DIR Return Create A Forum - Home
---------------------------------------------------------
Station13
HTML https://station13.createaforum.com
---------------------------------------------------------
*****************************************************
DIR Return to: Artikel aus der Presse
*****************************************************
#Post#: 253--------------------------------------------------
Lokale Machthaber vs. Zentralregierung
DIR By: Ben
Date: June 10, 2012, 9:44 am
---------------------------------------------------------
Lokale Machthaber vs. Zentralregierung
Seit Monaten streiten Libyen und der Internationale
Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag über den Prozess gegen den
Sohn des ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Saif
al-Islam. Libyen will ihm den Prozess im Land machen, der IStGH
fordert die Auslieferung nach Den Haag. Am Samstag gab es einen
neuen Rückschlag.
Eine vierköpfige Delegation des Strafgerichtshofs, darunter die
australische Anwältin Melinda Taylor, wurde nach Berichten von
al-Jazeera und der unabhängigen libyschen Nachrichtenagentur
Solidarity Press nach einem Gefängnisbesuch bei dem 39-jährigen
Saif al-Islam in der Stadt Zintan von lokalen Machthabern
festgenommen. Später bestätigte der IStGH die Festnahme.
Saif al-Islam GaddafiReutersSaif al-Islam ist seit November in
Haft in Zintan
Es habe eine Reihe von Anrufen von der Regierung gebeten, mit
der Aufforderung, die Anwältin freizulassen: „Aber wir sind
Nationalisten und weigern uns“, sagte der Chef der Brigaden,
Alajmi Ali Ahmed al-Atiri.
„Nach der Durchsuchung des Gerichtsteams fanden die
Revolutionäre Briefe, die ihnen von Saif al-Islam gegeben worden
waren, um sie einem seiner Helfer zu übermitteln“, erklärte er
dem Nachrichtensender Al Jazeera zufolge. „Bei dem Besuch (im
Gefängnis) wurden geheime Dokumente ausgetauscht, darunter ein
von Saif al-Islam blanko unterzeichnetes Papier.“ In den
Dokumenten erkläre der Gaddafi-Sohn, dass es keine rechtmäßige
Regierung in Libyen gebe und er schlecht behandelt werde, sagte
Al-Atiri.
Taylor sei nicht im Gefängnis, sondern unter Hausarrest, sagte
er gegenüber Reuters.
In Haft seit November
Gaddafis zweitältester Sohn wurde im November vergangenen Jahres
im Süden Libyens an der Grenze zum Niger gefasst - ein Monat
nachdem sein Vater bei der Einnahme seiner Heimatstadt Sirte von
Rebellen getötet worden war. Tripolis weigert sich nun, den
Häftling, wie vom IStGH gefordert, in die Niederlande zu
überstellen.
Dort liegen Haftbefehle gegen Saif al-Islam und Gaddafis
ehemaligen Geheimdienstchef Abdullah Senussi wegen
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.
Seitdem sitzt Saif al-Islam nun an einem geheimen Ort in Zintan,
bewacht von Milizen.
Erster Prozess gegen Gaddafi-Vertrauten
Vergangenen Dienstag begann der erste Prozess gegen ein
ranghohes Mitglied der Gaddafi-Regierung in Tripolis. Der
frühere Chef des libyschen Auslandsgeheimdienstes, Busid Dorda,
wird unter anderem beschuldigt, den Truppen seines
Geheimdienstes die Tötung von Demonstranten befohlen und einen
Bürgerkrieg geplant zu haben. Der Angeklagte, langjähriger
Minister und libyscher UNO-Botschafter, weist die Vorwürfe
zurück. Ende Juni soll die Verhandlung fortgesetzt werden.
Saif al-Islam
Gaddafis zweitältester Sohn galt lange als Reformer, stellte
sich in den letzten Monaten der Herrschaft seines Vaters aber
hinter das Regime. Saif al-Islam studierte im Ausland und
unterhielt in den 90er Jahren enge Kontakte zum damaligen
Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider.
Mit der Verurteilung ehemaliger Regierungsmitglieder will die
neue libysche Regierung der internationalen Gemeinschaft
beweisen, dass sie faire Verfahren abhalten kann - auch gegen
Saif al-Islam. Sie ersuchte den IStGH, sich bei der
strafrechtlichen Verfolgung von Saif al-Islam für nicht
zuständig zu erklären. Der Antrag auf Auslieferung solle
zurückgenommen werden, hieß es erst Anfang Mai.
Der Chefankläger des Strafgerichtshofs, Luis Moreno-Ocampo, will
davon aber nichts wissen. „Die Menschen haben gegen Gaddafi
gekämpft, weil sie Gerechtigkeit wollten. Jetzt müssen wir ihnen
helfen, diese auch zu bekommen.“ Er selbst hält Kontakt zu Saif
al-Islam und betonte, dass er nicht misshandelt werde: „Er wird
unter angemessenen Bedingungen in Gewahrsam gehalten“, sagte er
erst vor wenigen Wochen.
Schwache Regierung als Problem
Neben Gaddafis Sohn sitzen aber noch Tausende Anhänger des
früheren Regimes in libyschen Gefängnissen. Moreno-Ocampo
forderte, dass sich „Libyen an die höchsten internationalen
Standards halten“ müsse. Die Festnahme der IStGH-Mitarbeiterin
zeigt eines der Grundprobleme Libyens: wie wenig Kontrolle die
schwache Zentralregierung über die starken lokalen Machthaber
hat. Denn nach wie vor unklar ist, ob die örtlichen Machthaber
von Zintan überhaupt bereit sein werden, Saif al-Islam an
Tripolis für den Prozess zu übergeben.
HTML http://orf.at/stories/2124801/2124806/
*****************************************************
Page 1 of 1