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       Kölner Frieden
   DIR By: Ben
       Date: June 13, 2012, 5:15 am
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       Salafismus
       Kölner Frieden
       
       Der „1. Islamische Friedenskongress“ warf mehr Fragen auf, als
       dass er Antworten bot. Aber es blieb friedlich. Sowohl
       Veranstalter wie auch Polizei nannten die Kundgebung einen
       Erfolg. Doch Bedenken über die Vereinbarkeit zwischen Salafismus
       und Demokratie bestehen weiterhin.
       VONGereon Schloßmacher
       Der Autor hat Politik- und Geschichtswissenschaft an der
       Universität Trier studiert.
       DATUM13. Juni 2012
       Köln. Samstag, 16 Uhr. Eine Stunde nach offiziellem Beginn des
       „1. Islamischen Friedenskongress“ betritt Pierre Vogel die Bühne
       auf dem Barmer Platz: „Wir müssen noch schnell ein Kabel
       wechseln, bevor ich mit der Hasspredigt loslege“. Ein Lachen
       geht durch die Menge. Keine Frage, Vogel ist witzig. Ob es einem
       gefällt was der deutsche Konvertit zu sagen hat oder nicht: Dem
       Kölner Karneval ist ein großes Talent abhanden gekommen. Der
       Mann redet frei, eloquent und vor allem mit viel Witz, beinahe
       Charme. Das ist der große Unterschied zwischen ihm und den
       anderen Rednern auf der Bühne, darunter Ibrahim Abou-Nagie, der
       Erfinder der Koran-Verteilungsaktion.
       Initiierte hatte den „Kongress“ Vogels Organisation „Einladung
       zum Paradies“. Der deutsche Muslim war nach mehrmonatiger
       Schaffenspause aus Ägypten eingeflogen, um die schrecklichen
       Ereignisse in Syrien zu thematisieren. Unterm Strich nahm Syrien
       jedoch nur einen geringen Teil seiner Redezeit ein.
       Zu humanitärer Hilfe wurde allgemein aufgerufen, Assad ein
       „Terrorist“ genannt. Ob als ultima ratio auch ein Militärschlag
       des Westens gegen Syrien in Erwägung gezogen werden sollte? Dazu
       wollte sich Vogel, der als „Friedensaktivist“ angekündigt worden
       war, endgültig nicht äußern, das Thema sei dafür zu komplex.
       Ansonsten zog er sein übliches Programm durch. Über den Respekt,
       den er dem Propheten Jesus und der Bibel gegenüber brächte
       sprach er, wie falsch er von Medien oft zitiert würde, und
       schließlich verurteilte er auch unmissverständlich gewalttätige
       Handlungen im Namen der Religion, Ehrenmorde beispielsweise.
       Kritischen Fragen wich der „Vogel im Schafspelz“, so zitiert die
       WELT einen Polizeibeamten, gekonnt aus. Die Frage einer
       WDR-Reporterin, ob Demokratie und Islam miteinander vereinbar
       seien, geriet unter Vogels Lavieren um den Begriff Demokratie
       herum, schnell in Vergessenheit und blieb so unbeantwortet.
       Für ein wenig Aufregung sorgte Willi Herren. Der Kölner
       Schauspieler ließ es sich nicht nehmen während Vogels Vortrag
       für ein paar Minuten die Bühne zu erklimmen, um dort seine
       Wertschätzung für den Konvertiten zu erklären. „Pierre Vogel ist
       herzensgut. Ich kenne alle seine Videos“. Laut Bildzeitung
       bereute Herren diese Aktion bereits am Montag: es sei ein
       „riesiger Fehler“ gewesen, zitiert das Blatt den Schauspieler.
       Durch die Reihen der Zuhörer schlich ein weiterer, wenn auch
       recht zweifelhafter Prominenter: der ehemalige Linksterrorist
       Bernhard Falk, in den neunziger Jahren Kopf einer
       Nachfolgeorganisation der Roten Armee Fraktion, war während
       seiner Inhaftierung zum Islam konvertiert und machte zuletzt auf
       sich aufmerksam als er zum Dschihad gegen die USA und die
       Bundesrepublik aufrief.
       Wirklich spannend wurde es eigentlich erst gegen Ende der
       Veranstaltung: Der ehemalige Boxer hielt antisemitische Plakate
       aus der Nazizeit in die Luft und solche mit rassistischen und
       gegen Muslime gewandten Bildern und Sprüchen. Darunter eine
       Karikatur mit einer verschleierten und offensichtlich
       schwangeren Frau und der Überschrift „The other islamic bomb.“
       Natürlich gäbe es heute in Deutschland keine Konzentrationslager
       für Muslime, aber die Anfänge seien nicht zu übersehen. So wie
       in den 1930er Jahren in Deutschland gegen Juden gehetzt worden
       sei, würde heute Hetze gegen Muslime betrieben. „Auch der
       Holocaust musste vorbereitet werden“, kommentierte Vogel seinen
       Vergleich.
       Auf Nachfrage von migazin.de, was er mit solchen Vergleichen zu
       erreichen versuche, erklärte Vogel, die Augen junger Muslime in
       Deutschland öffnen, und auf die tägliche Hetzte, durch „PI News“
       und andere Medien, aufmerksam machen zu wollen. Diese Aussage
       passt zu den vielen Videobotschaften des Predigers im Internet.
       Dort warnt er, dass es in Deutschland bald „eskalieren“ werde
       zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, die hier lebenden
       „Gläubigen“ der latenten Gefahr einer neuen, gegen sie
       gerichteten „Reichskristallnacht“ ausgesetzt seien und ihre
       Augen davor nicht verschließen sollten.
       So versöhnlich sich Vogel auch gibt, wer solche Thesen vertritt
       ist ein Spalter. Dem Überwinden von kulturellen Gräben erweisen
       diese Prophezeiungen einen Bärendienst. Nur wenige Meter neben
       der Bühne stand an diesem sonnigen Samstag ein fahrender
       Eisstand. Dank der Kundgebung muss der Verkäufer ein ziemlich
       gutes Geschäft gemacht haben. Als vor einigen Wochen während
       einer muslimischen Kundgebung in Bonn Steine flogen, hätte eine
       Eisbude wohl nur gestört.
       In Köln fügte sie sich problemlos in das Gesamtbild der
       Veranstaltung ein, denn trotz manch kruder These blieb alles
       friedlich: Thomas Held, Pressesprecher der Kölner Polizei,
       bestätigte, dass es weder vor noch während der Kundgebung zu
       irgendwelchen Auseinandersetzungen gekommen sei und lobte das
       Einsatzkonzept der Polizei, die mit Mannschaftswagen und
       Wasserwerfer angerückt war. Eben dieses Einsatzkonzept warf
       jedoch einige Fragen auf: Wurden in Bonn noch alle Teilnehmer
       der Demonstration auf versteckte Waffen kontrolliert und
       abgetastet, konnte in Köln jeder unbehelligt auf den Barmer
       Platz marschieren. Und eben dieser Barmer Platz ist ein
       Schotterfeld. Wurfgeschosse hätten hier gar nicht erst versteckt
       werden müssen. Die Polizei wollte dies nicht kommentieren.
       Anstatt der angekündigten 1500 waren zwar nur rund 300 Muslime
       dem Aufruf nach Köln gefolgt, dennoch zeigten sich auch die
       Veranstalter der Kundgebung zufrieden. Auch sie lobten die
       reibungslose Zusammenarbeit mit der Polizei und betonten, dass
       sie im Vorfeld verstärkt dazu aufgefordert hatten friedlich zu
       bleiben, selbst wenn Vertreter von Pro NRW mit
       Mohammed-Karikaturen provozieren würden. Von Pro NRW sah man
       indes nichts. Die zwanzig Rechtsextremen wurden von der Polizei
       einige hundert Meter weit weg postiert und fielen nicht weiter
       auf. Die schwarz-rot-goldenen Flaggen, die gepaart von „Super
       Deutschland“-Gesängen, rings um den Deutzer Bahnhof immer wieder
       aufblitzen, kamen an diesem Samstag glücklicherweise nur von
       euphorischen Fußballfans. Pierre Vogel wollte das Spiel zum
       deutschen EM-Auftakt übrigens nicht verfolgen. Er interessiere
       sich nur wenig für Sport. Und falls er doch mal ein Spiel sieht?
       „Dann bin ich natürlich für Deutschland, ist doch klar!“
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