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#Post#: 258--------------------------------------------------
Der Krieg in den Vaginen
DIR By: Ben
Date: June 11, 2012, 4:01 am
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Der Krieg in den Vaginen
Christoph Spielberger
Rezension zu: Thomas Maul, Sex, Djihad und Despotie – Zur Kritik
des Phallozentrismus
Die bürgerlichen Gesellschaften des Westens stehen vor einem
hässlichen Dilemma: alltäglich prallen sie mit der These vom
Islam als einer Religion des Friedens und der Menschlichkeit,
ausgegeben von Funktionären der islamischen Verbände und
nachgebetet von Funktionären in Politik und Medien, auf die
harte Wirklichkeit. Denn der Islam will sich dort, wo er
dominiert, wie z.B. in Saudi Arabien oder dem Iran, ganz und gar
nicht in das Wunschbild fügen. Ebenso bereiten Muslime im
Westen, die bürgerliche Sonderrechte aufgrund ihres Glaubens für
sich beanspruchen, ihren Gastländern eine Reihe von immer
gleichen Problemen, für die die säkularen Staaten eigentlich
keine anderen Lösungen bereit halten sollten, als auf ihre
vornehmsten Errungenschaften – Meinungsfreiheit,
Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit vor dem Gesetz - zu verweisen.
Doch stattdessen hat sich im Westen eine Beschwichtigungskultur
etabliert, die stillschweigend akzeptiert hat, dass es sich bei
den Muslimen um eine andere Sorte Menschen handelt, denen die
Staaten nun, weil die Muslime es so ja unbedingt wollen - es
gehe schließlich nur um Religion, ein gewisses Ausagieren ihrer
kulturell geprägten Besonderheiten zugebilligt haben. Die
Politik hält diesen „Dialog der Kulturen“ für das Angebot an
diese Besonderen, und hofft, dass sie auf dem Weg in die
westlichen Gesellschaften ihre Schrullen irgendwie ablegen –
eine Hoffnung, die sich immer weniger erfüllt. Sie vergisst
dabei aber vor allem auch, was eigentlich ihre dringendste
Aufgabe wäre: alle Erdulder und Erleider der islamischen
Patriarchatskultur als vollwertige Mitglieder ihrer
Gesellschaften zu schützen. Beides ist nicht zu haben, und es
sind dieselben Gruppen, die schon in den (nun wirklich)
islamischen Ländern Unterdrückung, Gewalt und Verfolgung
ausgesetzt sind: Schwule, Juden, alle anderen Ungläubigen und
besonders: Frauen.
Das Zentrum der Probleme mit dem Westen bildet deswegen die
islamische Sexualpolitik. Von der Verheiratung Minderjähriger,
über Polygamie und Gewalt in der Ehe bis zum sog. Ehrenmord, die
Bestimmungen zu Ehe, Sex und Familie konstituieren die
Trennungslinien innerhalb der muslimischen Gesellschaft: Mann
und Frau, Jungfrau und Schlampe, die gute Muslima (die ihrem
Mann gehorcht und sich verhüllt) und die schlechte, sowie die
große Trennung zur abgründigen Welt des Westens.
Es ist nicht erstaunlich, dass es bisher keine eingehende
Beschäftigung mit dem Thema gab, zumindest nicht aus einer
konsequent westlichen Perspektive. Aus der Islamwissenschaft,
die sich inzwischen dem „Dialog der Kulturen“, zum Teil mit
saudischem Geld finanziert, andient, und der Politik, die aus
Angst vor den Wählern sowie Rassismusvorwürfen lieber im Vagen
verbleibt, ist solche Beschäftigung nicht zu erwarten. Es liegt
aber auch an der Sache selbst. Der eingehende Blick in die
Quellen zur muslimischen Sexualmoral und –praktik ist ein
unanständiger, denn er fördert Ungeheuerliches zu Tage. Es
bedarf also einer gewissen ideologischen und institutionellen
Unabhängigkeit.
Das Buch Sex, Djihad und Despotie. Zur Kritik des
Phallozentrismus von Thomas Maul leistet ebendieses, und so ist
es ein ungeheuerliches Buch. Mit einem umfangreichen Studium der
Quelltexte (Koran, Sunna, Hadith- Sammlungen, Fatwas, Scharia
Texte) gewährt der Autor einen Blick in eine fremde, teils
bizarre Welt voller Regelungen und Strafzwänge. Durch die
Konzentration auf al- Ghazalis Buch der Ehe bricht er der Kritik
die Spitze ab, wenn er sagt, dass dieser, verglichen mit anderen
Gelehrten, von Ibn Khaldun bis al-Qaradawi „den islamischen
Phallozentrismus in seiner eloquentesten und liberalsten Form“
repräsentiere.
Der Begriff Phallozentrismus verdichtet hierbei die politisch-
sozialen Themenkomplexe Patriarchalismus, Djihad- Doktrin und
Despotie, sowie die politisch- religiösen Begriffe Eschatologie
und Ritualpraxis. Jeder dieser Bereiche wird detailliert aus den
Quellen hergeleitet. Der Begriff zeigt ex negativo, worum es in
der islamischen Sexualität nicht geht: Lustgewinn und Freiheit
des Individuums. Dafür geht es immer um die konsistente
Konstruktion der Gemeinschaft der Gläubigen in Hinblick auf ihre
sittliche und körperliche Reinhaltung und Ausbreitung.
Sex dient zunächst der Produktion möglichst vieler Kinder,
bevorzugt Söhne, und dies zur Ausbreitung des Islam. Darüber
hinaus hat die Frau die Aufgabe den Sexualtrieb ihres Mannes
jederzeit zu stillen, damit er sich ganz dem Glauben widmen
kann. „Wenn sich der Penis erhebt, geht ein drittel des Glaubens
verloren“, so heißt es in der Sunna. Selbst die Nähe von
Bordellen zu Wallfahrtsorten kann damit noch gerechtfertigt
werden. Der Dienst am Mann durch die Frau ist Teil des Großen
Jihads, der gläubigen Anstrengung im Sinne eines Kampfes gegen
das Ego. Der Kleine Jihad, der Krieg gegen die Ungläubigen ist
eine Variante davon, als Ausdruck extremer Frömmigkeit. Maul
zeigt auf, wie unbedeutend die Trennung wird, wenn man bedenkt,
dass auch der Kleine Jihad, die Anstrengung ein besserer Muslim
zu sein, heißt, der Scharia zu universeller Geltung zu
verhelfen. Tugend- und Suizidterror gehören zusammen, und Sex
ist, außerhalb seiner Vermehrungsfunktion, dem Djihad
untergeordnet.
Welches Menschenbild bezüglich Sexualität lehrt der Islam, so
wie es sich aus den Quellen ergibt? Männer sind ursprünglich
triebhafte Wesen, die ihre Sexualität nur mühsam beherrschen
können. Der Islam sorgt daher für eine Maximierung der
männlichen Triebabfuhr, durch Vielehe und mehrere Formen der
sog. Genussehe. Die kürzeste Form, ganz legal mit religiös
gesichertem Vertrag, beträgt eine Stunde. Männer sind wilde
Tiere, wenn der australische Großscheich Scheich Hamid al-Hilali
sagt: „Wenn man Fleisch unabgedeckt nach draußen auf die Straße
stellt, in den Garten, in den Park oder auf den Hinterhof, dann
kommen die Katzen und fressen es: Wessen Schuld ist das dann –
die der Katzen oder die des unabgedeckten Fleisches? Das nicht
abgedeckte Fleisch ist das Problem.”
Frauen haben sich daher zu verhüllen, sie sollen ihrem Mann
vollständig gehorchen und ihm, also der Gemeinschaft (Umma),
keine Schande machen. Die Sexualität der muslimischen Frau ist
ganz dem Ehrbegriff der Familie und der Umma untergeordnet. Das
größte Vergehen ist daher Zina, der außereheliche
Geschlechtsverkehr. Schlimm ist die Untreue gegen den Mann, doch
schlimmer ist die Beschädigung seines Rufes: der Verleumder
einer unbewiesenen Vergewaltigung wird härter bestraft als der
bewiesene Vergewaltiger. Wie auch derjenige, der eine
Vergewaltigung zugibt härter bestraft wird als derjenige, der es
nicht zugibt. Extra- Peitschenhiebe bzw. –Steine gibt es jeweils
für die Beschmutzung der Umma. An dieser Stelle sollte jedem
klar werden, was man den muslimischen Frauen im Westen durch die
Zulassung von Scharia- Gerichten, schön umschrieben als sog.
Friedensrichter, antut.
Was Thomas Maul an Zitaten hervorgräbt ist an keiner Stelle
randständig, sondern entstammt immer dem islamischen Mainstream,
kommt aus den autoritativen Texten und den führenden
Rechtsschulen. Was für den westlichen Leser überrascht, ist die
Fülle und Genauigkeit der Anweisungen. Es entsteht das Bild
einer Religion, die besessen ist von allem, was mit Sex zu tun
hat. Dabei ist der Ton des Buches niemals polemisch, sondern
verharrt in einer sachlichen Nennung und Erklärung der Quellen.
Bizarr bis komisch wird es, wenn es den Peniskult bei
Kleinkindern beschreibt, dem Mütter, Großmütter und Tanten zu
huldigen haben. Oder wenn es die in seiner Obsession und
Systematik kaum zu überbietenden Belehrungen des Ayatollah
Khomeini wiedergibt, der erklärt, wann das Gebet eines Muslim
ungültig wird, wenn er seinen Penis wie tief, wie lange, in was
alles, mit oder ohne Samenfluss, vor und nach dem Gebet steckt.
Und dann: „Gepriesen sei Allah, der die Ruten gerade und hart
geschaffen hat wie Lanzen, um in den Vaginen Krieg zu führen und
nirgendwo anders“ so der schafiitische Jurist as-Suyuti.
Intensiv bis unerträglich wird das Buch dann, wenn es um die
Ausgeliefertheit muslimischer Frauen geht. Sei es beim Thema
Vergewaltigung in der Ehe, dem Mythos der Defloration und dem
Leid der Frauen, die keine Söhne, sondern nur Mädchen gebären.
Am drastischsten beim Thema Vaginalverstümmelung. Eine Praxis,
dessen Herkunft und Ausbreitung im Islam der Autor genau
herleitet, um sodann, mit einer schlichten Beschreibung von
Methoden und Werkzeugen, sowie einem Augenzeugenbericht den
Leser in Angst und Schrecken zu versetzen. Zwei qualvolle
Seiten, die jedem Beschöniger dieser Gräueltaten, wie z.B. der
sog. Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer eine tägliche
Bettlektüre sein sollten, weil sie es weiterhin nicht als ihre
Aufgabe ansieht, es als einen Skandal zu verdammen, dass der
bedeutendste sunnitische Rechtsgelehrte der Gegenwart, Yussuf
al-Qaradawi die Beschneidung von Muslimas sogar in Europa
empfiehlt. Es sind weltweit geschätzte 8000 Mädchen und Frauen
täglich.
Trotzdem müssen in Deutschland der Postfeminismus und die Gender
Studies „sich dem Thema noch nähern“, wollen bezüglich
Vaginalverstümmelung „neue Fragen stellen“, denn man wolle auf
einen „sensiblen, kritisch- reflektierenden und
antirassistischen Umgang bestehen“ und überhaupt sei schon die
Benennung als Verstümmelung „rassistisch“, Beschneidung sei
daher treffender. An diesem Beispiel dekliniert der Autor die
Begriffsakrobatik und Verlogenheit der westlichen Islam-
Apologie, wie sie etwa bei den Gender Studies an der Humboldt-
Universität betrieben wird. Die betroffenen Frauen, so heißt es
in einem dort erschienenen Bulletin, würden sich nicht selbst
verstümmelt fühlen und unbeschnittene Frauen könnten darunter
leiden, sich aus der Gemeinschaft (der Beschnittenen)
ausgeschlossen zu fühlen. Überhaupt sei es eurozentristisch, die
Orgasmusfähigkeit zum Kriterium erfüllter (weiblicher)
Sexualität zu erklären. Zudem sei die Genitalverstümmelung mit
Schönheitsoperationen auf eine Stufe zu stellen, so die zwei
Gender Studies- Expertinnen Christina von Braun und Bettina
Mathes. Mehrfach wendet sich Maul, und hier lässt der Autor sein
polemisches Talent erkennen, gegen diesen kulturrelativistischen
Verrat der Postfeministinnen an ihren muslimischen Schwestern.
Und dies ist die eigentliche Polemik des Buches: Dass es die
Islam-Apologeten geschafft haben die Diskussion im Westen zu
pervertieren. Dass alle Probleme des Islam letztlich Folgen von
Kapitalismus, Kolonialismus, Faschismus, Rassismus, etc. sind.
Einerseits durch eine Gleichmacherei der Religionen (ja, aber
die Kreuzzüge) und andererseits dadurch, das kulturell
definierte Anderssein der Muslima als emanzipatorische Wahrung
ihrer Identität auszugeben. Es geht so weit, dass Braun/Mathes
Frauen, die ihr Kopftuch ablegen, kulturellen Verrat vorwerfen.
Oder die Ikone des Poststrukturalismus und diesjährige Adorno-
Preisträgerin Judith Butler die Burka zum emanzipatorischen
Widerstand gegen us- amerikanische Vorstellungen von Sexualität
stilisiert.
Die Gefahr geht für Thomas Maul deswegen nicht so sehr vom Islam
aus, denn dessen Patriarchat musste mit der Globalisierung
notwendig in eine Krise geraten, „sie machte stolze Söhne zu
arbeitslosen Trotteln.“ „Was den Islam unmittelbar gefährlich
werden lässt, das ist die in der Mitte der bürgerlichen
Gesellschaft sich reproduzierende Bereitschaft, die zentrale
Errungenschaft der eigenen Geschichte sowie den jüdisch-
christlichen Anteil an ihr zu verraten. (…) Jedes Verständnis
für den Islam mündet – wird es nur konsequent zu Ende gedacht –
in einer Preisgabe der Zivilisation, mithin des Individuums und
seines Anspruchs auf Glück“
Thomas Maul, Sex Djihad und Despotie – Zur Kritik des
Phallozentrismus, ça ira- Verlag, 262S., 20€.
HTML http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/print/0026582
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