Normalität ja
       genauso attraktiv ist. Wir sehen ja "Deutsch für Ausländer", die
       Serie boomt gerade, wir sehen immer wieder, dass Comedy boomt.
       Die Menschen haben genauso ein Interesse und genauso eine
       Neugier, also neben dem Interesse Selbstwert zu gewinnen, indem
       man über andere stereotyp redet und denkt, steht natürlich immer
       eine Neugier und es gibt ja eine jüngere Generation, wo die
       Normalität des Zusammenlebens einfach gesetzt ist und dann
       werden Geschichten interessanter über unterschiedliche
       Sichtweisen über ein und dieselbe Realität. Also Neugier ist
       genauso interessant und macht Spaß."
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