URI:
   DIR Return Create A Forum - Home
       ---------------------------------------------------------
       Station13
  HTML https://station13.createaforum.com
       ---------------------------------------------------------
       *****************************************************
   DIR Return to: Artikel aus der Presse
       *****************************************************
       #Post#: 287--------------------------------------------------
       Syrien: ent- oder weder
   DIR By: Ben
       Date: June 13, 2012, 5:30 am
       ---------------------------------------------------------
       Hannes Stein   12.06.2012   20:56
       Syrien: ent- oder weder
       1. Gründe, nicht in Syrien zu intervenieren:
       - Es handelt sich nicht – wie Libyen – um ein paar Küstenstädte
       mit ein bisschen Wüste hintendran, sondern um einen richtigen,
       ausgewachsenen Nationalstaat mit einer funktionierenden Armee.
       Übrigens auch Massenvernichtungswaffen: chemische Sprengköpfe,
       auf Scud-Raketen montiert. Wahrscheinlich würde ein Bombardement
       aus der Luft nicht ausreichen. Eine Illusion zu glauben, dass
       das mit einem schnellen Rein-Raus ginge. Es würde Opfer unter
       der Zivilbevölkerung geben, also Ressentiments; man müsste das
       Leben von Amerikanern opfern. Am Ende stünde man mit irgendeiner
       Art von Armee in Damaskus und hätte den Salat.
       - Die Folge einer Intervention wäre nicht, dass die Demokratie
       ausbricht, sondern wahrscheinlich ein allgemeines Hauen und
       Stechen. Die Sunniten würden die Alawiten schlachten. Es könnte
       zu einer Christenverfolgung kommen, die alle bisherigen
       Christenverfolgungen im Nahen Osten (die Pogrome gegen die
       Kopten in Ägypten, das Massaker an den Christen des Irak) wie
       einen Spaziergang aussehen lässt. Und wir – lies: Amerika –
       wären natürlich schuld dran. So wie wir schuld waren, als die
       Sunniten und die Schiiten im Irak übereinander herfielen, statt
       miteinander ein halbwegs funktionierendes
       parlamentarisch-föderales System auf die Beine zu stellen.
       - Die syrische Opposition besteht aus Hohlköpfen und
       Muslimbrüdern. Ich weiß das zufällig, weil ich mit diesen Leuten
       mal in einem Zimmer gesessen habe. Die meisten Anwesenden waren
       Linksradikale, dann gab es da noch ein paar islamische
       Fanatiker, die buddhistisch lächelten. Nicht ein Anwesender
       hatte sich Gedanken gemacht, wie man denn nach einem „regime
       change“ eine Wirtschaft aufbauen könnte, die funktioniert. Nicht
       einer wusste etwas von Eigentumsrechten, Rechtsstaatlichkeit,
       Arbeitsethik.
       - Die Hisbollah könnte komplett durchdrehen, wenn sie ihre
       Schutzmacht verliert, und alles auf Israel abfeuern, was sie
       hat. Die iranischen Revolutionswächter könnten ins Land strömen
       und Syrien aufmischen, so wie sie den Irak aufgemischt haben.
       2. Gründe, doch in Syrien zu intervenieren:
       - Es ist unerträglich, mit den Händen in den Hosentaschen
       danebenzustehen, während der junge Assad (ganz der Papi!) unter
       seinen Landsleuten ein Blutbad anrichtet. (Das „bleeding
       heart“-Argument.)
       - Wer das syrische Regime stürzt, ärgert die „Islamische Repblik
       Iran“. Sie verliert dadurch ihren einzigen Verbündeten im Nahen
       Osten. (Das „Fuck you“-Argument.)
       - Sogar wenn dann die Muslimbrüder an die Macht kommen, ärgert
       das die „Islamische Republik“, den die Ikhwan besteht aus
       Sunniten. (Noch ein „Fuck you“-Argument.)
       - Wenn die Hisbollah durchdreht und Israel angreift: bitte sehr!
       Anders als die Fama behauptet, war Israels Krieg von 2006
       nämlich ein durchschlagender Erfolg; nur wurde er leider nicht
       zu Ende geführt. Jetzt könnte sich eine Gelegenheit dazu
       ergeben. (Das „2:0“-Argument.)
       - Irgendwann wird das Regime ja doch gestürzt, und dann kommt es
       erst recht zu einem Bürgerkrieg. Je eher die Assad-Bande ins
       Gras beißt, desto besser.
       3. Und die Summe aus dieser Bilanz? Ich weiß es nicht. Ich weiß
       nur: Es ist ein bisschen billig, der Regierung Obama jetzt
       vorzuwerfen, dass sie zögert. Die Sache ist objektiv schwierig.
       Wie bei einem chirurgischen Eingriff: Soll man schneiden oder
       ist das Risiko zu groß? Und immer gilt ja das medizinische
       Prinzip: „primum non nocere“.
  HTML http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/syrien_ent_oder_weder/
       *****************************************************
       Page 1 of 1