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#Post#: 266--------------------------------------------------
Buschkowsky: Islamische Paralleljustiz ist etabliert
DIR By: Ben
Date: June 11, 2012, 9:16 am
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Buschkowsky: Islamische Paralleljustiz ist etabliert
In Deutschland hat sich ein System islamischer Paralleljustiz
etabliert. Darin waren sich Experten in Berlin am Mittwochabend
einig. Der Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD)
berichtete bei einer Diskussionsrunde der
"Friedrich-Ebert-Stiftung" von seinen Erfahrungen mit
sogenannten Friedensrichtern.
Heinz Buschkowsky sieht mitten in Deutschland das "Erstarken
einer Paralleljustiz" durch islamische Friedensrichter. "Es gibt
dieses System", ist er überzeugt. Am Mittwoch berichtete er im
Neuköllner Theater "Heimathafen" von einer Schießerei in seinem
Stadtteil. Während der Verhandlung seien alle Beteiligten
plötzlich "in Amnesie verfallen". Das Verfahren endete mit einem
Freispruch. Der Grund: Die Parteien hätten sich schon lange,
bevor die deutsche Justiz eingriff, geeinigt.
Islamische Friedensrichter, wie diese Mediatoren auch genannt
werden, arbeiten teils offen, teils verdeckt, mitten in Berlin.
Sie handeln einen meist finanziellen Ausgleich zwischen den
Konfliktfamilien aus, bevor eine Tat überhaupt vor Gericht
verhandelt wird. Der Journalist Joachim Wagner hat dem Phänomen
der islamischen Friedensrichter ein ganzes Buch gewidmet.
"Richter ohne Gesetz" ist 2011 erschienen. Wagners Recherchen
haben eine deutschlandweite Debatte über islamische
Paralleljustiz ausgelöst.
"Laienjustiz in Tradition der Scharia"
Vor Jahren habe man ihn noch ausgelacht, als er das erste mal
über Friedensrichter gesprochen habe, erinnert sich etwa
Buschkowsky. Heute beobachtet er auch den "Versuch, Psychoterror
zu verbreiten". Täter oder Opfer würden durch deren Großfamilien
unter Druck gesetzt, so dass sie letztendlich vor Gericht
schwiegen und ebenfalls kein Verfahren möglich sei.
Es handle sich bei den Schlichtungen um ein uraltes "System des
Brauchtums und der Religion", sagte Wagner am Mittwochabend.
Muslimische Migranten hätten es importiert. Streitschlichter
würden teilweise sogar aus der Türkei oder Schweden eingeflogen.
Im Konfliktfall loteten sie aus, welche Kompromisse es geben
könne. Meist folge eine Geldzahlung der einen Familie an die
andere – eine "Laienjustiz" in Tradition der Scharia nennt
Wagner das. Ziel der Friedensrichter sei es, die Polizei und die
Gerichte völlig aus den Fällen herauszuhalten und Blutrache zu
vermeiden. Um dem Phänomen entgegenzuwirken, forderte Wagner
mehr politische Aufmerksamkeit, einen effektiver arbeitenden
Justizapparat und einen öffentlichen Dialog über die Haltung der
Muslime zur Rechtsordnung.
Neben Buschkowsky und Wagner waren allerhand Experten in den
"Heimathafen" gekommen, um über "Richter ohne Gesetz" zu
diskutieren. Ahmed Mery von der "Familien-Union" zum Beispiel.
Die Union ist ein Zusammenschluss kurdisch-libanesischer
Familien. Ihm seien nur "kleine Streitschlichtungen" bekannt,
sagte er. Aus seinem Verbund wolle niemand die Justiz behindern.
Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra berichtete aus der juristischen
Praxis. Schon oft habe er erlebt, dass "Beweismittel massiv
beeinflusst werden". Doch er gab auch zu, dass die "Mühlen der
Justiz" teilweise "zu langsam" mahlten, um die Friedensrichter
an ihrer Arbeit zu hindern. Im Vorfeld eines Prozesses bliebe
genug Zeit, die Beteiligten zu manipulieren.
"Die laufen hier mit Visitenkarten herum!"
Nader Khalil vom "Deutsch-Arabischen Zentrum für Bildung und
Integration" warf der Justiz genau das vor: Die Glaubwürdigkeit
des Systems sei gerade in arabischen Kreisen gefährdet, wenn
Verfahren teilweise erst nach Jahren eröffnet würden.
Friedensrichter, da ist auch er sich sicher, arbeiteten in
Neukölln völlig offen: "Die laufen hier mit Visitenkarten
herum!" Der Rechtsanwalt Erol Özkaraca sitzt für die SPD im
Neuköllner Abgeordnetenhaus. Er berichtete davon, wie
Großfamilien Anwälte unter Druck setzten, indem Dutzende
Familienangehörige dessen Büro zugleich aufsuchten. "Die stehen
bis in den Flur", sagte er. Özkaraca verwehrte sich gegen den
Vorwurf des Rassismus: "Die Täter sind zwar alle Migranten, aber
auch die Opfer sind alle Migranten." Sie gelte es zu schützen.
Zum Schluss appellierte Wagner noch einmal an die Politik: Von
keiner Partei werde sein Buch so totgeschwiegen wie von der SPD.
Immer wieder werde ihm Panikmache vorgeworfen. Ein Zuhörer mit
Migrationshintergrund untermauerte den Ernst der Lage. Schon mit
12 Jahren habe er zum ersten Mal von Friedensrichtern gehört.
"Erschreckend" sei es, dass Deutschland erst durch ein Buch
darauf aufmerksam werde.
HTML http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft.html?&news[action]=detail&news[id]=5491
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