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#Post#: 284--------------------------------------------------
Kölner Frieden
DIR By: Ben
Date: June 13, 2012, 5:15 am
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Salafismus
Kölner Frieden
Der „1. Islamische Friedenskongress“ warf mehr Fragen auf, als
dass er Antworten bot. Aber es blieb friedlich. Sowohl
Veranstalter wie auch Polizei nannten die Kundgebung einen
Erfolg. Doch Bedenken über die Vereinbarkeit zwischen Salafismus
und Demokratie bestehen weiterhin.
VONGereon Schloßmacher
Der Autor hat Politik- und Geschichtswissenschaft an der
Universität Trier studiert.
DATUM13. Juni 2012
Köln. Samstag, 16 Uhr. Eine Stunde nach offiziellem Beginn des
„1. Islamischen Friedenskongress“ betritt Pierre Vogel die Bühne
auf dem Barmer Platz: „Wir müssen noch schnell ein Kabel
wechseln, bevor ich mit der Hasspredigt loslege“. Ein Lachen
geht durch die Menge. Keine Frage, Vogel ist witzig. Ob es einem
gefällt was der deutsche Konvertit zu sagen hat oder nicht: Dem
Kölner Karneval ist ein großes Talent abhanden gekommen. Der
Mann redet frei, eloquent und vor allem mit viel Witz, beinahe
Charme. Das ist der große Unterschied zwischen ihm und den
anderen Rednern auf der Bühne, darunter Ibrahim Abou-Nagie, der
Erfinder der Koran-Verteilungsaktion.
Initiierte hatte den „Kongress“ Vogels Organisation „Einladung
zum Paradies“. Der deutsche Muslim war nach mehrmonatiger
Schaffenspause aus Ägypten eingeflogen, um die schrecklichen
Ereignisse in Syrien zu thematisieren. Unterm Strich nahm Syrien
jedoch nur einen geringen Teil seiner Redezeit ein.
Zu humanitärer Hilfe wurde allgemein aufgerufen, Assad ein
„Terrorist“ genannt. Ob als ultima ratio auch ein Militärschlag
des Westens gegen Syrien in Erwägung gezogen werden sollte? Dazu
wollte sich Vogel, der als „Friedensaktivist“ angekündigt worden
war, endgültig nicht äußern, das Thema sei dafür zu komplex.
Ansonsten zog er sein übliches Programm durch. Über den Respekt,
den er dem Propheten Jesus und der Bibel gegenüber brächte
sprach er, wie falsch er von Medien oft zitiert würde, und
schließlich verurteilte er auch unmissverständlich gewalttätige
Handlungen im Namen der Religion, Ehrenmorde beispielsweise.
Kritischen Fragen wich der „Vogel im Schafspelz“, so zitiert die
WELT einen Polizeibeamten, gekonnt aus. Die Frage einer
WDR-Reporterin, ob Demokratie und Islam miteinander vereinbar
seien, geriet unter Vogels Lavieren um den Begriff Demokratie
herum, schnell in Vergessenheit und blieb so unbeantwortet.
Für ein wenig Aufregung sorgte Willi Herren. Der Kölner
Schauspieler ließ es sich nicht nehmen während Vogels Vortrag
für ein paar Minuten die Bühne zu erklimmen, um dort seine
Wertschätzung für den Konvertiten zu erklären. „Pierre Vogel ist
herzensgut. Ich kenne alle seine Videos“. Laut Bildzeitung
bereute Herren diese Aktion bereits am Montag: es sei ein
„riesiger Fehler“ gewesen, zitiert das Blatt den Schauspieler.
Durch die Reihen der Zuhörer schlich ein weiterer, wenn auch
recht zweifelhafter Prominenter: der ehemalige Linksterrorist
Bernhard Falk, in den neunziger Jahren Kopf einer
Nachfolgeorganisation der Roten Armee Fraktion, war während
seiner Inhaftierung zum Islam konvertiert und machte zuletzt auf
sich aufmerksam als er zum Dschihad gegen die USA und die
Bundesrepublik aufrief.
Wirklich spannend wurde es eigentlich erst gegen Ende der
Veranstaltung: Der ehemalige Boxer hielt antisemitische Plakate
aus der Nazizeit in die Luft und solche mit rassistischen und
gegen Muslime gewandten Bildern und Sprüchen. Darunter eine
Karikatur mit einer verschleierten und offensichtlich
schwangeren Frau und der Überschrift „The other islamic bomb.“
Natürlich gäbe es heute in Deutschland keine Konzentrationslager
für Muslime, aber die Anfänge seien nicht zu übersehen. So wie
in den 1930er Jahren in Deutschland gegen Juden gehetzt worden
sei, würde heute Hetze gegen Muslime betrieben. „Auch der
Holocaust musste vorbereitet werden“, kommentierte Vogel seinen
Vergleich.
Auf Nachfrage von migazin.de, was er mit solchen Vergleichen zu
erreichen versuche, erklärte Vogel, die Augen junger Muslime in
Deutschland öffnen, und auf die tägliche Hetzte, durch „PI News“
und andere Medien, aufmerksam machen zu wollen. Diese Aussage
passt zu den vielen Videobotschaften des Predigers im Internet.
Dort warnt er, dass es in Deutschland bald „eskalieren“ werde
zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, die hier lebenden
„Gläubigen“ der latenten Gefahr einer neuen, gegen sie
gerichteten „Reichskristallnacht“ ausgesetzt seien und ihre
Augen davor nicht verschließen sollten.
So versöhnlich sich Vogel auch gibt, wer solche Thesen vertritt
ist ein Spalter. Dem Überwinden von kulturellen Gräben erweisen
diese Prophezeiungen einen Bärendienst. Nur wenige Meter neben
der Bühne stand an diesem sonnigen Samstag ein fahrender
Eisstand. Dank der Kundgebung muss der Verkäufer ein ziemlich
gutes Geschäft gemacht haben. Als vor einigen Wochen während
einer muslimischen Kundgebung in Bonn Steine flogen, hätte eine
Eisbude wohl nur gestört.
In Köln fügte sie sich problemlos in das Gesamtbild der
Veranstaltung ein, denn trotz manch kruder These blieb alles
friedlich: Thomas Held, Pressesprecher der Kölner Polizei,
bestätigte, dass es weder vor noch während der Kundgebung zu
irgendwelchen Auseinandersetzungen gekommen sei und lobte das
Einsatzkonzept der Polizei, die mit Mannschaftswagen und
Wasserwerfer angerückt war. Eben dieses Einsatzkonzept warf
jedoch einige Fragen auf: Wurden in Bonn noch alle Teilnehmer
der Demonstration auf versteckte Waffen kontrolliert und
abgetastet, konnte in Köln jeder unbehelligt auf den Barmer
Platz marschieren. Und eben dieser Barmer Platz ist ein
Schotterfeld. Wurfgeschosse hätten hier gar nicht erst versteckt
werden müssen. Die Polizei wollte dies nicht kommentieren.
Anstatt der angekündigten 1500 waren zwar nur rund 300 Muslime
dem Aufruf nach Köln gefolgt, dennoch zeigten sich auch die
Veranstalter der Kundgebung zufrieden. Auch sie lobten die
reibungslose Zusammenarbeit mit der Polizei und betonten, dass
sie im Vorfeld verstärkt dazu aufgefordert hatten friedlich zu
bleiben, selbst wenn Vertreter von Pro NRW mit
Mohammed-Karikaturen provozieren würden. Von Pro NRW sah man
indes nichts. Die zwanzig Rechtsextremen wurden von der Polizei
einige hundert Meter weit weg postiert und fielen nicht weiter
auf. Die schwarz-rot-goldenen Flaggen, die gepaart von „Super
Deutschland“-Gesängen, rings um den Deutzer Bahnhof immer wieder
aufblitzen, kamen an diesem Samstag glücklicherweise nur von
euphorischen Fußballfans. Pierre Vogel wollte das Spiel zum
deutschen EM-Auftakt übrigens nicht verfolgen. Er interessiere
sich nur wenig für Sport. Und falls er doch mal ein Spiel sieht?
„Dann bin ich natürlich für Deutschland, ist doch klar!“
HTML http://www.migazin.de/2012/06/13/kolner-frieden/
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