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       #Post#: 82--------------------------------------------------
       Über das Projekt "Fair phone" - das erste Fair Trade S
       martphone
       By: SilkeGiesinger Date: November 15, 2012, 10:47 am
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  HTML http://www.nachhaltigleben.de/24-energie-klima/1878-fair-phone-erstes-smart-phone-ohne-umwelt-und-menschen-zu-schaden
  HTML http://www.nachhaltigleben.de/24-energie-klima/1878-fair-phone-erstes-smart-phone-ohne-umwelt-und-menschen-zu-schaden
       Der Ansatz ist gut, keine Ausbeutung, keine Unterstützung
       militärischer Konflikte und garantiert umweltfreundlich soll das
       erste Fair Trade Smartphone, das FairPhone, in der Produktion
       aller Rohmaterialien und Bestandteile sein. Doch es gibt sehr
       viele Baustellen auf dem Weg zum nachhaltigen Mobiltelefon, die
       die beiden Entwickler der gemeinnützigen „Waag Society“
       überwinden müssen. Vodafone hat die Zeichen der Zeit erkannt und
       sponsert die Entwicklung.
       
       Das Team von FairPhone hat ergeizige Ziele: Das erste Fair Trade
       Smartphone für den kritischen Konsumenten herstellen. Schon bei
       den Rohstoffen angefangen.  (c) FairPhone
       Bas van Abel und Miquel Ballester Salva heißen die beiden
       Entwickler, die das FairPhone entwickeln und produzieren. Sie
       wollen letztlich die widrigen Umstände in allen Stufen der
       Handyproduktion, aber auch die vieler anderer Elektronikprodukte
       darstellen und  überwinden. Ihr Hauptziel ist es letztlich, der
       mobiltelefonierenden Welt eine Alternative und Wahlmöglichkeit
       zu geben, die so heute noch überhaupt nicht existiert.
       Gerade die Big Player in der Mobiltelefon-, aber auch in der
       Elektronikindustrie im Allgemeinen, winken ab, wenn es alleine
       schon um wichtige Metalle und deren konfliktfreie Herkunft geht.
       FairPhone schreibt in seinem Internetblog, dass eine wahnsinnige
       Maschinerie von Ausbeutung (siehe Textilindustrie),
       Kinderarbeit, Morden und Vergewaltigungen hinter den wichtigsten
       Erzen für die Elektronikproduktion steht. Nur ein Beispiel:
       150.000 Minenarbeiter gibt es im Kongo, 50.000 davon sind
       alleine Kinder, manche sind sogar erst sieben Jahre alt. Leider
       gilt, so ein kongolesischer Minenarbeiter zu den
       FairPhone-Entwicklern: „No mines, no money. No money, no life“
       (Ohne Minen kein Geld. Ohne Geld kein Leben.“)
       Konflikt-Metalle aus dem Kongo sind etwa mit den Blutdiamanten
       aus Sierra Leone vergleichbar, so FairPhone. Besonders die ‚3
       Ts‘, auch ‚3 TGs‘ genannt sind hierbei besonders
       konfliktbehaftet. Sind viele Metalle oder Erze für die
       Elektroindustrie zwar in anderen Ländern und aus konfliktfreier
       Herkunft erhältlich, so sind es die 3 Ts hauptsächlich aus dem
       Kongo. Doch das Land exportiert laut FairPhone diese Stoffe aber
       nicht selbst; sie werden von bewaffneten Truppen ins benachbarte
       Ausland geschafft, etwa Ruanda.
       Ruanda beispielsweise, ein Land, dass kein Coltan oder nur sehr
       wenig davon als eigenen Rohstoff hat, hat in einem Zeitraum von
       18 Monaten 250 Mio. Dollar mit nachweislich aus dem Kongo
       stammenden Coltan umgesetzt. Im Kongo befinden sich rund 80
       Prozent des weltweiten Vorkommens dieses wertvollen Rohstoffes.
       Neben Coltan – nötig, um Tantalum zu produzieren, das wiederum
       in Handyakkus benötigt wird – sind Casserit und Wolframit die
       seltenen Stoffe, um die sich laut FairPhone die Konflikte
       drehen. Cassiterit  ist nötig, um Zinn auf Leiterplatten zu
       fixieren, Wolframit, um hiermit kleine Handy-Vibratoren
       herzustellen. Nimmt man das ‚G‘ bei 3 TG‘ hinzu, dann ist auch
       Gold unter den Konfliktmaterialien in der Elektroproduktion zu
       zählen. Obwohl Gold auch aus anderer Quelle erhältlich ist, bei
       der es keine bewaffneten Konflikte, Umweltschäden oder
       Kinderarbeit in den Minen gibt, stammt viel Gold aus dem Kongo.
       Auch hier, im Zweifelsfall geschmuggelt in arabische Länder oder
       den asiatischen Raum, um dort mit anderen Erzen aus der ganzen
       Welt verschmolzen zu werden.
       Abel und Salva haben noch ein gutes Stück Arbeit vor sich, haben
       es jedoch bereits jetzt geschafft, definitiv ‚sauberes Zinn‘ für
       ihr FairPhone zu erhalten. Gerade sind die beiden Entwickler
       zudem dabei, konflikt- und kinderarbeitsfreies Coltan selbst im
       Kongo zu organisieren. So soll Schritt für Schritt das erste
       Fair Trade Smartphone entstehen, selbst die Vertriebswege sollen
       dann nachhaltig sein. Um zunächst aber eine breite Masse zu
       erreichen und auf die Problematik wie die Wahlmöglichkeit mit
       dem FairPhone öffentlich zu machen, entschied man sich für
       Vodaphone als leistungsstarken Distributor des fairen
       Mobiltelefons.
       Zunächst soll das FairPhone auf einem Crowdfunding-Portal im
       Juni 2013 eingestellt werden, um das Startkapital für die ersten
       10.000 Fair Trade-Smartphones zu generieren. Diese sollen
       voraussichtlich im Herbst 2013 erhältlich sein.
       Das Ziel von Abel und Salva ist es übrigens, nicht nur
       konfliktfreie Rohstoffe zu finden. Vielmehr will FairPhone ein
       100 prozentiges Recycling erzielen, eine wahre und absolute
       Kreislaufwirtschaft. Dann würde sich das Problem der Ausbeutung
       von Mensch und Umwelt von ganz alleine lösen. Zumindest
       weitestgehend. Und, ist erst einmal eine profitable Produktion
       möglich – was bei kritischen Konsumenten sicher alsbald der Fall
       ist -, wird auch die Distribution ‚fair‘ verlaufen. Der
       Startpreis soll übrigens bei 250 – 300 Euro liegen, zwar keine
       neuen Innovationen à la Apple bieten, aber die benötigen auch
       die wenigsten. Dafür wird garantiert mehr als ein Prozent des
       Neupreises an die Menschen gehen, die zur Produktion beigetragen
       haben.
       Wer informiert sein will wann es das erste faire Smartphone
       gibt, kann sich bei FairPhone registrieren.
       Quelle: FairPhone, Text: Jürgen Rösemeier
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       Re: Über das Projekt "Fair phone" - das erste Fair Tra
       de Smartphone
       By: SilkeGiesinger Date: November 15, 2012, 10:57 am
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  HTML https://www.taz.de/Ethisches-Smartphone-Fairphone/!105363/
  HTML https://www.taz.de/Ethisches-Smartphone-Fairphone/!105363/
       ETHISCHES SMARTPHONE „FAIRPHONE“
       „Wir wollen die Industrie inspirieren“
       Smartphones werden mit Rohstoffen aus Kriegsgebieten und von
       ausgebeuteten Arbeitern hergestellt. Eine Initiative aus den
       Niederlanden will das ändern.VON ANNA SCHWARZ
       AMSTERDAM taz | „De Waag“ oder zu deutsch „die Waage“, das alte
       Zollamt in Amsterdam, ähnelt mit seinen sechs Türmen eher einer
       Ritterburg als einem Forschungsinstitut. Doch der Eindruck
       täuscht. Hier bastelt die gemeinnützige „Waag Society“ an dem
       ersten Smartphone der Welt, das frei von Ausbeutung,
       Umweltsünden und ohne Verwicklung in Kriege ist.
       Die beiden Entwickler Bas van Abel und Miquel Ballester Salva
       sind sichtlich stolz auf die Arbeit des 6-köpfigen Teams. Ihr
       „Fairphone“ soll ein Gerät der oberen Mittelklasse werden,
       wahrscheinlich Android-betrieben, Preiskategorie: 250-300 Euro.
       „Technologisch bietet unser Gerät nichts Neues. Wir beschäftigen
       uns mit dem Herstellungsprozess an sich. Das ist unsere
       Innovation“, sagen Abel und Salva. Zielgruppe sind
       Gutverdienende, die mit ihren Kaufentscheidungen anderen ein
       Vorbild sein wollen. “Evangelisten des Markts“ nennt Abel sie.
       Dass es viele Schwierigkeiten bei der Produktion von Smartphones
       gibt, ist spätestens seit der Suizidwelle 2010 bei dem
       taiwanesischen Zulieferer Foxconn bekannt, er mit fast allen
       Telefonherstellern zusammenarbeitet. Es stellte sich heraus,
       dass beispielsweise Apple nur etwa ein Prozent des
       iPhone-Preises in die Löhne der Monteure investierte. Trotz
       unmenschlicher Überstunden hatten diese kaum genug zum Leben. Um
       eine Verbesserung dieser Zustände wird bis heute gestritten.
       In einem Handy werden außerdem etwa 30 Metalle verarbeitet,
       darunter Gold, Zinn, Kupfer und Kobalt. Diese Rohstoffe werden
       größtenteils aus Afrika importiert, vor allem aus dem Kongo.
       Dort hat der Abbau laut der Entwicklungsorganisation
       „makeITfair“ schlimme Konsequenzen für Umwelt und Bevölkerung:
       „Etwa ein Drittel der Minenarbeiter im Kongo sind Kinder und
       Jugendliche. Die Arbeit ist sehr gefährlich, und die Familien
       berichten von einer steigenden Anzahl an Todesfällen. Luft,
       Böden und Gewässer sind so stark durch Giftstoffe belastet, dass
       viele Babys in der Region krank geboren werden.“ Darüber hinaus
       werden gerade die Minen im Kongo oft von Warlords kontrolliert.
       „MakeITfair“ schätzt daher die Wahrscheinlichkeit, mit dem Kauf
       eines Smartphones indirekt den Bürgerkrieg zu finanzieren, auf
       „quasi 99%“.
       Auch dem Team von „Fairphone“ ist es nur teilweise gelungen, ein
       ethisches Smartphone herzustellen. „Ein 100% faires Smartphone
       herzustellen ist derzeit unmöglich“, räumen auch Abel und Salva
       ein. „Aber wir können Transparenz schaffen und neue Allianzen
       schmieden.“ Sie nehmen zum Beispiel an der von mehreren NGOs
       organisierten „Conflict-Free Tin Initiative“ teil, die auch
       Philips und Motorola zu ihren Partnern zählt. Mit dem Zinn im
       „Fairphone“ wird also kein Krieg finanziert. Aber damit ist erst
       eines von 30 Metallen abgedeckt.
       „Eine positive Geschichte“
       Weitere Abstriche muss das Team beim Vertrieb machen. Um mehr
       Kunden erreichen zu können, ist unter anderem eine
       Zusammenarbeit mit Vodafone geplant. Die Firma ist weltweit
       zweitgrößter Anbieter und deutscher Marktführer, aber weit davon
       entfernt, ethischen Ansprüchen zum Beispiel bei der Transparenz
       zu genügen. Abel und Salva nehmen das in Kauf, um die Reichweite
       des Konzerns zu nutzen - aber auch, weil sie ihm so einen
       Denkanstoß geben möchten.
       „Wir schaffen neue Strukturen für Produktion, Vertrieb und
       Recycling“, sagt Abel. Und Salva ergänzt: „Wir hoffen, dass
       andere Unternehmen diese dann ebenfalls nutzen.“ Ziel sei es,
       die Industrie zu inspirieren und zu verändern. „Wir wollen, dass
       die Leute merken, was im Elektroniksektor alles schief läuft.
       Aber dazu brauchen wir eine positive Geschichte, eine
       Alternative“, sagt Salva.
       Derzeit wird das Telefon aber noch entwickelt – bis
       voraussichtlich Juni. Dann wird das „Fairphone“ im Internet auf
       einer Crowdfunding Seite präsentiert. Interessierte können so
       die Produktion ihres Telefons vorab finanzieren. Wenn alles gut
       geht, wird eine asiatische Fabrik dann zwei Tage lang
       „Fairphones“ zusammenschrauben, unter kontrollierten Bedingungen
       versteht sich. Im Herbst 2013 sollen die ersten 10.000 Geräte
       fertig zur Lieferung sein. Es ist ein bescheidener Anfang.
       #Post#: 203--------------------------------------------------
       Re: Über das Projekt "Fair phone" - das erste Fair Tra
       de Smartphone
       By: SilkeGiesinger Date: February 10, 2013, 10:50 am
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  HTML http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/1342947/Fair-telefonieren-fuer-Fortgeschrittene
  HTML http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/1342947/Fair-telefonieren-fuer-Fortgeschrittene
       Fair telefonieren für Fortgeschrittene
       09.02.2013 | 18:20 |  von Matthias Auer (Die Presse)
       Drei von vier Österreichern würden für ethisch korrekt
       hergestellte Waren mehr bezahlen. Bei Bananen und Kaffee geht
       das. "Faire" Smartphones gibt es nicht. Das soll sich ändern.
       
       An den Füßen trägt er Waldviertler, am Körper feinste Naturfaser
       aus dem Weltladen. Brot, Käse und Butter (lieber kein Fleisch)
       holt er mit dem Fahrrad vom Bauern, das Gemüse kommt mit dem
       Biokistl oder besser noch vom Gemeinschaftsgarten am Rande der
       Stadt. Bananen und Schokolade müssen zwar aus Übersee geliefert
       werden, sind aber natürlich fair gehandelt. Ist der tägliche
       Einkauf erledigt, geht es noch auf einen Kurzbesuch zum
       Augustin-Verkäufer des Vertrauens. Dann ist es höchste Zeit,
       sich bei einem fairen Café-Latte, den es zum Glück schon bei
       Starbucks gibt, zurückzulehnen und den „guten“ Tag auf Facebook
       zu dokumentieren.
       Wäre da nicht dieses kleine Ding in seinen Händen, das so gar
       nicht zum ethisch korrekten Selbstbild passen will: das
       Smartphone. 712Millionen Stück wurden im Vorjahr weltweit
       verkauft. Und auch wenn es nur jeder fünfte Österreicher weiß:
       Kein einziges von ihnen wurde ohne Ausbeutung von Arbeitern oder
       Umwelt hergestellt. Die Geschichte der Handys beginnt im Kongo,
       wo der Abbau von Coltan den Bürgerkrieg anheizt, und endet bei
       teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den asiatischen
       Produktionsstätten.
       Komplexe Lieferkette. Drei von vier Österreichern erklären sich
       in einer Umfrage von AC Nielsen bereit, für ethisch korrekte
       Produkte auch etwas mehr zu geben. Selbst wenn sich nur die
       Hälfte im Geschäft noch daran erinnert, stellt sich die Frage:
       Warum gibt es in der Elektronikbranche kein Unternehmen, das
       diese Nachfrage stillt?
       Die niederländische Stiftung Waag Society will genau das tun.
       Noch im Herbst soll das erste fair produzierte Smartphone auf
       den Markt kommen. Mit 250 bis 300 Euro wird das Android-Gerät
       kaum teurer als die Konkurrenz sein – nur ist eben das gute
       Gewissen inkludiert. So weit die Theorie. Ganz einfach ist das
       aber nicht, sagt Joe Mier von FairPhone zur „Presse am Sonntag“.
       Das im Jänner gegründete Unternehmen der Waag Society hat
       nämlich mit denselben Problemen zu kämpfen wie alle
       Handyhersteller. Die Lieferkette bei Smartphones ist kaum
       überschaubar und hoch komplex.
       Das ist auch der einfache Grund, warum es faire Bananen schon
       lange gibt, aber noch keine fairen Handys. Statt eines Bauers in
       Ecuador ist hier eine ganze Reihe von Unternehmen beschäftigt.
       Jedes fünfte Elektronikgerät ist ganz von Zulieferern gebaut.
       Kampf im Kongo. Die Schwierigkeiten der Hersteller beginnen
       schon bei den Rohstoffen. Das berüchtigtste Beispiel ist das
       seltene Metall Tantal, das aus dem Erz Coltan gewonnen wird.
       80Prozent der weltweiten Vorräte liegen im Norden Kongos, wo
       seit fast 20Jahren ein Bürgerkrieg tobt. Anfangs ging es um
       ethnische Unterschiede, heute kämpfen die Warlords vorrangig um
       die Kontrolle über die Minen. Während die Männer und Kinder
       unter lebensbedrohlichen Bedingungen den für die Handys
       unverzichtbaren Rohstoff aus der Erde holen, landen die
       Einnahmen oft in den Taschen bewaffneter Gruppen der
       Kriegsparteien.
       Aber es gibt auch Minen außerhalb des umkämpften Gebiets, in
       denen die Arbeiter fair bezahlt werden. Aus einer von ihnen, im
       Süden des Landes, will FairPhone seine Rohstoffe beziehen. Für
       alle Mineralien geht das aber nicht. Nur Gold, Tantal und Zinn
       können die Niederländer aus zertifizierten Quellen kaufen. Für
       die Unternehmen vor Ort steht der Kampf der Europäer für bessere
       Arbeitsbedingungen nicht im Vordergrund, berichtet Mier. „Sie
       freuen sich vor allem, dass sie überhaupt Geschäft bekommen.“
       Dass sich dabei auch die Arbeitsbedingungen bessern, ist für sie
       ein angenehmer Nebeneffekt.
       Wer alle Rohstoffe beisammen hat, hat damit längst nicht alle
       Probleme gelöst. 40Prozent aller Elektrogeräte weltweit schraubt
       Foxconn in China zusammen. Damit verbunden sind einerseits
       hunderttausende Jobs für die Arbeiter Chinas, andererseits aber
       exzessive Überstunden, mangelnde Versorgung, schlechte Bezahlung
       und gesundheitsschädigende Produktionsbedingungen. Spätestens
       seit vor drei Jahren 13 Foxconn-Arbeiter in den Tod gesprungen
       sind, ist die Weltöffentlichkeit für die teils miserablen
       Bedingungen in den Handywerken sensibilisiert.
       Auch FairPhone wird nicht um Zulieferer aus Asien umhinkommen,
       wenn die Niederländer den Preis halten wollen. „Wir werden unser
       Handy nicht in Amsterdam bauen“, sagt Joe Mier. Stattdessen
       arbeite das Unternehmen mit internationalen Organisationen
       zusammen, die dafür sorgen, dass in den Werken die Bedingungen
       herrschen, die sich die Niederländer vorstellen. „Wir wollen das
       Problem an der Wurzel packen“, so Mier. Höhere Lohnkosten in
       Asien sollten den Preis nicht drastisch treiben. Studien zufolge
       macht der Lohn bei Handys nur ein Prozent der Herstellungskosten
       aus.
       Warum aber kommen dann die Schwergewichte der Branche nicht auf
       die Idee, hier anzusetzen? Zumal es offenbar Menschen gibt, die
       schon bei Schokolade bereit sind, einen Euro draufzulegen, wenn
       sie nicht nur gut schmeckt, sondern auch noch ein gutes Gewissen
       verspricht. Gleichzeitig könnten Unternehmen wie Apple, die von
       ihrem guten Image abhängig sind, dafür sorgen, dass ihr Bild in
       der Öffentlichkeit keine Kratzer bekommt. Ganz nach dem Vorbild
       von Sportartikelhändler Nike, der in den frühen Neunzigern wegen
       miserabler Produktionsbedingungen am Pranger stand, sich änderte
       und heute keine Gelegenheit ausläßt, sich als größter Advokat
       von fairen Produktionsbedingungen in der Textilindustrie
       aufzuspielen.
       Fortschritte bei Konzernen. Zumindest in der Apple-Zentrale in
       Cupertino hat nach den Problemen bei Foxconn ein gewisses
       Umdenken eingesetzt. Vergangenes Jahr hatte der Elektronikriese
       seinen „Nike-Moment“: Der Konzern trat der Fair Labour
       Association bei und versprach bessere Arbeitsbedingungen für
       hunderttausende Foxconn-Angestellte. Ende Jänner gab Apple
       bekannt, die Zusammenarbeit mit einem Zulieferer zu beenden, der
       Minderjährige eingesetzt hatte. Auch der weltgrößte
       Computerhersteller Hewlett-Packard zieht mit. Zulieferer aus
       Asien müssen strengere Kriterien beim Rekrutieren von Arbeitern
       einhalten.
       Bei der Rohstoffgewinnung sorgt seit vergangenem Jahr ein
       US-Gesetz für Besserung. Unter dem Dodd-Frank Act müssen alle in
       den USA börsenotierten Unternehmen nachweisen, dass sie keine
       Rohstoffe aus Kampfregionen wie dem Kongo verwenden. Erste
       Erfolge gibt es bereits: Die Produktion von Tantal in den
       Konfliktregionen ist um 75Prozent gefallen. Viele Hersteller
       gingen nach Australien und Kanada, wo auch Coltan abgebaut wird.
       Von einem hundert Prozent fairen Smartphone sind die Firmen
       dennoch weit entfernt. „Auch wir werden das heuer nicht
       schaffen“, räumt Mier von FairPhone ein. Ihm ist klar, dass das
       Projekt mit geplanten 10.000 Stück im ersten Jahr nicht mehr als
       ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Oder aber der Stachel im
       Fleisch der Konzerne, der sie antreibt, ihre Muskeln spielen zu
       lassen und die Bedingungen bei ihren Zulieferern wirklich zu
       verändern.
       ("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2013)
       #Post#: 257--------------------------------------------------
       Re: Über das Projekt "Fair phone" - das erste Fair Tra
       de Smartphone
       By: SilkeGiesinger Date: May 14, 2013, 2:49 pm
       ---------------------------------------------------------
       Das Fairphone ist ab heute vorbestellbar:
  HTML http://www.fairphone.com/
  HTML http://www.fairphone.com/
  HTML http://buy-a-phone-start-a-movement.fairphone.com/fairphone.html
  HTML http://buy-a-phone-start-a-movement.fairphone.com/fairphone.html
       #Post#: 261--------------------------------------------------
       Re: Über das Projekt "Fair phone" - das erste Fair Tra
       de Smartphone
       By: SilkeGiesinger Date: May 22, 2013, 1:29 pm
       ---------------------------------------------------------
  HTML http://vimeo.com/66409578
  HTML http://vimeo.com/66409578
       Nur wenn 5000 Stück Handys vorbestellt werden innerhalb der
       nächsten 22 Tage, kann das Smartphone in Produktion gehen ...
       #Post#: 264--------------------------------------------------
       Re: Über das Projekt "Fair phone" - das erste Fair Tra
       de Smartphone
       By: SilkeGiesinger Date: June 2, 2013, 1:01 pm
       ---------------------------------------------------------
       Ein neues Video von Fairphone, das für Transparenz sorgen soll:
  HTML http://vimeo.com/67021296#
  HTML http://vimeo.com/67021296#
       Auch "Clean-IT" und die Webseite von "Blood in the mobile"
       empfehlen Fairphone.
       #Post#: 307--------------------------------------------------
       Fairphone Update - Auslieferung
       By: SilkeGiesinger Date: September 8, 2013, 6:08 am
       ---------------------------------------------------------
       Fairphone Update: Die Smartphones können weiterhin vorbestellt
       und werden voraussichtlich Ende Dezember 2013 ausgeliefert. Der
       Auslieferungstermin hat sich somit etwas nach hinten verschoben.
       #Post#: 325--------------------------------------------------
       TedTalk zum Fairphone ... absolut hörenswert! 
       By: SilkeGiesinger Date: November 14, 2013, 1:22 pm
       ---------------------------------------------------------
  HTML http://www.youtube.com/watch?v=96XfmrJMlNU
  HTML http://www.youtube.com/watch?v=96XfmrJMlNU
       #Post#: 331--------------------------------------------------
       Das Fairphone ist da!!!! 
       By: SilkeGiesinger Date: January 4, 2014, 2:31 pm
       ---------------------------------------------------------
       Und ich freue mich sehr :-)! Hier ein Kommentar:
  HTML http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Das-Fairphone-ist-gut-genug-2074961.html?wt_mc=rss.ho.beitrag.atom
  HTML http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Das-Fairphone-ist-gut-genug-2074961.html?wt_mc=rss.ho.beitrag.atom
       Kommentar: Das Fairphone ist gut genug
       Das Fairphone würde jeden herkömmlichen Vergleichstest
       verlieren, denn es gibt günstigere Smartphones, die leichter,
       schneller und ausdauernder sind. Ein Erfolg ist es trotzdem.
       Es muss nicht im Preiskampf oder Feature-Wettrennen mithalten,
       sondern einfach gut genug für seine Fans sein. Und das ist es.
       Wer einem unbekannten Unternehmen, das noch nie irgendetwas
       produziert hat, 325 Euro vorschießt, hat andere Prioritäten als
       Pixel und Gigahertz. Zum Beispiel:
       Transparenz: Ob das Fairphone fairer ist als andere Phones und
       was fair bedeutet, darüber kann man streiten. Aber kein
       Hersteller verrät annähernd so viel über Herkunft und Kosten
       seines Produktes wie Fairphone. Für viele ist diese Transparenz
       ein Wert an sich.
       Signalwirkung: Jedes verkaufte Fairphone ist eine Nachricht an
       andere Hersteller: "Ich gebe gerne mehr aus, wenn im Gegenzug
       die Arbeitsbedingungen besser werden." Und eine Nachricht an die
       Politik: "Die gesetzlichen Standards sind zu niedrig – tut
       etwas."
       Guter Zweck: Drei Euro pro Gerät fließen in Recycling-Projekte
       in Entwicklungsländern, zwei Euro in einen Sozialfonds für die
       Arbeiter des Auftragsfertigers (der noch einmal zwei Euro
       drauflegt). Die Kosten für alle Nachhaltigkeits-Projekte
       betragen 22 Euro – nicht viel, aber immerhin.
       Die Zukunft des Projektes: Fairphone ist das einzige
       Sozialunternehmen ("Social Enterprise"), das Smartphones
       herstellt. Gewinne fließen nicht an Investoren, sondern in
       Projekte zur Verbesserung der Bedingungen beim Abbau von
       Rohstoffen wie Gold und Kobalt. Der Erfolg ist ungewiss, aber
       mit jedem verkauften Fairphone steigen die Chancen.
       Christian Wölbert
       Schreibt seit fünf Jahren für c't über Nachhaltigkeit,
       Verbraucherschutz und alle möglichen mobilen Geräte. Benutzt
       tapfer sein vier Jahres altes Smartphone, das immer störrischer
       wird. Aber einfach ein Neues kaufen wäre ja nicht nachhaltig...
       Menschen, die aus diesen Gründen ein Smartphone kaufen, machen
       sich wenig Sorgen über Android-Versionen, rotstichige Kameras
       oder 1080p-Auflösung. Sie wollen einfach ein alltagstaugliches
       Smartphone, auf dem alle wichtigen Apps laufen. Und diesen
       Anspruch erfüllt das Fairphone. Achim Barczok,
       Smartphone-Experte der c't, sagt: "Klar hat es Schwächen, aber
       keine davon ist so schlimm, dass ich vom Kauf abraten würde."
       Fairphone hat also eine riskante Crowdfunding-Initiative
       erfolgreich abgeschlossen und ein Produkt auf den Markt
       gebracht, das seine Zielgruppe zufriedenstellt, wenn auch mit
       Verspätung und Kommunikationspannen.
       Und man darf nicht vergessen, dass das Gerät ein Mittel für
       einen besonderen Zweck ist. Die Fairphone-Macher wollen die
       Lieferketten der Elektronikindustrie offenlegen und "ernsthafte
       Diskussionen" anstoßen. Ursprünglich wollten sie das mit einer
       reinen PR-Kampagne über Konfliktmineralien erreichen. Nun haben
       sie es stattdessen mit einem Produkt geschafft.
       #Post#: 336--------------------------------------------------
       Fairphone: Mehr als ein gutes Gewissen
       By: SilkeGiesinger Date: March 27, 2014, 12:25 pm
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  HTML http://politik-digital.de/fairphone-mehr-als-ein-gutes-gewissen/?mc_cid=1f8b2599fd&mc_eid=5831a0d73f
  HTML http://politik-digital.de/fairphone-mehr-als-ein-gutes-gewissen/?mc_cid=1f8b2599fd&mc_eid=5831a0d73f
       Zum Jahreswechsel 2014 erreichte die erste Generation des
       Fairphones ihre Kunden. Das “nachhaltige Smartphone” ist zwar
       noch weit davon entfernt, fair hergestellt zu sein. Doch diese
       Hoffnung hatten die Gründer auch gar nicht. Es geht ihnen darum,
       Aufmerksamkeit für die Handels- und Produktionsstrukturen eines
       immer mächtiger werdenden Wirtschaftssektors zu schaffen – die
       Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Eine
       netzpolitische Dimension hat das Projekt auch. Diese sollte in
       der Debatte nicht verloren gehen.
       Jedes zweite Mobiltelefon wird heute in China zusammengebaut.
       Zum Symbol für unverantwortliches Verhalten gegenüber seinen
       Mitarbeitern – wie es in der herstellenden IKT-Industrie in
       China üblich ist – wurde das taiwanesische Unternehmen Foxconn
       Electronics/Hon Hai Precision Industry, das schon seit 2006 in
       der Kritik steht. Der “Gigant hinter Apple” zählt mit einem
       Umsatz von jährlich über 130 Milliarden Dollar zu den
       umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Allein in China
       beschäftigt es mehr als 1,3 Millionen Menschen, die u. a. das
       iPhone unter schwierigsten Bedingungen zusammenbauen: extrem
       lange Arbeitszeiten bei schlechter Bezahlung, Beschäftigung
       Minderjähriger und ein geringer Arbeitsschutz trotz Verwendung
       gefährlicher Chemikalien. Immer wieder wird über Selbstmorde von
       Foxconn-Beschäftigten berichtet.  Doch der ehemalige Apple-Chef
       Steve Jobs zeigte wenig Verständnis und verglich 2010 die
       Selbstmordrate bei Foxconn ernsthaft mit der Zahl der Suizide in
       den USA.
       Der Bau eines nachhaltigen Hightech-Geräts kann heute nicht
       unabhängig von der globalen Arbeitsteilung umgesetzt werden. Die
       Identität und Arbeitsweise der vielen Hersteller kleinster
       Bauteile sowie von Zwischen- und Rohstoffhändlern in der
       Versorgungskette sind nur schwer zu rekonstruieren.
       Im Mittelpunkt der Debatte über die Rohstoffgewinnung stehen
       dabei die für ein Smartphone notwendigen Metalle. Einige dieser
       Metalle, z. B. Zinn oder Tantal, werden von Minen in Provinzen
       des östlichen Kongos geliefert. Die Arbeits-bedingungen der
       Minenarbeiter sind meistens sehr schlecht: Sie tragen keine
       Schutzkleidung, haben selten rechtliche und gesundheitliche
       Absicherung und erhalten nicht mehr als ein paar Euro am Tag.
       
       Im östlichen Kongo kommt hinzu, dass es u. a. aufgrund eines
       nicht vorhandenen staatlichen Gewaltmonopols bewaffnete
       Konflikte um die Kontrolle über die Minen gibt. Die Abnahme der
       Ressourcen durch externe Akteure wie Unternehmen kann zur
       Fortdauer der Konflikte beitragen, während ein regionaler
       Boykott die Lage der Zivilbevölkerung beeinträchtigen kann.
       Darüber hinaus hat der Bergbau Konsequenzen für die Umwelt. Die
       giftigen Seen, die durch Zinnminen entstehen, können das ganze
       Ökosystem beträchtlich schädigen, wie dies auch über
       indonesischer Regionen berichtet wurde. Sind die Rohstoffe, die
       über den Weltmarkt bezogen werden, auf sozial und ökologisch
       nachhaltige Weise gewonnen worden? Schon beim Beantworten dieser
       Frage scheitert derzeit das Vorhaben, ein nachhaltiges
       Hightech-Gerät zu bauen.
       “Fair” – ein vielschichtiger Begriff
       Was also macht das durch Crowdfunding gegründete
       Fairphone-Unternehmen Fairphone B.V., das sich selbst als
       “social enterprise” bezeichnet, besser? Bisher fällt die Bilanz
       nüchtern aus. Um sich über die Bedingungen bei der
       Rohstoffgewinnung und bei der Fertigung ein direktes Bild zu
       verschaffen, hat das Fairphone-Team Reisen in den Kongo und nach
       China unternommen und diese dokumentiert. Das Team stellte fest,
       dass es bereits Initiativen gibt, die für bessere Verhältnisse
       und mehr Transparenz sorgen wollen – u. a. gefördert von
       Unternehmen wie Motorola, HP und Intel.
       Auf diesen Zug ist Fairphone B.V. aufgesprungen und verwendet z.
       B. für seine Elektrolytkondensatoren Tantal aus konfliktfreien
       Minen im Kongo. Laut der Fairphone-Website hat sich die
       Situation der Minenarbeiter dort in den letzten Jahren
       verbessert. Doch die Herkunft der 28 verbauten Metalle neben
       Tantal und Zinn ist noch unbekannt. Fairphone B.V. kündigte an,
       die Versorgungskette Schritt für Schritt transparent machen zu
       wollen. Selbst bei ähnlichen Unternehmen, die bemüht sind,
       weniger komplexe Geräte nachhaltig herzustellen, wird dies noch
       Jahre dauern (z. B. im Fall der fairen Maus von Nager IT). Das
       Ganze muss also als eine Art “Forschungsprojekt” betrachtet
       werden. Für den Zusammenbau der ersten 25.000 Geräte beauftrage
       Fairphone B.V. den chinesischen Auftragsfertiger A’Hong.
       Über die Arbeitsprozesse in der Fabrik in Chongqing wurde ein
       Video gedreht – was bei Foxconn undenkbar wäre. Die
       Beschäftigten von A´Hong arbeiteten ungefähr 60 Stunden die
       Woche für ca. 210-300 Euro im Monat. Für die meisten anderen
       Auftraggeber gelten bei A’Hong längere Arbeitszeiten. Das Gehalt
       entspricht dem freiwilligen Mindestlohn in der Region. In den
       kommenden Monaten soll ein von Fairphone B.V. eingerichteter
       Sozialfonds von über 90.000 Euro an die Arbeiter der Fabrik
       ausgeschüttet werden.
       Das Endprodukt Fairphone beruht also auf vielen
       Arbeitsprozessen, die nicht vereinbar sind mit Konventionen der
       Internationalen Arbeitsorganisation. Mit A’Hong hat Fairphone
       B.V. einen Hersteller gewählt, der von sich behauptet, die
       Situation der Beschäftigen verbessern zu wollen – und überhaupt
       bereit war, diese geringe Menge an Geräten herzustellen. Es
       werden keine Leiharbeiter oder Kinder in den Fabriken
       beschäftigt. Das sonst geringe Mitspracherecht der Arbeiter
       wurde für den Fairphone-Produktionszeitraum verbessert.
       Überraschen sollte es daher nicht, dass es viel Lob für das
       Fairphone-Projekt gibt. Es zeige erstmals, was machbar ist, und
       übe Druck auf die großen Hersteller der Branche aus, heißt es
       wohlwollend von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen.
       Auf den großen Absatzmärkten (USA und EU) werden Smartphones
       gewöhnlich für ein Vielfaches der Produktionskosten verkauft.
       Der Börsenkonzern Apple macht enorme Gewinne mit seinen teuren
       Geräten. Fairphone B.V. legt daher besonderen Wert auf die
       Transparenz bei der Preiszusammenstellung. Auf der
       Fairphone-Website kann man sich die Kostenaufstellung des Geräts
       herunterladen. Fairphone B.V. geht also noch einen Schritt
       weiter und hebt sich dadurch positiv von Herstellern wie
       Motorola, HP und Intel ab.
       
       Moderne Demokratie oder antike Dekadenz?
       Es wird schnell deutlich: Ein nachhaltiges Smartphone zu bauen,
       muss ein langfristiges Projekt sein. Der Einfluss, den z. B.
       europäische Firmen und Politiker auf diesen Prozess haben,
       bleibt in bestimmten Punkten begrenzt. Demokratische
       Subsidiarität verlangt von den Bürgern, dass sie sich
       organisieren und lokale Institutionen selbst regulieren. Es
       liegt zwar auch an den Chinesen, Indonesiern und Kongolesen,
       sich bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen und für eine
       gemäßigte Belastung der Natur zu sorgen. Doch das entbindet
       ausländische Abnehmer und Politik nicht davon, Transparenz zu
       schaffen und bessere Arbeitsbedingungen einzufordern. Die
       deutsche Bundesregierung lehnt hingegen den aktuellen Vorschlag
       der EU-Kommission für mehr Transparenz ab. Dieser sieht vor,
       große Unternehmen zu Berichten über ihre ökologische und soziale
       Auswirkung zu verpflichten, was bisher nur freiwillig geschieht.
       Sollen unsere “herrschaftsfreien Diskurse” mittels Geräten
       geführt werden, die auf Ausbeutung von Mensch und Natur beruhen?
       Demokratie ist historisch ein exklusives Phänomen und
       demokratische Teilhabe heute stark geografisch bedingt. Die
       digitale Vernetzung schließt nicht alle Menschen mit ein. Die
       digitale Kluft ist vor allem ein globales Problem. Mit einem
       aufgeklärten Eigeninteresse – also dem Wissen, dass die
       Entwicklung des  Gemeinwohls im Interesse jedes einzelnen liegt
       – fordert die globaler werdende Zivilgesellschaft eine
       demokratische Globalisierung. Dabei sollte sie sich nicht auf
       den Wirtschaftsstrukturen in der IKT-Branche ausruhen. Gerade
       weil die derzeitigen Produktionsstrukturen sich nicht über Nacht
       umwälzen lassen, fällt ihr die Aufgabe zu, die entscheidenden
       Akteure unter Druck zu setzen.
       Im antiken Griechenland wurde die Demokratie  durch die
       Unfreiheit vieler Sklaven ermöglicht. Schon heute zeigt sich,
       dass digitale Medien zu mehr politischer Partizipation führen,
       und der Einfluss des Internets auf unsere politische Kultur wird
       weiter zunehmen. Ein Vergleich zu den antiken gesellschaftlichen
       Verhältnissen drängt sich umso mehr auf, wenn wir künftig unsere
       Wahlen elektronisch abhalten. Stattdessen sollte sichergestellt
       werden, dass die für eine Cyberdemokratie notwendige Technik der
       Idee der Demokratie nicht zuwider läuft. Auch für eine reflexive
       Netzpolitik gilt es daher, sich des Widerspruchs zwischen
       demokratischer Verantwortung und nationalen Grenzen bewusst zu
       werden. Würde diese Reflexivität auf “Privacy” und andere
       negative Freiheiten beschränkt bleiben, läuft auch der
       Kulturwandel durch das Internet Gefahr, kein wirklich
       demokratischer zu werden.
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