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       Unbekannte Nachbarn
   DIR By: Ben
       Date: June 11, 2012, 4:14 am
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       Unbekannte Nachbarn
       Mit einem Sommerfest will die Sehitlik-Moschee für Toleranz
       werben. Der erhoffte Zulauf bleibt jedoch aus.von Janina
       Bembenek
       Dichter Grillrauch steigt hinter der Mauer fast so hoch wie die
       Minarette. Mädchen hüpfen jauchzend mit glitzernden
       Schmetterlingen auf den Wangen und Hennahandschmuck in einer
       aufblasbaren Moschee. Durch die Menge dringen vereinzelt
       Fragmente des Poetry Slams hindurch.
       Die türkisch-islamische Gemeinde der Sehitlik-Moschee am
       Columbiadamm hat am Wochenende ihr erstes Sommerfest gefeiert.
       „Ein Solidaritätsfest mit politischem Charakter“, wie der
       Gemeindevorsitzende Ender Cetin betont. Nach Drohbriefen und
       islamfeindlichen Angriffen in den vergangenen Monaten will sich
       die Gemeinde stärker öffnen. „Es soll bewusst kein internes Fest
       sein“, sagt Manuel. Der 22-Jährige hilft als Freiwilliger und
       erklärt Besuchern, warum vor der Moschee die Schuhe ausgezogen
       werden. Vor einem Jahr habe er durch einen Tag der offenen Tür
       die Gemeinde kennengelernt, seitdem besucht er Kurse für
       Nichtmuslime. Drei Monate haben sie das Fest geplant: prominent
       moderiert vom Neuköllner Komiker Murat Topal und mit Reden von
       Lokalpolitikern. Der erhoffte Zulauf bleibt jedoch aus, die
       meisten Besucher sind Mitglieder der Gemeinde.
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       „Transparenz ist für den Islam von großer Bedeutung“, sagt die
       Neuköllnerin Anna. Ihr Bekannter Heiko meint: „Dennoch bleiben
       sie heute eher unter sich. Die Leute, die sie erreichen wollen,
       kommen nicht.“
       Einige sind nur auf der Durchreise: Michael, Martin und Mathis
       sind auf dem Weg zum Tempelhofer Feld nur zufällig
       vorbeigekommen und holen sich rasch Köfte von einem der
       überladenen Buffettische. „Aber gleich geht’s auch wieder
       weiter.“
       „Nach den Anschlägen finde ich es wichtig, Gesicht zu zeigen“,
       sagt Renate. Am Teestand fragt sie, ob es auch Filterkaffee mit
       Milch gibt. „Ich wohne nicht weit von hier“, erzählt sie und
       beißt in ein Stück Baklava. Vom Sommerfest habe sie in einem
       Stadtteilblättchen erfahren.
       „Gleich beginnt die Führung“, übersetzt Alexandra für ihre
       chilenische Freundin, während sie vor den Stufen der Moschee
       warten. Die 22-Jährige studiert Islamwissenschaft und ist wegen
       einer Kommilitonin gekommen, die beim Poetry Slam teilnimmt. Mit
       ihrem Besuch war sie zuvor noch beim Afrika Festival auf dem
       Alexanderplatz. „Kultur-Hopping“ nennt sie das. In der Moschee
       setzt sich die buntgemischte Gruppe auf den Teppich. Es riecht
       dezent nach Füßen. „Erkennen Sie Gemeinsamkeiten zu anderen
       Gotteshäusern?“, beginnt Abbas seine Einführung in die
       Architektur der Moschee und den Islam. Der junge Muslim
       unterhält die Zuhörer mit Anekdoten und demonstriert
       Gemeinsamkeiten der Weltreligionen. Anschließend lädt er zum
       Nachmittagsgebet ein.
       „Ich habe es selbst erlebt, dass für viele der Islam eine
       riesige Unbekannte ist“, erzählt Ron. Der 37-Jährige ist
       deutsch-jüdischer Herkunft und konvertierte vor einigen Jahren
       zum Islam. „Früher hatte ich Vorurteile und war von den bärtigen
       Männern in Moscheen abgeschreckt. Dann habe ich angefangen die
       Bibel, die Thora und den Koran zu lesen.“ Als Gemeindemitglied
       versucht Ron kulturelle Hürden abzubauen: „Viele Leute sehen die
       Minarette, aber trauen sich nicht hinein. Irgendwann habe ich
       ein Schild draußen rangemacht. Ganz vorsichtig kamen dann einige
       durch das Tor.“ Nicht genug, findet Ender Cetin. Zwar seien an
       den beiden Tagen rund 3.000 Gäste gekommen, schätzt er. Aber:
       „Von der Nachbarschaft habe ich mehr Besucher erwartet.“
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