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#Post#: 268--------------------------------------------------
Pflichtlektüre für Abgeordnete, Staatsanwälte, Richter und
Polizisten
DIR By: Ben
Date: June 11, 2012, 9:22 am
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Pflichtlektüre für Abgeordnete, Staatsanwälte, Richter und
Polizisten
Ehssan Khazaeli 7. September 2011 2
Rezension Joachim Wagner: Richter ohne Gesetz
Gerade wurde Hassen zusammengeschlagen. Weshalb er jetzt im
Krankenhaus Neukölln liegt, ist eigentlich egal, nur, dass an
seinem Krankenbett jetzt jemand steht, den er vorher nie gesehen
hat. Der ältere Herr mit den grauen Haaren ist einer von 20
Berliner muslimischen Friedensrichtern. Die Familie des Täters
hat ihn geschickt, um eine Versöhnung auszuhandeln. Das Angebot:
Gegen Zahlung von mehreren Tausend Euro soll Hassen von einer
Anzeige bei der Polizei absehen, um „Schlimmeres zu verhindern“,
wie es heißt.
Zu spät. Das Landeskriminalamt hat, wie in solchen Fällen
üblich, zwei Ermittler ins Krankenhaus geschickt und Hassan
bereits vernehmen lassen. Außerdem wird wegen gefährlicher
Körperverletzung ermittelt, ein Vergehen bei dem der Strafantrag
nicht zurückgenommen werden kann, weil die Staatsanwaltschaft
ermitteln muss. Dennoch wird in den nächsten Tagen ein
„Friedensvertrag“ geschlossen. Hassan wird mehrere Tausend Euro
„Schmerzensgeld“ erhalten; seine Aussage am Krankenbett wird er
einige Monate später vor Gericht relativieren, widerrufen, oder
gar zu all dem schweigen. Das Verfahren wird am Ende eingestellt
werden.
Über Monate wird dafür ein Friedensrichter mit den Familien des
Opfer und des Täters verhandeln. Man wird den deutschen
Gerichten Schriftsätze zukommen lassen, in denen der
Schlichterspruch dargelegt wird, der im gegenseitigen
Einvernehmen zustande gekommen sei. Anwälte werden damit
beauftragt, auf die Zeugen einzuwirken – bloß um nichts sagen.
Die Arbeit eines Friedensschlichters ist damit getan.
Joachim Wagner taucht in seinem Buch Richter ohne Gesetz tief in
ein paralleles Rechtswesen ein, das sich in Deutschlands
Großstädten längst verfestigt hat. Die Tradition des
Streitschlichters hat sich aus den Zeiten des Propheten Mohammed
– wie in einer Dose – im Koran und damit im Islam konserviert.
Es ist eine Tradition aus Zeiten in denen es noch keine Polizei,
keine Staatsanwaltschaften und keine Gerichte gab. Es ist eine
Tradition aus Zeiten, in denen es kein Bestrafungsmonopol des
Staates gab, weil letztere noch gar nicht existierten.
Joachim Wagner ist promovierter Volljurist. Sein Werk zeugt
daher von Professionalität: Mit 240 Fußnoten belegt er seine
Einschätzungen. Er bedient sich unter anderem an den Werken
Thilo Sarrazins und Kirsten Heisigs. Aus parlamentarischen
Dokumentationen, Ausschussberichten und Reden versucht er in
Grundzügen die Strukturen und den Rahmen arabischer und
türkischer Großfamilien darzulegen. Langweilig werden diese
vielen Zahlen und Fakten nie. Sie gliedern sich in ein
Gesamtbild ein.
Seine kalten Analysen, die ungeschminkten Darlegungen, reihen
sich immer wieder an spannende Reportagen aus einer dunklen
Gangsterwelt unserer Großstädte. Die Ähnlichkeiten dieser
Parallelgesellschaften zur italienischen Cosa Nostra oder der
japanischen Mafia sind verblüffend: Sie zeugen von Ehre,
Tradition und dem Verschwiegenheitskodex der Mafia, der Omertà.
Er berichtet von arabischen Großfamilien, die vollständig von
Transferleistungen abhängig sind, mit dem Siebener-BMW bei der
Polizei vorfahren und sich von den renommiertesten
Strafverteidigern vertreten lassen.
Wagner zeigt aber auch die Grundzüge der deutschen
Strafprozessordnung auf, eines Systems, das es muslimischen
Friedensrichter nutzen, um gemeinsam mit Anwälten und teilweise
auch mit Staatsanwälten und Richtern ungestört agieren zu
können. Für den Leser sind juristische Kenntnisse dabei nicht
notwendig, denn Wagner beschreibt und erläutert anschaulich alle
Begriffe und Verfahrensformen der Strafgerichte.
Der Volljurist Wagner lässt sich nur in den letzten Kapiteln
erkennen: Hier holt er aus; um Richtern, Staatsanwälten und
Polizisten die Wege zu zeigen, wie sie den Knoten der
muslimischen Paralleljustiz durchschlagen können: Er hangelt
sich durch Kommentierungen zur Strafprozessordnung, durch
Urteile des Bundesgerichtshofs und fordert, den einen oder
anderen Fall zur Klärung ruhig bis zum Bundesgerichtshof durch
zu klagen. Er empfiehlt, bei vorliegendem Anfangsverdacht gegen
Friedensrichter Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung
einzuleiten. Weil Zeugen im Verfahren einfach nur noch
schweigen, rät Wagner, öfter von der Beugehaft Gebrauch zu
machen oder aber – wenn sich erhebliche Widersprüche zwischen
den Aussagen belegen lassen – Ermittlungsverfahren wegen
falscher, uneidlicher Aussage oder falscher Verdächtigung
einleiten zu lassen. Außerdem empfiehlt er, Zeugen öfter zu
vereidigen.
Joachim Wagner: Richter ohne Gesetz. Islamische Paralleljustiz
gefährdet unseren Rechtsstaat. Berlin: 2011, 18 Euro.
HTML http://www.citizentimes.eu/2011/09/07/pflichtlekture-fur-abgeordnete-staatsanwalte-richter-und-polizisten/
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