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#Post#: 2424--------------------------------------------------
Nach wienux jetzt auch limux vor dem aus
By: hellboy Date: August 19, 2014, 6:04 am
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[quote="Andi Popp"]Münchener IT zurück in die Vergangenheit?
Wie die SZ berichtet
HTML http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchner-stadtverwaltung-von-microsoft-zu-linux-und-zurueck-1.2090611,<br
/>prüft die Stadt München den Aussteig aus Linux und die Rückkeh
r
zu Microsoft Windows. Begrüßt wird dies allem Anschein nach vor
allem vom zweiten Bürgermeister Josef Schmid (CSU), aber auch
von OB Dieter Reiter (SPD).
Damit fasst die SZ im Wesentlichen eine Diskussion zusammen, die
schon seit etwa einem Monat stattfindet
HTML http://www.heise.de/open/meldung/LiMux-Linux-in-Muenchen-unter-politischem-Beschuss-2260806.html?wt_mc=rss.open.beitrag.rdf.<br
/>Leider fehlt die Gegenseite in dieser Diskussion komplett. Gru
nd
genug, die wichtigsten Punkte hier noch einmal zusammenzufassen.
Kritik an LiMux ist vollkommen unfundiert
Die Kritik der beiden Münchener Spitzenpolitiker ist vollkommen
unfundiert. Die Aussagen lassen sich im Wesentlichen als »Linux
kann nix und ist doof« zusammenfassen. Konkrete Argumente gibt
es dagegen wenige und die, welche es gibt strotzen nur so vor
Unwissen über die technischen Sachverhalte. Einige Beispiele:
- Reiter meint dass freie Software “gelegentlich den
Microsoft-Anwendungen hinterherhinke”. Worum es im dabei konkret
geht, sagt er nicht. Er unterschlägt auch, dass Microsoft sehr
häufig der freien Software hinterher hinkt. Bestes Beispiel ist
hier das auf Linux basierende mobile Betriebssystem Android,
welches das Microsoft Betriebssystem Windows Mobile schon lange
in den Schatten gestellt hat.
- Reiter musste auf sein Diensthandy warten, weil erst ein
»externer Mailserver« eingerichtet werden musste. Genaueres weiß
man über den Sachverhalt nicht, aber das Problem klingt eher so,
als hätte es seinen Grund in der Infrastruktur – etwa der
Netzwerkarchitektur oder Sicherheitsvorkehrungen. Dass es mit
dem Betriebssystem überhaupt nichts zu tun hat, hat zumindest
schon der IT-Chef der Stadt bestätigt.
- Schmid vermisst »ein einheitliches Programm für E-Mails,
Kontakte und Termine«. Der LiMux-Client kommt mit Thunderbird
(E-Mails und Kontakte), der wiederum kann in unter einer Minute
um das Add-on Lightning erweitert werden, das sich um Termine
kümmert. Voilá.
Probleme treten mit Windows genauso auf
Die Infrastruktur der Verwaltung einer Metropole wie München ist
nicht mit der eines Einfamilienhauses vergleichbar. Sie ist
deutlich komplexer und kann nicht mal eben innerhalb eines Tages
umgebaut werden. Aus diesem Grund treten viele Probleme (z.B.
Reiters Handy) ganz unabhängig vom Betriebssystem auf, also
genauso mit Windows.
Darüber hinaus kann jeder, der schon mal im IT-Support
gearbeitet hat, ein Lied davon singen (um Reiters Wortwahl zu
gebrauchen), dass Anwender mit Windows genauso ihre
Schwierigkeiten haben, gerade in einer komplexen Infrastruktur.
Auch das von Schmid angeführte Argument dass »Linux sehr
kostenintensiv ist, weil sehr viel selbst programmiert werden
muss«, geht an der Realität vorbei. Es muss immer viel selbst
programmiert werden, wenn man spezielle Wünsche hat, völlig
unabhängig vom Betriebssystem.
Die Mär von den Standardprogrammen
Schmid sagt: “Wenn die ganze Welt mit einem Standardprogramm
arbeitet, dann ist es wichtig, dass wir auf dem gleichen System
sind.” Der Punkt hierzu ist: es gibt keine Standardprogramme.
IT-Standards beziehen sich auf Protokolle, Dateiformate,
Sprachen und Ähnliches, aber nicht auf Software. Wenn es zum
Beispiel um das Darstellen von Webseiten geht, dann lautet der
Standard HTML und nicht Firefox, Chrome oder Internet Explorer.
Die Idee ist, dass jeder Browser diesen Standard implementieren
kann. Gäbe es de facto nur einen brauchbaren Browser, sprächen
wir nicht von einem Standard, sondern von einem Monopol. Der
entscheidende Unterschied ist: ein Standard ist etwas Gutes, ein
Monopol etwas Schlechtes.
Software-Monopole halten sich unter dem Namen »Standardsoftware«
leider ziemlich zäh in Unternehmen. Das beste Beispiel – dass
durchaus der Aufreger in der LiMux-Debatte sein könnte – sind
Office-Dokumente. Mit Microsoft Office erstellte Dokumente und
mit freien Office-Anwendungen erstellte Dokumente haben bis
heute Kompatibilitätsprobleme. Die Schuld dafür wird meist der
freien Software in die Schuhe geschoben und das, obwohl in
Fachkreisen längst klar ist
HTML http://stephesblog.blogs.com/my_weblog/2007/08/microsofts-fail.html,<br
/>dass Microsoft Office mit seinem total verkorksten, selbst nic
ht
einzuhaltenden OOXML-Standard das Problem ist. Dennoch setzen
Unternehmen häufig auf die »Standardsoftware« Microsoft Office.
In der Politik darf man diesen Fehler aber nicht machen. Es ist
eine wichtige Aufgabe politischer Entscheidungsträger, Standards
zu unterstützen und eine Monopolbildung durch nicht
standard-konforme Software zu verhindern.
Eine Rückmigration ist teuer
Die Umstellung von einer Software auf eine neue (Migration) ist
immer mit Aufwand verbunden, darunter Anschaffungen,
Installation, Problembehebung, Schulung und höherer
Support-Aufwand in der Einführungsphase. Auch die Umstellung der
Stadt München auf Linux hat diesen Aufwand verursacht und
verursacht ihn immer noch, wie wir gerade sehen. Die Stadt
München hat über 20 Mio. € in die Hand genommen um die
Umstellung auf Linux zu finanzieren. Eine Rückmigration auf
Windows würde ebenfalls wieder Aufwand und Kosten verursachen.
Closed-Source-Software ist ein Sicherheitsrisiko
Das letzte und gleichzeitig wichtigste Argument lassen Schmid
und Reiter leider vollkommen aus. Microsoft ist ein
US-Unternehmen, dass von einem US-Geheimgericht (FISA-Court
HTML http://en.m.wikipedia.org/wiki/United_States_Foreign_Intelligence_Surveillance_Court)<br
/>in einem geheimen Urteil dazu gezwungen werden kann – und mit
hoher Wahrscheinlichkeit schon dazu gezwungen wurde –, eine
geheime Abhör-Schnittstelle für die NSA einzubauen. Während dies
für manche »Ich habe ja nix zu verbergen«-Heimanwender eher eine
untergeordnete Rolle spielt, haben die Rechner der
Stadtverwaltung München Zugriff auf viele sensible
personenbezogene Daten, wie etwa die des Melderegisters. Da
Microsoft eine Closed-Source-Strategie fährt, ist es nahezu
unmöglich, eine solche Abhörschnittstelle zu erkennen, exakt zu
lokalisieren und zu schließen.
Open-Source-Software ist natürlich auch nicht 100% davor gefeit,
Datenlecks zu produzieren (Stichwort: Heartbleed), aber der
offene Source-Code macht das gezielte Einschleusen einer
Abhörschnittstelle nicht nur deutlich schwieriger, sie ist
gleichzeitig auch viel einfacher zu entdecken und kann
grundsätzlich von jedermann auch selbst geschlossen werden.
Eine Migration von staatlicher IT-Infrastruktur auf offene
Plattformen ist seit der NSA-Affäre damit eigentlich
obligatorisch. Häufig wird allerdings bis heute der
Migrationsaufwand gescheut. Die Stadt München hat diese
Migration aber fast vollständig abgeschlossen. Zum jetzigen
Zeitpunkt aufgrund einiger vage formulierter Probleme mit der
Benutzerfreundlichkeit einen Rückzieher zu machen ist absolut
unverantwortlich.
Fazit
Das LiMux-Projekt der Stadt München ist ein Vorzeige-Projekt in
der Modernisierung städtischer IT-Infrastruktur. Die IT der
Stadtverwaltung ist damit nicht nur offener und
standardkompatibler, sondern auch robuster gegenüber Spionage,
die heute leider allgegenwärtig ist.
Schmids Aussage »Uns war damals schon klar, dass sich das nicht
durchsetzen wird, weil wir als Kommune nicht die ganze Welt
verändern können.« zeugt nicht nur von fehlenden politischen
Ambitionen, sondern marginalisiert auch die Mammut-Leistung, die
seine städtische IT mit diesem Pionier-Projekt geleistet hat.
Die Tatsache, dass Reiter und Schmid das Datensicherheitsproblem
noch nicht einmal erwähnen, ist ein Armutszeugnis. Ihre Aussage
lässt sich damit im Wesentlichen auf »Scheiß auf die Sicherheit
der sensiblen Daten der Bürger. Ich will Outlook!« reduzieren.
Ich kann nur hoffen, dass die von Schmid erwähnte unabhängige
Expertengruppe ihrem Namen alle Ehre macht und ihre Empfehlung
auf Basis fachlich fundierter Argumente abgibt und nicht in die
gleiche Falle tappt wie Reiter und Schmid. Oder spielt es hier
vielleicht gar eine politische Rolle, dass Microsoft sich 2016
in München niederlassen will? Vor diesem Hintergrund wirken die
Aussagen von Schmid und Reiter geradezu gekauft.[/quote]
HTML https://piratenpartei-bayern.de/2014/08/19/muenchener-it-zurueck-in-die-vergangenheit/
Wenn die Politik in Wien bei Microsoft die Hand aufgehalten hat,
können die Münchner das natürlich auch. Die werden limux genauso
brutal abwürgen wie wienux
HTML http://www.golem.de/specials/wienux/
damals.
ahoy
hellboy
#Post#: 2425--------------------------------------------------
Re: Nach wienux jetzt auch limux vor dem aus
By: hellboy Date: August 19, 2014, 6:40 am
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Als wir piraten noch netzpolitik gemacht haben, gab es darüber
schonmal eine Diskussion.
HTML http://forum.piratenpartei-wien.at/viewtopic.php?f=2&t=128#p277
Allerdings nicht lange. Lag wohl daran, daß damals schon die
Unterwanderung der piratenbewegung durch die Linken und
politkarrieristen, und damit ihr totalversagen begonnen hat.
ahoy
hellboy
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