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Reisetagebuch: Unterwegs auf der Seidenstraße in China
By: Ilmen Date: June 6, 2016, 11:12 am
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Reisetagebuch: Unterwegs auf der Seidenstraße in China
Unser Korrespondent Mario Schmidt ist seit Montag mit seinem
Team unterwegs auf der legendären Seidenstraße. Viele
Jahrhunderte haben sich nur noch Wenige für diese einst
bedeutende Handelsroute interessiert. Jetzt will China sie
wiederbeleben.
Was er dort bei den Dreharbeiten für die Weltspiegel-Reportage
(18. Juni um 13:00 Uhr im Ersten) erlebt, berichtet Mario
Schmidt hier:
Reisetagebuch:
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Viele Schilder hier sind dreisprachig. Mein Lieblingsbild: 15
Meter rechts beginnt China, aber bitte nicht hupen, soll das
wohl heißen.
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Unsere letzte Stadion rückt näher, Horgos: Auf dem Weg in der
Ferne das Tianshan-Gebirge.
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Horgos, Chinas Grenzstadt zu Kasachstan. Viele Träume hier und
Baustellen. Die Kleinstadt soll ein wichtiger Knotenpunkt auf
der Seidenstraße werden, das neue Shenzhen, sagt uns ein
selbstbewusster Manager. Es gibt schon eine große
Freihandelszone an der Grenze. Hier kommen viele Kasachen her,
um günstig einzukaufen, rot ist die chinesische Seite, blau
Kasachstan.
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In Urumqi übernachten wir nur, eine moderne Stadt, mehr als zwei
Millionen Einwohner. Es die Stadt auf der Welt, die am weitesten
von einem Ozean entfernt liegt, und sie liegt im geografischen
Zentrum Asiens.
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Chinas Art, den vielen Fahrern hier zu sagen, dass sie aufpassen
sollen.
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Chinesischer Patriotismus im Auto unseres lokalen Fahrers.
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Gut 200 Kilometer lang ist der nächste Abschnitt auf der
Autobahn bis nach Urumqi. Wieder durch die Wüste, doch diese ist
anders: Tausende Windräder, der größte Windpark Asiens steht
hier. Auch das ist Teil der „Neuen Seidenstraße“: China erhofft
sich davon, seine Produkte besser in Zentralasien und Europa zu
verkaufen. Die Infrastrukturprojekte und die Energieversorgung
sind dabei ein wesentlicher Teil. Urumqi aber kann auch grüne
Energie gebrauchen. Vor allem im Winter leidet die Stadt unter
Smog wegen der vielen alten Kohlekraftwerke.
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Der größte Windpark Asiens, chinesische Trucker und eine neue
Boomtown: Die Impressionen vom zweiten Abschnitt unserer Reise.
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Auch die Kleinstadt Turpan ist bereits an Chinas
High-Speed-Zugnetz angeschlossen. Fahrten nach Urumqi dauern
etwa eine Stunde.
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Turpan liegt in einer Senke, die als niedrigster Punkt Chinas
gilt. Die Menschen ertragen im Sommer Temperaturen von um die 50
Grad. Wir können leider unsere Drohne zum Filmen nicht steigen
lassen. Die Software zeigt automatisch „no-fly-zone“ an, die
Drohne bewegt sich dann nicht. Was das Problem ist, wissen wir
nicht. Aber der Sandsturm ist eh zu stark.
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Als wir ankommen, ist Sandsturm. Mein persönlicher Rekord wird
hier erreicht: Der Feinstaubwert PM10 liegt über 1800. Das ist
aber der Sand, diesmal nicht Industrie- und Autoabgase wie in
Peking. Unser Fahrer berichtet, dass dies noch ein harmloser
Sandsturm sei. Manchmal könne man keine zehn Meter weit gucken.
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Zur Zeit der alten Seidenstraße war Xinjiang die sogenannten
westlichen Regionen. Im Basar von Turpan hoffen die Händler auf
mehr Touristen und mehr Geschäft. Die Sicherheitsbehörden lassen
uns in Xinjiang in Ruhe. Kein Auto verfolgt uns. Das haben
Kollegen schon anders erlebt.
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Wir besuchen eine 100 Jahre alte Moschee in Turpan. Xinjiang
gilt als Unruheprovinz, wir sehen an Bahnhöfen deutlich mehr
bewaffnete Sicherheitskräfte als in anderen Regionen. Xinjiang
grenzt an acht chinesische Nachbarstaaten und ist die größte
Provinz Chinas.
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Drohnenaufnahmen von der Fahrt durch die Wüste Gobi. Startpunkt
ist die Stadt Dunhuang in der Provinz Gansu. Danach sieht das
Auge nur noch Wüste und Weite – stundenlang.
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Mehrere Stunden fahren wir durch die Wüste Gobi, um den
Yardang-Nationalpark zu erreichen mit den spektakulären
Felsformationen. Unvorstellbar, dass Menschen hier früher
wochenlang mit Kamelen durchgezogen sind. Sieht toll aus, aber
was für eine Weite …
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Und schönen Namen begegnet man: Hier verläuft der Jade-Pass, der
China damals mit den sogenannten westlichen Regionen verband.
Zwischen uns und der kasachischen Grenze liegt nun noch die
heutige autonome Provinz Xinjiang. Das Gebiet war in der
Vergangenheit immer umkämpft.
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Heute gehört das Gebiet offiziell zu China, viele der dort
lebenden Uiguren betrachten den aktuellen Zustand jedoch als
Besatzung. In den letzten Jahren gab es daher immer wieder
Unruhen und Anschläge. Für die Seidenstraße ist Xinjiang ein
wichtiger Abschnitt, da hier Chinas Außengrenzen verlaufen mit
den für den Handel wichtigen Nachbarstaaten.
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Unsere Station ist dieses Mal Dunhuang. Es war eines der
wichtigsten Zentren auf der Seidenstraße. Heute boomt hier der
Wüstentourismus, eine Stunde Karawanen-Feeling und in knalligen
Sandboots, so bleiben die Socken sandfrei. Und sollte sich mal
einer verirren, hat er gute Chancen, aus der Luft entdeckt zu
werden.
Die Oasenstadt steht auch für die kulturelle Bedeutung der
Seidenstraße, über die damals der Buddhismus nach China kam.
Heute sind westliche Werte in China verpönt, die Repressionen
gegen die Zivilgesellschaft sind deutlich schlimmer geworden
unter Präsident Xi, ich bin daher gespannt, wieviel freien
kulturellen Austausch die Regierung in Peking auf der neuen
Seidenstraße tatsächlich zulassen wird.
Wir werden in der Provinz Gansu übrigens begleitet von einer
Beamtin der Provinzregierung. Sie ist hilfsbereit und
unterstützt uns etwa bei Drehgenehmigungen in den Nationalparks
und für die Drohnenflüge. Sie hatte ihre Mitreise vorher
angekündigt und mischt sich in die Arbeit nicht ein. Spätestens,
wenn wir in China in einem Hotel einchecken, wissen die lokalen
Behörden, vor allem die Staatssicherheit, dass wir in der Stadt
sind.
Und da gibt es moderne Provinzen, die sich um uns nicht
sonderlich kümmern oder unsere Arbeit sogar unterstützen, und es
gibt Regionen, wo Einschüchterungsversuche noch zum Repertoire
gehören. Ansonsten ist nur Tibet für uns offiziell tabu, aber in
der Unruheprovinz Xinjiang stehen ausländische Journalisten auch
unter besonderer Beobachtung. Wir sind gespannt auf den Empfang,
nächste Woche endet unsere Reise entlang der Seidenstraße dort
an der Grenze zu Kasachstan.
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Wir fahren auf der Seidenstraße durch die Provinz Gansu auch
über die G30, ein über 4000 Kilometer langer Highway. Nie Stau,
aber Tempolimit 120, und überall Kameras.
Durch die Einöde rauschen auch Chinas Highspeed-Züge. China hat
schon das längste Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt, und es
wächst täglich. Schade, dass wir im Internet nicht auch freie
Fahrt haben. Die Verbindung ist langsam, und sich immer in den
VPN-Tunnel für Twitter und Facebook einzuwählen, ist nervig.
Am Jiayuguan-Pass liegt das westliche Ende der Chinesischen
Mauer. Die Händler der Seidenstraße mussten sich hier melden.
1000 Soldaten sicherten den damaligen Außenposten Chinas. Gansu
gehört zu den ärmeren Provinzen Chinas, viel Landwirtschaft und
einfache Bauerndörfer. Lauter nette Leute. Und viel Geschichte.
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Der Mann in dem lustigen Kostüm ist Künstler, er macht die alten
Pässe nach. Denn auch die Händler auf der Seidenstraße brauchten
Reisedokumente. Auf Fälschungen stand die Todesstrafe.
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Wir erreichen das westliche Ende der chinesischen Mauer, den
Jiayu-Pass. In dieser Festung mussten sich die Händler damals
registrieren lassen. Sie wurde von 1000 Soldaten bewacht.
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Auf dem Weg nach Dunhuang durch den Hexi-Korridor. Endlose
Weiten. Doch auch hier rauschen Chinas Highspeed-Züge vorbei.
China hat das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt, und es
wächst ständig weiter.
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Die Wüste bei Dunhuang an der Seidenstraße
Wir sind mittlerweile in der alten Oasenstadt Dunhuang
angekommen. Klasse Wüstenlandschaft, viele Touristen. Fast alle
tragen diese knallige Sandboots. Barfuß ginge zur Not auch noch,
momentan hat es hier nur etwas über 20 Grad. Mit den Stiefeln
geht man auf jeden Fall nicht so schnell verloren. Ich belasse
es bei Turnschuhen und sandigen Socken.
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Das ARD-Team um Korrespondent Mario Schmidt hat die bunten Berge
in der Provinz Gansu mit der Drohne gedreht, und das hat sich
gelohnt! Ein Zusammenschnitt der besten Bilder.
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Die bunten Berge im Zhangye Danxia National Geopark
Die Seidenstraße ist legendär: Kamelkarawanen, Marco Polo,
Europa trifft Asien. Viele Jahrhunderte haben sich nur noch
wenige für sie interessiert. Jetzt will China sie wiederbeleben.
Unser Team vom ARD-Studio Peking reist die chinesischen
Abschnitte entlang von Xian bis zur Grenze nach Kasachstan, um
zu zeigen, wie es auf der berühmten Handelsroute heute aussieht.
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Gebetsbänder der Tibeter auf 3700 Metern Höhe
Mehr als tausend Kilometer haben wir hinter uns und schon
beeindruckende Menschen getroffen und grandiose Landschaften
gesehen. Hier ein paar Eindrücke von unterwegs.
HTML http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/specials/reisetagebuch-china-100.html
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