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#Post#: 2648--------------------------------------------------
Barrierefreiheit ist ein privates Problem.
By: hellboy Date: September 18, 2014, 2:14 pm
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[quote="taz"]Barrieren für Rollstuhlfahrer
Das Privatproblem eines Piraten
Dem Landtagsabgeordneten Stefan Fricke aus NRW wird die
Teilnahme an einer Dienstreise verweigert. Er darf nicht mit,
weil er im Rollstuhl sitzt.
DÜSSELDORF taz | Der rot-grün dominierte Düsseldorfer Landtag
will, dass behinderte und nichtbehinderte Kinder an den Schulen
des Landes Nordrhein-Westfalen gemeinsam lernen. Doch derzeit
sieht sich die Landtagsverwaltung noch nicht einmal dazu in der
Lage, einem Abgeordneten im Rollstuhl die Teilnahme an einer
Auslandsdelegation zu organisieren.
Der schwer contergangeschädigte Landtagsabgeordnete Stefan
Fricke von der Piratenpartei ist Mitglied der
Parlamentariergruppe Türkei. Im Oktober will die Gruppe Ankara,
Istanbul und Zonguldak besuchen, die Partnerstadt von
Castrop-Rauxel. Fricke hat extrem kurze Arme und Beine. Er
braucht einen speziellen Rollstuhl.
Im Juni teilte die Landtagsverwaltung seinem Büro mit, dass nach
Auskunft der Deutschen Botschaft der Transfer innerhalb der
Türkei schwierig werden könnte, weil es keinen geeigneten Bus
und keine barrierefreien Sanitäranlagen auf den Wegen gäbe. Eine
Lösung für dieses Problem bot die Verwaltung nicht an.
Stattdessen hat sie den Abgeordneten einfach von der
Teilnehmerliste gestrichen.
Gegen diese Diskriminierung hatte Fricke in der vergangenen
Woche Klage vor dem Landesverfassungsgericht eingereicht. „Es
hat mich viel Überwindung gekostet, diese Angelegenheit vor
Gericht zu bringen“, schreibt er. „Aber die Reaktionen zeigen
mir, dass Behinderte auch heute noch Menschen zweiter Klasse
sind.“
„Wir halten uns als Fraktion komplett raus“
Die Landtagsverwaltung versucht, sich herauszulavieren. Sie
behauptet, Fricke habe sich selbst von der Reise abgemeldet.
Doch eine dazu erforderliche persönliche Erklärung hat Fricke
nicht abgegeben. In der Klageentgegnung des Landtags heißt es,
die Verwaltung habe sich „umfassend bemüht“. Es habe sich aber
herausgestellt, dass „eine barrierefreie Teilnahme an der Reise
nicht ermöglicht werden konnte“.
In einer Pressemitteilung hält die Landtagsverwaltung Fricke
sogar vor, was sie bislang für ihn getan hat, unter anderem habe
sie im Landtag „unter großem finanziellen Aufwand eine eigene
Dusche plus Toilette eingerichtet“. Außerdem sei ihm durch „das
Engagement der Landtagsverwaltung“ die Teilnahme an einer
Informationsreise nach Berlin ermöglicht worden.
Die Piratenfraktion ist der Meinung, die Angelegenheit sei
Frickes Privatproblem. „Wir halten uns da als Fraktion komplett
raus“, sagte Sprecher Ingo Schneider der taz. Man sehe hier
keinen Fall von Diskriminierung. „Wenn die Landtagsverwaltung
sagt, sie hat alles getan, glauben wir das.“
Hinter den Kulissen hätten Fraktionskollegen mit E-Mails und per
Telefon massiv auf Fricke eingewirkt, die Klage fallen zu
lassen, heißt es in dessen Umfeld. Am Mittwoch hat Fricke
aufgegeben und ließ die Klage fallen. „Weil ich gesundheitlich
dem, seit dem Bekanntwerden dieser Sache, entstandenen Druck aus
der Fraktion der Piratenpartei nicht mehr standhalten kann“,
teilte er mit.[/quote]
HTML http://taz.de/!146179/
Die offizielle Reaktion des Landtages hab ich gefunden
[quote="Landtag NRW"]Zur Klage des Abgeordneten Fricke gegen den
Landtag
(11.9.2014) Zum Organstreitverfahren des Abgeordneten Fricke
gegen den Landtag NRW erklärt die Pressestelle des Parlaments:
1. Die Behauptung des Abgeordneten Fricke, er sei von der
Teilnehmerliste für eine Informationsreise der
Parlamentariergruppe NRW-Türkei gestrichen worden, ist
unzutreffend.
2. In der Vorbereitung der Türkei-Reise der Parlamentariergruppe
NRW-Türkei vom 12. bis 18. Oktober 2014 hat die
Landtagsverwaltung vielfältige Anstrengungen unternommen, die
Teilnahme an der Reise für den Abgeordneten Fricke zu
gewährleisten.
3. Sowohl die kontaktierten Reisebüros als auch die offiziellen
Ansprechpartner in der Türkei haben mehrfach Bedenken
hinsichtlich der für Herrn Fricke erforderlichen
Barrierefreiheit geäußert. Laut dieser Auskünfte stehe ein
entsprechend ausgestatteter barrierefreier Bus für die
Türkei-Reise nicht zur Verfügung. Außerdem könne nicht
garantiert werden, dass auf der Strecke der beiden notwendigen
mehrstündigen Busfahrten entsprechende sanitäre Einrichtungen
vorhanden seien. Auch in der Klageschrift gegen den Landtag wird
konstatiert: "Solche Wagen gibt es nicht in der Türkei…".
4. Die Landtagsverwaltung informierte den Abgeordneten Fricke
zeitnah über die geäußerten Bedenken. Am 24. Juni 2014 erklärte
das Büro des Abgeordneten, dass dieser sich" genötigt" sehe, die
Reise abzusagen.
5. Aufgrund dieser Absage wurden die bereits gebuchten Flüge und
Hotelreservierungen storniert.
6. Den Vorschlägen des Abgeordneten Fricke, einen
behindertengerechten Bus von Deutschland in die Türkei zu
transferieren, Transportmittel des türkischen Militärs für ihn
zu ordern sowie in der Türkei einen Bus behindertengerecht
umzubauen, konnte aus nachvollziehbaren Gründen nicht
entsprochen werden.
7. Der Landtag Nordrhein-Westfalen lässt sich nicht vorwerfen,
sich nicht für Menschen mit Behinderungen einzusetzen. Gerade
für den Abgeordneten Fricke hat der Landtag erhebliche
Leistungen erbracht. So hat ihm der Landtag unter großem
finanziellen Aufwand eine eigene Dusche plus Toilette
eingerichtet, finanziert einen zusätzlichen Mitarbeiter und
stellt ihm einen behindertengerechten PKW zur Verfügung. Das
Engagement der Landtagsverwaltung zeigte sich aber auch bei
vorangegangenen Reisen. So wurde u.a. dem Abgeordneten Fricke
die Teilnahme an der Informationsreise der Parlamentariergruppe
NRW-Türkei nach Berlin Anfang 2014 ermöglicht.
Herausgeberin: Die Präsidentin des Landtags
Redaktion: Hans Zinnkann, Pressesprecher; Florian Melchert, stv.
Pressesprecher
Telefon: 0211/884-2850 Telefax: 0211/884-2250
E-Mail: hans.zinnkann@landtag.nrw.de[/quote]
Welche diese angeblich nachvollziehbaren Gründe sein sollen,
nicht einen behindertengerechten Bus mit eingebauter Toilette in
die Türkei zu überstellen, und den zB dem diplomatischen Dienst
und medizinischen Einrichtungen für die Zukunft zur Verfügung zu
stellen, erschließt sich mir nicht.
Ich habe bei der Piratenfraktion NRW, den 20 Piraten und dem
Landesvorstand der Piraten NRW nach einer offiziellen
Stellungnahme gefragt, aber keine Antwort bekommen. Alles was im
Netz herumschwirrt sind Gerüchte, daß Fricke sich total
unbeliebt gemacht, und seinen "Behindertenbonus längst
verspielt" hätte. Macht ein super Bild in der Öffentlichkeit,
mal wieder.
ahoy
hellboy
#Post#: 2654--------------------------------------------------
Re: Barrierefreiheit ist ein privates Problem.
By: hellboy Date: September 19, 2014, 7:30 pm
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Ich find noch immer nur gute Ratschläge, man solle sich doch die
Informationen von den 20piraten holen. Das ist absolut nicht
ausreichend, ja sogar der Megafail in der Öffentlichkeitsarbeit.
Wenn sowas in den Medien auftaucht, muß es sofort eine
offizielle Stellungnahme geben.
Es nutzt auch nix, daß mir Piraten die ich sehr schätze
versichern, daß die 20piraten im Recht sind, und daß jeder der
die Faktenlage kennt das auch so sieht, wenn es keinerlei
öffentlich einsehbare Stellungnahme gibt. Das widerspricht
allem, wofür die Piraten stehen. Dinge einfach aussitzen mag ja
bei Merkel funktionieren, aber genau deshalb sollten wir das
anders machen. Wir stehen für Transparenz und vor allem dafür,
daß das nicht nur ein leeres Schlagwort ist.
Der öffentlichen Darstellung wird einfach nicht widersprochen,
und somit steht die Fraktion als ein Haufen rücksichtsloser
Leute da, die sich nicht um die Probleme ihres Behinderten
Kollegen scheren. Ich verstehe einfach nicht, was der Plan
dahinter sein soll. Nichts zu sagen ist in dieser Situation das
dümmste, was man machen kann, und genau das wird gemacht. Egal
was die sich dabei denken, sie liegen falsch.
ahoy
hellboy
#Post#: 2661--------------------------------------------------
Re: Barrierefreiheit ist ein privates Problem.
By: hellboy Date: September 20, 2014, 3:24 pm
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[quote="knautschzone"]Inklusion um jeden Preis?
Unsere 20-Piraten-Fraktion macht das, was sie schon immer getan
hat - sie verspielt jeden Ball! Es geht um das Thema Stefan
Fricke und seine abgesagte Reise in die Türkei. Die TAZ nahm
sich dieses Themas an und schrieb: " ... derzeit sieht sich die
Landtagsverwaltung noch nicht einmal dazu in der Lage, einem
Abgeordneten im Rollstuhl die Teilnahme an einer
Auslandsdelegation zu organisieren."
Betrachtet man die Pressemitteilung der Verwaltung des Landtags
NRW in Sachen Klage von Stefan Fricke, sind insbesondere die
Punkte 6 und 7 in der Pressemitteilung die interessantesten.
Unter Punkt 6 steht geschrieben, Zitat: "Den Vorschlägen des
Abgeordneten Fricke, einen behindertengerechten Bus von
Deutschland in die Türkei zu transferieren, Transportmittel des
türkischen Militärs für ihn zu ordern sowie in der Türkei einen
Bus behindertengerecht umzubauen, konnte aus nachvollziehbaren
Gründen nicht entsprochen werden."
Ich meine, das kann man verstehen. Inklusion ist nun mal noch
nicht überall auf der Welt ein Thema. Man versucht nun selbst
mit allen Mitteln, die Chance zu erhalten, als
Landtagsabgeordneter und Mitglied der Parlamentariergruppe
Türkei seine Aufgaben wahrzunehmen. Leider bleibt Stefan das
Ganze an dieser Stelle versagt. Ob man nun aber gleich "Panzer"
dazu umbauen lassen muss, oder einen umgebauten Bus vom Landtag
für die Reise in die Türkei zu fahren, den Reiseweg mit
behindertengerechten Toiletten zu versehen und anderem, das ist
angesichts der Kosten, die das verursacht und für einen
einmaligen Weg doch etwas ... nun sagen wir - zu viel des Guten.
Also, diese Forderungen sind jenseits von gut und böse. Nur gut,
dass es keine Gruppe Himalaja gibt oder eine Gruppe Urwald.
Sonst müsste ein Weg zum Gipfel geebnet werden oder ein Pfad
durch den Dschungel geschnitten. Leider ist es so, Inklusion ist
im Rahmen von Möglichkeiten eine sinnvolle Sache. Es gibt aber
Grenzen, und diese sind hier erreicht.
So weit könnte man nun Stefan den schwarzen Peter in die Schuhe
schieben. Was nun aber passiert, ist mal wieder typisch für
unsere Piratenfraktion. Man hält sich komplett raus. Ach nee?
Warum eigentlich?
Punkt 7 in der Pressemitteilung der LT-Verwaltung listet nun
detailliert auf, was alles für diesen speziellen Abgeordneten im
Landtag gemacht wird? Ich zitiere den ganzen Absatz: "Der
Landtag Nordrhein-Westfalen lässt sich nicht vorwerfen, sich
nicht für Menschen mit Behinderungen einzusetzen. Gerade für den
Abgeordneten Fricke hat der Landtag erhebliche Leistungen
erbracht. So hat ihm der Landtag unter großem finanziellen
Aufwand eine eigene Dusche plus Toilette eingerichtet,
finanziert einen zusätzlichen Mitarbeiter und stellt ihm einen
behindertengerechten PKW zur Verfügung. Das Engagement der
Landtagsverwaltung zeigte sich aber auch bei vorangegangenen
Reisen. So wurde u.a. dem Abgeordneten Fricke die Teilnahme an
der Informationsreise der Parlamentariergruppe NRW-Türkei nach
Berlin Anfang 2014 ermöglicht."
Das hört sich nun aber echt danach an als ob Stefan dem Landtag
auf ewig dankbar sein müsste? Oder gar die ganze
Piratenfraktion?
Statt das nun als Steilvorlage zu nehmen und eben hier genau das
Versagen der Landtagsverwaltung und der Landesregierung unter
die Nase zu reiben, hält man sich eben lieber heraus und macht
das zu einer privaten Angelegenheit von Stefan. Der Landtag ist
eine öffentliche, dem Bürger zugewandte Instituition, die es bis
zu Stefans Antritt als Abgeordneter noch nicht geschafft hatte,
behindertengerecht den Landtag (um) zu bauen? Was ist das für
eine Verwaltung, bzw. für eine Landesregierung, die Inklusion
als notwendiges Übel betrachtet, statt auf Anliegen dieser
Menschen einzugehen? Bis heute dürfen nur Blindenhunde in den
Landtag hinein. Hunde, die Menschen mit Gebrechen bei ihren ganz
alltäglichen Problemen helfen, Dinge aufheben, Türen öffen usw.,
sind bis zum heutigen Tag im Landtag nicht gestattet!
Ganz offensichtlich ist weder unsere Landesregierung unter SPD
und Grünen in der Lage dazu, "Inklusion" als Problematik in
Gänze zu verstehen, noch sind die 20 Piraten fähig, angewandte
Politik zu machen! Es sollte, insbesondere für unseren Landtag,
eine Selbstverständlichkeit sein, Menschen mit Behinderungen
ernst zu nehmen und nicht auszugrenzen. Stefan muss sich,
angesichts dieser Veröffentlichung, jetzt noch bedanken, dass
man "immense Kosten aufgewendet hat"? Das ist für mich ein
schlechter Witz.
Der Landtag ist die oberste politische Instanz auf Landesebene
und das Gebäude sollte dementsprechend in Vorbildfunktion eine
barrierefreie und behindertengerechte Nutzung für jeden Bürger
ermöglichen, egal ob Abgeordneter, Angestellter oder Besucher.
Inklusion nur für andere, weil man das ja per Gesetz so anderen
aufdrücken kann?
Hat man noch nie davon im Landtag gehört, dass man Dinge auch
vorleben kann? Zitat Pressesprecher 20 Piraten: "Die
Piratenfraktion ist der Meinung, die Angelegenheit sei Frickes
Privatproblem. „Wir halten uns da als Fraktion komplett raus“,
sagte Sprecher Ingo Schneider der taz. Man sehe hier keinen Fall
von Diskriminierung. „Wenn die Landtagsverwaltung sagt, sie hat
alles getan, glauben wir das.“ "
Tja, ich betrachte das Ganze als verspielten Ball. Auch wenn es
möglicherweise private Sachen sind, die Fraktion sollte dennoch
zeigen, dass Stefan nicht allein mit seinem Problem ist. Ich
glaube auch an den Weihnachtsmann.
Ein Geschmäckle hat das Ganze zusätzlich. Interner Mailverkehr
der Piraten, um die Klage fallen zu lassen? Druck, der ausgeübt
wurde? Weitere Fragen, die sich an dieser Stelle auftun.
Daher - Leute - so geht es nicht! In diesem aktuellen Fall: Man
hätte trotz möglicher interner Konflikte den Elfmeter auf das
richtige Tor schießen können! Stattdessen macht man ein Eigentor
+ rote Karte daraus.
Links:
HTML http://www.taz.de/Barrieren-fuer-Rollstuhlfahrer/!146179/
HTML http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_II/II.1/Pressemitteilungen-Informationen-Aufmacher/Pressemitteilungen-Informationen/Pressemitteilungen/2014/09/1109_Stellungnahme_Klage_Fricke.jsp
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HTML http://knautschzone.blogspot.de/2014/09/inklusion-um-jeden-preis.html
amen!
ahoy
hellboy
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