DIR Return Create A Forum - Home
---------------------------------------------------------
Station13
HTML https://station13.createaforum.com
---------------------------------------------------------
*****************************************************
DIR Return to: Artikel aus der Presse
*****************************************************
#Post#: 256--------------------------------------------------
Özoğuz berichtet
DIR By: Ben
Date: June 11, 2012, 3:57 am
---------------------------------------------------------
Özoğuz berichtet
Gnadenlos ahnungslos oder Lug und Trug? – Zum Umgang des
Innenministers mit der Islam-Studie
Innenminister Friedrich hat schon so manchen Bock geschossen.
Doch der Umgang mit der Studie „Lebenswelten junger Muslime in
Deutschland“, setzt dem noch die Krone auf, schreibt Aydan
Özoğuz in ihrer neuesten MiGAZIN-Kolumne.
Aydan Özoğuz, stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD ©
spd.de, bearb. MiG
VONAydan Özoğuz
Die Autorin ist seit Dezember 2011 stellvertretende
Bundesvorsitzende der SPD.
DATUM11. Juni 2012
Innenminister Friedrich hat schon so manchen Bock in seiner gut
einjährigen Amtszeit geschossen, doch was die interessierte
Öffentlichkeit und gerade auch wir Bundestagsabgeordneten rund
um die vom Innenministerium beauftragte Studie „Lebenswelten
junger Muslime in Deutschland“ Anfang März 2012 erleben durften,
setzt dem noch die Krone auf.
Die besagte Studie gelangte vor der offiziellen Veröffentlichung
durch das Innenministerium an die Bild-Zeitung, die online
exklusiv am 29. Februar berichtete und markige Worte fand:
“Schock-Studie” oder „Junge Muslime verweigern Integration“ – so
die Verkürzungen des Boulevardblattes, welche die grundlegenden
Ergebnisse der Studie gründlich konterkarierten und in ein
falsches Licht zerrten. So standen wieder einmal „die“ Muslime
in der Ecke der Integrationsverweigerer. Dass die Studie dagegen
bestätigte, dass die Mehrheit der jungen Muslime in unserem Land
vollkommen integrationsbereit und –willig ist, interessierte
nicht.
Auf die umgehend einsetzende Kritik am Innenminister, in dieser
unseriösen Form mit einer Studie, die nicht nur mehrere
Hunderttausend Euro, sondern viele Wissenschaftler mehrere
Monate Arbeit gekostet hat, umzugehen, reagierte Friedrich
prompt: „Also, diese Studie ist nicht aus meinem Haus
herausgegeben worden. Da müssen Sie die Bild-Zeitung fragen,
woher sie sie hat, von mir nicht.“, so der Innenminister im ZDF
am 1. März. Dies wiederholte er im Innenausschuss des Deutschen
Bundestages am 7. März.
Ich fühle mich besonders von dieser Falschauskunft hintergangen,
weil mir auch auf meine „Mündliche Frage“ in der Befragung der
Bundesregierung in den Mittagstunden des 7. März diese
Unwahrheit serviert wurde: Der Parlamentarische Staatssekretär
Bergner aus dem Innenministerium erklärte mir, dass “die
Unterstellung, die in dieser Frage mitschwingt, nämlich das
Bundesministerium des Innern habe die Studie vorab der Bild
zugeleitet, trifft nicht zu.” Den Zusatz des Staatssekretärs,
“dass der Kreis der beteiligten Institute vergleichsweise groß
war”, fand ich schon damals in der Fragerunde befremdlich,
suggerierte er doch, dass eventuell die an der Studie
beteiligten Forschungsinstitute selbst die Ergebnisse vorab
weitergaben. Die Wissenschaftler waren doch selbst am meisten
getroffen und betroffen von dem unseriösen Umgang des
Innenministeriums, denn die Ergebnisse der Studie wurden
vollkommen verzerrt dargestellt.
Auf Anfrage der Fraktion Die Linke gab die Bundesregierung dann
allerdings Mitte April unvermittelt zu, dass die Studie dem
Bundesinnenministerium nicht nur bereits im August 2011 vorlag,
sondern auch vorab an die Bild-Zeitung gegeben worden war.
Das Verhalten des Innenministers passt leider durchaus zu einer
Reihe von Vorgängen, die er seit Amtsantritt in Richtung vieler
Menschen mit einer Zuwanderungsgeschichte aussendet: Am Tage
seines Amtsantritts fühlte er sich bemüßigt, dem damaligen
Bundespräsidenten Wulff sofort zu widersprechen, der Islam
gehöre NICHT zu Deutschland. Schob dann aber einige Zeit
hinterher, die Muslime selber gehörten schon hierher. Wenig
später wurde die von Friedrich geleitete Deutsche Islam
Konferenz 2011, auf der es hauptsächlich um einen akademischen
Umgang mit islamischen Fragestellungen in Deutschland gehen
sollte, kurzerhand wieder zu einem Sicherheitsproblem
degradiert. Nun also die „Verstümmelung“ einer
wissenschaftlichen Untersuchung für eine einzige, nicht einmal
zutreffende Schlagzeile in der Bild-Zeitung.
Es ist kein Kavaliersdelikt, den Abgeordneten des Deutschen
Bundestages in der Fragestunde falsch zu antworten. Die
Fragestunde ist für mich als Abgeordnete oft die einzige
Möglichkeit, an Informationen aus der Bundesregierung
heranzukommen und Vorgänge ihres Regierungshandelns
offenzulegen. Ein Bedauern, mir falsch geantwortet zu haben,
habe ich übrigens bis heute nicht aus dem Hause des
Innenministers erhalten.
HTML http://www.migazin.de/2012/06/11/zum-umgang-des-innenministers-mit-der-islam-studie/
*****************************************************
Page 1 of 1