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#Post#: 11686--------------------------------------------------
Direktversicherungen: Die böse Überraschung bei der betriebliche
n Vorsorge
By: Ilmen Date: March 27, 2016, 4:18 pm
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Direktversicherungen: Die böse Überraschung bei der
betrieblichen Vorsorge
Es ist ein Schock für viele Rentner. Wird ihre betriebliche
Lebensversicherung ausgezahlt, langt die Krankenkasse zu. Dass
Sozialbeiträge fällig sind, weiß kaum einer. Die Folgen sind
dramatisch.
Mindestens 70 Prozent der Betroffenen wissen nicht, was auf sie
zukommt, wenn die Auszahlung ansteht.....Merten Larisch -
Altersvorsorgespezialist der Verbraucherzentrale Bayern
Christiane M. aus dem Landkreis München war voller Vorfreude.
Sie hatte schon genau geplant, wie sie die 120.000 Euro aus
ihrer Direktversicherung ausgeben wollte: Ein neuer Wintergarten
sollte es werden, den Rest wollte die Neu-Rentnerin in einen
Kleinwagen stecken und bei einer Kreuzfahrt verjubeln. Doch es
kam anders. Kurz nach der Auszahlung im Januar hielt die
Krankenkasse die Hand auf.
Von der Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge forderte sie
mehr als 21.600 Euro ein, fast ein Fünftel. Christiane M. konnte
es nicht fassen. Wie Millionen andere Arbeitnehmer hatte die
frühere Verlagsmanagerin nicht im Traum damit gerechnet, dass
von der Summe Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgezogen
werden – und sie damit viele Tausend Euro einbüßt.
In den Mitteilungen ihres Versicherers war davon in all den
Jahren nie die Rede gewesen. "Mindestens 70 Prozent der
Betroffenen wissen nicht, was auf sie zukommt, wenn die
Auszahlung ansteht", warnt Merten Larisch,
Altersvorsorgespezialist der Verbraucherzentrale Bayern. Das
System der betrieblichen Altersvorsorge entpuppt sich für viele
Beschäftigte, die gesetzlich krankenversichert sind und oft
jahrzehntelang über die Firma in eine Direktversicherung
eingezahlt haben, als böse Überraschung.
Zum einen, weil die Lebensversicherung wegen des Dauerzinstiefs
und der Neuregelung der Bewertungsreserven lange nicht die
prognostizierte Rendite abgeworfen hat. Zum anderen, weil am
Ende aktuell mehr als 18 Prozent Sozialbeiträge fällig werden,
wenn das Geld auf einen Schlag ausgezahlt wird. Doch dieser
finanzielle Hammer am Laufzeitende hat sich offenbar immer noch
nicht herumgesprochen.
2004 änderte der Staat die Spielregeln
Viele Rentner fühlten sich nach dem Schock schlicht abkassiert,
berichtet Larisch. Besonders bitter: Hätten die Betroffenen eine
Lebensversicherung privat und nicht über den Chef als
Versicherungsnehmer bespart oder wären sie privat
krankenversichert, würden sie von den Sozialversicherungen nicht
zur Kasse gebeten.
Bei Vertragsabschluss konnten ältere Sparer auch noch davon
ausgehen, dass sie ihre Auszahlung beitragsfrei bekommen. Der
Staat hatte sie mit Steuer- und Abgabenvorteilen in die
betriebliche Altersvorsorge (bAV) gelockt. Doch seit 2004 ist
alles anders. Damals hat der Gesetzgeber plötzlich rückwirkend
die Spielregeln geändert.
Seit 2004 müssen alle gesetzlich Krankenversicherte auch auf
eine Kapitalabfindung den vollen Beitragssatz zahlen, also
sowohl den Anteil des Arbeitnehmers wie des Arbeitgebers
berappen. Egal, ob sie pflicht- oder freiwillig versichert sind.
Derzeit liegt er bei durchschnittlich 15,7 Prozent für die Kasse
plus 2,35 Prozent für die Pflegeversicherung (für Kinderlose
2,6). Und die Tendenz steigt.
Der nachträgliche Abzug erfolgt nicht nur auf die gezahlten
Beiträge, sondern auf die gesamte Auszahlsumme. Damit die
Beitragsbemessungsgrenze (2016 lag sie bei 50.850 Euro) nicht
greift, wird das Geld auf zehn Jahre gestreckt und jeden Monat
vom Konto des Rentners abgebucht. Das haut rein, warnt Elke
Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen.
Versicherer melden Rekordzahl bei Verträgen
Das Beispiel von Christiane M. macht den Ärger deutlich: Die
Höhe der Sozialabgaben wird so kalkuliert, dass ihre 120.000
Euro auf 120 Monate umgelegt werden. Es wird also so getan, als
bekomme die Münchnerin zehn Jahre lang 1000 Euro im Monat.
Darauf muss sie monatlich 157 Euro für die Krankenversicherung
und 23,50 Euro für die Pflegeversicherung abstottern.
Vom Abzug betroffen sind nicht nur Betriebsrenten aus der
Direktversicherung, sondern auch aus Versorgungswerken,
Pensionsfonds oder Riester-Verträgen, die über den Arbeitgeber
laufen. Trotzdem meldet der Gesamtverband der deutschen
Versicherungswirtschaft (GDV) ein neues Rekordhoch von derzeit
mehr als 15 Millionen betrieblichen Altersvorsorgeverträgen,
davon allein gut 7,6 Millionen Direktversicherungen.
Jeder Beschäftigte kann seit 2002 bis zu vier Prozent seines
sozialversicherungspflichtigen Bruttogehalts durch eine
Entgeltumwandlung in einen Vertrag investieren, den der Chef für
ihn abschließt – also noch bevor er darauf Steuern und
Sozialabgaben zahlen muss. 2016 fördert der Staat
Arbeitnehmerbeiträge von bis zu 4776 Euro im Jahr. Das zieht
offenbar. Der Arbeitgeber spart dabei seinen Anteil an den
Sozialabgaben.
Erboste Rentner laufen Sturm
Was für die Einzahlungsphase so verlockend klingt, werde im
Alter meist zum Draufzahlgeschäft, sagt Merten Larisch. Wer
garantiert immer profitiert, sind die Arbeitgeber und
Versicherer. Bei Sozialverbänden, Gewerkschaften und
Verbraucherzentralen häufen sich denn auch die Beschwerden
erboster Rentner.
Vereine wie der Verband der Direktversicherungsgeschädigten
laufen gegen die Pflichtabgabe unverdrossen Sturm – obwohl die
meisten Klageverfahren bereits höchstrichterlich abgeschmettert
wurden. Politisch steht die betriebliche Entgeltumwandlung
derzeit zwar auf dem Prüfstand. "Es ist aber nicht in Sicht,
dass die momentane Rechtslage rückgängig gemacht wird", sagt
Dorothee Czennia, Referentin der Abteilung Sozialpolitik beim
Sozialverband VdK in Berlin.
Was können Betroffene tun? Es gebe keine echte Chance, der
Beitragspflicht zu entkommen, sagt Verbraucherschützerin
Weidenbach. Ausnahme:
Wer den Vertrag auf sich als Versicherungsnehmer umschreiben
ließ und bis zum Ende weiter besparte, braucht als
pflichtversicherter Rentner wenigstens auf diesen Anteil keine
Krankenkassenbeiträge zu zahlen. Das hat das
Bundesverfassungsgericht 2010 entschieden (Az.: 1 BvR 1660/08).
Ob sich diese Ausnahme auch auf Fälle bei Pensionskassen
übertragen lässt, müssen die Verfassungsrichter noch klären.
Privat zu sparen, ist meist rentabler = ZUM BEISPIEL IN GOLD!!!
Betroffenen Direktversicherten rät die Hamburger
Verbraucherzentrale, sich auf das Urteil von 2010 zu berufen und
vom Versicherer bestätigen zu lassen, welche Beiträge vom
früheren Chef und welche privat eingezahlt wurden. Die
Krankenkasse sollte dann den Beitrag neu berechnen und zu viel
Gezahltes plus vier Prozent Zinsen zurückerstatten.
Lief die Police allerdings weiter auf die Ex-Firma und der
Arbeitnehmer zahlte nur die Prämien selbst, wie häufig der Fall,
sind die Kassenbeiträge sehr wohl fällig. Widerspruch nutzt dann
nichts. Freiwillig krankenversicherte Rentner sind immer
betroffen. Bei ihnen zählt alles zum beitragspflichtigen
Einkommen, was zum Lebensunterhalt verbraucht werden kann.
Wichtig: Direktversicherungen sind nicht kündbar. Beim
Jobwechsel kann der Vertrag aber meist nicht ohne Einbußen beim
neuen Arbeitgeber weitergeführt werden. Dieser muss nur das
Guthaben übernehmen, frühere Rabatte oder niedrige Gebühren aber
nicht. Jobwechsler sollten sich vorher ausrechnen lassen, ob sie
ihre Direktversicherung lieber beitragsfrei stellen, statt sie
privat weiter zu besparen, rät Czennia.
Eine andere Möglichkeit für Sparer, die noch viele Jahre
Laufzeit vor sich haben und denen der Chef nichts zuschießt: den
Vertrag stilllegen und nichts mehr einzahlen, wenn die
Mindestlaufzeit erreicht ist. Sie liegt in der Regel bei fünf
Jahren. Auch hier sollten die Kosten vorher geklärt werden. Die
bessere Alternative ist Merten Larisch zufolge, privat fürs
Alter zu sparen. Das sei flexibler und meist auch rentabler.
[move]
HTML http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article153721036/Die-boese-Ueberraschung-bei-der-betrieblichen-Vorsorge.html[/move]
#Post#: 11867--------------------------------------------------
Re: Direktversicherungen: Die böse Überraschung bei der betriebl
ichen Vorsorge
By: Ilmen Date: March 30, 2016, 3:41 pm
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Renten: Deutschland steuert auf eine Katastrophe zu....
Zwischen den Rentenzusagen und ihrer Finanzierung klafft selbst
im günstigsten Szenario eine Lücke. Es droht eine Rentenkrise
riesigen Ausmaßes. Auch private Vorsorge verspricht keine
Rettung.
Es war ein Auftritt ganz nach Andrea Nahles' Geschmack. Als die
Bundesministerin für Arbeit und Soziales in der vergangenen
Woche vor die Öffentlichkeit trat, hatte sie Großes zu
verkünden: Deutschlands Rentnern stehe die stärkste
Rentenerhöhung seit 23 Jahren bevor. Um 4,25 Prozent sollen die
Renten ab 1. Juli im Westen steigen, im Osten sind es sogar 5,95
Prozent. "Die umlagefinanzierte Rente bewährt sich also. Das ist
eine gute Nachricht gerade in Zeiten niedriger Zinsen", sagte
die SPD-Politikerin staatstragend und strahlte.
Die gut 20 Millionen Rentner in diesem Land dürften sich mit ihr
freuen. Für alle anderen ist die Botschaft der Ministerin
allerdings eher eine Schreckensmeldung. Das stattliche Geschenk
wird die ohnehin üppigen Rentenlasten des deutschen Staates noch
weiter erhöhen.
Zu bedienen sind ständig wachsende Ansprüche einer immer
größeren Zahl an Rentnern. Zugleich erodiert die Finanzbasis des
Staates. Doch statt gegenzusteuern, werden immer neue
kostspielige Wohltaten beschlossen, von der Mütterrente bis hin
zur Rente mit 63 Jahren. Das Einmaleins deutscher
Sozialpolitiker funktioniert offenbar nach ganz eigenen Regeln.
Rentenbürde fast doppelt so hoch wie Staatsschulden
Mit seinem Rentenproblem steht Deutschland allerdings nicht
allein da. Rund um den Globus schieben die Staaten einen rasant
wachsenden Berg an Rentenzusagen vor sich her, von denen kein
Mensch weiß, wie sie je eingelöst werden sollen.
Die Welt steuert auf eine globale Renten-Krise zu, die die
amerikanische Finanzkrise, die Euro-Krise oder die
Flüchtlingskrise in ihrer Dimension bei weitem in den Schatten
stellen könnte. Damit aber gerät der Wohlstand von Generationen
in Gefahr.
Wie gewaltig die Dimensionen dieser heimlichen Schulden
gegenüber der Bevölkerung mittlerweile sind, zeigt eine aktuelle
Studie der Citigroup. Demnach beträgt das Volumen der nicht
gedeckten oder unterfinanzierten staatlichen Rentenansprüche in
20 OECD-Staaten zusammengerechnet 78 Billionen Dollar (rund 70
Billionen Euro). Die Rentenbürde ist damit fast doppelt so hoch
wie die kumulierten Staatsschulden in Höhe von derzeit 44
Billionen Dollar (knapp 40 Billionen Euro).
Auch die private Vorsorge wackelt
Auf eine Rettung durch die Renditen der privaten Altersvorsorge
kann niemand hoffen. Die Betriebsrenten sind bei Weitem nicht
gedeckt, Lebensversicherungen werfen wegen der niedrigen Zinsen
immer weniger ab.
"Rund um den Globus sind die sozialen Rentensysteme – sowohl
staatliche als auch private – massiv unterfinanziert", warnt
Farooq Hanif, einer der Autoren der Citi-Studie. "Damit das
Pensionssystem nicht explodiert, müssen Staatsausgaben gekürzt,
Firmengewinne gekappt und die Ansprüche der Rentner reduziert
werden. Das wird ein Kraftakt für Arbeitgeber, Beschäftigte und
Politiker weltweit werden."
Zumal sich an der wichtigsten Ursache des Problems, dem
demografischen Wandel, nur schwer etwas ändern lässt. Weltweit
wird sich in den kommenden Jahrzehnten das Verhältnis zwischen
denjenigen, die in die Rentenkassen einzahlen, und jenen, die
Anspruch auf Leistungen daraus haben, zulasten des
Staatshaushalts verschieben.
China steht vor dem demographischen Kollaps
In den USA beispielsweise finanzieren derzeit etwa vier
Arbeitnehmer einen Rentner. Künftig wird das Verhältnis laut
Berechnungen der Vereinten Nationen bei 2,5 zu eins liegen. In
Japan, das besonders unter der Überalterung seiner Bevölkerung
leidet, müssen jetzt schon nur noch zwei Beschäftigte für einen
Rentner aufkommen.
Deutschland steht nur wenig besser da: Derzeit kommen etwa 2,7
Einzahler für einen Rentner auf, in Zukunft wird diese Zahl auf
1,5 zusammenschrumpfen. Selbst in den Schwellenländern spielt
die Demografie langfristig gegen die Staatskassen. Vor allem
China steht ein demografischer Kollaps bevor: Das Verhältnis
Arbeitnehmer zu Rentner wird den Schätzungen zufolge bis zum
Jahr 2050 von derzeit sieben auf nur noch 2,2 sinken.
Das hat dramatische Folgen für die Staatshaushalte. Wenn immer
weniger Bürger in die Staatskassen einzahlen und gleichzeitig
die Zahl derer, die daraus versorgt werden müssen, steigt, kann
man die finanziellen Belastungen für den Einzelnen nicht
unbegrenzt nach oben anpassen.
"Die USA sind finanziell am Ende"
Also muss der Staat einspringen und entweder Geld umverteilen
oder noch mehr Schulden machen. Wohin das führt, haben die
Citi-Ökonomen ebenfalls errechnet. Demnach könnten einzelne
Länder bis 2050 rund ein Fünftel ihrer Wirtschaftsleistung für
die Rente ausgeben.
"Die staatlichen Rentensysteme sind weltweit in einem
erbärmlichen Zustand", konstatiert der US-Rentenpapst Laurence
Kotlikoff von der Universität Boston auf Anfrage der "Welt am
Sonntag". Grund sei die klaffende Lücke zwischen den
versprochenen Rentenzusagen und ihrer tatsächlichen
Finanzierung. Nach seinen Annahmen beträgt diese Lücke allein
für die Vereinigten Staaten gewaltige 26 Billionen Dollar. Damit
liegt diese Art von Schulden deutlich über den offiziell
gemeldeten 14 Billionen Dollar. "Diese Zahlen belegen eindeutig,
dass die USA finanziell am Ende sind. Und zwar heute schon,
nicht erst in 50 oder 30 Jahren", sagt Kotlikoff.
Warnung vor der Lebensleistungsrente
Kritisch sieht er daher auch die angekündigte deutsche
Rentenerhöhung. Sie werde die fiskalische Lücke vergrößern, es
sei denn, die Regierung würde eine Gegenfinanzierung zu ihrem
Vorhaben präsentieren. "Es gibt nichts umsonst. Wenn die ältere
Generation mehr bekommt, muss die jüngere die Rechnung dafür
bezahlen. Und solange die Bundesregierung nicht offenlegt,
welche Generationen von ihrer Politik profitieren und welche
darunter leiden werden, hat sie ihren Job nicht gemacht", sagt
der Bostoner Wissenschaftler.
Tatsächlich gibt Deutschland einen immer größeren Anteil seines
Wohlstands für die Rentner aus. Schon heute muss der Bund die
Rentenkasse jährlich mit rund 86 Milliarden Euro bezuschussen.
Geht es in diesem Tempo weiter, dürfte 2020 wohl die
100-Milliarden-Marke geknackt werden.
Die Diskrepanz zwischen staatlichen Rentenansprüchen und ihrer
Finanzierbarkeit treibt auch den deutschen Sachverständigenrat
um. "Selbst in den günstigsten Szenarien bleibt die
Tragfähigkeitslücke bestehen", mahnte der Freiburger
Wirtschaftsweise Lars Feld diese Woche in Frankfurt. "Deswegen
warnen wir ganz explizit davor, nun auch noch eine solidarische
Lebensleistungsrente einzuführen."
220 Prozent Staatsverschuldung
Die Probleme sind der Bundesregierung durchaus bekannt. Erst im
Februar haben die Beamten von Bundesfinanzminister Wolfgang
Schäuble auf 70 Seiten bis ins kleinste Detail vorgerechnet,
welche Folgen die Alterung der Gesellschaft für die Entwicklung
der Staatsfinanzen hat.
Es gebe "erhebliche Tragfähigkeitsrisiken", die den
Handlungsspielraum des Staates einschränken und die Verschuldung
weit über das im Maastrichter Vertrag vereinbarte Maß hinaus in
die Höhe treiben könnten. In einem ungünstigen Szenario könnte
der Schuldenstand bis zum Jahr 2060 "kontinuierlich auf rund 220
Prozent" des Bruttoinlandsprodukes steigen, mahnen die Beamten.
Entsprechend skeptisch beurteilen Deutschlands Spitzenmanager
die für Juli geplante Rentenerhöhung. Wie aus einer Umfrage
unter den 141 Mitgliedern des Leaders Parliament von Roland
Berger und der "Welt am Sonntag" hervorgeht, sprechen sich rund
54 Prozent der Befragten gegen kräftige Erhöhungen aus. Das
System der gesetzlichen Rente werde durch solche Steigerungen
mittelfristig unbezahlbar, kritisieren sie. Die Rentenformel
sollte sich daher an der Finanzierbarkeit orientieren.
Dramatische Lage für Lebensversicherung & Co.
Lange Zeit wurde die private Altersvorsorge – also
Betriebsrenten, Riester-Verträge oder Lebenspolicen – als
rettende Lösung aus dem staatlichen Finanzierungsdilemma
verkauft. Doch die intensiv beworbenen Riester-Verträge und
Lebensversicherungen werfen immer weniger ab. Schuld ist das
seit Jahren andauernde extrem niedrige Zinsniveau, das die
Berechnungen einer ganzen Branche über den Haufen wirft und die
versprochenen Leistungen immer stärker stutzt.
Entsprechend dramatisch ist die Lage für viele
Lebensversicherungen. Besonders die deutschen Anbieter, die
einen Großteil ihrer Kundengelder in Zinspapiere wie
Staatsanleihen oder Unternehmenstitel investieren, bekommen von
den Experten der Ratingagentur Moody's einen negativen Ausblick.
"Zwar sind das für 2016 erwartete Wirtschaftswachstum und die
anhaltend niedrige Arbeitslosigkeit positiv für die deutschen
Versicherer", sagt Benjamin Serra, Kreditexperte von Moody's.
"Das Niedrigzinsumfeld wird diese Effekte jedoch zunichtemachen
und die Gewinne der Lebensversicherer weiter schmälern."
Zentrale Altersvorsorge als Lösung
Gleichzeitig klaffen auch bei den Betriebsrenten, die gern als
sinnvolle Ergänzung zur staatlichen Vorsorge angepriesen werden,
mittlerweile gewaltige Lücken. Nach Berechnungen der Citi haben
Firmen aus den USA und Großbritannien lediglich 82 Prozent ihrer
Verpflichtungen finanziert. In den 500 größten US-Konzernen
summieren sich die impliziten Schulden mittlerweile auf 403
Milliarden Dollar.
Lösungen aus dem Rentendilemma gibt es aus Sicht von Ökonomen
durchaus. Allerdings dürfte sich keiner der Ansätze wirklich
schnell umsetzen lassen, geschweige denn umgehend Erfolge
zeigen. Am Anfang muss nach Ansicht der Citi-Experten eine
deutlich größere Transparenz stehen, die die impliziten
Rentenschulden der Staaten offenlegt, sodass sich jeder Bürger
selbst ein ungeschöntes Bild von der Schuldensituation machen
kann.
Neben den gängigen Forderungen einer Anpassung der
Rentenansprüche nach unten und einer Erhöhung des
Renteneintrittsalters schlagen die Citi-Experten zudem eine Art
Staatsfonds vor, der für die Bevölkerung eines Landes die
Altersvorsorge zentral managt. Heutzutage würden die einzelnen
Sparer das Risiko der privaten Renten-Produkte tragen. Mit einer
kollektiven Fondslösung könnten für eine große Masse bestimmte
Rendite-Ziele einfacher erreicht werden.
Ein Computer soll über Anlage entscheiden
In eine ähnliche Richtung zielt auch der Vorschlag von
Renten-Ikone Kotlikoff. Er spricht sich dafür aus, die
staatliche Rente einzufrieren und ein privates
Altersvorsorgesystem aufzubauen, bei dem die Anlagen von einem
Computer automatisch ausgewählt werden. Ein solches System komme
ohne Staatseinfluss eines kollektiven Fonds aus und ohne Kosten
von Banken oder Versicherungen.
Ganz ohne Regierung geht aber auch Kotlikoffs Plan nicht auf. Er
plädiert dafür, dass der Staat zumindest die eingesetzten
Beiträge absichern solle, sodass die Sparer eine Garantie dafür
haben, dass wenigstens die Summe, die sie einzahlen, ihnen im
Alter auch tatsächlich zur Verfügung steht.
Tatsächlich wird ein solcher Staatsfonds für Deutschland bereits
diskutiert. Sollte dieses Konzept mehr Anhänger finden, könnte
Arbeitsministerin Andrea Nahles demnächst womöglich erneut mit
einer frohen Botschaft zu den Renten vor die Fernsehkameras
treten. Nur dass es diesmal eine gute Nachricht für alle wäre,
und nicht allein für die Rentner.
[move]
HTML http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Wirtschaft/d/8293052/deutschland-steuert-auf-eine-katastrophe-zu.html[/move]
#Post#: 12134--------------------------------------------------
Neue Funktionen
By: DanielMindon Date: April 5, 2016, 7:29 am
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[font=arial]Hallo liebe mindflasher,
Neuerung auf mehrfachen Wunsch.
ich konnte jetzt dem oft gesprochenen Wunsch entsprechen
und habe fuer das Board eine Bewertungsfunktion gebucht
und implementiert.
Man findet sie unterhalb der posts in Iconform.
Ich bin sicher, das Forum damit interessanter gestaltet zu
haben.
D.[/font]
#Post#: 13306--------------------------------------------------
Re: Direktversicherungen: Die böse Überraschung bei der betriebl
ichen Vorsorge
By: Ilmen Date: April 28, 2016, 11:45 am
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27.04.2016 (Aktualisiert 20:35 Uhr) von Sabine Lennartz
Was Versicherte auf die Palme bringt......
Hohe Sozialabgaben auf Direktversicherungen belasten Neurentner
– Linken-Antrag auf Änderung heute im Bundestag
HTML http://www.schwaebische.de/cms_media/module_img/5816/2908238_1_article660x420_B994740845Z.1_20160427203031_000_GTU40NEJ4.1-0.jpg
Was Versicherte auf die Palme bringt....Grafik: Foto: SZ
Berlin sz Für viele Rentner, die ihre Direktversicherung jetzt
ausbezahlt bekommen, ist der Schock erst einmal groß.
Betrieblich angesparte Rente wird zwar von allen Politikern
propagiert. Doch auf diese Rente müssen Arbeitnehmer die vollen
Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abführen. Nicht nur
die der Arbeitnehmer, sondern auch die der Arbeitgeber, also
15,6 Prozent Krankenversicherung und 2,35 Prozent
Pflegeversicherung.
Vielen Neurentnern ist das nicht bewusst, deshalb ist der
Protest groß. Kein Wunder, denn bei 100000Euro Rente aus der
Direktversicherung sind fast 18000Euro weg. Die Linke fordert,
dies zu ändern. Der Bundestag debattiert das heute.
Das Problem rückt immer mehr ins Blickfeld. Das Rentenniveau
sinkt, private und betriebliche Altersvorsorge bekommen einen
höheren Stellenwert. Doch die Profitabilität von Riester-Renten
hat in der Niedrigzinsphase gelitten, auch die private Vorsorge
ist derzeit nicht attraktiv.
Da fällt umso mehr eine Belastung der Neurentner auf, die schon
länger besteht. Bei der Gesundheitsreform 2004 einigten sich
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und der damalige
Unionsverhandlungspartner Horst Seehofer (CSU) darauf, auf diese
Lebensversicherungen den vollen Beitrag zu verlangen, um „ein
Gebot der Solidarität der Rentner gegenüber den Erwerbstätigen“
einzufordern.
Gemeinsame Meinung
Die Linken-Fraktion fordert jetzt die Bundesregierung auf, die
doppelte Beitragszahlung auf Direktversicherungen und
Versorgungsbezüge zu beenden. Sollten bereits während der
Ansparphase Sozialversicherungsbeiträge abgeführt worden sein,
dürften in der Leistungsphase keine Beiträge mehr fällig werden.
Eine gemeinsame Meinung von Linken, FDP und Arbeitgeberverband
BDA gibt es selten – doch hier ist es der Fall. Die
stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Marie-Agnes
Strack-Zimmermann etwa sagt: „Menschen, die für ihren
Lebensabend vorsorgen wollten, werden gleich mehrfach bestraft,
da das Angesparte sowohl durch die Sozialabgaben als auch die
Niedrigzinsen geschmälert wird. Diese Ungerechtigkeit muss
umgehend behoben werden.“ Eine Chance, dass der Antrag der
Linken im Bundestag eine Mehrheit findet, gibt es dennoch nicht.
Denn angesichts von 7,6 Millionen Direktversicherungen spülen
die Abgaben rund 2,7 Milliarden in die gesetzlichen
Krankenkassen.
Änderungen möglich = (ABER NUR WENN SCHÄUBLE MITSPIELT!)
Das Nachdenken über Änderungen hat aber auch bei den anderen
Fraktionen eingesetzt. In der Unionsfraktion heißt es in einem
Eckpunktepapier zur Weiterentwicklung der betrieblichen
Altersvorsorge, dass die Doppelverbeitragung als gravierender
Nachteil der betrieblichen Altersvorsorge bewertet werde. Eine
Arbeitsgruppe schlägt vor, dass der Arbeitgeber in der
Ansparphase obligatorisch einen Betrag in Höhe der eingesparten
Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abführt. Damit
werde ein Ausgleich geschaffen.
Der CDU-Rentenexperte Peter Weiß hält solche Änderungen für die
Zukunft für möglich. Bis Ende des Jahres will man sich mit der
SPD über eine Weiterentwicklung der betrieblichen Altersvorsorge
verständigen. Ein neuer Förderansatz müsse besonders die
Geringverdiener und die Verhinderung von Altersarmut im Blick
haben. Peter Weiß bricht eine Lanze auch für die Riester-Rente.
„Die einzige Rente mit Familienkomponente würde ich nicht kaputt
machen.“
Auch in der SPD-Fraktion rückt man aber von der
Doppelverbeitragung von Lebensversicherungen ab. Die
SPD-Politikerin Hilde Mattheis meint, die Beschlüsse seien in
sehr schwieriger Finanzlage der Krankenversicherung beschlossen
worden, die obersten Bundesgerichte hätten die Regelung jedoch
als verfassungsgemäß bestätigt. „Heute sehe ich diese Regelung
aber durchaus kritisch“, sagt Mattheis. „Eine einfache
Rückabwicklung, wie das der Antrag der Linken suggeriert, ist
aber nicht möglich.“ Das Thema müsse im Zuge einer umfassenden
Reform der Betriebs- und privaten Rentenvorsorge erneut
aufgegriffen werden.
[move]
HTML http://www.schwaebische.de/politik/inland_artikel,-Was-Versicherte-auf-die-Palme-bringt-_arid,10441438.html[/move]
Ergo: Das hat man davon, von dieser verdummenden
Gehaltsumwandlung: da wird man vom deutschen Staat gleich
doppelt beschiessen, einmal wird die Gehaltsumwandlung mit einer
Pauschalsteuer belegt. Und bei Vertragsablauf und Fälligkeit der
Versicherungssumme kommt noch eine Rechnung von der
Gesundheitskasse - früher Krankenkasse - in Haus geflattert!!!
In der Rechnung wird einem mitgeteilt, dass man an der
auszuzahlenden Versicherungssumme nicht nur den
Arbeitnehmeranteil bezahlen muss, sondern auch den
Arbeitgeberanteil!! Bei der Gehaltsumwandlung ist der
Arbeitgeber von der Zuzahlung zur Sozialversicherung befreit.
Demnach spart bei Gehaltsumwandlungen der Arbeitgeber viel Geld!
Nach Vertragsablauf zahlt wiederum der Arbeitnehmer den
Arbeitgeberanteil auf die Sozialversicherung! Danke Frau
Superministerin und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt von der
SPD: sie haben ein sehr gutes Sozialgesetz für die Arbeitgeber
geschaffen. Der Arbeitnehmer zahlt und zahlt und die Arbeitgeber
sanieren sich auf Kosten von Gehaltsumwandlungen an ihren
Arbeitnehmern. Das ist schon ein super deutscher Staat der seine
Bürger nur noch ausplündert und die super Millionäre und
Milliardäre verschont. Ein Gleichheitsprinzip scheint den
regierenden Berliner Chaotentruppe, doch völlig egal zu sein.
Dem deutschen Staat ist nur eines wichtig, die Mittelklasse
lässt man zu Gunsten der Superreichen ausbluten. Wieder ein
Grund mehr Gold und Silber zu kaufen und bei der nächsten Wahl
die AfD!!!
#Post#: 24418--------------------------------------------------
Re: Direktversicherungen: Die böse Überraschung bei der betriebl
ichen Vorsorge
By: Ilmen Date: April 20, 2017, 2:39 pm
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[tt]Altersvorsorge: Der Totengräber der Lebensversicherung[/tt]
[tt]Uwe Laue war nie ein Mann für Experimente. Deshalb wurde er
Versicherungsmanager. Lebensversicherungen verkaufte er
besonders gern. Jetzt muss er die liebste deutsche
Altersvorsorge zu Grabe tragen.
16.04.2017, von Philipp Krohn [/tt]
HTML http://media1.faz.net/ppmedia/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/1024884044/1.4950287/article_multimedia_overview/der-mission-der-debeka-alles.jpg
Der Mission der Debeka „Alles für den Kunden“ hat sich auch der
Vorstandsvorsitzende Uwe Laue verschrieben.
[tt]Als Uwe Laue das Beatmungsgerät abschaltet, ist er innerlich
gefasst. Er konnte ruhig schlafen, denn er hatte es sich
reiflich überlegt. Keine weiteren lebenserhaltenden Maßnahmen.
Mehrfach war Laue mit sich selbst in den Wald gegangen, um die
Argumente im Kopf durchzuspielen. Es wäre eine Illusion zu
glauben, dass der Bettlägrige wieder auf die Beine käme. Also
zog er an diesem Sommertag des Jahres 2016 den Stecker. Die
klassische Lebensversicherung mit Zinsgarantie hörte auf zu
atmen.
Dann wurde der klinische Tod festgestellt. Technischer
gesprochen: Sie ging in den Run-off. Für Kunden, die schon einen
Vertrag abgeschlossen hatten, änderte sich zwar nichts. Aber
neue Policen verkauft der Versicherungsmanager Uwe Laue nun
nicht mehr. Dabei war die Lebensversicherung die Versicherung
der Deutschen: das Modell, das Millionen in
bundesrepublikanischen Jahrzehnten als besten Kompromiss
zwischen Sicherheit und Profit angesehen haben. Sie zahlten
kleine Monatsbeiträge ein und investierten so zusammen viele
Milliarden Mark und Euro. Bis zum Jahr 2002 gab es noch die
steuerbegünstigte Kapitallebensversicherung, anschließend die
seither besser gestellten privaten Rentenversicherungen.
Versicherungsverein Debeka ohne warmes Wasser
Es ist heute ein trüber Wintertag in Koblenz. Wenn Uwe Laue aus
seinem Vorstandsbüro aus dem Fenster schaut, hat er einen freien
Blick auf die letzten Kilometer der Mosel vor der Mündung am
Deutschen Eck. Seit den achtziger Jahren residiert sein
Arbeitgeber, die Debeka, hier in diesem schlichten Hochhaus in
einem Gewerbegebiet, das in seiner grauen Schmucklosigkeit die
Mission dieses Unternehmens erzählt: Alles für die Kunden.
Andere Versicherungsunternehmen bauten sich selbst Schlösser.
Gut lebten viele von der Lebensversicherung.
Bis heute gibt es im bescheidenen Gebäude der Debeka noch nicht
einmal einen Warmwasseranschluss. Sind die Kosten niedrig,
bleibt mehr für die Mitglieder. Denn die Debeka ist ein
Versicherungsverein, der allen Mitgliedern gehört, und trotzdem
immerhin sechstgrößter Anbieter auf dem deutschen
Versicherungsmarkt. Im 15. Stock wurde gerade saniert, und
großflächige Gemälde hängen aus; die Teeküche ist von einem
Ei-artigen, bunt beleuchteten Kunststoffgehäuse umgeben. Die
sieben Vorstände und der Aufsichtsratsvorsitzende haben jeweils
eine eigene Toilettenkabine.
Lebensversicherung galt lange als bestes Produkt
Vor einigen Monaten musste der Vorstandsvorsitzende im
Besprechungsraum eine Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede vor
Mitarbeitern aus dem ganzen Land halten. „Ich erwarte von Ihnen,
dass Sie mir folgen“, schmetterte Laue ihnen mit Nachdruck
entgegen. Dass er den Stecker des Beatmungsgeräts gezogen hatte,
kam in dieser Runde überhaupt nicht gut an. Denn über vier
Jahrzehnte hatten dieselben Debeka-Mitarbeiter ihren Kunden
erklärt, warum die klassische deutsche Lebensversicherung mit
jährlicher Zinsgarantie das beste Vorsorgeprodukt der Welt sei.
Und jetzt sollten sie mit einem Mal umdenken?
Laue drohte seiner Mannschaft: Wenn sie den strategischen
Schwenk nicht mittrage, könne er ungemütlich werden. Am Ende
hatte er die Truppe eingefangen: „Alle folgten mir, und das
ermöglichte, dass wir im vierten Gang bei voller Fahrt auf der
Autobahn neue Produkte auf den Markt brachten“, sagt er. Die
klassische Lebensversicherung war abgeschafft. So
leidenschaftlich wie an diesem Tag hatten die Mitarbeiter ihren
Chef noch nie erlebt. Grundsolide, allenfalls ein klein wenig
jovial, führt er das Unternehmen seit fünfzehn Jahren.[/tt]
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#Post#: 24419--------------------------------------------------
Re: Direktversicherungen: Die böse Überraschung bei der betriebl
ichen Vorsorge
By: Ilmen Date: April 20, 2017, 2:43 pm
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[tt]Mit mittlerer Reife zur Beamtenlaufbahn
Um die Tiefe dieses Einschnitts besser zu verstehen, muss man in
die Vergangenheit eintauchen. In die von Laue. Und in die
Deutschlands. Es ist das Jahr 1973, Deutschland ist amtierender
Fußball-Europameister, gerade spielt sich eine Diskussion über
ökologische Grenzen des Wachstums ab, im Nahen Osten steht der
Jom-Kippur-Krieg kurz bevor, in dessen Folge der Ölpreis rapide
zunimmt, autofreie Sonntage sind die Folge.[/tt]
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Im bescheidenen Hauptsitz der Debeka gibt es nicht einmal warmes
Wasser. So bleibt mehr für den Kunden.
I[tt]m schwäbischen Esslingen geht alles etwas beschaulicher zu:
Uwe Laue ist 16 Jahre alt und hat seine mittlere Reife in der
Tasche. Damals stand einem mit einem solchen Abschluss noch die
Welt offen. Laue entscheidet sich für eine Beamtenlaufbahn im
gehobenen Dienst. Gerade ist er aus der Landeshauptstadt ins
Elternhaus zurückgekehrt, in dem er mit sechs Geschwistern
aufgewachsen ist.
Die Liebe zur Versicherung
Die Gespräche im Stuttgarter Regierungspräsidium waren
erfolgreich: Laue darf in der Behörde anfangen – allerdings
nicht sofort. Denn um in den gehobenen Dienst einzusteigen, muss
man volljährig sein. „Für ein Jahr Nichtstun hätte mein Vater
kein Verständnis gehabt“, erzählt er. Also muss eine andere
Stelle her.
Eines Abends steht ein Debeka-Vertreter vor der Tür. Ob er schon
eine Ausbildungsstelle habe, will der wissen. Ja, aber erst in
einem Jahr, antwortet Laue. „Ich schrieb die Bewerbung und wurde
eingestellt. Nach einem Jahr konnte ich mir schon nicht mehr
vorstellen, etwas anderes zu machen als Versicherungen“, sagt er
heute. Und etwas poetischer: „Es war ein Zufall, der nachher zur
Liebe wurde.“
Laue leistet auch im privaten Umfeld Überzeugungsarbeit
Vom jugendlichen Azubi bis zum Vorstandsvorsitzenden in knapp
dreißig Jahren, solche Karrieren sind selten geworden. Die
Debeka ist in Laues Anfangszeit, Mitte der siebziger Jahre, der
führende private Krankenversicherer des Landes. Allmählich aber
baut sie auch das lukrative Geschäft mit den
Lebensversicherungen aus. Wie so viele, die im Vertrieb
anfangen, grast Laue zunächst sein privates Umfeld ab, um
Verträge zu verkaufen. 30.000 Mark Auszahlung verspricht eine
der Policen nach einigen Jahren Einzahlung – und 500 Mark
Monatsrente, falls der Kunde durch Unfall oder Krankheit nicht
mehr in seinem Beruf arbeiten kann.
„Ich war davon beseelt“, erzählt Laue. Eines Tages sitzt er bei
seiner damaligen Freundin auf dem Sofa. Sie ist
medizinisch-technische Assistentin. Ihr Vater ist sehr skeptisch
gegenüber Versicherungen. Zwei Stunden bearbeitet Laue sie – die
Freundin, den Vater. Dann hat er sie so weit. 50.000 Mark werden
als Auszahlung vereinbart. Vor inzwischen sieben Jahren ist die
Police ausgezahlt worden. „Und zwar mehr, als ich damals
vorausberechnet habe“, sagt Laue mit Stolz. Er weiß es deshalb
so genau, weil seine Freundin später seine Frau wurde. So treu
wie zum Arbeitgeber ist Laue auch im Familienleben.
Zinsen auch in den 90ern günstig
Es waren damals fette Zeiten für Versicherungsunternehmen. Die
Inflation war hoch, die nominale Verzinsung, die den Kunden
versprochen wurde, leicht zu erwirtschaften. 3 Prozent Garantie,
6 Prozent Inflation, 10 Prozent Umlaufrendite, so konnte das
jahrzehntelang weitergehen. Einen Teil der Erträge behielten die
Versicherer als Sicherheitspolster ein. Mitte der achtziger
Jahre greift das Bundesversicherungsamt ein: In einem
Rundschreiben fordert es die Gesellschaften auf, mehr an die
Kunden auszuschütten.[/tt]
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Re: Direktversicherungen: Die böse Überraschung bei der betriebl
ichen Vorsorge
By: Ilmen Date: April 20, 2017, 2:45 pm
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[tt]Die fetten Jahre enden nie. In den neunziger Jahren stehen
die Zinsen weiterhin günstig. Für einige Jahre heben die
Versicherer ihre jährlich versprochene Verzinsung sogar auf 4
Prozent. Laues Unternehmen hebt sogar die Garantien für
niedriger verzinste Altverträge auf dieses Niveau an. Eine
Großzügigkeit, die Laue zwei Jahrzehnte später zum Äußersten
zwingen wird.[/tt]
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[tt]Seit den achtziger Jahren sitzt die Debeka in Koblenz in
einem Hochhaus im Gewerbegebiet.[/tt]
[tt]Krise durch Sicherheits-Bestimmungen
Anfang des Jahrtausends beginnt es eng zu werden: Die
Bundesregierung schränkt die Steuerprivilegien für
Lebensversicherungen ein. Immer mehr Gesellschaften verkaufen
nun private Rentenversicherungen, die zu den Plänen der
rot-grünen Koalition passen, das Rentenniveau zu senken und das
durch mehr private Vorsorge auszugleichen („Riester“). Statt
dreißig Jahre garantieren sie ihren Kunden die Zinsen nun sieben
oder gar acht Jahrzehnte – bis zum Lebensende, so wie die
staatliche Rentenversicherung.
Die Lebensversicherung, Laues Lebenswerk, krankt immer
schlimmer. Um ihre weitere Krankheitskarriere besser zu
verstehen, müssen zwei hässliche Wörter eingeführt werden, wie
sie in solchen Erzählgeschichten normalerweise keinen Platz
finden: „Solvency II“ und „Zinszusatzreserve“. Das eine ist das
neue europäische Aufsichtsrecht, das Versicherer dazu zwingt,
ihre Risiken marktgerechter zu bewerten. Das andere ist ein
Instrument, mit dem die staatlichen Aufseher in Deutschland seit
sechs Jahren Versicherer zwingen, zusätzliche Sicherheiten
einzubehalten, um die einst versprochenen Garantien auch
wirklich bedienen zu können.
Entwicklungen sind nicht mehr absehbar
Uwe Laue ist jetzt vom euphorischen Teil der Geschichte zur
Schilderung des Siechtums übergegangen: „Als die Bemühungen um
Solvency II losgingen, wurde klar, dass das, was wir als
Versicherer machen, im Niedrigzins abenteuerlich ist.“
Abenteuer hatte er eigentlich nie gesucht. Doch unter ihm hat
sich die Debeka zu einem Zins-Junkie gewandelt, der wie der
Süchtige an der Nadel der Kapitalmärkte hängt. Erste Versicherer
straucheln in den Börsenkrisen 2002 und 2008. Auch Laue wird
langsam bewusst, dass die Entwicklung nicht einmal für die
kommenden Jahre absehbar ist. Die todsichere Lebensversicherung,
ein hochspekulativer Drahtseilakt? Und er hatte Garantien für
Jahrzehnte ausgesprochen. Das war prekär auch deshalb, weil ihre
alten Wertpapiere mit fallenden Zinsen immer höhere Kursniveaus
erreichten.
Lange Niedrigzinsphase nicht vorausgesehen
Die Debeka ging trotzdem noch eine Weile nach der bewährten
Philosophie vor: Alles für die Kunden. Während andere
Versicherer wie die Hamster das Geld zusammenhielten, um auf das
ominöse Solvency II vorbereitet zu sein, lobten sie Medien und
Verbraucherschützer für ihre großzügigen
Überschussbeteiligungen. „Wir wollten immer die profitieren
lassen, die am Erfolg beteiligt waren“, sagt Laue. Die Debeka
ist eine Zinswette eingegangen und hat verloren. Laue hat sich
verspekuliert. „Ein Mittelweg wäre im Nachhinein richtiger
gewesen“, sagt er, „aber ich hätte mir nicht vorstellen können,
dass die Niedrigzinsphase so lange anhalten würde.“
An dieser Stelle lässt die Geschichte zwei verschiedene
Deutungen zu: Die Europäische Zentralbank töte die deutsche
Altersvorsorge, sagen deutsche Finanzunternehmen. Bei Uwe Laue
hört sich das so an: „Ich sehe ein: Wenn man Europa
stabilisieren will, ist eine Gruppe der Verlierer – der deutsche
Sparer.“ Deutsche wollten Sicherheit. Garantien seien durch die
Niedrigzinspolitik nun aber nicht mehr möglich.[/tt]
HTML http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/vorsorgen-fuer-das-alter/debeka-beerdigt-klassische-lebensversicherung-14949943-p3.html
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Re: Direktversicherungen: Die böse Überraschung bei der betriebl
ichen Vorsorge
By: Ilmen Date: April 20, 2017, 2:47 pm
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[tt]EZB hat andere Ansicht
Um die alternative Deutung zu erhalten, muss man von Koblenz aus
eineinhalb Stunden nach Südosten reisen: Der Glasturm der
Europäischen Zentralbank im Frankfurter Ostend glänzt im roten
Abendlicht. Das spektakuläre Gebäude auf dem Gelände des vor
einem Jahrzehnt geschlossenen Großmarkts ist überall in Europa
aus dem Fernsehen bekannt und immer dann zu sehen, bevor man
Mario Draghis Worte hört, mit denen er über die Entscheidungen
seines Rats berichtet.[/tt]
HTML http://media1.faz.net/ppmedia/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/4209024082/1.4950311/article_multimedia_overview/nur-wenige-kilometer-trennen.jpg
[tt]Nur wenige Kilometer trennen Laue in seinem Vorstandsbüro
vom Deutschen Eck.[/tt]
[tt]Im siebten Stock des EZB-Sitzes hat der Deutsche Ulrich
Bindseil sein Büro. Als Generaldirektor Marktgeschäfte setzt er
Draghis umstrittenes Anleihekaufprogramm um. Bindseil ist ein
nüchterner Volkswirt, der spielerisch zwischen sperrigen
Fachtermini wie „Transmissionsriemen“ oder
„Arbeitskräfteabsorption“ und anschaulichen Bildern wie dem
größer werdenden volkswirtschaftlichen Kuchen hin und her
springt.
Lebensversicherer sind auf Zinsanstieg angewiesen
„Unsere Logik wird auch von anderen Notenbanken wie der Fed
angewendet. Ich habe noch keine überzeugende Alternative
gehört“, sagt Bindseil. Die Geldpolitik habe die Aufgabe, Preise
stabil zu halten, bei niedriger Inflation müsse sie die
Wirtschaft stimulieren. Aus Deutschland höre er den Vorwurf, die
Zinsen würden niedrig gehalten, um Italiens Staatsfinanzierung
zu erleichtern. Er aber hält einen expansiven Impuls für nötig,
um die niedrige Inflation und das schwache Wachstum zu
überwinden. Wenn sich die Preissteigerung langfristig bei 2
Prozent einpendele, könne das Programm enden und werde sich die
„Zinsstrukturkurve“ normalisieren.
„Die Kombination aus niedrigem Zins und der Regulierung ist für
Lebensversicherer temporär schwierig. Aber das resultiert aus
ihrem Geschäftsmodell und den versprochenen Garantien. Dadurch
sind sie darauf angewiesen, dass die Inflation zurückkehrt und
infolgedessen die Zinsen wieder steigen“, sagt er und klingt wie
sein Präsident Draghi. Nach einer Zinssitzung vor einem Jahr
hatte er verkündet: „Ich mahne alle Akteure dazu, der Versuchung
zu widerstehen, die niedrigen Zinsen für alles verantwortlich zu
machen, was in diesem Sektor falsch läuft und schon seit vielen
Jahren falsch lief.“
Junge Kunden sind die Verlierer
In Koblenz schüttelt Uwe Laue über diese Deutung den Kopf. Er
sei nicht sauer auf Draghi, er halte dessen Geldpolitik aber für
verfehlt: „Ich befürchte, dass Rechtspopulisten den Slogan
erfinden könnten: ,Europa enteignet euch und stopft Löcher, die
nicht zu stopfen sind.“
Noch viele Jahre lang wird er durch seine Großzügigkeit der
Vergangenheit gezwungen sein, Kapitalerträge jüngeren Kunden
vorzuenthalten, weil die Gewinne in die Zinszusatzreserve und
das Eigenkapital statt in die Ausschüttung fließen muss. Von
einem Rohüberschuss von 1100 Millionen Euro wurden im
vergangenen Jahr 900 Millionen direkt in die Reserve geleitet.
Das ist der Preis für die Kundenfreundlichkeit.
Weniger Vorsorge wird die Regel
Uwe Laue hat seinen Frieden gemacht mit der Entscheidung, der
klassischen Lebensversicherung die künstliche Atemluft
abzuschneiden. Die alten Verträge müssen aber noch viele
Jahrzehnte lang bedient werden. Für neue Kunden hat der
Versicherer nun eine andere Variante im Angebot: Die Garantie
ist niedriger, als erlaubt wäre. Im Gegenzug kann ein etwas
größerer Teil des Spargeldes in kostengünstige Indexfonds
angelegt werden.
Auch das zeigt, dass die Welt der Altersvorsorge künftig eine
ganz andere sein wird als bisher. Es wird weniger Vorsorge
möglich sein als zu Laues Zeiten. „20 Prozent der Bevölkerung
verdienen über den Daumen weniger als 1600 Euro brutto. Sie
bekommen keinen Zins. Warum sollten sie etwas zur Seite legen“,
fragt Laue. „Die Generation der armen Rentner kommt noch. Davor
habe ich Angst.“ Als er das sagt, ist nicht ganz klar, ob der
versierte Vertriebsmann Laue oder der solide schwäbische
Familienvater spricht.[/tt]
HTML http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/vorsorgen-fuer-das-alter/debeka-beerdigt-klassische-lebensversicherung-14949943-p4.html
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