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       Die neue Rechte im Südwesten: Guten Übermorgen!
   DIR By: Ben
       Date: June 11, 2012, 5:28 am
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       Die neue Rechte im Südwesten: Guten Übermorgen!
       11. Juni 2012 11:03 195 mal gelesen Kein Kommentar
       In der Nacht auf Samstag hat die Splitterpartei „Die Freiheit“
       eine vierseitige Zeitung in Mannheim verteilt. Das Blatt setzt
       sich nach eigenen Angaben satirisch mit aktuellen politischen
       Themen auseinander. Es verdeutlicht die rassistischen Ansichten
       der Autoren aus der BPE- und PI-Szene. Der „Mannheimer
       Übermorgen“ hetzt gezielt gegen Menschen muslimischen Glaubens
       und gegen die Lokalzeitung „Mannheimer Morgen“.
       Von Roland Sieber
       Die namentliche Anspielung auf die bedeutendste Tageszeitung der
       nordbadischen Stadt rührt von dessen Berichterstattung über
       Veranstaltungen der selbsternannten „Bürgerbewegung Pax Europa
       (BPE)“ und der „PI-Gruppe Rhein-Neckar“ her. Der Mannheimer
       Morgen ist den Rechtspopulisten schon länger ein Dorn im Auge.
       Pöbeleien gegen unliebsame Journalisten sind auf entsprechenden
       Internetseiten alltäglich, so wurde etwa ein Mitglied der
       Mannheimer Lokalredaktion als „Lohnschreiber“ beschimpft und ein
       Journalist der Ludwigshafener Rheinpfalz mit beleidigenden
       Lesermails überhäuft.
       Laut der Freiheit wurden bei der nächtlichen Aktion 50.000
       Exemplare des „Mannheimer Übermorgen“ in ausgewählten
       Stadtteilen in Briefkästen geworfen. Diese Anzahl erscheint
       stark übertrieben, da in den einschlägigen Internetblogs bisher
       keine Erlebnis- oder Reiseberichte dieser Nacht auftauchten, was
       eher auf eine regionale Aktion mit begrenztem Personal
       hindeutet.
       In dem Hetzblatt der Kleinstpartei wird in zehn kurzen Artikeln
       aus der Sicht eines „islamisierten“ Mannheims im Jahr 2032 über
       die Themen Islam und EU-Politik berichtet, sei es über die
       angebliche Zurückdrängung christlich-abendländischer Kultur oder
       das der Papst den Vatikan verlassen muss, die Mona Lisa
       verschleiert oder die deutsche Minderheit in die  türkische
       Gesellschaft Mannheims integriert werden soll. All dies steht
       für die Wahrnehmung, dass die „westliche Kultur“ der
       ungehinderten „Islamisierung“ zum Opfer falle. Ob Zensur oder
       Gewalt gegen Frauen, der “Mannheimer Übermorgen” bedient sich
       rassistischer Klischees um eine Stimmung der Bedrohung der
       westlichen Kultur durch den Islam zu kreieren.
       Verantwortlich für Umsetzung und Inhalt der Zeitung ist der
       Landesverband Baden-Württemberg. Die Kleinstpartei bezeichnet
       sich selbst als „Bürgerrechtspartei für mehr Freiheit und
       Demokratie“. Sie ist bisher noch bei keiner Wahl in
       Baden-Württemberg angetreten. In Mannheim machte sie jedoch
       durch verschiedene Aktionen bereits auf sich aufmerksam, zum
       Beispiel bei einer „Unterstützungs“-Kundgebung für Thilo
       Sarrazin vor dem Rosengarten am 30. Juni 2011.
       Kulturalisierter Rassismus
       Die Partei bedient sich populistischer Mittel um ihre
       menschenfeindliche Ideologien, wie Rassismus – insbesondere
       anti-islamischen Rassismus – zu transportieren. Der „Mannheimer
       Übermorgen“ ist die bisher größte öffentlichkeitswirksame Aktion
       in der Region Nordbaden.
       Dabei bewegt sich die Partei ideologisch im Rahmen der so
       genannten „Neuen Rechten“. Vertreter dieser Ideologie stehen für
       einen Rassismus im neuen Gewand. In Abgrenzung zum Rassismus der
       traditionellen Rechten wird keine Hierarchie verschiedener
       „Rassen“ oder Völker propagiert, sondern ein „Recht auf
       Differenz“ verschiedener Kulturen (nach dem französischen
       Vordenker der Neuen Rechten Alain de Benoist) eingefordert. Eine
       Kultur ist dabei eine klar abzugrenzende, homogene Einheit. Nach
       diesem Prinzip müssen die Werte der eigenen Kultur gegenüber der
       wahrgenommenen drohenden Überfremdung durch eine andere Kultur
       geschützt werden.Diese Überfremdung droht nach Meinung der
       Rechtspopulisten vor allem durch „den Islam“, der durch die
       Politik des Multikulturalismus ungehindert Einzug in westliche
       Gesellschaften erhalten würde. In der Logik der Neuen Rechten
       wird somit einerseits „ein Islam“ konstruiert, jegliche
       Differenzen also verleugnet. Ferner wird er als eine politische
       Ideologie und nicht als Religion betrachtet. Andererseits wird
       dieser „Islam“ mit einem Fundamentalismus gleichgesetzt.
       Stereotype Bilder, wie der junge, gewalttätige Mann oder die
       verschleierte Frau, bestimmen dieses Bild „des Islam“.
       Durch Einwanderung von Muslime  würde daher die Mehrheitskultur
       abgewertet. Sie wird zum Opfer der Zuwanderer erklärt.
       Diejenigen, die den Multikulturalismus vertreten, nehmen nach
       dieser Logik die Zerstörung der nationalen und kulturellen
       Identität der Mehrheitsgesellschaft bewusst in Kauf und sind
       hierfür verantwortlich zu machen. Wozu eine solche Ideologie
       führt, hat der Terroranschlag Breiviks gegen sozialdemokratische
       Jugendliche in Norwegen gezeigt. Der kulturelle Rassismus der
       neuen Rechten war die ideologische Grundlage seiner Taten.
       Aber auch deutschen Rechtspopulisten ist die Vorstellung, mit
       denen abrechnen zu wollen, die „das deutsche Volk unterdrücken“,
       nicht fremd. Schlägertrupps gegen Einwanderer nach dem Vorbild
       der „English Defence League (EDL)“ bis hin zu
       Bürgerkriegsszenarien und Waffenfetisch bestimmen die
       Diskussionen rechtspopulistischer Blogs und Internetforen.
       Gegen Presse- und Meinungsfreiheit
       So beteiligten sich beispielsweise der Islamhassblog PI-News und
       die neurechte Wochenzeitung Junge Freiheit im letzten Sommer an
       einer Diffamierungskampagne gegen den Münchner Journalisten
       Robert Andreasch, im Herbst gegen Jörg Schindler und Steven
       Geyer, dieses Jahr gegen den Sprecher des Berliner Bündnisses
       „Rechtspopulismus stoppen“, zusammen mit dem
       verschwörungstheoretischen „Kopp Verlag“ gegen einen
       Journalisten der Stuttgarter Zeitung und im April gegen die
       Stern-Journalistin Nina Plonka:
       „Dass sie mich mit Hitler vergleichen, amüsiert. Dass sie
       meine Kollegen beleidigen oder verschmähen, geschenkt. Dass sie
       dazu aufrufen, unsere Chefredakteure zu hängen, ist kriminell.“
       (Oliver Schröm am 16.04.2012, Quelle: stern.de/blogs)
       Die Hetze von PI und Bild gegen die die Kolumnistin Mely Kiyak
       hat indes zu einer breiten Solidaritätskampagne geführt. Seit
       Jahren bekommt Politblogger Dietmar Näher eindeutige „Fan-Post“.
       Lieblingsfeind der nordbadischen Islamhassszene ist der
       Mannheimer Stadtrat Gerhard Fontagnier (Bündnis 90/Die Grünen),
       der aktuell vielen Anfeindungen ausgesetzt ist und auf den
       Internetpranger Nürnberg 2.0 gesetzt wurde, auf dem mehr oder
       weniger bekannte Personen aus Politik, Wissenschaft, Medien und
       Gesellschaft öffentlich „angeklagt“ werden.
       Der Heilbronner Blogger Karl-Michael Merkle rief unter seinen
       Künstlernamen „Michael Mannheimer“ nicht nur „zu den Waffen“,
       sondern forderte am 4. Juni auch ein Berufsverbot für „lügende“
       Journalisten, also all jenen die nicht in sein Weltbild passen.
       Organisationen, Strukturen, Webseiten
       Wie bei „Nürnberg 2.0“ gibt es auch beim Blog „PI News“ keine
       offiziell verantwortliche Person. „PI News“ ist der wichtigste
       deutschsprachige Islamhassblog. In der Region
       Heidelberg-Mannheim gibt es die PI-Gruppe Rhein-Neckar, eine Art
       regionale Unterstützergruppe des Blogs. Der Student Emil K.
       meldete für die PI-Gruppe am 8. Oktober 2011 eine Kundgebung
       „Nein zur Islamisierung“ mit Unterstützung der sogenannten
       „Bürgerbewegung Pax Europa (BPE)“ und Mitgliedern der Freiheit
       auf den Paradeplatz in Mannheim an. Die BPE hat mit dem
       Vereinsmitbegründer und Wertheimer Unternehmer Willi Schwend als
       Bundesvorsitzenden und dem Bundesgeschäftsführer Conny Axel aus
       Gemmingen ausgebaute Organisationsstrukturen in Baden.
       Die Freiheit ist formal nicht für PI-News oder Nürnberg 2.0
       verantwortlich, doch inhaltlich ergänzen und unterstützen sich
       die verschiedenen Organisationen und Internetseiten offenkundig,
       da sie letztlich eine ähnliche Anhängerschaft bedienen. Sie alle
       versuchen sich als „Beschützer der freiheitlich demokratischen
       Grundordnung“ in Szene zu setzen und dadurch ihren
       anti-islamischen Kurs zu legitimieren. Die von ihnen
       propagierten rassistischen Stereotype entlarven jedoch ihre
       antidemokratische Ideologie und zeigen, dass es um die
       Menschenrechte bei der „Freiheit“ nicht gut bestellt ist.
       „Die Freiheit“ in Baden-Württemberg
       Obwohl die Angaben zum V.i.S.d.P im „Mannheimer Übermorgen“ auf
       den Bundesparteivorsitzenden und -gründer René Stadtkewitz
       verweisen, liegt die eigentliche Verantwortung der Planung und
       Durchführung offenbar beim Baden-Württembergischen
       Landesvorstand.
       Aktuell versucht die Kleinstpartei auf der Anti-Euro-Welle
       mitzuschwimmen, so mobilisiert der Landesvorstand mit zu der
       „Demonstration für Bürgerrecht und direkte Demokratie – Gegen
       den Euro-Rettungswahnsinn“ nächsten Samstag in Karlsruhe der
       „Zivilen Koalition“.
       Der bürgerliche Rassismus der Neuen Rechten ist ungebrochen
       anschlussfähig und hat das Potential, Wahlerfolge zu erzielen
       und das Zusammenleben der Menschen zu vergiften. Die Erfolge der
       rechtspopulistischen und nationalistischen Organisationen in den
       Niederlanden, Schweden, Dänemark, Österreich oder Ungarn und
       nicht zuletzt die Anschläge von Anders Breivik in Norwegen
       sollten Warnung genug sein.
  HTML http://www.publikative.org/2012/06/11/neue-rechte-in-nordbaden/
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