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#Post#: 4215--------------------------------------------------
Identitäre Demokratiegefährdung: Rechtspopulismus für Mitläufer
und Patrioten
By: hellboy Date: May 7, 2017, 3:58 pm
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Patrioten waren schon immer "Idioten". Wer nichts hat als die
Tatsache, dass er zufällig in einem bestimmten Land geboren ist,
hat gar nichts. Idioten im Sinne der alten Griechen, die das
Wort erfunden haben, welches ursprünglich Leute bezeichnet, die
sich nur für sich selbst und ihre Befindlichkeiten, aber nicht
für die Interessen der Allgemeinheit und die Bedürfnisse der
Gesellschaft interessieren.
Ein paar Zitate von Literaten und Philosophen zum Thema
Patriotismus (ich weiß, ein paar davon enthalten sehr deutliche
Formulierungen, aber Schopenhauer und Bierce wird man es glauben
müssen, und wer bin ich, solche Menschen zu kritisieren):
• "Patriot: Jemand, dem die Interessen eines Teils über die
Interessen des Ganzen gehen. Der Gimpel der Politiker und das
Werkzeug der Eroberer." – Ambrose Bierce, Des Teufels
Wörterbuch, Gesellschaftskritisches Wörterbuch eines Zynikers
• "Der Mensch ist ein politisches Geschöpf, das am liebsten zu
Klumpen geballt sein Leben verbringt. Jeder Klumpen haßt die
andern Klumpen, weil sie die andern sind, und haßt die eignen,
weil sie die eignen sind. Den letzteren Haß nennt man
Patriotismus." - Kurt Tucholsky (Kaspar Hauser): Der Mensch. Die
Weltbühne, 16.06.1931, Nr. 24, S. 889, zeno.org
• "Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der
Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel
an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte,
indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen
Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt,
wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie
beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder
erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz
sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er
gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist
nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen
sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen." - Arthur
Schopenhauer: Parerga und Paralipomena, Aphorismen zur
Lebensweisheit, Von dem was einer vorstellt. pp. 360
• "Ich liebe mein Vaterland nicht, weil es mein Vaterland ist,
sondern weil ich es schön finde. Ich habe Heimatgefühl, aber
keinen Patriotismus." – Arthur Schnitzler, Aphorismen und
Betrachtungen aus dem Nachlass
• "In Deutschland wählte der Patriotismus die aggressive Form.
Die Liebe zum Heimischen kleidete sich in den Haß gegen
Fremdes." - Walther Rathenau: Gesammelte Schriften in fünf
Bänden, Bd. 4, Berlin 1918, S. 227
• "Patriotismus, der: Entflammbarer Müll, der für die Fackel des
Ehrgeizlings bereit liegt, welcher seinen Namen ins rechte Licht
gerückt sehen will." – Ambrose Bierce, Aus dem Wörterbuch des
Teufels
• "Patriotismus ist die letzte Zuflucht des Halunken." – Samuel
Johnson, The Life of Samuel Johnson, LL.D. von James Boswell,
Eintrag vom 7. April 1775. London: Hutchinson & Co., 1791. Band
1, S. 211 Google Books
• "Fatal ist mir das Lumpenpack, // das, um die Herzen zu
rühren, // den Patriotismus trägt zur Schau, // mit allen seinen
Geschwüren." - Heinrich Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen
• "Wer sonst gar nichts hat, der hat doch ein Vaterland.
Patriotismus ist die Religion der ganz armen Schweine." - Wiglaf
Droste, Kommentar in der taz, 5. Dezember 2003, taz.de
• "Heimat ist ein Ort, kein Gefühl." - Anon Un Rama, Twitter,
2017
Schon ziemlich hart, das Urteil der Größen aus Politik und
Kultur, aber bestimmt zutreffend.
Aus einem Artikel von FM4:
[quote]Die Identitären: Die "Neuen Rechten" im Aufwind?
Sie bezeichnen sich als identitär, weder links noch rechts und
haben doch mit dem rechtsextremen Rand eines gemeinsam: die
Gegner heißen "Multikulti" und muslimische Einwanderer.
Anfang 2012 haben zehn junge Männer in Wien eine Gruppe mit dem
Namen "Wiener Identitäre Richtung" gegründet - kurz W.I.R. Das
Ziel der Schüler und Studenten: Der Erhalt der Wiener Identität.
Nichts Verdächtiges auf den ersten Blick. Die
Gründungsmitglieder eint allerdings nicht nur die
Traditionspflege, sondern auch ihre rechtskonservative Gesinnung
und die Angst vor dem Verlust des Wienerischen. Letzteres zu
erhalten, ist aber nur ein Teil ihres Anliegens. Vielmehr haben
sie angekündigt die Speerspitze einer neuen Bewegung zu sein,
Sprachrohr für das "echte, wahre Wien", eine Bewegung, die ein
Sammelbecken für alle Patrioten und Identitären sei, die weder
links noch rechts seien, weder Rassisten noch Antisemiten,
sondern Demokraten und "Ethnopluralisten", schreiben sie auf
ihrer Homepage. Eine Umdeutung von belasteten Begriffen wie Volk
und Rasse inklusive.[/quote]
Ruhig den ganzen Artikel lesen, er ist sehr aufschlußreich. Daß
solcher rechtsradikaler Bodensatz unserer Gesellschaft zu feige
ist, sich offen als rechts zu deklarieren, spricht auch Bände.
Genau wie daß sie sich immer in größeren Gruppen zusammenrotten
und auf die vermeintlich schwächsten der Gesellschaft losgehen.
Im Audimax haben sie eine friedliche Theateraufführung gewaltsam
unterbrochen, aber man hat sich gewehrt, das gehört denen viel
öfter. Auch bei ihren Aufmärschen kommt es jedes mal zu
gewaltsamen Ausschreitungen, und immer versuchen sich die sonst
so angeberischen Herrenmenschen weinerlich als arme, unschuldige
und wehrlose Opfer hinzustellen. "Gewalt erzeugt Gegengewalt,
hat man dir das nicht erzählt?" heißt es schon bei den Ärzten.
Aber das Lied hören sie wohl nicht so gerne, weil das ist
ausdrücklich über Leute wie sie, und heißt "Schrei nach Liebe".
Den Refrain brauch ich hier wohl nicht zitieren.
Die Identitären machen auch kein Hehl darus, wer sie eigentlich
sind. Schließlich tragen sie bei ihren Umzügen vorne immer ihre
gagerlgelben Wimpel mit dem verunglückten Mazda-Logo, und hinten
schwenken ein paar Patrioten russische Fahnen. Damit sind sie
die Speerspitze des Putinismus in Mitteleuropa, einer
politischen Strömung die sich fast ausschließlich auf
Patriotismus und Führerkult gründet. Bei Putin sieht man
wiederum das, was ebenfalls typisch für Patriotismus ist: wenn
der große Anfürher wirtschaftspolitisch scheitert und
abgewirtschaftet hat, fängt er halt einen Krieg an. Das ist
nichts typisch russisches, das ist auf der ganzen Welt so.
Alleine die US-Präsidenten haben das bis auf Obama in letzter
Zeit alle gemacht. Reagan war ohnehin ständig im Krieg, ob
offiziell oder illegal und geheim, Bush Sr. hat den ersten
Irakkrieg angefangen, als die Wirtschft lahmte, als die
Lewinski-Affäre aufkam hat Bill Cliton Libyen bombardiert, Bush
Jr. kam 9/11 gerade recht, deshalb ja die ganzen Vorwürfe er
würde selbst dahinterstecken, hatte er doch so den perfekten
Vorwand für den zweiten Irakkrieg. Argentinien hat den
Falklandkrieg auch angefangen, als die Wirtschaft dort an Boden
war, und Thatcher hat auch nur so schnell mobil gemacht, weil
sie das ebenfalls gerade bitter nötig hatte, wegen,
Überrraschung, der miesen Wirtschaftslage im Land. Das sind nur
einige Beispiele die zeigen, wie Patriotismus funktioniert, denn
die Beliebtheitswerte beim Volk sind leider bei all den großen
Führern in allen diesen Fällen steil nach oben gegangen.
Mein Lieblingspeispiel ist und bleibt aber Nicaragua. Die
kommunistischen Sandinistas die dort herrschen sind natürlich
notorisch pleite, dazu sind sie ja Kommunisten. Um die darbende
Bevölkerung davon abzulenken, wollen sie auch ein bisschen Krieg
spielen. Als Gegner kommt dafür aber nur das benachbarte Costa
Rica in Frage. Die haben aber gar keine Armee, denen reicht ihr
militärisches Beistandsabkommen mit den USA und anderen
amerikanischen Staaten, und die Tatsache, daß sie das reichste
Land weit und breit sind, und für diesen Beistand auch zahlen
können. Deshalb können die Nicos die Ticos nicht wirklich
angreifen. Die Sandinisas haben sich dafür aber eine Lösung
ausgeacht, die auf den ersten Blich ziemlich lächerlich wirkt:
im Grenzfluß zwischen den beiden Ländern gibt es eine unbewohnte
Insel. Die wird von beiden Ländern beansprucht, obwohl sie
eigentlich wertlos ist. Die wird dann von den Nicos bombardiert,
weil das liefert tolle Bilder von Explosionen und Carracho, die
braucht man, damit es nach Krieg aussieht. Die Ticos
protestieren, und drohen mit dem Eigreifen ihrer Schutzmächte.
Sobald Gras über die Sache, bzw Buschwerk über die zerbombte
Insel gewachsen ist, geht das ganze wiede von vorne los. Alles
in allem ein ziemlich fauler Zauber. Es wäre ja anzunehmen, daß
auf diesen lächerlichen Theaterdonner niemand hereinfällt, wäre
da nicht die Tatsache, daß die Sandinistas ihr Publikum ganz
genau kennen: es sind Patrioten.
ahoy
hellboy
#Post#: 4216--------------------------------------------------
Re: Identitäre Demokratiegefährdung: Rechtspopulismus für Mitläu
fer und Patrioten
By: pet Date: May 8, 2017, 4:25 pm
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Du nimmst das alles zu ernst. Nicht vergessen: auch die
Identitären sind nichts anderes als die Pöpö -- eine Ansammlung
kleiner Verbrecher, die große Verbrecher werden wollen. Die
Inhalte sind bloß ein Gimmick für kleine Leute, um sich darum zu
versammeln, damit man sie dann abstieren kann. Rechte Inhalte
funktionieren für sowas eindeutig besser als linke Inhalte, wie
man an der KPÖ und ihren zahlreichen Frontorganisationen sehen
kann. Alles Scheißdreck zum Fressen für kleine Maxis, so wie
Fußball, Song-Contest, Scientology, Busenmarxismus, Ärzte ohne
Grenzen, usw. usf. Betrieben von Leuten, denen nichts zu blöd
ist um ehrliche Arbeit zu vermeiden. Das ist alles, was dahinter
ist.
#Post#: 4217--------------------------------------------------
Re: Identitäre Demokratiegefährdung: Rechtspopulismus für Mitläu
fer und Patrioten
By: hellboy Date: May 9, 2017, 11:46 am
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ich weiß eh. das war damals ein artikel auf einer anderen
plattform, als reaktion auf die damalige aktion der identitären.
eigentlich als antwort auf einen artikel dort, der die
identitären als opfer hinstellt. hier hab ich ihn nur zu
archivierungszwecken hergepickt, wegen der zitatensammlung.
ahoy
hellboy
#Post#: 4225--------------------------------------------------
Re: Identitäre Demokratiegefährdung: Rechtspopulismus für Mitläu
fer und Patrioten
By: hellboy Date: May 16, 2017, 5:45 am
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ergänzt:
[quote]Die Identitären machen auch kein Hehl darus, wer sie
eigentlich sind. Schließlich tragen sie bei ihren Umzügen vorne
immer ihre gagerlgelben Wimpel mit dem verunglückten Mazda-Logo,
und hinten schwenken ein paar Patrioten russische Fahnen. Damit
sind sie die Speerspitze des Putinismus in Mitteleuropa, einer
politischen Strömung die sich fast ausschließlich auf
Patriotismus und Führerkult gründet. Bei Putin sieht man
wiederum das, was ebenfalls typisch für Patriotismus ist: wenn
der große Anfürher wirtschaftspolitisch scheitert und
abgewirtschaftet hat, fängt er halt einen Krieg an. Das ist
nichts typisch russisches, das ist auf der ganzen Welt so.
Alleine die US-Präsidenten haben das bis auf Obama in letzter
Zeit alle gemacht. Reagan war ohnehin ständig im Krieg, ob
offiziell oder illegal und geheim, Bush Sr. hat den ersten
Irakkrieg angefangen, als die Wirtschft lahmte, als die
Lewinski-Affäre aufkam hat Bill Cliton Libyen bombardiert, Bush
Jr. kam 9/11 gerade recht, deshalb ja die ganzen Vorwürfe er
würde selbst dahinterstecken, hatte er doch so den perfekten
Vorwand für den zweiten Irakkrieg. Argentinien hat den
Falklandkrieg auch angefangen, als die Wirtschaft dort an Boden
war, und Thatcher hat auch nur so schnell mobil gemacht, weil
sie das ebenfalls gerade bitter nötig hatte, wegen,
Überrraschung, der miesen Wirtschaftslage im Land. Das sind nur
einige Beispiele die zeigen, wie Patriotismus funktioniert, denn
die Beliebtheitswerte beim Volk sind leider bei all den großen
Führern in allen diesen Fällen steil nach oben gegangen.
Mein Lieblingspeispiel ist und bleibt aber Nicaragua. Die
kommunistischen Sandinistas die dort herrschen sind natürlich
notorisch pleite, dazu sind sie ja Kommunisten. Um die darbende
Bevölkerung davon abzulenken, wollen sie auch ein bisschen Krieg
spielen. Als Gegner kommt dafür aber nur das benachbarte Costa
Rica in Frage. Die haben aber gar keine Armee, denen reicht ihr
militärisches Beistandsabkommen mit den USA und anderen
amerikanischen Staaten, und die Tatsache, daß sie das reichste
Land weit und breit sind, und für diesen Beistand auch zahlen
können. Deshalb können die Nicos die Ticos nicht wirklich
angreifen. Die Sandinisas haben sich dafür aber eine Lösung
ausgeacht, die auf den ersten Blich ziemlich lächerlich wirkt:
im Grenzfluß zwischen den beiden Ländern gibt es eine unbewohnte
Insel. Die wird von beiden Ländern beansprucht, obwohl sie
eigentlich wertlos ist. Die wird dann von den Nicos bombardiert,
weil das liefert tolle Bilder von Explosionen und Carracho, die
braucht man, damit es nach Krieg aussieht. Die Ticos
protestieren, und drohen mit dem Eigreifen ihrer Schutzmächte.
Sobald Gras über die Sache, bzw Buschwerk über die zerbombte
Insel gewachsen ist, geht das ganze wiede von vorne los. Alles
in allem ein ziemlich fauler Zauber. Es wäre ja anzunehmen, daß
auf diesen lächerlichen Theaterdonner niemand hereinfällt, wäre
da nicht die Tatsache, daß die Sandinistas ihr Publikum ganz
genau kennen: es sind Patrioten.[/quote]
ahoy
hellboy
#Post#: 4250--------------------------------------------------
Re: Identitäre Demokratiegefährdung: Rechtspopulismus für Mitläu
fer und Patrioten
By: Schuttwegraeumer Date: July 22, 2017, 1:02 am
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Ich halte die Identitären für eine vorübergehende Erscheinung.
Die Themen die diese haben werden uns aber noch länger
beschäftigen.
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