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#Post#: 119--------------------------------------------------
Zum Thema "Armut"
By: SilkeGiesinger Date: November 28, 2012, 2:28 pm
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HTML http://videos.arte.tv/de/videos/gemachte-armut--7075488.html
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GEMACHTE ARMUT
Lange Zeit galt Armut in Westeuropa als überwunden; etwas, das
aus den Industrieländern ein für allemal verbannt schien. Doch
nun kehrt sie mit Schärfe zurück, als Folge der Umbrüche und
Umstürze in der Wirtschaftswelt und dem "Umbau" des
Sozialstaates. Die neoliberalen Reformen, die größere
ökonomische Effektivität und größeren Wohlstand bringen sollten,
haben viele Menschen in eine existenzielle Sackgasse geführt.
Und das nicht nur in sogenannten Problemländern wie zum Beispiel
Spanien. Dort ist die Lage besonders bedenklich. Ein Viertel der
Bevölkerung ist arbeitslos, Millionen Kinder leben in Armut oder
drohen dahin abzusteigen.
Aber auch im reichen Deutschland, dem europäischen
Wirtschaftswunderland, nimmt die Zahl der Armen zu, ebenso wie
in Frankreich. Und nichts deutet darauf hin, dass diese
Situation sich in absehbarer Zukunft zum Besseren wenden wird.
Ganze Bevölkerungsgruppen fühlen sich zunehmend ausgegrenzt. Und
die Armut wird "vererbt". Das stellt auch die Gesamtgesellschaft
vor ernste Herausforderungen: Denn die Kinder sollten eigentlich
die Zukunft sein. Wenn diese aber in den Kreislauf von sozialer
Abhängigkeit, Mutlosigkeit und Perspektivlosigkeit geraten,
werden sie nicht in der Lage sein, an der Zukunft mitzuwirken.
Lourdes Picareta beschreibt und analysiert in ihrem Film die
Situation in Spanien, Deutschland und Frankreich. Und lässt
darin unter anderem Sozialforscher und Politikwissenschaftler zu
Wort kommen, die von der "gemachten Armut" sprechen, von einer
Entwicklung, die keineswegs natürlich entstanden ist und
vermeidbar gewesen wäre.
(Deutschland, 2012, 52mn)
SWR
Erstausstrahlungstermin:
Gestern, 22:11
weitere Ausstrahlungstermine:
Dienstag, 4. Dezember 2012, 07:00
Sonntag, 9. Dezember 2012, 03:00
Themen:Geopolitik & Geschichte, Gesellschaft
#Post#: 123--------------------------------------------------
Re: Zum Thema "Armut"
By: SilkeGiesinger Date: November 29, 2012, 12:28 pm
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HTML http://videos.arte.tv/de/videos/afrika-der-ausgeraubte-kontinent--7078940.html
HTML http://videos.arte.tv/de/videos/afrika-der-ausgeraubte-kontinent--7078940.html
AFRIKA - DER AUSGERAUBTE KONTINENT
Rüschlikon ist ein idyllisches Dorf in der Schweiz, im Kanton
Zürich. Die Bewohner führen dort ein geruhsames Leben ohne
Stress und Hektik. Hier ist die Welt noch in Ordnung, Hunger und
Armut sind nahezu unbekannt. Und Arbeitslosigkeit und soziale
Probleme eher eine Seltenheit. Der Wohlstand der Gemeinde wurde
durch den Zuzug von Herrn Ivan Glasenberg enorm vermehrt. Denn
Ivan Glasenberg ist nicht irgendjemand. Er ist Geschäftsführer
des Rohstoffgiganten "Glencore". Sein Konzern machte 2011 einen
Nettoumsatz von 9,6 Milliarden Dollar. Das immense
Steueraufkommen von Neubürger Glasenberg spülte Millionen von
Dollar in die Kassen der Finanzbehörden in Rüschlikon, so dass
sich der Bürgermeister gezwungen sah, den Steuersatz im Dorf
drastisch zu senken. "Man hätte ja viel zu viel Geld, man könne
das ja gar nicht alles ausgeben", stellte Bürgermeister Bernard
Elsener fest.
Aber woher kommt der immense Reichtum von Herrn Glasenberg? Ein
Blick nach Sambia bringt Licht in das finanzielle Dickicht der
vielschichtigen Steuermanipulationen. Sambia ist reich an
Bodenschätzen und hat das weltweit drittgrößte Kupfervorkommen.
Aber die Bürger in Sambia bekommen von den hohen Erträgen aus
ihren in internationalem Besitz befindlichen Kupferminen nichts
zu sehen. Sie leben in größter Armut: 60 Prozent der Bevölkerung
stehen weniger als ein Dollar pro Tag zur Verfügung und etwa 80
Prozent haben keine Arbeit. Wie ist so etwas möglich?
Ein Blick zurück in das Jahr 2000 gibt Aufschluss: Als die
Kupferpreise auf dem Weltmarkt am Boden lagen, und die
Rettungsaktion durch die Weltbank und den Internationalen
Währungsfonds scheiterten, drohte Sambia der Untergang. Der fast
bankrotte Staat musste in die unmoralischen Kredit-Bedingungen
einwilligen, die den Verkauf der Kupferminen verlangten, um
nicht total unterzugehen. Diese Bedingungen fügten Sambia herbe
Verluste zu.
"2006 lag der gesamte Wert der sambischen Exporte bei drei
Milliarden Dollar", erklärt die ehemalige Untersuchungsrichterin
und Europapolitikerin Eva Joly. "Die Steuereinnahmen, die Sambia
davon zurückbekommen hat, betrugen jedoch nur 50 Millionen
Dollar." Als die Kupferpreise auf dem Weltmarkt dann wieder
anstiegen, konnte Sambia, von dem sensationellen Preisanstieg
von über 350 Prozent nicht mehr profitieren.
Der Film "Afrika - Der ausgeraubte Kontinent" deckt die
undurchsichtigen und inhumanen Geschäftspraktiken von Ivan
Glasenberg und seinen Geschäftspartnern auf, beleuchtet die
Hintergründe und Zusammenhänge, die dazu führten, dass der
Großkonzern "Glencore" diese wirtschaftliche Macht erringen
konnte. Die Dokumentation zeigt aber auch, wie ein Staat
erpresst wird und die Bevölkerung von Sambia hungern muss, damit
die Menschen im reichen Rüschlikon weiterhin in einem
Finanzparadies leben können. Fraglich bleibt letztendlich, wer
die moralische Verantwortung für solches Geschäftsgebaren trägt.
(Deutschland, Dänemark, 2012, 52mn)
ZDF
#Post#: 125--------------------------------------------------
Re: Zum Thema "Armut"
By: SilkeGiesinger Date: December 1, 2012, 9:44 am
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HTML http://videos.arte.tv/de/videos/740-park-avenue--7081948.html
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740 PARK AVENUE
Die Park Avenue in New York zieht sich quer durch Manhattan,
bevor sie auf der anderen Flussseite die Bronx erreicht. Auf dem
langen Abschnitt zwischen dem Grand Central Terminal und der 96.
Straße befinden sich einige der teuersten Immobilien der Welt.
Darunter die exklusive Adresse Hausnummer 740. Im "reichsten
Mehrfamilienhaus der Welt" leben mehr Milliardäre als in jedem
anderen Gebäude in den USA.
Zehn Minuten weiter nördlich, auf der anderen Seite des Harlem
Rivers, beginnt die Bronx. Jeder Zweite bezieht hier
Lebensmittelmarken, die Arbeitslosenquote liegt bei 19 Prozent,
und Kinder riskieren dort 20-mal häufiger ihr Leben als im
Südteil der Park Avenue.
"Es gab in unserer Gesellschaft schon immer einen Graben
zwischen den Superreichen und allen anderen, doch in den letzten
30 Jahren hat sich etwas verändert. Der Graben ist zu einem
Abgrund geworden", sagt der Regisseur Alex Gibney. "2010
verfügten die 400 reichsten Amerikaner über mehr Geld als die
unteren 50 Prozent unserer Gesellschaft. Das sind 150 Millionen
Menschen. Die Frage ist: Was machen die mit all dem Geld?".
In den palastähnlichen Appartments der 740 Park Avenue gehen
Präsidenten und Senatoren ein und aus, denen im Gegenzug für
Steuersenkungen Millionen für ihre Wahlkämpfe versprochen
werden.
Die Bewohner der Park Avenue in der Bronx wiederum haben keinen
Einfluss auf den Präsidenten und leiden dank geringerer
Steuerzahlungen der Reichen unter den Kürzungen der öffentlichen
Ausgaben. Sie haben zwar noch das Wahlrecht, doch um ihre
sozialen Aufstiegschancen steht es schlecht.
Anhand der Geschichte der zwei Gesichter der Park Avenue zeigt
Alex Gibney, dass der extreme Reichtum einer kleinen Gruppe dazu
genutzt wird, dem restlichen Amerika ihre Ideen aufzuzwingen.
(Deutschland, Dänemark, 2012, 52mn)
ZDF
Erstausstrahlungstermin:
Do, 29. Nov 2012, 23:17
weitere Ausstrahlungstermine:
Dienstag, 18. Dezember 2012, 11:25
Themen:Dokumentationen, Geopolitik & Geschichte, Gesellschaft
#Post#: 134--------------------------------------------------
Re: Zum Thema "Armut"
By: SilkeGiesinger Date: December 8, 2012, 8:36 am
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HTML https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=5_4o9dOL0Ck#!
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Dokumentation "Der inszenierte Hunger"
Hochgeladen am 28.01.2011
Der inszenierte Hunger ist eine Dokumentation von Jihan El-Tahir
über Getreidehilfslieferungen aus Europa und USA nach Zambia.
Inhalt: "Seit mehr als zwanzig Jahren wird Getreide nicht (nur)
dort hingebracht, um Bedürftigen zu helfen, sondern um die
Produktionsüberschüsse der hoch subventionierten Bauern in den
USA, Kanada und Westeuropa abzubauen. In den USA z.B. darf mit
den Finanzhilfen für die Hungerbekämpfung nur US-amerikanisches
Getreide gekauft und dann per Schiff dort hin gebracht werden.
Für das gleiche Geld könnte man vor Ort auch doppelt so viel
Getreide kaufen, weil die Preise niedriger sind und die langen
Transportwege wegfallen würden. Dazu kommt, dass
US-amerikanisches Getreide größtenteils genverändert und
teilweise patentiert ist, aber wehe die Hilfslieferungen werden
abgelehnt."
Die Dokumentation wurde auf ARTE ausgestrahlt und erhielt 2004
den Medienpreis Entwicklungspolitik.
#Post#: 251--------------------------------------------------
Re: Zum Thema "Armut"
By: SilkeGiesinger Date: May 11, 2013, 11:44 am
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HTML http://www.berliner-zeitung.de/magazin/interview-groenemeyer---bono--wir-koennen-wunderbar-nerven-,10809156,22348254.html
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Sollten Stars, die für eine gute Sache kämpfen, sich mit
Politikern treffen? Ja, sagt Bono. Nein, sagt Herbert
Grönemeyer. Sonst sind sie aber meistens einer Meinung. Ein
Gespräch über Afrika, Männerfreundschaft und Rückenschmerzen.
Das sieht sehr staatstragend aus, wie Sie da beide mit
gefalteten Händen nebeneinander am Konferenztisch sitzen.
BONO: Finden Sie?
HERBERT GRÖNEMEYER: Tut mir leid, dass wir so auf Sie wirken. Es
könnte daran liegen, dass am Nachmittag noch dieses Treffen mit
Merkel und Putin auf der Hannover-Messe auf dem Programm steht.
Sie wissen schon, da wo die wirklich großen Geschäfte gemacht
werden … (Bono dreht sich zu ihm, guckt ein bisschen perplex)
Guck nicht so, das war ein Witz. Ich weiß ja: Du gehst gleich zu
Merkel ins Kanzleramt – und ich bin froh, dass ich nicht
mitkommen muss.
Sie beide sind nicht nur als Aktivisten im Kampf gegen Armut
vereint, Sie sind auch seit Langem befreundet und treten
zusammen auf. Was verbindet Sie beide außer Musik und Politik?
BONO: Dazu könnte ich Ihnen jetzt einiges erzählen – nur dürfen
wir das leider nicht in der Öffentlichkeit ausbreiten.
Warum nicht?
BONO: Weil es in den Gesprächen zwischen Herbert und mir
beispielsweise oft um die schweren Verletzungen geht, die wir
uns in unserem Job in all den Jahren zugezogen haben.
GRÖNEMEYER: Genau. Woran Sie schon erkennen: Wir mögen uns.
BONO: Nehmen wir mal an, Sie würden Herbert und mich in einem
Pub entdecken, wo wir uns durchaus hin und wieder treffen. Auf
den ersten Blick sähe es so aus, als würden wir über die großen
Probleme der Welt reden, während wir uns an den Whiskygläsern
festhalten. Bis dann einer von uns sagt: „Mann, ich hab’s
wirklich im Rücken.“ Und der andere erwidert: „Bei mir zieht’s
noch viel mehr.“ Und so geht das dann immer weiter. Ich glaube
nicht, dass Ihnen das gefallen würde.
Ist das wie bei den nörgelnden Opas in der Muppet-Show?
BONO: Da müssen Sie gar nicht grinsen: Rock ’n’ Roll ist
schließlich ein sehr physischer Beruf.
GRÖNEMEYER: Genau. Wir geben immer alles.
BONO: Jetzt lachst auch Du noch, Herbert! Egal, wir beide reden
im Pub natürlich auch über andere Arten von Verletzungen –
Herzschmerz zum Beispiel.
GRÖNEMEYER: Herzschmerz und schmerzende Körper.
BONO: Und irgendwann landen wir dann meist bei der Frage, wer
von uns beiden den anderen später mal im Rollstuhl schieben
wird.
GRÖNEMEYER: Oder ob wir uns am Ende unserer Tage noch ein
gemeinsames Haus leisten könnten – so eine Art Senioren-WG.
Von der Senioren-WG sind Sie ja noch ein bisschen entfernt. Als
Sie 2007 vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm zum Kampf gegen
extreme Armut aufriefen, sagten Sie: „Unsere Bewegung ist nicht
mehr aufzuhalten.“ Heute steht fest, dass zum Beispiel die
deutsche Regierung ihre Zusage, die Entwicklungshilfe bis 2015
stufenweise auf 0,7 Prozent der Nationaleinkommens zu steigern,
nicht einhalten kann. Bislang sind es 0,38 Prozent. Sind Sie
enttäuscht? Sind Sie wütend, dass Ihre jahrelange Lobbyarbeit
nicht mehr gebracht hat?
GRÖNEMEYER: Es stimmt, dass Deutschland zurzeit unheimlich weit
hinter seinen Versprechen zurückliegt. Frau Merkel soll aber
nicht denken, dass das Thema irgendwie verschlabbert. Wir
bleiben dran und halten vor allem jetzt in der Wahlkampfzeit den
Druck aufrecht. Die Regierung sollte nicht versuchen, sich da
herauszuwinden.
Darauf haben Sie auch in den letzten Jahren öfter hingewiesen.
GRÖNEMEYER: Wir sind Musiker, wir machen nichts anderes, als
herumzureden und zu trommeln – aber wir können wunderbar nerven.
Mich stört einfach die Art und Weise, wie sich die Regierung an
ihren Versprechen vorbeischleicht. Sie hatte die Erhöhung der
Entwicklungsausgaben in konkreten Schritten zugesagt und
entfernte sich Jahr für Jahr weiter davon, sie einzuhalten. Die
Kunst von Frau Merkel ist, mit einem tatkräftigen
Gesichtsausdruck ständig Zuversicht auszustrahlen – aber im
Hintergrund nichts zu tun. Zuletzt wurden die Entwicklungsgelder
sogar erstmals seit Langem wieder gekürzt.
Wenn es Woche für Woche abwechselnd um die Rettung Zyperns,
Griechenlandes oder das Ende des Euros geht, ist eine gewisse
Zurückhaltung bei den Budgets verständlich, oder?
BONO: Natürlich sind uns die Auswirkungen der gegenwärtigen
ökonomischen Krise bewusst. Das ist ein Ausnahmezustand. Aber
Irland ist ebenso wie viele andere Länder schwer von der Krise
getroffen und muss überall sparen – nur bei der
Entwicklungshilfe streicht das Land nicht. Das zeigt: So geht es
auch.
Und das sagen Sie auch Angela Merkel?
BONO: Ich werde Ihrer Kanzlerin Folgendes sagen: „Stellen Sie
sich bitte vor, wie viel schlimmer die Krise in Europa erst
wäre, wenn es den Aufstieg Chinas nicht gegeben hätte! Denn ohne
diesen riesigen Absatzmarkt wäre auch der Exportweltmeister
Deutschland in einer viel schlechteren Lage. Und nun blicken Sie
in die Zukunft, ins Jahr 2020 oder 2030. Dann kann auch Afrika,
wenn es mit dem Kontinent weiter so vorangeht wie bisher, einen
vergleichbaren Aufstieg hingelegt haben wie jetzt China. Denken
Sie an die vielen Jobs, die dadurch im deutschen Mittelstand
entstehen! Denken Sie an die deutschen Maschinen-Hersteller, die
vom Aufstieg Chinas profitieren – wie die auch von Afrika
profitieren werden.“ Ich weiß, es klingt absurd, wenn ein
Rockstar von Mittelstand und Maschinenherstellern schwärmt. Aber
das ändert nichts an den Fakten: Afrika ist genauso wichtig für
Deutschland und Europa wie umgekehrt – aus Eigeninteresse. Es
beweist den Weitblick der Deutschen, sich für Afrika zu
interessieren. Ich bin überzeugt, dass die deutsche Regierung
ihre Versprechen halten wird.
Kofi Annan, der frühere UN-Generalsekretär und Initiator der
Millennium-Entwicklungsziele, sagte uns kürzlich, die
Finanzkrise habe den Kampf gegen die weltweite Armut zwar extrem
verlangsamt. Das sei aber kein Weltuntergang. Es gehe weiter
voran, nur eben viel langsamer als erwartet. Könnten Sie sich
dieser Sicht nicht anschließen?
GRÖNEMEYER: Bei allem Respekt, aber diese Sicht widerspricht
gewissermaßen meinem deutschen Naturell. Da bin ich ein bisschen
bollerig. Es geht gerade jetzt vor dem beginnenden
Bundestagswahlkampf darum, nicht nachzulassen, den Druck
aufrechtzuerhalten – und zu verhindern, dass Frau Merkel das
Problem aussitzt. Und es geht uns auch darum, trotz allem
euphorisch zu bleiben. Denn wir haben mit unserer Kampagne und
unserer Arbeit in den letzten Jahren viel erreicht. Leider
gehört auch das zu Deutschland: die Tendenz, Dinge
schlechtzureden. Statt wertzuschätzen, was erreicht wurde.
BONO: Ich höre diese Frage auch immer wieder: Was hat es
eigentlich gebracht – Ihre Kampagnen, die Treffen mit
Politikern, die Massendemonstrationen wie 1999 in Köln, als
50.000 Menschen dem Ruf folgten, einen Schuldenerlass für
Afrikas ärmste Länder zu fordern? Dann kann ich auf jede Menge
Statistiken verweisen. Die Weltbank beispielsweise schreibt es
den Investitionen zu, die der Schuldenerlass ermöglichte, dass
in den letzten zehn Jahren in Afrika zusätzliche
51 Millionen Kinder zur Schule gehen konnten. Wir haben
armen Menschen den Zugang zu HIV-Medikamenten ermöglicht –
dadurch können über acht Millionen Menschen ein produktives
Leben führen, die sonst gestorben wären. Und die
Kindersterblichkeit ist in den letzten 20 Jahren von über zwölf
auf unter sieben Millionen pro Jahr gesunken. Das sind jeden Tag
7 256 Kinder, die ihr Überleben dem Kampf gegen die Armut
verdanken. Mir würde keine beeindruckendere Erfolgsgeschichte
einfallen.
Bono, Loos und Grönemeyer machen Druck
Bono, Loos und Grönemeyer machen Druck (1:23)
Herr Grönemeyer, im Gegensatz zu Bono, der seit fast 15 Jahren
im Kanzleramt, dem Elysée-Palast oder dem Weißen Haus ein und
aus geht, weigern Sie sich aus Prinzip, sich mit Politikern
fotografieren zu lassen, um Ihre Kampagne im Gespräch zu halten.
Geben Sie ihm wenigstens Tipps, bevor er zur Kanzlerin geht?
GRÖNEMEYER: Nein, das hat er nicht nötig.
Im Gegensatz zu Ihnen hat sich Bono sogar mal als Merkel-Fan
bezeichnet.
GRÖNEMEYER: Sehen Sie – das ist genau der Unterschied zwischen
uns beiden.
BONO: Wenn ich erkennen müsste, dass Ihre Kanzlerin auf stur
schaltet, sobald es darum geht, die Ärmsten der Armen zu
unterstützen, dann würde ich ganz schnell aufhören, ihr Fan zu
sein.
GRÖNEMEYER: Frau Merkel kommt ja wie ich aus einem
protestantischen Elternhaus. Und wir Protestanten haben nicht
viele Auswege. Wir können uns nicht freikaufen wie ihr
Katholiken, Bono. Wir müssen am Ende für unsere Sünden
geradestehen, wenn der liebe Gott kommt und sagt: „Das war aber
alles nicht so doll.“ Und so muss Frau Merkel auch für ihre
früheren Zusagen gerade stehen und sie auch im neuen Wahlkampf
aufrechterhalten.
In Mali, einem Land, zu dem Sie beide einen Bezug haben,
herrscht zurzeit Krieg. Sie, Bono, sind dort zuletzt im Januar
2012 aufgetreten. Sie, Herr Grönemeyer, haben mit Musikern aus
Mali die WM-Hymne von 2006, „Zeit, das sich was dreht“,
aufgenommen. Der Krieg ist umso erschreckender, da Mali
jahrelang als Vorbild für eine Demokratisierung Afrikas und
erfolgreiche Entwicklungshilfe galt. Was sagen Sie denen, die
jetzt kritisieren, mit Afrika gehe es einen Schritt vor und zwei
zurück?
BONO: Ich muss zugeben, dass mich Rückschläge verrückt machen.
Ich war noch wenige Wochen vor dem Coup in Mali gewesen. Bis zu
dem Zeitpunkt hatte sich das Land sehr gut entwickelt. Aber wenn
wir uns unsere jüngere Geschichte in Europa genauer ansehen, gab
es auch bei uns immer wieder verheerende Entwicklungen, in
Deutschland wie in Irland. Wir sollten nicht erwarten, dass die
Demokratie in Ländern ankommt, und schon ist alles okay.
Demokratie ist ein chaotisches Geschäft. Mali ist das perfekte
Beispiel für die unheilige Kombination von drei Extremen:
extreme Armut, extremes Klima, extreme Ideologie. Das gilt auch
für andere Staaten in der Sahelzone wie Somalia, Sudan oder den
Norden Nigerias. Dort brennt es überall. Aber wenn du genau
hinsiehst, erkennst du: Es liegt daran, dass die Menschen dort
rein gar nichts haben. Wer nichts hat, ist empfänglich für die
Versprechen von Extremisten.
Inzwischen haben die Islamisten in Mali Musik verboten. Wie
gehen Sie damit um, als Musiker und als Aktivisten?
GRÖNEMEYER: Ich habe mit den malischen Musikern, mit denen ich
damals gearbeitet habe, schon länger nicht mehr gesprochen. Wie
ich gelesen habe, wird darüber nachgedacht, das „Festival au
désert“, bei dem Bono spielte, in Schlingensiefs Operndorf im
Nachbarland Burkina Faso zu verlegen. Das Operndorf- Projekt
unterstütze ich.
BONO: Es gibt darüber hinaus viele Solidaritätsfestivals für die
Musiker in Mali – in Großbritannien, sogar in den USA. Die
Bedrohung dieser außergewöhnlichen Musiker macht mich besonders
wütend. Die wenigsten wissen, dass es malische Musiker waren,
die die Wurzeln für Gospel, Blues und Rock ’n’ Roll
schufen. Denn die Ahnen der afro-amerikanischen Musiker stammen
zum großen Teil aus Westafrika, viele aus Mali. Weil sie
wussten, wie man Baumwolle anbaut und erntet und daher für die
Sklavenhändler von besonderem Interesse waren. So wurden sie
bevorzugt nach Amerika verschleppt. Mir wird übel, wenn ich mir
vorstelle, dass einigen der malischen Musiker, mit denen ich
noch vor einem Jahr in Timbuktu auf der Bühne stand, jetzt die
Hände abgeschlagen werden könnten – weil ihr einziges Verbrechen
darin besteht, Musik zu spielen. Das ist aber nicht
symptomatisch für die Entwicklung auf dem gesamten Kontinent.
Wenn man sich Afrika als Ganzes ansieht, gibt es dort heute
immer weniger Konflikte und immer mehr Demokratien. Das belegt
die Statistik. Die Menschen in Afrika reden von Fortschritt,
Technologie-Unternehmen boomen. Ich sehe in vielen Ländern eine
neue, junge Generation, die innovativ, die selbstbewusst ist.
Wir müssen den Diskussionen um Afrika langfristig einen neuen
Grundton geben. Das gelingt nur, wenn wir uns vom mitleidigen
Betrachten verabschieden. Sehen Sie, in unserem anderen Beruf
sind Herbert und ich Songwriter, wir beschäftigen uns mit
Emotionen. Als Aktivist setze ich nicht auf Gefühle, sondern auf
Fakten. Ich bin ein Faktivist. Ich erkenne die Daten an, die
zeigen, ob wir vorangekommen sind.
Selbst leidenschaftliche U2-Hasser wünschen sich inzwischen, Sie
würden künftig doch lieber nur noch singen, statt dauernd
Politiker zu belehren.
BONO: Ja, am Rande der Proteste gegen den G-8-Gipfel in
Heiligendamm wurde ich sogar mal von ein paar Anarchisten die
Straße runter gejagt. In Anspielung auf unsere Kampagne „Make
Poverty History“ schrien sie mir nach: „Make Bono History!“ Im
Grunde will ich dasselbe wie sie: Wieder einfach nur Musik
spielen, und das Ruder an die nächste Generation übergeben, die
die schlimmste Armut in der Welt überwinden kann. Es ist noch
viel zu tun. Wenn wir den Einfluss auf dem afrikanischen
Kontinent jetzt China überlassen, wäre das jedenfalls einer der
größten geopolitischen Fehler aller Zeiten. Das muss auch
Kanzlerin Merkel so sehen.
Herr Grönemeyer, Sie poltern ständig gegen Merkel, während Ihr
irischer Freund sie umgarnt. Wie halten Sie das aus?
GRÖNEMEYER: Bono arbeitet nun mal auf einer ganz anderen Ebene
als ich, im globalen Kontext. Er muss sich verschiedenen
Kulturen und Gesellschaften anpassen. Ich beschränke mich auf
den deutschen Rahmen. Ich arbeite im Dorf. Und ich kenne mein
Dorf. Außerdem ist mein Ansatz grundsätzlich ein anderer als
seiner. Ich gebe Politikern nicht die Hand und nenne als
abschreckendes Beispiel immer das gemeinsame Kaffeetrinken von
Helmut Kohl mit Bärbel Bohley. Das war in meinen Augen eine
gezielte Vereinnahmung und dadurch Schwächung von Bärbel Bohley.
Dabei haben Sie nicht immer so allergisch auf Politiker
reagiert: Anfang der 90er haben Sie immerhin mal Willy Brandt
getroffen.
GRÖNEMEYER: Das stimmt, aber …
BONO: … das hat dann Willy Brandt geschwächt.
GRÖNEMEYER: Lass mich mal! Das war eine andere Konstellation als
deine Politiker-Treffen. Brandt hatte mich eingeladen, um Nelson
Mandela bei dessen erstem Staatsbesuch in Deutschland zu ehren.
Ich habe für ihn gespielt. Das war etwas anderes, als das, was
du heute machst. Da saß ich dann mit Willy Brandt und Nelson
Mandela an einem Tisch. Brandt sprach in der ihm eigenen
knarzenden Weise (ahmt Brandt nach) – und nickte recht schnell
ein. Auf einmal saß ich da alleine mit Nelson Mandela. Ich war
total eingeschüchtert, wusste nicht, was ich sagen sollte.
Und wie ging es weiter?
GRÖNEMEYER: Mandela machte Smalltalk mit mir. „Oh, Mr.
Grönemeyer“, sagte er, „Ihren Song gegen die Apartheid, den Sie
vorhin gespielt haben, fand ich wunderschön.“ Ich nickte brav,
während Willy Brandt weiter schlief. Ich habe Willy Brandt also
getroffen, aber nicht viel mit ihm gesprochen.
BONO: Dass er eingeschlafen war, lag wahrscheinlich daran, dass
du ihm eines deiner Alben vorgespielt hast.
GRÖNEMEYER: Von der Brandt-Anekdote mal abgesehen, finde ich,
dass die Politik in Deutschland der Kunst sowieso nicht viel
Anerkennung oder Respekt entgegenbringt. Das ist in der
angelsächsischen Kultur anders. Wir sind eben das Land der
Ingenieure. Bei uns wird ein Künstler nur zu einer politischen
Veranstaltung eingeladen, um einen Song zu spielen und damit den
Abend ein bisschen aufzulockern, dann soll er aber bitte schön
die Klappe halten.
Das klingt, als würden Sie keine Politiker treffen, weil Sie
einen Minderwertigkeitskomplex haben.
GRÖNEMEYER: Nein, Quatsch. Ich habe keinen
Minderwertigkeitskomplex.
BONO: What is a Minderwertigkeitskomplex?
GRÖNEMEYER: Inferiority Complex.
BONO: Nein, den hast Du wirklich nicht!
GRÖNEMEYER: Ich bin wirklich froh, dass ich nicht mit Bono ins
Kanzleramt gehen muss. Ich spare meine Zeit für andere Dinge.
Ich finde, Kunst sollte zur Politik Distanz halten. Aber
vielleicht ist das in Irland anders als bei uns.
BONO: In Prag war es bei der Samtenen Revolution auch anders,
als Künstler wie Václav Havel hervortraten und politische
Verantwortung übernahmen.
GRÖNEMEYER: Mag sein. Aber das ist die deutsche Art, es zu tun.
Ich bewege mich nun mal in der deutschen Kultur. Aber ich war
sehr stolz, als der ehemalige Finanzminister Hans Eichel später
in einem offenen Brief zugab, er habe den Schuldenerlass nur
unterzeichnet, weil wir mit unserer Kampagne so viel Druck
aufgebaut hatten.
Hängt der Brief eingerahmt in Ihrem Büro?
GRÖNEMEYER: Nein. Das pumpt jetzt nicht mein Ego auf. Ich will
nur zeigen: Der Druck funktioniert. Als wir mit den Kampagnen
anfingen, hätte ich nie an eine solche Durchschlagskraft
geglaubt. Ich dachte: Naja, immer noch wirksamer, als zu Hause
zu sitzen und blöd aus dem Fenster zu gucken. Aber dank dieser
Erfolge macht mir diese Arbeit richtig Spaß. Das ist keine
Pflichtübung für mich, sondern auch aus egoistischen Gründen
lohnenswert. Man hat ja sonst nicht so viel Spaß am Leben.
Wo Sie den Spaß ansprechen – wir würden gern ein kleines Spiel
mit Ihnen machen. Wir nennen Ihnen eine Reihe anderer
Männer-Paare – Sie sagen uns, wer von Ihnen eher welchem Part
entspricht.
BONO: Da bin ich aber gespannt.
Captain Kirk und Mr Spock.
BONO: Ich sehe mich eher als Spock. Der war so cool analytisch.
GRÖNEMEYER: Ich kenne die gar nicht.
BONO: Du kennst Raumschiff Enterprise nicht?!
GRÖNEMEYER: Nein. Ich habe davon gehört, aber die Serie nie
wirklich geguckt.
BONO: Okay, dann verrate ich Dir jetzt was, was dich auch nicht
wirklich weiterbringen wird: Im Grunde bin ich nämlich weder
Kirk noch Spock, sondern Mr. Scotty, der genialische schottische
Ingenieur, der immer die Dilizium-Kristalle reparierte und so
dafür sorgte, dass es weiterging.
Wie wäre es damit: Superman und Batman.
BONO: Von uns beiden kann nur Herbert der Superman sein,
definitiv. Haben Sie ihn je gesehen, wenn er auf die Bühne geht?
Dann heißt es: „Up, up and away!“ Er macht das jeden Abend.
GRÖNEMEYER: Aber Batman hat das Batmobil, ein klasse Wagen. Ich
wäre doch lieber Batman.
Jürgen Klinsmann und Jogi Löw.
BONO: Oh, lasst mich bitte Klinsmann sein. Den anderen kenne ich
gar nicht
GRÖNEMEYER: Aber der Blonde von uns bin doch ich!
Mick Jagger und David Bowie. Die haben sich, ähnlich wie Sie,
mal für das Afrika-Hilfs-Konzert Live Aid zusammengetan.
GRÖNEMEYER: Das ist schwer. Ich würde mich mit keinem von beiden
vergleichen. Im Grunde ist Bono sowieso beide in einer Person.
BONO: Na gut, dann bist du … mal sehen … Iggy Pop.
Der lässt auf der Bühne immer mal wieder die Hose runter. Das
hat nach unserem Wissen keiner von Ihnen je gemacht.
GRÖNEMEYER: Wenn ich das machte, würde es hysterisch. Ich
beschränke mich lieber aufs Mikrofon.
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