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#Post#: 261--------------------------------------------------
Unbekannte Nachbarn
DIR By: Ben
Date: June 11, 2012, 4:14 am
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Unbekannte Nachbarn
Mit einem Sommerfest will die Sehitlik-Moschee für Toleranz
werben. Der erhoffte Zulauf bleibt jedoch aus.von Janina
Bembenek
Dichter Grillrauch steigt hinter der Mauer fast so hoch wie die
Minarette. Mädchen hüpfen jauchzend mit glitzernden
Schmetterlingen auf den Wangen und Hennahandschmuck in einer
aufblasbaren Moschee. Durch die Menge dringen vereinzelt
Fragmente des Poetry Slams hindurch.
Die türkisch-islamische Gemeinde der Sehitlik-Moschee am
Columbiadamm hat am Wochenende ihr erstes Sommerfest gefeiert.
„Ein Solidaritätsfest mit politischem Charakter“, wie der
Gemeindevorsitzende Ender Cetin betont. Nach Drohbriefen und
islamfeindlichen Angriffen in den vergangenen Monaten will sich
die Gemeinde stärker öffnen. „Es soll bewusst kein internes Fest
sein“, sagt Manuel. Der 22-Jährige hilft als Freiwilliger und
erklärt Besuchern, warum vor der Moschee die Schuhe ausgezogen
werden. Vor einem Jahr habe er durch einen Tag der offenen Tür
die Gemeinde kennengelernt, seitdem besucht er Kurse für
Nichtmuslime. Drei Monate haben sie das Fest geplant: prominent
moderiert vom Neuköllner Komiker Murat Topal und mit Reden von
Lokalpolitikern. Der erhoffte Zulauf bleibt jedoch aus, die
meisten Besucher sind Mitglieder der Gemeinde.
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„Transparenz ist für den Islam von großer Bedeutung“, sagt die
Neuköllnerin Anna. Ihr Bekannter Heiko meint: „Dennoch bleiben
sie heute eher unter sich. Die Leute, die sie erreichen wollen,
kommen nicht.“
Einige sind nur auf der Durchreise: Michael, Martin und Mathis
sind auf dem Weg zum Tempelhofer Feld nur zufällig
vorbeigekommen und holen sich rasch Köfte von einem der
überladenen Buffettische. „Aber gleich geht’s auch wieder
weiter.“
„Nach den Anschlägen finde ich es wichtig, Gesicht zu zeigen“,
sagt Renate. Am Teestand fragt sie, ob es auch Filterkaffee mit
Milch gibt. „Ich wohne nicht weit von hier“, erzählt sie und
beißt in ein Stück Baklava. Vom Sommerfest habe sie in einem
Stadtteilblättchen erfahren.
„Gleich beginnt die Führung“, übersetzt Alexandra für ihre
chilenische Freundin, während sie vor den Stufen der Moschee
warten. Die 22-Jährige studiert Islamwissenschaft und ist wegen
einer Kommilitonin gekommen, die beim Poetry Slam teilnimmt. Mit
ihrem Besuch war sie zuvor noch beim Afrika Festival auf dem
Alexanderplatz. „Kultur-Hopping“ nennt sie das. In der Moschee
setzt sich die buntgemischte Gruppe auf den Teppich. Es riecht
dezent nach Füßen. „Erkennen Sie Gemeinsamkeiten zu anderen
Gotteshäusern?“, beginnt Abbas seine Einführung in die
Architektur der Moschee und den Islam. Der junge Muslim
unterhält die Zuhörer mit Anekdoten und demonstriert
Gemeinsamkeiten der Weltreligionen. Anschließend lädt er zum
Nachmittagsgebet ein.
„Ich habe es selbst erlebt, dass für viele der Islam eine
riesige Unbekannte ist“, erzählt Ron. Der 37-Jährige ist
deutsch-jüdischer Herkunft und konvertierte vor einigen Jahren
zum Islam. „Früher hatte ich Vorurteile und war von den bärtigen
Männern in Moscheen abgeschreckt. Dann habe ich angefangen die
Bibel, die Thora und den Koran zu lesen.“ Als Gemeindemitglied
versucht Ron kulturelle Hürden abzubauen: „Viele Leute sehen die
Minarette, aber trauen sich nicht hinein. Irgendwann habe ich
ein Schild draußen rangemacht. Ganz vorsichtig kamen dann einige
durch das Tor.“ Nicht genug, findet Ender Cetin. Zwar seien an
den beiden Tagen rund 3.000 Gäste gekommen, schätzt er. Aber:
„Von der Nachbarschaft habe ich mehr Besucher erwartet.“
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