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KONSUMENTENSOLIDARITÄT – JETZT
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#Post#: 217--------------------------------------------------
Vortrag von Niko Paech im Rahmen der Tage der Utopie in St. Arbo
gast
By: SilkeGiesinger Date: March 3, 2013, 1:14 am
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HTML http://www.tagederutopie.org/Programm/3-Expedition-in-ein-Land-nach-dem-Ueberfluss
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Expedition in ein Land nach dem Überfluss
Für eine Balance zwischen Konsum, Selbstversorgung und
Entrümpelung
Kann es eine Marktwirtschaft ohne Wachstum geben? Ist das
permanente Überbieten der letzten Quartals-ergebnisse ein
unabänderliches Paradigma unseres Wirtschaftsystems und damit
unseres Wohlstands? Wenn ja, gelten heute natürlich „grünes“
Wachstum und „nachhaltiger“ Konsum als neuer, vernünftiger
Königsweg.
Der Umweltökonom Niko Paech lieferte dazu die passende
Streitschrift. Den feinen Unterschied hier „gutes“, dort
„schlechtes“ Wachstum hält er für Augenauswischerei. In seinem
Gegenentwurf, der Postwachstumsökonomie, fordert er,
industrielle Wertschöpfungsprozesse einzuschränken und lokale
Selbstversorgungsmuster zu stärken. Technische Lösungen, so
Paech, schaffen niemals die Balance zu einem nachhaltigen
Ressourcenverbrauch für die gesamte Menschheit. Für ihn geht es
nicht um Effizienz – also das Gleiche wie bisher, nur cleverer –
sondern um eine Veränderung unserer persönlichen Lebensstile.
Noch scheint die Welt nicht bereit, vom Gesetz oder der Droge
„Wachstum“ zu lassen. Aber die Diskussion über das Ende der von
Niko Paech so genannten Maßlosigkeit nimmt an Fahrt auf.
Niko Paech ist Volkswirt und arbeitet am Lehrstuhl für
Produktion und Umwelt der Universität Oldenburg. Als sein Motto
nennt er einen Spruch von Frank Zappa: „Die härteste Droge ist
ein klarer Kopf.“ Der spannende Sprecher ist unter anderem
Vorsitzender der Vereinigung für Ökologische Ökonomie, Mitglied
des wissenschaftlichen Beirats von attac und Fachbeirat des
deutschen Regiogeld-Verbandes. Was er fordert praktiziert er
auch selbst: Handwerklich zu arbeiten in der Freizeit, Teilen
statt besitzen, mehr Sesshaftigkeit und weniger Reisen. Dass
seine Thesen radikal seien hat Niko Paech schon häufiger gehört:
„Mir geht es nicht darum, jemanden zu überzeugen. Sondern jene
zu bestärken, die bereits neue Praktiken einüben.“
Vortrag und Musik
Donnerstag, 25. April, 19.00 Uhr
Workshop mit Niko Paech
Freitag, 26. April, 9.15 bis 12.30 Uhr
Generativer Dialog
mit Freeman Dhority und Steffi Dobkowitz
Freitag, 26. April, 9.15 bis 12.30 Uhr
Link zur Anmeldung:
HTML http://www.tagederutopie.org/Anmeldung
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Informationen zu allen Veranstaltungen von "Tage der Utopie"
sind zu finden unter
HTML http://www.tagederutopie.org/
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#Post#: 300--------------------------------------------------
Re: Vortrag von Niko Paech im Rahmen der Tage der Utopie in St.
Arbogast
By: SilkeGiesinger Date: August 11, 2013, 11:24 am
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HTML http://www.52wege.de/wohlstand-ohne-wachstum
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Wohlstand ohne Wachstum
Wir brauchen kein grün angepinseltes Weiter-so, sondern müssen
jetzt endlich unser Leben entrümpeln und entschleunigen.
Niko Paech
Welche Reaktionen würde wohl die Ankündigung eines
Automobilherstellers auslösen, demnächst ein Fahrzeug ohne
Rückwärtsgang und Bremse produzieren zu wollen? Vermutlich
Gelächter. Oder Kopfschütteln. Komisch, dass eine solche
Reaktion nicht auch den meisten Ökonomen und
Wirtschaftspolitikern entgegengebracht wird. Denn dieselbe
Absurdität liegt dem üblichen volkswirtschaftlichen Denken
zugrunde; mehr noch: Das ganze Entwicklungsschema moderner
Gesellschaften basiert auf der Grundannahme, Fortschritt sei
ausschließlich ein Akt der Addition und nur bei ständigem
Wachstum möglich.
Selbst die Nachhaltigkeitsdiskussion kurvt in diesem Fahrwasser.
Dank technischer Innovationen, so das ständig rezitierte Mantra,
könne man Wirtschaftswachstum von Ressourcenverbrauch und
Umweltschäden abkoppeln. Die Bündnisgrünen ziehen mit einem
"Green New Deal" in den Wahlkampf: Anstrengungen etwa im
Klimaschutz – so ihr Versprechen – würden die deutsche Industrie
auf wachsenden Zukunftsmärkten positionieren. Doch eine solche
Nachhaltigkeitsdiskussion immunisiert die vorherrschenden
Lebensstile gegen jede Mäßigung. Nicht das exzessive
Wechselspiel zwischen Fremdversorgung und Selbstverwirklichung
als solches wird hinterfragt, sondern nur dessen Objekte – der
Durst nach immer mehr soll künftig bloß durch "bessere" Produkte
oder Dienstleistungen befriedigt werden. So wird sogar die
Nachhaltigkeit zu einem Wachstumsstimulus, denn irgendetwas
findet sich immer, das durch additive Maßnahmen zu reparieren
oder zu verbessern wäre – und wenn es die Umwelt ist... Aber
diese Rechnung geht nicht mehr auf. Warum?
Eine Entkoppelung von wirtschaftlichem, in Geld gemessenem
Wachstum und Ressourcenverbrauch ist schlicht und einfach nicht
in Sicht. Der Grund ist das, was Experten "Bumerangeffekt" oder
"Reboundeffekt" nennen: Einsparungen beim Material- oder
Energieverbrauch bei der Herstellung eines Produkts werden
regelmäßig dadurch (über-)kompensiert, das die Gesamtzahl der
produzierten Güter steigt. Forschungen beispielsweise des
renommierten Global Carbon Project belegen zweierlei: Erstens
sorgte selbst in Phasen während der 80er- und 90er-Jahre, in
denen eine leichte Entkoppelung feststellbar war, ökonomisches
Wachstum dafür, dass die globalen CO2-Emissionen permanent
zunahmen. Und zweitens steigt die CO2-Intensität der
Wertschöpfung im weltweiten Maßstab neuerdings sogar wieder an!
In der sogenannten Glücksforschung gilt es mittlerweile als
bewiesen, dass eine Steigerung des materiellen Reichtums ab
einem bestimmten Niveau das subjektive Wohlbefinden nicht weiter
erhöht. Gerade in den Industrieländern sind viele
Konsumaktivitäten nur noch symbolischer Art, sie zielen auf
soziales Prestige und sollen die Zugehörigkeit zu einer
bestimmten Gruppe oder "Szene" sicherstellen. Die Industrie
schafft ständig neue Angebote der Selbstinszenierung, die -
durch Werbung angefeuert - von Pionieren aufgegriffen werden.
Wer dabei nicht mitzieht, verliert den Anschluss und riskiert
den Ausschluss, etwas im Kreise von Kollegen und Nachbarn.
Folglich ist ein immer höherer Konsumaufwand nötig, um die
soziale Integration zu verteidigen. Weil die Zahl der
Konsumoptionen geradezu explodiert, der Tag aber nach wie vor
nur 24 Stunden hat, wird die minimal erforderliche Zeit zum
Ausschöpfen konsumtiver Optionen zum Engpassfaktor – der Genuss
am jeweils Neuen wird immer kürzer. So kommt es zu ständig
expandierendem Konsum bei stagnierendem Glück.
Auch die ökonomischen Grundlagen des Wachstums erodieren, weil
dem Wohlstandsapparat der Treibstoff ausgeht. Die westlichen
Konsumgesellschaften basierten nie auf etwas anderem als der
unbegrenzten Verfügbarkeit fossiler Energieträger bei minimalen
Kosten. Dieser Grundirrtum unseres Lebensstils wird
offensichtlich und für die ganze Welt bedrohlich, seit die
globale Mittelschicht um circa 1,2 Milliarden "neue Konsumenten"
in Aufsteigernationen wie China oder Indien gewachsen ist. Nun
explodieren die ökologischen Kosten, die Begrenztheit der
Ressourcen wird für alle zum Problem. Was vor kurzem noch "Peak
Oil" hieß, hat sich zum "Peak Everything" gemausert.
Der Weg in eine bescheidenere, aber krisensichere Versorgung
durchläuft fünf Stationen.
Erstens geht es darum, unser Leben zu entrümpeln und zu
entschleunigen. Pures Auswechseln bisheriger Konsumlösungen
gegen vermeintlich nachhaltigere Varianten reicht nicht im
Entferntesten. Nur eine Rückführung von Konsumansprüchen auf ein
Niveau, das wirklich nachhaltig befriedigt werden kann, bietet
Lösungen. Das neue Ziel ist Suffizienz (von lat. sufficere –
genügen, ausreichen). Erstrebt werden sollte nicht mehr eine
Steigerung von Güterwohlstand und Komfort. Gestellt werden
Fragen wie diese: Von welchen Energiesklaven, Konsum- und
Komfortkrücken kann ich mich (und die Gesellschaft als Ganzes
sich) befreien? Ist es nicht ökonomische Logik in Reinform,
jenen Ballast abzuwerfen, der Zeit, Geld, Raum und ökologische
Ressourcen beansprucht, aber nur minimalen Nutzen stiftet?
Zweitens wird eine neue Balance zwischen Selbst- und
Fremdversorgung benötigt. Das jetzige Konsummodell der
Globalisierung ist dauerhaft nicht finanzierbar. Wer sich davon
abhängig macht, Waren des täglichen Bedarfs von anderen zu
kaufen, muss damit rechnen, zum "Globalisierungsopfer" zu
werden, wenn die Geld speiende Wachstumsmaschine ins Stocken
gerät, Preise steigen, Löhne sinken oder Firmen schließen.
Sozial stabiler sind Versorgungsstrukturen mit geringer Distanz
zwischen Verbrauch und Produktion. Dazu zählen die Reaktivierung
von Kompetenzen, manuell oder kraft eigener Fertigkeiten
Bedürfnisse ohne kommerzielle Märkte zu befriedigen. Zur
praktischen Umsetzung dieser Einsicht gibt es viele Ansätze:
Verkürzung der (Lohn-)Arbeitszeit zur Steigerung der
Eigenversorgung, Community-Gärten, Tauschringe, Netzwerke der
Nachbarschaftshilfe, Verschenkmärkte, Einrichtungen zur
Gemeinschaftsnutzung von Geräten/Werkzeugen – all diese würde zu
einer graduellen De-Globalisierung verhelfen und am Ende auch
weniger Energie und Ressourcen verbrauchen. Salopp gesagt: Wir
müssen Produkte länger nutzen, sie reparieren und pflegen und
sie lieber gebraucht kaufen als neu. Wir müssen Knöpfe selber
annähen und Fahrräder eigenhändig reparieren – und wieso soll
das eigentlich keinen Spaß machen?
Daran knüpft Punkt drei an, eine stärkere Regionalökonomie:
Viele Bedürfnisse ließen sich auch durch regionale Märkte und
verkürzte Wertschöpfungsketten befriedigen. Regionalwährungen
könnten Kaufkraft an die Region binden und damit von
globalisierten Transaktionen abkoppeln. So würden die
Effizienzvorteile einer geldbasierten Arbeitsteilung weiterhin
genutzt, aber innerhalb eines ökologieverträglicheren und
krisenresistenteren Rahmens.
Viertens: Auch wenn alle Potenziale an Suffizienz, Selbst- und
Regionalversorgung ausgeschöpft sind, verbleiben
Konsumansprüche, die sich nur mittels industriell und
arbeitsteilig produzierter Güter befriedigen lassen. Das hierfür
benötigte Industriesystem aber wäre nicht lediglich kleiner als
das heutige, sondern müsste ebenso wie unser Leber deutlich
entschleunigt werden: Produkte und Infrastrukturen könnten durch
Nutzungsdauerverlängerung oder Nutzungsintensivierung so
optimiert werden, dass ohne zusätzliche materielle Produktion
Werte geschaffen werden.
Fünftens sind grundsätzliche institutionelle Maßnahmen nötig,
nämlich zunächst eine Boden- und Geldreform, mit denen die
jetzigen systemimmanenten Wachstumszwänge des Kapitalismus
gemildert werden. Die erwähnten Regionalwährungen könnten mit
einer zinslosen Umlaufsicherung versehen werden - so entfiele
der Zwang, dass jede Investition immer mehr Geld zu
erwirtschaften hat als eingesetzt wird. Sinnvoll wäre es auch,
den Ausstoß an Treibhausgasen staatlich zu begrenzen und auf die
Individuen umzulegen: Jede Person hätte ein Anrecht auf dasselbe
Emissionskontingent, Guthaben und Schulden auf solchen
CO2-Konten können untereinander transferiert werden.
Sie halten das für Fantasterei oder ferne Zukunftsmusik? Mal
schauen. Das gegenwärtige Modell einer Wachstumsökonomie wird
jedenfalls in zehn bis zwanzig Jahren unsausweichlich an seine
Grenzen stoßen.
Dieser Artikel stammt von Niko Paech, er wurde erstmals im
Greenpeace Magazin 5.09 veröffentlicht. Niko Paech ist Volkswirt
und arbeitet am Institut für Betriebswirtschaftslehre und
Wirtschaftspädagogik der Carl-von-Ossietzky-Universität
Oldenburg.
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