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       Der Krieg in den Vaginen
   DIR By: Ben
       Date: June 11, 2012, 4:01 am
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       Der Krieg in den Vaginen
       Christoph Spielberger
       Rezension zu: Thomas Maul, Sex, Djihad und Despotie – Zur Kritik
       des Phallozentrismus
       Die bürgerlichen Gesellschaften des Westens stehen vor einem
       hässlichen Dilemma: alltäglich prallen sie mit der These vom
       Islam als einer Religion des Friedens und der Menschlichkeit,
       ausgegeben von Funktionären der islamischen Verbände und
       nachgebetet von Funktionären in Politik und Medien, auf die
       harte Wirklichkeit. Denn der Islam will sich dort, wo er
       dominiert, wie z.B. in Saudi Arabien oder dem Iran, ganz und gar
       nicht in das Wunschbild fügen. Ebenso bereiten Muslime im
       Westen, die bürgerliche Sonderrechte aufgrund ihres Glaubens für
       sich beanspruchen, ihren Gastländern eine Reihe von immer
       gleichen Problemen, für die die säkularen Staaten eigentlich
       keine anderen Lösungen bereit halten sollten, als auf ihre
       vornehmsten Errungenschaften – Meinungsfreiheit,
       Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit vor dem Gesetz - zu verweisen.
       Doch stattdessen hat sich im Westen eine Beschwichtigungskultur
       etabliert, die stillschweigend akzeptiert hat, dass es sich bei
       den Muslimen um eine andere Sorte Menschen handelt, denen die
       Staaten nun, weil die Muslime es so ja unbedingt wollen - es
       gehe schließlich nur um Religion, ein gewisses Ausagieren ihrer
       kulturell geprägten Besonderheiten zugebilligt haben. Die
       Politik hält diesen „Dialog der Kulturen“ für das Angebot an
       diese Besonderen, und hofft, dass sie auf dem Weg in die
       westlichen Gesellschaften ihre Schrullen irgendwie ablegen –
       eine Hoffnung, die sich immer weniger erfüllt. Sie vergisst
       dabei aber vor allem auch, was eigentlich ihre dringendste
       Aufgabe wäre: alle Erdulder und Erleider der islamischen
       Patriarchatskultur als vollwertige Mitglieder ihrer
       Gesellschaften zu schützen. Beides ist nicht zu haben, und es
       sind dieselben Gruppen, die schon in den (nun wirklich)
       islamischen Ländern Unterdrückung, Gewalt und Verfolgung
       ausgesetzt sind: Schwule, Juden, alle anderen Ungläubigen und
       besonders: Frauen.
       Das Zentrum der Probleme mit dem Westen bildet deswegen die
       islamische Sexualpolitik. Von der Verheiratung Minderjähriger,
       über Polygamie und Gewalt in der Ehe bis zum sog. Ehrenmord, die
       Bestimmungen zu Ehe, Sex und Familie konstituieren die
       Trennungslinien innerhalb der muslimischen Gesellschaft: Mann
       und Frau, Jungfrau und Schlampe, die gute Muslima (die ihrem
       Mann gehorcht und sich verhüllt) und die schlechte, sowie die
       große Trennung zur abgründigen Welt des Westens.
       Es ist nicht erstaunlich, dass es bisher keine eingehende
       Beschäftigung mit dem Thema gab, zumindest nicht aus einer
       konsequent westlichen Perspektive. Aus der Islamwissenschaft,
       die sich inzwischen dem „Dialog der Kulturen“, zum Teil mit
       saudischem Geld finanziert, andient, und der Politik, die aus
       Angst vor den Wählern sowie Rassismusvorwürfen lieber im Vagen
       verbleibt, ist solche Beschäftigung nicht zu erwarten. Es liegt
       aber auch an der Sache selbst. Der eingehende Blick in die
       Quellen zur muslimischen Sexualmoral und –praktik ist ein
       unanständiger, denn er fördert Ungeheuerliches zu Tage. Es
       bedarf also einer gewissen ideologischen und institutionellen
       Unabhängigkeit.
       Das Buch Sex, Djihad und Despotie. Zur Kritik des
       Phallozentrismus von Thomas Maul leistet ebendieses, und so ist
       es ein ungeheuerliches Buch. Mit einem umfangreichen Studium der
       Quelltexte (Koran, Sunna, Hadith- Sammlungen, Fatwas, Scharia
       Texte) gewährt der Autor einen Blick in eine fremde, teils
       bizarre Welt voller Regelungen und Strafzwänge. Durch die
       Konzentration auf al- Ghazalis Buch der Ehe bricht er der Kritik
       die Spitze ab, wenn er sagt, dass dieser, verglichen mit anderen
       Gelehrten, von Ibn Khaldun bis al-Qaradawi „den islamischen
       Phallozentrismus in seiner eloquentesten und liberalsten Form“
       repräsentiere.
       Der Begriff Phallozentrismus verdichtet hierbei die politisch-
       sozialen Themenkomplexe Patriarchalismus, Djihad- Doktrin und
       Despotie, sowie die politisch- religiösen Begriffe Eschatologie
       und Ritualpraxis. Jeder dieser Bereiche wird detailliert aus den
       Quellen hergeleitet. Der Begriff zeigt ex negativo, worum es in
       der islamischen Sexualität nicht geht: Lustgewinn und Freiheit
       des Individuums. Dafür geht es immer um die konsistente
       Konstruktion der Gemeinschaft der Gläubigen in Hinblick auf ihre
       sittliche und körperliche Reinhaltung und Ausbreitung.
       Sex dient zunächst der Produktion möglichst vieler Kinder,
       bevorzugt Söhne, und dies zur Ausbreitung des Islam. Darüber
       hinaus hat die Frau die Aufgabe den Sexualtrieb ihres Mannes
       jederzeit zu stillen, damit er sich ganz dem Glauben widmen
       kann. „Wenn sich der Penis erhebt, geht ein drittel des Glaubens
       verloren“, so heißt es in der Sunna. Selbst die Nähe von
       Bordellen zu Wallfahrtsorten kann damit noch gerechtfertigt
       werden. Der Dienst am Mann durch die Frau ist Teil des Großen
       Jihads, der gläubigen Anstrengung im Sinne eines Kampfes gegen
       das Ego. Der Kleine Jihad, der Krieg gegen die Ungläubigen ist
       eine Variante davon, als Ausdruck extremer Frömmigkeit. Maul
       zeigt auf, wie unbedeutend die Trennung wird, wenn man bedenkt,
       dass auch der Kleine Jihad, die Anstrengung ein besserer Muslim
       zu sein, heißt, der Scharia zu universeller Geltung zu
       verhelfen. Tugend- und Suizidterror gehören zusammen, und Sex
       ist, außerhalb seiner Vermehrungsfunktion, dem Djihad
       untergeordnet.
       Welches Menschenbild bezüglich Sexualität lehrt der Islam, so
       wie es sich aus den Quellen ergibt? Männer sind ursprünglich
       triebhafte Wesen, die ihre Sexualität nur mühsam beherrschen
       können. Der Islam sorgt daher für eine Maximierung der
       männlichen Triebabfuhr, durch Vielehe und mehrere Formen der
       sog. Genussehe. Die kürzeste Form, ganz legal mit religiös
       gesichertem Vertrag, beträgt eine Stunde. Männer sind wilde
       Tiere, wenn der australische Großscheich Scheich Hamid al-Hilali
       sagt: „Wenn man Fleisch unabgedeckt nach draußen auf die Straße
       stellt, in den Garten, in den Park oder auf den Hinterhof, dann
       kommen die Katzen und fressen es: Wessen Schuld ist das dann –
       die der Katzen oder die des unabgedeckten Fleisches? Das nicht
       abgedeckte Fleisch ist das Problem.”
       Frauen haben sich daher zu verhüllen, sie sollen ihrem Mann
       vollständig gehorchen und ihm, also der Gemeinschaft (Umma),
       keine Schande machen. Die Sexualität der muslimischen Frau ist
       ganz dem Ehrbegriff der Familie und der Umma untergeordnet. Das
       größte Vergehen ist daher Zina, der außereheliche
       Geschlechtsverkehr. Schlimm ist die Untreue gegen den Mann, doch
       schlimmer ist die Beschädigung seines Rufes: der Verleumder
       einer unbewiesenen Vergewaltigung wird härter bestraft als der
       bewiesene Vergewaltiger. Wie auch derjenige, der eine
       Vergewaltigung zugibt härter bestraft wird als derjenige, der es
       nicht zugibt. Extra- Peitschenhiebe bzw. –Steine gibt es jeweils
       für die Beschmutzung der Umma. An dieser Stelle sollte jedem
       klar werden, was man den muslimischen Frauen im Westen durch die
       Zulassung von Scharia- Gerichten, schön umschrieben als sog.
       Friedensrichter, antut.
       Was Thomas Maul an Zitaten hervorgräbt ist an keiner Stelle
       randständig, sondern entstammt immer dem islamischen Mainstream,
       kommt aus den autoritativen Texten und den führenden
       Rechtsschulen. Was für den westlichen Leser überrascht, ist die
       Fülle und Genauigkeit der Anweisungen. Es entsteht das Bild
       einer Religion, die besessen ist von allem, was mit Sex zu tun
       hat. Dabei ist der Ton des Buches niemals polemisch, sondern
       verharrt in einer sachlichen Nennung und Erklärung der Quellen.
       Bizarr bis komisch wird es, wenn es den Peniskult bei
       Kleinkindern beschreibt, dem Mütter, Großmütter und Tanten zu
       huldigen haben. Oder wenn es die in seiner Obsession und
       Systematik kaum zu überbietenden Belehrungen des Ayatollah
       Khomeini wiedergibt, der erklärt, wann das Gebet eines Muslim
       ungültig wird, wenn er seinen Penis wie tief, wie lange, in was
       alles, mit oder ohne Samenfluss, vor und nach dem Gebet steckt.
       Und dann: „Gepriesen sei Allah, der die Ruten gerade und hart
       geschaffen hat wie Lanzen, um in den Vaginen Krieg zu führen und
       nirgendwo anders“ so der schafiitische Jurist as-Suyuti.
       Intensiv bis unerträglich wird das Buch dann, wenn es um die
       Ausgeliefertheit muslimischer Frauen geht. Sei es beim Thema
       Vergewaltigung in der Ehe, dem Mythos der Defloration und dem
       Leid der Frauen, die keine Söhne, sondern nur Mädchen gebären.
       Am drastischsten beim Thema Vaginalverstümmelung. Eine Praxis,
       dessen Herkunft und Ausbreitung im Islam der Autor genau
       herleitet, um sodann, mit einer schlichten Beschreibung von
       Methoden und Werkzeugen, sowie einem Augenzeugenbericht den
       Leser in Angst und Schrecken zu versetzen. Zwei qualvolle
       Seiten, die jedem Beschöniger dieser Gräueltaten, wie z.B. der
       sog. Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer eine tägliche
       Bettlektüre sein sollten, weil sie es weiterhin nicht als ihre
       Aufgabe ansieht, es als einen Skandal zu verdammen, dass der
       bedeutendste sunnitische Rechtsgelehrte der Gegenwart, Yussuf
       al-Qaradawi die Beschneidung von Muslimas sogar in Europa
       empfiehlt. Es sind weltweit geschätzte 8000 Mädchen und Frauen
       täglich.
       Trotzdem müssen in Deutschland der Postfeminismus und die Gender
       Studies „sich dem Thema noch nähern“, wollen bezüglich
       Vaginalverstümmelung „neue Fragen stellen“, denn man wolle auf
       einen „sensiblen, kritisch- reflektierenden und
       antirassistischen Umgang bestehen“ und überhaupt sei schon die
       Benennung als Verstümmelung „rassistisch“, Beschneidung sei
       daher treffender. An diesem Beispiel dekliniert der Autor die
       Begriffsakrobatik und Verlogenheit der westlichen Islam-
       Apologie, wie sie etwa bei den Gender Studies an der Humboldt-
       Universität betrieben wird. Die betroffenen Frauen, so heißt es
       in einem dort erschienenen Bulletin, würden sich nicht selbst
       verstümmelt fühlen und unbeschnittene Frauen könnten darunter
       leiden, sich aus der Gemeinschaft (der Beschnittenen)
       ausgeschlossen zu fühlen. Überhaupt sei es eurozentristisch, die
       Orgasmusfähigkeit zum Kriterium erfüllter (weiblicher)
       Sexualität zu erklären. Zudem sei die Genitalverstümmelung mit
       Schönheitsoperationen auf eine Stufe zu stellen, so die zwei
       Gender Studies- Expertinnen Christina von Braun und Bettina
       Mathes. Mehrfach wendet sich Maul, und hier lässt der Autor sein
       polemisches Talent erkennen, gegen diesen kulturrelativistischen
       Verrat der Postfeministinnen an ihren muslimischen Schwestern.
       Und dies ist die eigentliche Polemik des Buches: Dass es die
       Islam-Apologeten geschafft haben die Diskussion im Westen zu
       pervertieren. Dass alle Probleme des Islam letztlich Folgen von
       Kapitalismus, Kolonialismus, Faschismus, Rassismus, etc. sind.
       Einerseits durch eine Gleichmacherei der Religionen (ja, aber
       die Kreuzzüge) und andererseits dadurch, das kulturell
       definierte Anderssein der Muslima als emanzipatorische Wahrung
       ihrer Identität auszugeben. Es geht so weit, dass Braun/Mathes
       Frauen, die ihr Kopftuch ablegen, kulturellen Verrat vorwerfen.
       Oder die Ikone des Poststrukturalismus und diesjährige Adorno-
       Preisträgerin Judith Butler die Burka zum emanzipatorischen
       Widerstand gegen us- amerikanische Vorstellungen von Sexualität
       stilisiert.
       Die Gefahr geht für Thomas Maul deswegen nicht so sehr vom Islam
       aus, denn dessen Patriarchat musste mit der Globalisierung
       notwendig in eine Krise geraten, „sie machte stolze Söhne zu
       arbeitslosen Trotteln.“ „Was den Islam unmittelbar gefährlich
       werden lässt, das ist die in der Mitte der bürgerlichen
       Gesellschaft sich reproduzierende Bereitschaft, die zentrale
       Errungenschaft der eigenen Geschichte sowie den jüdisch-
       christlichen Anteil an ihr zu verraten. (…) Jedes Verständnis
       für den Islam mündet – wird es nur konsequent zu Ende gedacht –
       in einer Preisgabe der Zivilisation, mithin des Individuums und
       seines Anspruchs auf Glück“
       Thomas Maul, Sex Djihad und Despotie – Zur Kritik des
       Phallozentrismus, ça ira- Verlag, 262S., 20€.
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