URI:
   DIR Return Create A Forum - Home
       ---------------------------------------------------------
       KONSUMENTENSOLIDARITÄT – JETZT
  HTML https://consolnow.createaforum.com
       ---------------------------------------------------------
       *****************************************************
   DIR Return to: Informationsquellen
       *****************************************************
       #Post#: 119--------------------------------------------------
       Zum Thema "Armut"
       By: SilkeGiesinger Date: November 28, 2012, 2:28 pm
       ---------------------------------------------------------
  HTML http://videos.arte.tv/de/videos/gemachte-armut--7075488.html
  HTML http://videos.arte.tv/de/videos/gemachte-armut--7075488.html
       GEMACHTE ARMUT
       Lange Zeit galt Armut in Westeuropa als überwunden; etwas, das
       aus den Industrieländern ein für allemal verbannt schien. Doch
       nun kehrt sie mit Schärfe zurück, als Folge der Umbrüche und
       Umstürze in der Wirtschaftswelt und dem "Umbau" des
       Sozialstaates. Die neoliberalen Reformen, die größere
       ökonomische Effektivität und größeren Wohlstand bringen sollten,
       haben viele Menschen in eine existenzielle Sackgasse geführt.
       Und das nicht nur in sogenannten Problemländern wie zum Beispiel
       Spanien. Dort ist die Lage besonders bedenklich. Ein Viertel der
       Bevölkerung ist arbeitslos, Millionen Kinder leben in Armut oder
       drohen dahin abzusteigen.
       Aber auch im reichen Deutschland, dem europäischen
       Wirtschaftswunderland, nimmt die Zahl der Armen zu, ebenso wie
       in Frankreich. Und nichts deutet darauf hin, dass diese
       Situation sich in absehbarer Zukunft zum Besseren wenden wird.
       Ganze Bevölkerungsgruppen fühlen sich zunehmend ausgegrenzt. Und
       die Armut wird "vererbt". Das stellt auch die Gesamtgesellschaft
       vor ernste Herausforderungen: Denn die Kinder sollten eigentlich
       die Zukunft sein. Wenn diese aber in den Kreislauf von sozialer
       Abhängigkeit, Mutlosigkeit und Perspektivlosigkeit geraten,
       werden sie nicht in der Lage sein, an der Zukunft mitzuwirken.
       Lourdes Picareta beschreibt und analysiert in ihrem Film die
       Situation in Spanien, Deutschland und Frankreich. Und lässt
       darin unter anderem Sozialforscher und Politikwissenschaftler zu
       Wort kommen, die von der "gemachten Armut" sprechen, von einer
       Entwicklung, die keineswegs natürlich entstanden ist und
       vermeidbar gewesen wäre.
       (Deutschland, 2012, 52mn)
       SWR
       Erstausstrahlungstermin:
       Gestern, 22:11
       weitere Ausstrahlungstermine:
       Dienstag, 4. Dezember 2012, 07:00
       Sonntag, 9. Dezember 2012, 03:00
       Themen:Geopolitik & Geschichte, Gesellschaft
       #Post#: 123--------------------------------------------------
       Re: Zum Thema "Armut"
       By: SilkeGiesinger Date: November 29, 2012, 12:28 pm
       ---------------------------------------------------------
  HTML http://videos.arte.tv/de/videos/afrika-der-ausgeraubte-kontinent--7078940.html
  HTML http://videos.arte.tv/de/videos/afrika-der-ausgeraubte-kontinent--7078940.html
       AFRIKA - DER AUSGERAUBTE KONTINENT
       Rüschlikon ist ein idyllisches Dorf in der Schweiz, im Kanton
       Zürich. Die Bewohner führen dort ein geruhsames Leben ohne
       Stress und Hektik. Hier ist die Welt noch in Ordnung, Hunger und
       Armut sind nahezu unbekannt. Und Arbeitslosigkeit und soziale
       Probleme eher eine Seltenheit. Der Wohlstand der Gemeinde wurde
       durch den Zuzug von Herrn Ivan Glasenberg enorm vermehrt. Denn
       Ivan Glasenberg ist nicht irgendjemand. Er ist Geschäftsführer
       des Rohstoffgiganten "Glencore". Sein Konzern machte 2011 einen
       Nettoumsatz von 9,6 Milliarden Dollar. Das immense
       Steueraufkommen von Neubürger Glasenberg spülte Millionen von
       Dollar in die Kassen der Finanzbehörden in Rüschlikon, so dass
       sich der Bürgermeister gezwungen sah, den Steuersatz im Dorf
       drastisch zu senken. "Man hätte ja viel zu viel Geld, man könne
       das ja gar nicht alles ausgeben", stellte Bürgermeister Bernard
       Elsener fest.
       Aber woher kommt der immense Reichtum von Herrn Glasenberg? Ein
       Blick nach Sambia bringt Licht in das finanzielle Dickicht der
       vielschichtigen Steuermanipulationen. Sambia ist reich an
       Bodenschätzen und hat das weltweit drittgrößte Kupfervorkommen.
       Aber die Bürger in Sambia bekommen von den hohen Erträgen aus
       ihren in internationalem Besitz befindlichen Kupferminen nichts
       zu sehen. Sie leben in größter Armut: 60 Prozent der Bevölkerung
       stehen weniger als ein Dollar pro Tag zur Verfügung und etwa 80
       Prozent haben keine Arbeit. Wie ist so etwas möglich?
       Ein Blick zurück in das Jahr 2000 gibt Aufschluss: Als die
       Kupferpreise auf dem Weltmarkt am Boden lagen, und die
       Rettungsaktion durch die Weltbank und den Internationalen
       Währungsfonds scheiterten, drohte Sambia der Untergang. Der fast
       bankrotte Staat musste in die unmoralischen Kredit-Bedingungen
       einwilligen, die den Verkauf der Kupferminen verlangten, um
       nicht total unterzugehen. Diese Bedingungen fügten Sambia herbe
       Verluste zu.
       "2006 lag der gesamte Wert der sambischen Exporte bei drei
       Milliarden Dollar", erklärt die ehemalige Untersuchungsrichterin
       und Europapolitikerin Eva Joly. "Die Steuereinnahmen, die Sambia
       davon zurückbekommen hat, betrugen jedoch nur 50 Millionen
       Dollar." Als die Kupferpreise auf dem Weltmarkt dann wieder
       anstiegen, konnte Sambia, von dem sensationellen Preisanstieg
       von über 350 Prozent nicht mehr profitieren.
       Der Film "Afrika - Der ausgeraubte Kontinent" deckt die
       undurchsichtigen und inhumanen Geschäftspraktiken von Ivan
       Glasenberg und seinen Geschäftspartnern auf, beleuchtet die
       Hintergründe und Zusammenhänge, die dazu führten, dass der
       Großkonzern "Glencore" diese wirtschaftliche Macht erringen
       konnte. Die Dokumentation zeigt aber auch, wie ein Staat
       erpresst wird und die Bevölkerung von Sambia hungern muss, damit
       die Menschen im reichen Rüschlikon weiterhin in einem
       Finanzparadies leben können. Fraglich bleibt letztendlich, wer
       die moralische Verantwortung für solches Geschäftsgebaren trägt.
       (Deutschland, Dänemark, 2012, 52mn)
       ZDF
       #Post#: 125--------------------------------------------------
       Re: Zum Thema "Armut"
       By: SilkeGiesinger Date: December 1, 2012, 9:44 am
       ---------------------------------------------------------
  HTML http://videos.arte.tv/de/videos/740-park-avenue--7081948.html
  HTML http://videos.arte.tv/de/videos/740-park-avenue--7081948.html
       740 PARK AVENUE
       Die Park Avenue in New York zieht sich quer durch Manhattan,
       bevor sie auf der anderen Flussseite die Bronx erreicht. Auf dem
       langen Abschnitt zwischen dem Grand Central Terminal und der 96.
       Straße befinden sich einige der teuersten Immobilien der Welt.
       Darunter die exklusive Adresse Hausnummer 740. Im "reichsten
       Mehrfamilienhaus der Welt" leben mehr Milliardäre als in jedem
       anderen Gebäude in den USA.
       Zehn Minuten weiter nördlich, auf der anderen Seite des Harlem
       Rivers, beginnt die Bronx. Jeder Zweite bezieht hier
       Lebensmittelmarken, die Arbeitslosenquote liegt bei 19 Prozent,
       und Kinder riskieren dort 20-mal häufiger ihr Leben als im
       Südteil der Park Avenue.
       "Es gab in unserer Gesellschaft schon immer einen Graben
       zwischen den Superreichen und allen anderen, doch in den letzten
       30 Jahren hat sich etwas verändert. Der Graben ist zu einem
       Abgrund geworden", sagt der Regisseur Alex Gibney. "2010
       verfügten die 400 reichsten Amerikaner über mehr Geld als die
       unteren 50 Prozent unserer Gesellschaft. Das sind 150 Millionen
       Menschen. Die Frage ist: Was machen die mit all dem Geld?".
       In den palastähnlichen Appartments der 740 Park Avenue gehen
       Präsidenten und Senatoren ein und aus, denen im Gegenzug für
       Steuersenkungen Millionen für ihre Wahlkämpfe versprochen
       werden.
       Die Bewohner der Park Avenue in der Bronx wiederum haben keinen
       Einfluss auf den Präsidenten und leiden dank geringerer
       Steuerzahlungen der Reichen unter den Kürzungen der öffentlichen
       Ausgaben. Sie haben zwar noch das Wahlrecht, doch um ihre
       sozialen Aufstiegschancen steht es schlecht.
       Anhand der Geschichte der zwei Gesichter der Park Avenue zeigt
       Alex Gibney, dass der extreme Reichtum einer kleinen Gruppe dazu
       genutzt wird, dem restlichen Amerika ihre Ideen aufzuzwingen.
       (Deutschland, Dänemark, 2012, 52mn)
       ZDF
       Erstausstrahlungstermin:
       Do, 29. Nov 2012, 23:17
       weitere Ausstrahlungstermine:
       Dienstag, 18. Dezember 2012, 11:25
       Themen:Dokumentationen, Geopolitik & Geschichte, Gesellschaft
       #Post#: 134--------------------------------------------------
       Re: Zum Thema "Armut"
       By: SilkeGiesinger Date: December 8, 2012, 8:36 am
       ---------------------------------------------------------
  HTML https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=5_4o9dOL0Ck#!
  HTML https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=5_4o9dOL0Ck#!
       Dokumentation "Der inszenierte Hunger"
       Hochgeladen am 28.01.2011
       Der inszenierte Hunger ist eine Dokumentation von Jihan El-Tahir
       über Getreidehilfslieferungen aus Europa und USA nach Zambia.
       Inhalt: "Seit mehr als zwanzig Jahren wird Getreide nicht (nur)
       dort hingebracht, um Bedürftigen zu helfen, sondern um die
       Produktionsüberschüsse der hoch subventionierten Bauern in den
       USA, Kanada und Westeuropa abzubauen. In den USA z.B. darf mit
       den Finanzhilfen für die Hungerbekämpfung nur US-amerikanisches
       Getreide gekauft und dann per Schiff dort hin gebracht werden.
       Für das gleiche Geld könnte man vor Ort auch doppelt so viel
       Getreide kaufen, weil die Preise niedriger sind und die langen
       Transportwege wegfallen würden. Dazu kommt, dass
       US-amerikanisches Getreide größtenteils genverändert und
       teilweise patentiert ist, aber wehe die Hilfslieferungen werden
       abgelehnt."
       Die Dokumentation wurde auf ARTE ausgestrahlt und erhielt 2004
       den Medienpreis Entwicklungspolitik.
       #Post#: 251--------------------------------------------------
       Re: Zum Thema "Armut"
       By: SilkeGiesinger Date: May 11, 2013, 11:44 am
       ---------------------------------------------------------
  HTML http://www.berliner-zeitung.de/magazin/interview-groenemeyer---bono--wir-koennen-wunderbar-nerven-,10809156,22348254.html
  HTML http://www.berliner-zeitung.de/magazin/interview-groenemeyer---bono--wir-koennen-wunderbar-nerven-,10809156,22348254.html
       Sollten Stars, die für eine gute Sache kämpfen, sich mit
       Politikern treffen? Ja, sagt Bono. Nein, sagt Herbert
       Grönemeyer. Sonst sind sie aber meistens einer Meinung. Ein
       Gespräch über Afrika, Männerfreundschaft und Rückenschmerzen.
       Das sieht sehr staatstragend aus, wie Sie da beide mit
       gefalteten Händen nebeneinander am Konferenztisch sitzen.
       BONO: Finden Sie?
       HERBERT GRÖNEMEYER: Tut mir leid, dass wir so auf Sie wirken. Es
       könnte daran liegen, dass am Nachmittag noch dieses Treffen mit
       Merkel und Putin auf der Hannover-Messe auf dem Programm steht.
       Sie wissen schon, da wo die wirklich großen Geschäfte gemacht
       werden … (Bono dreht sich zu ihm, guckt ein bisschen perplex)
       Guck nicht so, das war ein Witz. Ich weiß ja: Du gehst gleich zu
       Merkel ins Kanzleramt – und ich bin froh, dass ich nicht
       mitkommen muss.
       Sie beide sind nicht nur als Aktivisten im Kampf gegen Armut
       vereint, Sie sind auch seit Langem befreundet und treten
       zusammen auf. Was verbindet Sie beide außer Musik und Politik?
       BONO: Dazu könnte ich Ihnen jetzt einiges erzählen – nur dürfen
       wir das leider nicht in der Öffentlichkeit ausbreiten.
       Warum nicht?
       BONO: Weil es in den Gesprächen zwischen Herbert und mir
       beispielsweise oft um die schweren Verletzungen geht, die wir
       uns in unserem Job in all den Jahren zugezogen haben.
       GRÖNEMEYER: Genau. Woran Sie schon erkennen: Wir mögen uns.
       BONO: Nehmen wir mal an, Sie würden Herbert und mich in einem
       Pub entdecken, wo wir uns durchaus hin und wieder treffen. Auf
       den ersten Blick sähe es so aus, als würden wir über die großen
       Probleme der Welt reden, während wir uns an den Whiskygläsern
       festhalten. Bis dann einer von uns sagt: „Mann, ich hab’s
       wirklich im Rücken.“ Und der andere erwidert: „Bei mir zieht’s
       noch viel mehr.“ Und so geht das dann immer weiter. Ich glaube
       nicht, dass Ihnen das gefallen würde.
       Ist das wie bei den nörgelnden Opas in der Muppet-Show?
       BONO: Da müssen Sie gar nicht grinsen: Rock ’n’ Roll ist
       schließlich ein sehr physischer Beruf.
       GRÖNEMEYER: Genau. Wir geben immer alles.
       BONO: Jetzt lachst auch Du noch, Herbert! Egal, wir beide reden
       im Pub natürlich auch über andere Arten von Verletzungen –
       Herzschmerz zum Beispiel.
       GRÖNEMEYER: Herzschmerz und schmerzende Körper.
       BONO: Und irgendwann landen wir dann meist bei der Frage, wer
       von uns beiden den anderen später mal im Rollstuhl schieben
       wird.
       GRÖNEMEYER: Oder ob wir uns am Ende unserer Tage noch ein
       gemeinsames Haus leisten könnten – so eine Art Senioren-WG.
       Von der Senioren-WG sind Sie ja noch ein bisschen entfernt. Als
       Sie 2007 vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm zum Kampf gegen
       extreme Armut aufriefen, sagten Sie: „Unsere Bewegung ist nicht
       mehr aufzuhalten.“ Heute steht fest, dass zum Beispiel die
       deutsche Regierung ihre Zusage, die Entwicklungshilfe bis 2015
       stufenweise auf 0,7 Prozent der Nationaleinkommens zu steigern,
       nicht einhalten kann. Bislang sind es 0,38 Prozent. Sind Sie
       enttäuscht? Sind Sie wütend, dass Ihre jahrelange Lobbyarbeit
       nicht mehr gebracht hat?
       GRÖNEMEYER: Es stimmt, dass Deutschland zurzeit unheimlich weit
       hinter seinen Versprechen zurückliegt. Frau Merkel soll aber
       nicht denken, dass das Thema irgendwie verschlabbert. Wir
       bleiben dran und halten vor allem jetzt in der Wahlkampfzeit den
       Druck aufrecht. Die Regierung sollte nicht versuchen, sich da
       herauszuwinden.
       Darauf haben Sie auch in den letzten Jahren öfter hingewiesen.
       GRÖNEMEYER: Wir sind Musiker, wir machen nichts anderes, als
       herumzureden und zu trommeln – aber wir können wunderbar nerven.
       Mich stört einfach die Art und Weise, wie sich die Regierung an
       ihren Versprechen vorbeischleicht. Sie hatte die Erhöhung der
       Entwicklungsausgaben in konkreten Schritten zugesagt und
       entfernte sich Jahr für Jahr weiter davon, sie einzuhalten. Die
       Kunst von Frau Merkel ist, mit einem tatkräftigen
       Gesichtsausdruck ständig Zuversicht auszustrahlen – aber im
       Hintergrund nichts zu tun. Zuletzt wurden die Entwicklungsgelder
       sogar erstmals seit Langem wieder gekürzt.
       Wenn es Woche für Woche abwechselnd um die Rettung Zyperns,
       Griechenlandes oder das Ende des Euros geht, ist eine gewisse
       Zurückhaltung bei den Budgets verständlich, oder?
       BONO: Natürlich sind uns die Auswirkungen der gegenwärtigen
       ökonomischen Krise bewusst. Das ist ein Ausnahmezustand. Aber
       Irland ist ebenso wie viele andere Länder schwer von der Krise
       getroffen und muss überall sparen – nur bei der
       Entwicklungshilfe streicht das Land nicht. Das zeigt: So geht es
       auch.
       Und das sagen Sie auch Angela Merkel?
       BONO: Ich werde Ihrer Kanzlerin Folgendes sagen: „Stellen Sie
       sich bitte vor, wie viel schlimmer die Krise in Europa erst
       wäre, wenn es den Aufstieg Chinas nicht gegeben hätte! Denn ohne
       diesen riesigen Absatzmarkt wäre auch der Exportweltmeister
       Deutschland in einer viel schlechteren Lage. Und nun blicken Sie
       in die Zukunft, ins Jahr 2020 oder 2030. Dann kann auch Afrika,
       wenn es mit dem Kontinent weiter so vorangeht wie bisher, einen
       vergleichbaren Aufstieg hingelegt haben wie jetzt China. Denken
       Sie an die vielen Jobs, die dadurch im deutschen Mittelstand
       entstehen! Denken Sie an die deutschen Maschinen-Hersteller, die
       vom Aufstieg Chinas profitieren – wie die auch von Afrika
       profitieren werden.“ Ich weiß, es klingt absurd, wenn ein
       Rockstar von Mittelstand und Maschinenherstellern schwärmt. Aber
       das ändert nichts an den Fakten: Afrika ist genauso wichtig für
       Deutschland und Europa wie umgekehrt – aus Eigeninteresse. Es
       beweist den Weitblick der Deutschen, sich für Afrika zu
       interessieren. Ich bin überzeugt, dass die deutsche Regierung
       ihre Versprechen halten wird.
       Kofi Annan, der frühere UN-Generalsekretär und Initiator der
       Millennium-Entwicklungsziele, sagte uns kürzlich, die
       Finanzkrise habe den Kampf gegen die weltweite Armut zwar extrem
       verlangsamt. Das sei aber kein Weltuntergang. Es gehe weiter
       voran, nur eben viel langsamer als erwartet. Könnten Sie sich
       dieser Sicht nicht anschließen?
       GRÖNEMEYER: Bei allem Respekt, aber diese Sicht widerspricht
       gewissermaßen meinem deutschen Naturell. Da bin ich ein bisschen
       bollerig. Es geht gerade jetzt vor dem beginnenden
       Bundestagswahlkampf darum, nicht nachzulassen, den Druck
       aufrechtzuerhalten – und zu verhindern, dass Frau Merkel das
       Problem aussitzt. Und es geht uns auch darum, trotz allem
       euphorisch zu bleiben. Denn wir haben mit unserer Kampagne und
       unserer Arbeit in den letzten Jahren viel erreicht. Leider
       gehört auch das zu Deutschland: die Tendenz, Dinge
       schlechtzureden. Statt wertzuschätzen, was erreicht wurde.
       BONO: Ich höre diese Frage auch immer wieder: Was hat es
       eigentlich gebracht – Ihre Kampagnen, die Treffen mit
       Politikern, die Massendemonstrationen wie 1999 in Köln, als
       50.000 Menschen dem Ruf folgten, einen Schuldenerlass für
       Afrikas ärmste Länder zu fordern? Dann kann ich auf jede Menge
       Statistiken verweisen. Die Weltbank beispielsweise schreibt es
       den Investitionen zu, die der Schuldenerlass ermöglichte, dass
       in den letzten zehn Jahren in Afrika zusätzliche
       51 Millionen Kinder zur Schule gehen konnten. Wir haben
       armen Menschen den Zugang zu HIV-Medikamenten ermöglicht –
       dadurch können über acht Millionen Menschen ein produktives
       Leben führen, die sonst gestorben wären. Und die
       Kindersterblichkeit ist in den letzten 20 Jahren von über zwölf
       auf unter sieben Millionen pro Jahr gesunken. Das sind jeden Tag
       7 256 Kinder, die ihr Überleben dem Kampf gegen die Armut
       verdanken. Mir würde keine beeindruckendere Erfolgsgeschichte
       einfallen.
       Bono, Loos und Grönemeyer machen Druck
       Bono, Loos und Grönemeyer machen Druck (1:23)
       Herr Grönemeyer, im Gegensatz zu Bono, der seit fast 15 Jahren
       im Kanzleramt, dem Elysée-Palast oder dem Weißen Haus ein und
       aus geht, weigern Sie sich aus Prinzip, sich mit Politikern
       fotografieren zu lassen, um Ihre Kampagne im Gespräch zu halten.
       Geben Sie ihm wenigstens Tipps, bevor er zur Kanzlerin geht?
       GRÖNEMEYER: Nein, das hat er nicht nötig.
       Im Gegensatz zu Ihnen hat sich Bono sogar mal als Merkel-Fan
       bezeichnet.
       GRÖNEMEYER: Sehen Sie – das ist genau der Unterschied zwischen
       uns beiden.
       BONO: Wenn ich erkennen müsste, dass Ihre Kanzlerin auf stur
       schaltet, sobald es darum geht, die Ärmsten der Armen zu
       unterstützen, dann würde ich ganz schnell aufhören, ihr Fan zu
       sein.
       GRÖNEMEYER: Frau Merkel kommt ja wie ich aus einem
       protestantischen Elternhaus. Und wir Protestanten haben nicht
       viele Auswege. Wir können uns nicht freikaufen wie ihr
       Katholiken, Bono. Wir müssen am Ende für unsere Sünden
       geradestehen, wenn der liebe Gott kommt und sagt: „Das war aber
       alles nicht so doll.“ Und so muss Frau Merkel auch für ihre
       früheren Zusagen gerade stehen und sie auch im neuen Wahlkampf
       aufrechterhalten.
       In Mali, einem Land, zu dem Sie beide einen Bezug haben,
       herrscht zurzeit Krieg. Sie, Bono, sind dort zuletzt im Januar
       2012 aufgetreten. Sie, Herr Grönemeyer, haben mit Musikern aus
       Mali die WM-Hymne von 2006, „Zeit, das sich was dreht“,
       aufgenommen. Der Krieg ist umso erschreckender, da Mali
       jahrelang als Vorbild für eine Demokratisierung Afrikas und
       erfolgreiche Entwicklungshilfe galt. Was sagen Sie denen, die
       jetzt kritisieren, mit Afrika gehe es einen Schritt vor und zwei
       zurück?
       BONO: Ich muss zugeben, dass mich Rückschläge verrückt machen.
       Ich war noch wenige Wochen vor dem Coup in Mali gewesen. Bis zu
       dem Zeitpunkt hatte sich das Land sehr gut entwickelt. Aber wenn
       wir uns unsere jüngere Geschichte in Europa genauer ansehen, gab
       es auch bei uns immer wieder verheerende Entwicklungen, in
       Deutschland wie in Irland. Wir sollten nicht erwarten, dass die
       Demokratie in Ländern ankommt, und schon ist alles okay.
       Demokratie ist ein chaotisches Geschäft. Mali ist das perfekte
       Beispiel für die unheilige Kombination von drei Extremen:
       extreme Armut, extremes Klima, extreme Ideologie. Das gilt auch
       für andere Staaten in der Sahelzone wie Somalia, Sudan oder den
       Norden Nigerias. Dort brennt es überall. Aber wenn du genau
       hinsiehst, erkennst du: Es liegt daran, dass die Menschen dort
       rein gar nichts haben. Wer nichts hat, ist empfänglich für die
       Versprechen von Extremisten.
       Inzwischen haben die Islamisten in Mali Musik verboten. Wie
       gehen Sie damit um, als Musiker und als Aktivisten?
       GRÖNEMEYER: Ich habe mit den malischen Musikern, mit denen ich
       damals gearbeitet habe, schon länger nicht mehr gesprochen. Wie
       ich gelesen habe, wird darüber nachgedacht, das „Festival au
       désert“, bei dem Bono spielte, in Schlingensiefs Operndorf im
       Nachbarland Burkina Faso zu verlegen. Das Operndorf- Projekt
       unterstütze ich.
       BONO: Es gibt darüber hinaus viele Solidaritätsfestivals für die
       Musiker in Mali – in Großbritannien, sogar in den USA. Die
       Bedrohung dieser außergewöhnlichen Musiker macht mich besonders
       wütend. Die wenigsten wissen, dass es malische Musiker waren,
       die die Wurzeln für Gospel, Blues und Rock ’n’ Roll
       schufen. Denn die Ahnen der afro-amerikanischen Musiker stammen
       zum großen Teil aus Westafrika, viele aus Mali. Weil sie
       wussten, wie man Baumwolle anbaut und erntet und daher für die
       Sklavenhändler von besonderem Interesse waren. So wurden sie
       bevorzugt nach Amerika verschleppt. Mir wird übel, wenn ich mir
       vorstelle, dass einigen der malischen Musiker, mit denen ich
       noch vor einem Jahr in Timbuktu auf der Bühne stand, jetzt die
       Hände abgeschlagen werden könnten – weil ihr einziges Verbrechen
       darin besteht, Musik zu spielen. Das ist aber nicht
       symptomatisch für die Entwicklung auf dem gesamten Kontinent.
       Wenn man sich Afrika als Ganzes ansieht, gibt es dort heute
       immer weniger Konflikte und immer mehr Demokratien. Das belegt
       die Statistik. Die Menschen in Afrika reden von Fortschritt,
       Technologie-Unternehmen boomen. Ich sehe in vielen Ländern eine
       neue, junge Generation, die innovativ, die selbstbewusst ist.
       Wir müssen den Diskussionen um Afrika langfristig einen neuen
       Grundton geben. Das gelingt nur, wenn wir uns vom mitleidigen
       Betrachten verabschieden. Sehen Sie, in unserem anderen Beruf
       sind Herbert und ich Songwriter, wir beschäftigen uns mit
       Emotionen. Als Aktivist setze ich nicht auf Gefühle, sondern auf
       Fakten. Ich bin ein Faktivist. Ich erkenne die Daten an, die
       zeigen, ob wir vorangekommen sind.
       Selbst leidenschaftliche U2-Hasser wünschen sich inzwischen, Sie
       würden künftig doch lieber nur noch singen, statt dauernd
       Politiker zu belehren.
       BONO: Ja, am Rande der Proteste gegen den G-8-Gipfel in
       Heiligendamm wurde ich sogar mal von ein paar Anarchisten die
       Straße runter gejagt. In Anspielung auf unsere Kampagne „Make
       Poverty History“ schrien sie mir nach: „Make Bono History!“ Im
       Grunde will ich dasselbe wie sie: Wieder einfach nur Musik
       spielen, und das Ruder an die nächste Generation übergeben, die
       die schlimmste Armut in der Welt überwinden kann. Es ist noch
       viel zu tun. Wenn wir den Einfluss auf dem afrikanischen
       Kontinent jetzt China überlassen, wäre das jedenfalls einer der
       größten geopolitischen Fehler aller Zeiten. Das muss auch
       Kanzlerin Merkel so sehen.
       Herr Grönemeyer, Sie poltern ständig gegen Merkel, während Ihr
       irischer Freund sie umgarnt. Wie halten Sie das aus?
       GRÖNEMEYER: Bono arbeitet nun mal auf einer ganz anderen Ebene
       als ich, im globalen Kontext. Er muss sich verschiedenen
       Kulturen und Gesellschaften anpassen. Ich beschränke mich auf
       den deutschen Rahmen. Ich arbeite im Dorf. Und ich kenne mein
       Dorf. Außerdem ist mein Ansatz grundsätzlich ein anderer als
       seiner. Ich gebe Politikern nicht die Hand und nenne als
       abschreckendes Beispiel immer das gemeinsame Kaffeetrinken von
       Helmut Kohl mit Bärbel Bohley. Das war in meinen Augen eine
       gezielte Vereinnahmung und dadurch Schwächung von Bärbel Bohley.
       Dabei haben Sie nicht immer so allergisch auf Politiker
       reagiert: Anfang der 90er haben Sie immerhin mal Willy Brandt
       getroffen.
       GRÖNEMEYER: Das stimmt, aber …
       BONO: … das hat dann Willy Brandt geschwächt.
       GRÖNEMEYER: Lass mich mal! Das war eine andere Konstellation als
       deine Politiker-Treffen. Brandt hatte mich eingeladen, um Nelson
       Mandela bei dessen erstem Staatsbesuch in Deutschland zu ehren.
       Ich habe für ihn gespielt. Das war etwas anderes, als das, was
       du heute machst. Da saß ich dann mit Willy Brandt und Nelson
       Mandela an einem Tisch. Brandt sprach in der ihm eigenen
       knarzenden Weise (ahmt Brandt nach) – und nickte recht schnell
       ein. Auf einmal saß ich da alleine mit Nelson Mandela. Ich war
       total eingeschüchtert, wusste nicht, was ich sagen sollte.
       Und wie ging es weiter?
       GRÖNEMEYER: Mandela machte Smalltalk mit mir. „Oh, Mr.
       Grönemeyer“, sagte er, „Ihren Song gegen die Apartheid, den Sie
       vorhin gespielt haben, fand ich wunderschön.“ Ich nickte brav,
       während Willy Brandt weiter schlief. Ich habe Willy Brandt also
       getroffen, aber nicht viel mit ihm gesprochen.
       BONO: Dass er eingeschlafen war, lag wahrscheinlich daran, dass
       du ihm eines deiner Alben vorgespielt hast.
       GRÖNEMEYER: Von der Brandt-Anekdote mal abgesehen, finde ich,
       dass die Politik in Deutschland der Kunst sowieso nicht viel
       Anerkennung oder Respekt entgegenbringt. Das ist in der
       angelsächsischen Kultur anders. Wir sind eben das Land der
       Ingenieure. Bei uns wird ein Künstler nur zu einer politischen
       Veranstaltung eingeladen, um einen Song zu spielen und damit den
       Abend ein bisschen aufzulockern, dann soll er aber bitte schön
       die Klappe halten.
       Das klingt, als würden Sie keine Politiker treffen, weil Sie
       einen Minderwertigkeitskomplex haben.
       GRÖNEMEYER: Nein, Quatsch. Ich habe keinen
       Minderwertigkeitskomplex.
       BONO: What is a Minderwertigkeitskomplex?
       GRÖNEMEYER: Inferiority Complex.
       BONO: Nein, den hast Du wirklich nicht!
       GRÖNEMEYER: Ich bin wirklich froh, dass ich nicht mit Bono ins
       Kanzleramt gehen muss. Ich spare meine Zeit für andere Dinge.
       Ich finde, Kunst sollte zur Politik Distanz halten. Aber
       vielleicht ist das in Irland anders als bei uns.
       BONO: In Prag war es bei der Samtenen Revolution auch anders,
       als Künstler wie Václav Havel hervortraten und politische
       Verantwortung übernahmen.
       GRÖNEMEYER: Mag sein. Aber das ist die deutsche Art, es zu tun.
       Ich bewege mich nun mal in der deutschen Kultur. Aber ich war
       sehr stolz, als der ehemalige Finanzminister Hans Eichel später
       in einem offenen Brief zugab, er habe den Schuldenerlass nur
       unterzeichnet, weil wir mit unserer Kampagne so viel Druck
       aufgebaut hatten.
       Hängt der Brief eingerahmt in Ihrem Büro?
       GRÖNEMEYER: Nein. Das pumpt jetzt nicht mein Ego auf. Ich will
       nur zeigen: Der Druck funktioniert. Als wir mit den Kampagnen
       anfingen, hätte ich nie an eine solche Durchschlagskraft
       geglaubt. Ich dachte: Naja, immer noch wirksamer, als zu Hause
       zu sitzen und blöd aus dem Fenster zu gucken. Aber dank dieser
       Erfolge macht mir diese Arbeit richtig Spaß. Das ist keine
       Pflichtübung für mich, sondern auch aus egoistischen Gründen
       lohnenswert. Man hat ja sonst nicht so viel Spaß am Leben.
       Wo Sie den Spaß ansprechen – wir würden gern ein kleines Spiel
       mit Ihnen machen. Wir nennen Ihnen eine Reihe anderer
       Männer-Paare – Sie sagen uns, wer von Ihnen eher welchem Part
       entspricht.
       BONO: Da bin ich aber gespannt.
       Captain Kirk und Mr Spock.
       BONO: Ich sehe mich eher als Spock. Der war so cool analytisch.
       GRÖNEMEYER: Ich kenne die gar nicht.
       BONO: Du kennst Raumschiff Enterprise nicht?!
       GRÖNEMEYER: Nein. Ich habe davon gehört, aber die Serie nie
       wirklich geguckt.
       BONO: Okay, dann verrate ich Dir jetzt was, was dich auch nicht
       wirklich weiterbringen wird: Im Grunde bin ich nämlich weder
       Kirk noch Spock, sondern Mr. Scotty, der genialische schottische
       Ingenieur, der immer die Dilizium-Kristalle reparierte und so
       dafür sorgte, dass es weiterging.
       Wie wäre es damit: Superman und Batman.
       BONO: Von uns beiden kann nur Herbert der Superman sein,
       definitiv. Haben Sie ihn je gesehen, wenn er auf die Bühne geht?
       Dann heißt es: „Up, up and away!“ Er macht das jeden Abend.
       GRÖNEMEYER: Aber Batman hat das Batmobil, ein klasse Wagen. Ich
       wäre doch lieber Batman.
       Jürgen Klinsmann und Jogi Löw.
       BONO: Oh, lasst mich bitte Klinsmann sein. Den anderen kenne ich
       gar nicht
       GRÖNEMEYER: Aber der Blonde von uns bin doch ich!
       Mick Jagger und David Bowie. Die haben sich, ähnlich wie Sie,
       mal für das Afrika-Hilfs-Konzert Live Aid zusammengetan.
       GRÖNEMEYER: Das ist schwer. Ich würde mich mit keinem von beiden
       vergleichen. Im Grunde ist Bono sowieso beide in einer Person.
       BONO: Na gut, dann bist du … mal sehen … Iggy Pop.
       Der lässt auf der Bühne immer mal wieder die Hose runter. Das
       hat nach unserem Wissen keiner von Ihnen je gemacht.
       GRÖNEMEYER: Wenn ich das machte, würde es hysterisch. Ich
       beschränke mich lieber aufs Mikrofon.
       *****************************************************