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       "Das ist schon eine harte Zumutung"
   DIR By: Ben
       Date: June 11, 2012, 5:24 am
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       11.6.2012
       Katholische Kirche lehnt Kirchenumwandlung in muslimisches
       Gotteshaus ab
       "Das ist schon eine harte Zumutung"
       Zum ersten Mal wurde in Deutschland eine christliche Kirche in
       muslimisches Gotteshaus umgewandelt. Für den Hamburger
       Weihbischof Jaschke geht das zu weit. Im domradio.de-Interview
       erklärt der für den interreligiösen Dialog zuständige Bischof,
       warum.
       Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (© kna )
       domradio.de: Wie bewerten Sie das, was jetzt in Mönchengladbach
       geschehen ist: Ein christliches Gotteshaus wird in ein
       muslimisches umgewandelt?
       Weihbischof Hans-Jochen Jaschke: Schon vor Tagen war darüber zu
       lesen. Und schon da habe ich gestutzt - und gedacht: Das geht
       mir zu weit. Und auch bei weiterem Nachdenken muss ich sagen:
       Christen pflegen ein freundschaftliches Verhältnis zu anderen
       Religionen. Aber dennoch dürfen wir grundsätzliche
       Verschiedenheiten nicht aus den Augen verlieren. Deshalb halte
       ich eine solche Umwandlung für falsch.
       domradio.de: Das Gebäude wurde an eine alevitische Gemeinde
       übergeben, eine liberale Glaubensrichtung der Muslime. Ist das
       dann nicht etwas anderes?
       Jaschke: Es sind Muslime. Ich kenne Aleviten, kenne ihre
       Gemeinden hier in Hamburg. Das sind wirklich sehr
       anerkennenswerte und liebenswürdige Leute, die etwa in der
       Türkei viel Druck auszuhalten haben. Das ist aber eine ganz
       andere Frage. Es sind Muslime, und jetzt wird nach Christus ich
       in einer Kirche der Prophet Mohammed angebetet. Das ist schon
       eine harte Zumutung, das würden wir als katholische Christen mit
       Sicherheit nicht akzeptieren können. Eine Notsituation ist etwas
       anderes: Wenn beispielsweise ein Raum abbrennt, kann man alles
       machen. Aber hier geht es um eine Aufgabe einer christlichen
       Kirche und eine Umwidmung.
       domradio.de: Warum gibt es den Konsens christlicher Kirchen,
       ihre Gotteshäuser nicht zu muslimischen umwandeln zu lassen?
       Jaschke: Wir wollen die Religionen nicht vermischen. Christen
       haben nun mal den hohen Anspruch, dass sie sagen: Jesus Christus
       ist der Mittler zu Gott hin und das für alle Menschen; jeder
       Mensch hat irgendeine Beziehung, auch wenn er sie nicht immer so
       realisiert. Und von daher können wir Christus nicht einfach
       einreihen in die Reihe religiöser Führer, ob das Buddha oder
       Mohammed ist. Bei allem Respekt vor ihnen! Wir müssen schon
       unsere eigene christliche Identität hochhalten. In aller
       Liebenswürdigkeit natürlich, ohne andere zu verurteilen; im
       Dialog mit anderen Religionen selbstverständlich. Aber nicht mit
       der Tendenz: Wir reihen uns ein in eine Planetenschar religiöser
       Führer, die um die eine Sonne Gottes herumschwirren.
       domradio.de: Dennoch: Ist eine Umwidmung eines Gotteshauses von
       einer Religion zur anderen nicht besser, als einen
       Veranstaltungsraum oder Ähnliches entstehen zu lassen?
       Jaschke: Auch das entspricht nicht einem katholischen
       Verständnis. Ich bin dann schon für einen Abriss eines
       Gottesdienstraumes. Dann kann Neues entstehen. Eine Disko oder
       moralisch Zweideutiges - das ist in einer ehemaligen Kirche
       unerträglich.
       domradio.de: Steht hinter der Ablehnung auch die Angst vor der
       Symbolik einer Übernahme bei einer Umwidmung?
       Jaschke: Diese Angst gibt es in Deutschland, in bestimmten
       Kreisen der Bevölkerung. Vor einer möglichen Überfremdung durch
       Muslime. In bestimmten Regionen im Mittelmeerraum wird diese
       Angst ja auch bestätigt. Aber hier geht es vor allen Dingen um
       Klarheit. Wir als Christen müssen sagen: Bei aller
       Liebenswürdigkeit, bei aller Einigkeit in der Sorge um Frieden
       und den Kern des Religiösen haben Christen und Muslime
       grundlegende Unterschiede. Und das können wir nicht verwischen,
       indem wir sagen: Wir lösen uns in einem Gotteshaus nacheinander
       ab.
       domradio.de: Ist durch diesen Einzelfall der Konsens der
       christlichen Kirchen aufgekündigt?
       Jaschke: Es gibt ja keine Richtlinie im strengen Sinn. So eine
       Art Konsens schon: die christliche Grundgewissheit, dass Jesus
       Christus der Herr und der Einzige ist. Das müssen wir Christen
       auch immer wieder in aller Demut und Entschiedenheit hochhalten.
       Ich glaube nicht, dass ein solcher Konsens durch diesen Fall
       jetzt gestört wird. Wir sollen das vielleicht auch nicht an die
       ganz große Glocke hängen und zu viel Aufsehen darum machen.
       Das Gespräch führte Christian Schlegel.
       Hintergrund: Zum ersten Mal ist in Deutschland laut einem
       Zeitungsbericht eine Kirche in ein alevitisches Gotteshaus
       umgewandelt worden. Die evangelisch-methodistische Gemeinde in
       Mönchengladbach habe bereits am 2. Juni eine ihrer Kirchen an
       die ortsansässige alevitische Gemeinschaft übergeben, berichtete
       die in Berlin erscheinende Tageszeitung "Die Welt" am Samstag
       (09.06.2012). Bisher vertraten alle christlichen Konfessionen in
       Deutschland die Linie vertreten, dass Kirchen gegebenenfalls in
       Synagogen, nicht aber in islamische Gotteshäuser umgewandelt
       werden dürfen. Der emeritierte Methodistenbischof Walter Klaiber
       sagte laut dem Bericht in Mönchengladbach, er wisse um die
       Sorgen mancher Alteingesessener, dass die Christen
       marginalisiert werden könnten. Er glaube aber, dass die Christen
       "unter den neuen wachsenden Glaubensgemeinschaften
       vertrauenswürdige Gleichgesinnte" finden könnten. Die Aleviten
       sind eine Glaubensgemeinschaft, die sich im 13. und 14.
       Jahrhundert in Anatolien aus dem schiitischen Zweig des Islam
       entwickelt hat. Vom Mehrheitsislam unterscheiden sie sich unter
       anderem durch die Ablehnung der rituelle Gottesverehrung sowie
       der Vorschriften der Scharia und der "fünf Säulen des Islam" -
       etwa der täglichen Pflichtgebete oder des Fastens im Ramadan.
  HTML http://www.domradio.de/aktuell/82340/das-ist-schon-eine-harte-zumutung.html
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