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       Pakistan: Extremisten bedrängen Christen und moderate Muslime
   DIR By: Ben
       Date: June 12, 2012, 7:43 am
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       Pakistan: Extremisten bedrängen Christen und moderate Muslime
       Vorsitzender der Pakistanischen Bischofskonferenz, Erzbischof
       Coutts, beklagt in Wien "bedrückende" Stimmung - Christen lebten
       aus Angst vor Gewalt in ständiger Anspannung
       12.06.2012
       Wien (KAP) Islamische Extremisten in Pakistan bringen die
       wenigen dort lebenden Christen, aber auch die Mehrheit der
       moderaten Muslime im Land immer stärker in Bedrängnis. Das
       berichtete der Vorsitzende der Pakistanischen Bischofskonferenz,
       Erzbischof Joseph Coutts, am Dienstag bei einem Pressegespräch
       in Wien. "Die Extremisten sind stark, weil sie nicht zögern,
       Gewalt anzuwenden", schilderte der Erzbischof von Karachi. Ziele
       seien Andersgläubige genauso wie Regierungsvertreter oder
       Muslime, die eine extreme Auslegung des Koran nicht teilten. Die
       Regierung sei kaum in der Lage, gegen die Extremisten
       vorzugehen.
       
       Etwa zwei Prozent der rund 180 Millionen Einwohner von Pakistan
       sind Christen. Sie verfügten über ein Grundmaß an Freiheit; ihre
       Lage habe sich aber in den vergangenen beiden Jahrzehnten
       deutlich verschlechtert, beklagte Coutts eine wachsende
       Intoleranz gegenüber Christen. Insgesamt herrsche durch die
       Angst vor Gewalttaten und Anschlägen islamischer Extremisten
       eine "bedrückende" Stimmung.
       
       Nicht-Muslime lebten auch wegen des Missbrauchs der sogenannten
       "Blasphemie-Gesetze", die bei Beleidigung des Propheten Mohammed
       die Todesstrafe vorsehen, in ständiger Anspannung. Extremisten
       setzten bei diesen Prozessen auch Richter unter Druck,
       berichtete Coutts: "Sie setzen sich in den Gerichtssaal und
       starren den Richter so lange bedrohlich an, damit dieser ein für
       sie passendes Urteil fällt." Bisher sei zwar niemand wegen des
       Blasphemie-Paragraphen vom Staat hingerichtet worden, rund 30
       Beschuldigte seien aber auf der Straße oder auf dem Transport
       vom Gefängnis zum Gericht von "Unbekannten" ermordet worden,
       erinnerte der Erzbischof. Anderen Kritikern der Gesetze werde
       auf diese Weise Angst gemacht, um sie zum Schweigen zu bringen.
       
       Negative Auswirkungen für das Verhältnis zwischen Christen und
       Muslime in Pakistan habe auch die für weite Teile der
       Bevölkerung selbstverständliche Gleichsetzung zwischen dem
       Westen und dem Christentum, betonte Erzbischof Coutts.
       Vorstellungen, wonach "die Christen" den Irak oder Afghanistan
       angegriffen hätten oder sie "gemeinsam mit den Zionisten" die
       Palästinenser unterdrücken würden, führten zu einem großen Zorn
       unter vielen Muslimen. "Sie schauen dann auf uns nicht als
       pakistanische Christen, sondern verbinden uns mit der westlichen
       Christenheit", erklärte Coutts. Pakistanische Christen müssten
       in der Folge für alle negativen Nachrichten aus westlichen Welt,
       die Konsequenzen tragen. Als Beispiele nannte der Erzbischof den
       Karikaturenstreit genauso wie Koranverbrennungen eines
       US-Pastors.
       
       Die Extremisten machten nur eine Minderheit in der Bevölkerung
       aus, betonte der Erzbischof. Weil jeder zweite Pakistani
       Analphabet ist, hätten Imame aber einen großen Einfluss auf die
       Menschen. Coutts schilderte weiters einen Trend zum Studium in
       Saudi Arabien, von wo die jungen Leute mit "wahabitischen
       Vorstellungen" des Islam zurückkämen. Dennoch sei das Problem
       nicht der "Mann auf der Straße", so der Vorsitzende der
       pakistanischen Bischöfe. "Das Problem sind die starken
       extremistischen Gruppen. Sie gehorchen keiner Logik. Ihre Logik
       ist der Fanatismus. Sie sind bereit, im Namen der Religion zu
       töten und zu sterben."
       
       Noch bis Samstag in Österreich
       
       Erzbischof Coutts hält sich noch bis Samstag im Rahmen einer
       einwöchigen Vortragsreise auf Einladung der Hilfsorganisation
       "Kirche in Not" in Österreich auf. Nach Stationen in Wien und
       Graz, wo der Erzbischof auch mit Kardinal Christoph Schönborn
       und Bischof Egon Kapellari zusammengetroffen ist, steht am
       Mittwoch ein Vortrag im Salzburger Bildungshaus St. Virgil auf
       dem Programm. Am Donnerstag spricht Coutts im Linzer
       Priesterseminar. Die Vorträge beginnen jeweils um 19 Uhr.
       
       Zum Abschluss seines Besuchs feiert der Erzbischof am kommenden
       Freitag um 18.30 Uhr einen Gottesdienst in der
       Kalasantinerkirche in Wien. Anschließend hält er wieder einen
       Vortrag.
  HTML http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/47473.html
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