DIR Return Create A Forum - Home
---------------------------------------------------------
Station13
HTML https://station13.createaforum.com
---------------------------------------------------------
*****************************************************
DIR Return to: Artikel aus der Presse
*****************************************************
#Post#: 262--------------------------------------------------
"Das ist schon eine harte Zumutung"
DIR By: Ben
Date: June 11, 2012, 5:24 am
---------------------------------------------------------
11.6.2012
Katholische Kirche lehnt Kirchenumwandlung in muslimisches
Gotteshaus ab
"Das ist schon eine harte Zumutung"
Zum ersten Mal wurde in Deutschland eine christliche Kirche in
muslimisches Gotteshaus umgewandelt. Für den Hamburger
Weihbischof Jaschke geht das zu weit. Im domradio.de-Interview
erklärt der für den interreligiösen Dialog zuständige Bischof,
warum.
Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (© kna )
domradio.de: Wie bewerten Sie das, was jetzt in Mönchengladbach
geschehen ist: Ein christliches Gotteshaus wird in ein
muslimisches umgewandelt?
Weihbischof Hans-Jochen Jaschke: Schon vor Tagen war darüber zu
lesen. Und schon da habe ich gestutzt - und gedacht: Das geht
mir zu weit. Und auch bei weiterem Nachdenken muss ich sagen:
Christen pflegen ein freundschaftliches Verhältnis zu anderen
Religionen. Aber dennoch dürfen wir grundsätzliche
Verschiedenheiten nicht aus den Augen verlieren. Deshalb halte
ich eine solche Umwandlung für falsch.
domradio.de: Das Gebäude wurde an eine alevitische Gemeinde
übergeben, eine liberale Glaubensrichtung der Muslime. Ist das
dann nicht etwas anderes?
Jaschke: Es sind Muslime. Ich kenne Aleviten, kenne ihre
Gemeinden hier in Hamburg. Das sind wirklich sehr
anerkennenswerte und liebenswürdige Leute, die etwa in der
Türkei viel Druck auszuhalten haben. Das ist aber eine ganz
andere Frage. Es sind Muslime, und jetzt wird nach Christus ich
in einer Kirche der Prophet Mohammed angebetet. Das ist schon
eine harte Zumutung, das würden wir als katholische Christen mit
Sicherheit nicht akzeptieren können. Eine Notsituation ist etwas
anderes: Wenn beispielsweise ein Raum abbrennt, kann man alles
machen. Aber hier geht es um eine Aufgabe einer christlichen
Kirche und eine Umwidmung.
domradio.de: Warum gibt es den Konsens christlicher Kirchen,
ihre Gotteshäuser nicht zu muslimischen umwandeln zu lassen?
Jaschke: Wir wollen die Religionen nicht vermischen. Christen
haben nun mal den hohen Anspruch, dass sie sagen: Jesus Christus
ist der Mittler zu Gott hin und das für alle Menschen; jeder
Mensch hat irgendeine Beziehung, auch wenn er sie nicht immer so
realisiert. Und von daher können wir Christus nicht einfach
einreihen in die Reihe religiöser Führer, ob das Buddha oder
Mohammed ist. Bei allem Respekt vor ihnen! Wir müssen schon
unsere eigene christliche Identität hochhalten. In aller
Liebenswürdigkeit natürlich, ohne andere zu verurteilen; im
Dialog mit anderen Religionen selbstverständlich. Aber nicht mit
der Tendenz: Wir reihen uns ein in eine Planetenschar religiöser
Führer, die um die eine Sonne Gottes herumschwirren.
domradio.de: Dennoch: Ist eine Umwidmung eines Gotteshauses von
einer Religion zur anderen nicht besser, als einen
Veranstaltungsraum oder Ähnliches entstehen zu lassen?
Jaschke: Auch das entspricht nicht einem katholischen
Verständnis. Ich bin dann schon für einen Abriss eines
Gottesdienstraumes. Dann kann Neues entstehen. Eine Disko oder
moralisch Zweideutiges - das ist in einer ehemaligen Kirche
unerträglich.
domradio.de: Steht hinter der Ablehnung auch die Angst vor der
Symbolik einer Übernahme bei einer Umwidmung?
Jaschke: Diese Angst gibt es in Deutschland, in bestimmten
Kreisen der Bevölkerung. Vor einer möglichen Überfremdung durch
Muslime. In bestimmten Regionen im Mittelmeerraum wird diese
Angst ja auch bestätigt. Aber hier geht es vor allen Dingen um
Klarheit. Wir als Christen müssen sagen: Bei aller
Liebenswürdigkeit, bei aller Einigkeit in der Sorge um Frieden
und den Kern des Religiösen haben Christen und Muslime
grundlegende Unterschiede. Und das können wir nicht verwischen,
indem wir sagen: Wir lösen uns in einem Gotteshaus nacheinander
ab.
domradio.de: Ist durch diesen Einzelfall der Konsens der
christlichen Kirchen aufgekündigt?
Jaschke: Es gibt ja keine Richtlinie im strengen Sinn. So eine
Art Konsens schon: die christliche Grundgewissheit, dass Jesus
Christus der Herr und der Einzige ist. Das müssen wir Christen
auch immer wieder in aller Demut und Entschiedenheit hochhalten.
Ich glaube nicht, dass ein solcher Konsens durch diesen Fall
jetzt gestört wird. Wir sollen das vielleicht auch nicht an die
ganz große Glocke hängen und zu viel Aufsehen darum machen.
Das Gespräch führte Christian Schlegel.
Hintergrund: Zum ersten Mal ist in Deutschland laut einem
Zeitungsbericht eine Kirche in ein alevitisches Gotteshaus
umgewandelt worden. Die evangelisch-methodistische Gemeinde in
Mönchengladbach habe bereits am 2. Juni eine ihrer Kirchen an
die ortsansässige alevitische Gemeinschaft übergeben, berichtete
die in Berlin erscheinende Tageszeitung "Die Welt" am Samstag
(09.06.2012). Bisher vertraten alle christlichen Konfessionen in
Deutschland die Linie vertreten, dass Kirchen gegebenenfalls in
Synagogen, nicht aber in islamische Gotteshäuser umgewandelt
werden dürfen. Der emeritierte Methodistenbischof Walter Klaiber
sagte laut dem Bericht in Mönchengladbach, er wisse um die
Sorgen mancher Alteingesessener, dass die Christen
marginalisiert werden könnten. Er glaube aber, dass die Christen
"unter den neuen wachsenden Glaubensgemeinschaften
vertrauenswürdige Gleichgesinnte" finden könnten. Die Aleviten
sind eine Glaubensgemeinschaft, die sich im 13. und 14.
Jahrhundert in Anatolien aus dem schiitischen Zweig des Islam
entwickelt hat. Vom Mehrheitsislam unterscheiden sie sich unter
anderem durch die Ablehnung der rituelle Gottesverehrung sowie
der Vorschriften der Scharia und der "fünf Säulen des Islam" -
etwa der täglichen Pflichtgebete oder des Fastens im Ramadan.
HTML http://www.domradio.de/aktuell/82340/das-ist-schon-eine-harte-zumutung.html
*****************************************************
Page 1 of 1