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KONSUMENTENSOLIDARITÄT – JETZT
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#Post#: 62--------------------------------------------------
Thema "Bewusster Konsum"
By: SilkeGiesinger Date: October 16, 2012, 11:34 pm
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HTML http://blog.bewusstkaufen.at/artikel/auf-die-dosis-kommt-es-an/
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Auf die Dosis kommt es an
von HANS HOLZINGER
Während die Navajo-Indianer in ihrem Leben noch mit 236 Dingen
ausgekommen sind, für die sie eigene Begriffe schufen, kommt der
Mensch der modernen Konsumgesellschaft im Laufe seines Lebens
auf gut 100.000 Gegenstände, mit denen er sich umgibt.
Möglich geworden ist dieser Güterreichtum durch technische
Fortschritte, die die Herstellung von immer mehr Waren in immer
kürzerer Zeit ermöglichen. So ist die Produktivität der
Wirtschaft im 20. Jahrhundert um über 3000 Prozent gestiegen.
Waren 1970 etwa noch 80 Arbeitsstunden nötig, um einen
Kühlschrank zu erzeugen, so braucht man heute aufgrund der
Vollautomatisierung nur mehr eine Arbeitsstunde.
Die industrielle Produktionsweise im High-Tech-Zeitalter erlaubt
den Ausstoß von immer mehr Waren. Das Konsumniveau in den
Wohlstandsländern hat sich seit den 1950er Jahren vervierfacht,
der Weltkonsum – so das Worldwatch Institute –hat sich seit den
1960er-jahren versechsfacht. Weltweit rollen jede Woche eine
Million Autos von den Fließbändern. Bald wird es eine Milliarde
Autos auf dem Planeten geben. Die Zahl der Handys wird heute
bereits auf 4 Milliarden geschätzt – bei einer Weltbevölkerung
von 6,5 Milliarden.
Dieser materielle Wohlstand hat uns viele Annehmlichkeiten
beschert. Wir können uns vieles leisten, was für unsere
Vorfahren noch unvorstellbar war. Doch dieser Güterreichtum
wirft auch Schatten. Die meisten Menschen weltweit sind noch
immer von ihm ausgeschlossen – eine Milliarde Menschen leidet
gar an Hunger. Ihnen fehlt das Nötigste zum Überleben. Unser
hoher Güterkonsum ist zweitens verbunden mit einem starken
Ressourcenverbrauch und daher nicht nachhaltig. Zudem basiert er
auf billigem Erdöl, das nicht auf Dauer sprudeln wird.
Industrialismus, wie wir ihn heute kennen, ist nicht zu denken
ohne Fossilismus.
Drittens führt diese Güterfülle auch zu vermehrtem Stress.
Dinge, die angeschafft werden, wollen auch benützt werden. Doch
fehlt häufig die Zeit dazu. Sie erfordern Platz für die
Aufbewahrung, der häufig nicht zur Verfügung steht. Übervolle
Kleiderschränke zeugen davon ebenso wie bis zum Überquillen
vollgestopfte Keller- oder Dachbodenabteile. Und das
Entscheidende: Der Besitz von Gütern (allein) macht nicht
glücklich.
Der Zugang zu Gütern gehört zwar zu einem zufriedenen Leben.
Ergebnisse der Zufriedenheitsforschung zeigen aber, dass es ab
einem gewissen materiellen Konsumniveau zu einer Entkopplung
kommt: der materielle Wohlstand kann weiter wachsen, die
Zufriedenheit nimmt jedoch nicht weiter zu. Gründe hierfür gibt
es mehrere. Etwa die Anspruchsfalle: Je mehr wir haben, um so
mehr wollen wir dazu. Oder die Statusfalle: Wir wollen haben,
was andere auch haben. So schrauben wir uns gegenseitig die
Ansprüche immer mehr in die Höhe, ohne dass die Zufriedenheit
steigt.
Überdies will das Geld für den Erwerb der Güter auch verdient
sein. Das erfordert Anstrengung und Zeit, die uns dann fehlt, um
das Leben genießen zu können. Sehr früh haben KritikerInnen der
Konsumgesellschaft davor gewarnt, dass sich die vielen Dinge,
mit denen wir uns umgeben, zwischen uns Menschen stellen. Ihre
„Bedienung“ absorbiert Aufmerksamkeit und Zeit, die dem
gemeinschaftlichen Leben entzogen wird. Ein bekanntes Beispiel
sind Fernseher oder Unterhaltungs-PCs, die viel Lebenszeit
„rauben“. Wirklicher Wohlstand erfordert daher einen bewussten
Umgang mit Gütern. Auf die Dosis kommt es an – das gilt auch für
den Konsum! Geboten ist ein bewusster Umgang mit den Dingen.
Darüber demnächst mehr.
Neuer Wohlstand - Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten
Planeten
Herausgeber: Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
Bericht an die Global Marshall Plan Initiative
Leben und Wirtschaften auf einem
begrenzten Planeten
Salzburg: JBZ-Verl., 2012. 256 S.
ISBN 978-3-902876-07-2
#Post#: 165--------------------------------------------------
Re: Thema "Bewusster Konsum"
By: SilkeGiesinger Date: January 1, 2013, 11:18 am
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HTML https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=o3lDvJbc2SM
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Eine spannende Diskussion zum Thema: "Die Lebensmittel -
Produktion für den Müll? - Phoenix Runde vom 15.09.2011" - eine
Diskussion über die Möglichkeiten, etwas gegen die Verschwendung
der Lebensmittel zu unternehmen. Nur ein paar kurze Stichworte
dazu:
- gezielt einkaufen durch die Erstellung eines Einkaufszettels
- Kindern in Schulen bereits den Wert eines Lebensmittels
vermitteln - Kinder sollten wieder einen Bezug zum gekauften
Lebensmittel bekommen
- Kindern wieder Spaß am - mitunter gemeinsamen - Kochen zu
vermitteln durch guten Hauswirtschaftsunterricht in den Schulen
- Ladenöffnungszeiten wieder zu kürzen, damit der Handel nicht
mehr unter dem Druck steht, zu jeder Uhrzeit dasselbe frische
Produkt im Sortiment zu haben
- ...
#Post#: 167--------------------------------------------------
Re: Thema "Bewusster Konsum"
By: SilkeGiesinger Date: January 2, 2013, 11:05 am
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HTML http://www.bewusstkaufen.at/news/49/alles-zu-seiner-zeit-reifeprueferinnen-kaufen-saisonal.html?body=30
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02.01.2013
Alles zu seiner Zeit - ReifeprüferInnen kaufen saisonal
Im Winter wird die Auswahl schon etwas kleiner, das Wintergemüse
steht den Sorten aus dem Sommer in Geschmack und Farbe aber um
nichts nach: grüne Kohlsprossen, schwarzen Rettich, Vogerlsalat
und Porree haben jetzt Saison.
Sorten aus Ihrer Region sind nicht nur frisch, voll ausgereift
und enthalten mehr Vitamine und Mineralstoffe als die
weitgereiste Konkurrenz aus Glashäusern - sie sind meist auch
günstiger.
Saisonales Obst und Gemüse aus der Region ist zur Erntezeit mit
wenig Transport- und Lageraufwand reichlich verfügbar, und
deshalb billiger als importierte Produkte.
Bereits neun von zehn Österreichern greifen bevorzugt zu
Lebensmittel aus der Region, so das Ergebnis einer vom
Lebensministerium bei "futurefoodstudio" in Auftrag gegebenen
Studie. Als Hauptgründe dafür werden Frische (80%), Qualität
(79%), guter Geschmack (77%) und Natürlichkeit (65%) der
heimischen Produkte genannt.
Zu welcher Jahreszeit welche Obst- und Gemüsesorten in
Österreich erhältlich sind, können Sie im Saisonkalender
nachschlagen.
HTML http://www.bewusstkaufen.at/ratgeber/34/uploaded-docs/BK_Saisonkalender1283951089.pdf
HTML http://www.bewusstkaufen.at/ratgeber/34/uploaded-docs/BK_Saisonkalender1283951089.pdf
#Post#: 191--------------------------------------------------
Re: Thema "Bewusster Konsum"
By: SilkeGiesinger Date: January 22, 2013, 11:30 pm
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HTML https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=8XWi7esR6Bk#!
HTML https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=8XWi7esR6Bk#!
Hochgeladen am 20.09.2009
Das kurze "Schnittwerk" macht deutlich, wie wir von Geburt an
für die Industrie angefüttert werden.
...der Grund weshalb wir keine natürlichen Instinkte zur
Nahrungsaufnahme mehr besitzen. Wir werden praktisch von Geburt
an, an Geschmacksverstärker gewöhnt und die Industrie streichelt
uns die Köpfchen und vermittelt uns das falsche Gefühl, den
richtigen Weg zu gehen.
Kategorie
Soziales Engagement
Lizenz
Standard-YouTube-Lizenz
#Post#: 194--------------------------------------------------
Re: Thema "Bewusster Konsum"
By: SilkeGiesinger Date: January 28, 2013, 2:37 pm
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HTML http://www.youtube.com/watch?v=blcwwY2na7Y
HTML http://www.youtube.com/watch?v=blcwwY2na7Y
Hochgeladen am 16.02.2012
Bürger - Wohin mit der Wut ?
Wer sind die Wutbürger? Was folgt der Wut und besteht die Gefahr
einer Radikalisierung?
„Empört Euch" war der Schlachtruf der Wutbürger 2011 im Kampf um
die eigenen Rechte und um die Demokratie - gegen Kapitalismus,
Wallstreet und korrupte Politiker. Doch wer sind diese
Wutbürger? Sind es die Unterdrückten, Benachteiligten, die
aufbegehren? Oder sind es die älteren Wohlhabenden, die sich vor
einem Wandel fürchten, bei denen der Wunsch nach Bewahrung alter
Werte und traditioneller Systeme überwiegt? Und was folgt der
Wut, wie groß ist die Gefahr einer Radikalisierung? Darüber
diskutieren bei Michael Köhlmeier u.a.:
Konstantin Wecker - Liedermacher
Roland Düringer - Kabarettist
Thomas Chorherr - Journalist, „Wutbürgerlicher"
Herta Wessely - Aktion 21
Maria Maltschnig - Aktivistin „Sektion 8"
#Post#: 212--------------------------------------------------
Re: Thema "Bewusster Konsum"
By: SilkeGiesinger Date: February 19, 2013, 11:58 am
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HTML http://www.ardmediathek.de/ndr-fernsehen/45-min/deutschland-deine-pizza-was-genau-essen-wir-da?documentId=13454098
HTML http://www.ardmediathek.de/ndr-fernsehen/45-min/deutschland-deine-pizza-was-genau-essen-wir-da?documentId=13454098
Deutschland, Deine Pizza - Was genau essen wir da eigentlich?
Information
Pferdefleisch, Analogkäse und andere Lebensmittelskandale
konnten der Pizza nichts anhaben: Fastfood ohne schlechtes
Gewissen. Aber was genau essen wir da eigentlich?
Quelle: NDR
#Post#: 216--------------------------------------------------
Re: Thema "Bewusster Konsum"
By: SilkeGiesinger Date: February 23, 2013, 1:34 pm
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HTML http://www.youtube.com/watch?v=s_NgsdwVsNE
HTML http://www.youtube.com/watch?v=s_NgsdwVsNE
Veröffentlicht am 20.02.2013
im ZENTRUM Was wir essen -- Aufs falsche Pferd gesetzt?
17-02-2013
Der Skandal um Pferdefleisch in Fertigprodukten erschüttert die
Konsumenten quer durch Europa. Skrupellose Geschäftemacherei im
Lebensmittelsektor -- hat die Methode System?
Der aktuelle Fall nährt Zweifel an der Qualität unserer
Lebensmittel und wirft die Frage auf: Was essen wir eigentlich?
Ist immer drin, was draufsteht? Ist die weltweite
Lebensmittel-Industrie überhaupt noch unter Kontrolle zu halten?
Darüber diskutieren bei Ingrid Thurnher „IM ZENTRUM":
Ulrich Herzog
Gesundheitsministerium
Clemens G. Arvay
Agrarbiologe und Autor
Michael Blass
Geschäftsführer AMA-Marketing
Helene Karmasin
Motivforscherin
Walter Eselböck - angefragt
Haubenkoch
#Post#: 298--------------------------------------------------
Es reicht!
By: SilkeGiesinger Date: August 9, 2013, 12:31 pm
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HTML http://www.geo.de/GEO/natur/oekologie/neue-oekonomie-es-reicht-75679.html?p=2
HTML http://www.geo.de/GEO/natur/oekologie/neue-oekonomie-es-reicht-75679.html?p=2
NEUE ÖKONOMIEEs reicht!
Ausgerechnet aus dem Wirtschaftswunderland China kam das
Alarmsignal: Wer auf ungezügeltes Wachstum setzt, muss mit dem
Kollaps rechnen. Dabei gibt es längst Modelle einer nachhaltigen
Ökonomie - auf lokaler Ebene
Text von Hanne Tügel
Vielleicht wird der 12. Januar 2013 als der Tag in den
Kalendern der Zukunft stehen, an dem der globale Wertewandel
begann. Oder als Meilenstein in der Endzeit einer einst
blühenden Kultur. Es war jener Samstag, an dem Beijing die Luft
ausging. Apokalyptische TV-Bilder von Hochhaus-Silhouetten im
Dunst vor einer verfinsterten Sonne flimmerten um die Welt.
Feinstaubwerte unter 50 Mikrogramm pro Kubikmeter gelten als
gute Luft, 150 Mikrogramm als problematisch für Kinder und
Herzkranke, 300 als so ungesund, dass man längere Aktivitäten im
Freien vermeiden sollte. Einen Höchstwert von 522 hatte die
US-Botschaft in Beijing im Vorjahr schon einmal gemessen. Nun
aber waren es bis zu 993 Mikrogramm.
Die Ursache: keine Naturkatastrophe. Kein Chemieunfall. Nur das
ganz normale Wirtschaften. Die Natur wies plakativ darauf hin,
dass die "Grenzen des Wachstums" real sind, auf die der Club of
Rome 1972 aufmerksam gemacht hat. Über 20 Millionen Einwohner
unter der Smogglocke hofften nur auf eines: Wind. Im Abgasnebel
um Luft zu ringen, zermürbt Reiche und Arme, Müllmänner wie
Minister.
Kurz darauf kündigte Beijings Bürgermeister Maßnahmen an,
darunter den Plan, das "übermäßige Wachstum" beim Autoabsatz
stärker zu kontrollieren. In seiner Rede vor dem Volkskongress
einige Wochen später übte der scheidende Premierminister Wen
Jiabao Selbstkritik. Das chinesische Wirtschaftswachstum sei
"unausgewogen, instabil und nicht nachhaltig". Die
Umweltverschmutzung zehrt nach Berechnungen chinesischer
Umweltplaner inzwischen 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
auf. Saurer Regen aus Chinas Schwefelabgasen vergiftet dabei
nicht nur das eigene Land; er regnet auch über Korea und Japan
ab. Und giftige Quecksilberpartikel wehen bis in die USA.
Die Folgen des "Immer Mehr"
Ein Anlass, sehr grundsätzlich über Wirtschaft, Wachstum und
Wertschöpfung nachzudenken. Über die Folgen des "Immer mehr" bei
Produktion und Konsum. Über die leise innere Stimme, die sagt,
dass es nicht ewig so weitergehen kann: Auf der einen Seite die
Übersättigung in den Gesellschaften der Wohlhabenden; allein in
Deutschland landen pro Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel
und 400 000 Tonnen Schuhe und Textilien auf dem Müll. Auf der
anderen Seite die Not der Armen, bei denen etwas Wachstum
ankommen müsste, damit sie sich wenigstens das
Lebensnotwendigste leisten könnten. Und über allem der
ökologische Imperativ: Schützt eure Lebensgrundlagen, oder ihr
werdet es bereuen!
Rohstoffvorkommen sind endlich; Umweltgüter wie Luft und
Gewässer tolerieren Übernutzung und Verschmutzung eine Weile,
aber nicht auf Dauer. Heute wissen wir ziemlich genau, wie weit
wir jene Begrenzungen überschreiten, die uns die Natur vorgibt.
Die Organisation "Global Footprint Network" kalkuliert
alljährlich den "ökologischen Fußabdruck" der Menschheit. "2012
hat die Weltbevölkerung das 1,4-Fache dessen verbraucht, das die
Biosphäre regenerieren kann", schreibt ihr Präsident, der
Schweizer Mathis Wackernagel. Das heißt: Wir zehren das
Naturkapital auf: Wälder, Böden, Gewässer.
Wir verhalten uns wie trotzige Kinder
Warum tun das eigentlich auch und gerade wir in den
Industrienationen? Warum verhalten wir uns wie trotzige Kinder
und opfern für kurzfristigen Genuss langfristige Lebensqualität?
Warum ist es so attraktiv, zu kaufen und zu besitzen, auch
Dinge, die man "eigentlich" gar nicht braucht? Warum lieben wir
das "Schneller, höher, weiter" über den Wolken, auch wenn die
Vernunft weiß, dass Fliegen besonders klimaschädlich ist? Die
jährlichen Flugpassagierzahlen in Deutschland sind zwischen 2000
und 2011 von 143 Millionen auf 200 Millionen gestiegen, und die
Luftfracht hat sich, mit Rosen aus Kenia und Hummer aus Kanada
im Gepäck, im selben Zeitraum von 2,6 Millionen Tonnen auf 4,4
Millionen erhöht.
Eine nüchterne und bittere Erklärung gibt der Sozialpsychologe
Harald Welzer. Er sagt: "Die Konzepte von Wachstum, Mobilität,
Fortschritt sind in unserem emotionalen Haushalt verankert. Von
Appellen bleiben sie völlig unberührt, denn die erreichen nur
die kognitive Ebene." Seine Folgerung: Gegen lieb gewonnene
Gewohnheiten und Verlockungen der Konsumgesellschaft kämen "Es
ist fünf nach zwölf"-Botschaften nicht an.
Und die Politik? Sie schürt die Wachstumseuphorie, statt sie zu
bremsen. Zwar tönt auch in Politikerköpfen die zweifelnde innere
Stimme. Doch den Auftrag, Lösungen zu finden, delegieren
Regierungen - bisher folgenlos - an Expertengremien. Frankreich
bot mit Joseph Stiglitz und Amartya Sen gleich zwei
Wirtschaftsnobelpreisträger auf, um neue Maßzahlen für die
Messung wahren Wohlstands zu suchen. In Deutschland debattierte
eine Bundestags-Enquetekommission 31 Sitzungen lang über
"Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität". Und von den USA aus
rechnete der Wirtschaftsprofessor und ehemalige Weltbank-Ökonom
Herman Daly vor, dass uns das Wirtschaftswachstum inzwischen
"ärmer statt reicher" macht.
Das Bruttoinlandsprodukt ist blind für Wertbetrachtungen
Die Kritiker attackieren die herrschende Lehre der
Makro-Ökonomie, weil deren Wachstumsbegriff auf "einer falschen
volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung" beruhe und Kosten und
Nutzen nicht trenne. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das die
Wirtschaftsleistung eines Landes in Euro, Dollar oder Yen
ausdrückt, ist blind für Wertbetrachtungen. Summiert wird alles,
wofür Geld bezahlt wird - egal ob die Ausgaben für die
Gesellschaft Katastrophe oder Segen bedeuten. Ein Tanker
zerbricht, eine Ölplattform sinkt - die Sanierungsmilliarden
steigern das BIP und das "Wachstum" ebenso, wie es die Ausgaben
für die medizinische Behandlung der Smog-Opfer in China tun.
Doch als wären sie taub, beschwören Angela Merkel, François
Hollande und Barack Obama weiter unisono den Wachstumskurs,
genau wie ihre jeweiligen Kontrahenten. Selbst grüne Politiker
stimmen längst ein, wobei sie auch dem erhofften Wachstum das
Adjektiv "grün" voranstellen.
Der Grund für die seltene Eintracht: Die Wachstumslogik
aufzukündigen, erscheint wie das Öffnen der Büchse der Pandora.
Wären nicht bei Stillstand oder Schrumpfkurs
Massenarbeitslosigkeit und Chaos vorprogrammiert? Vielleicht.
Die Januartage in China zeigen allerdings, dass ein Zuviel auf
Dauer mindestens ebenso schlimme Folgen haben kann. Und Pandoras
Büchse in der griechischen Mythologie enthielt nicht nur Plagen,
sondern auch Hoffnung.
Natur und Mensch sind erschöpft
Diese Hoffnung könnte heute paradoxerweise daher rühren, dass
nicht nur die Natur unter zunehmender Erschöpfung leidet. Auch
die Menschen sind erschöpft; psychische Erkrankungen zeigen
besonders rasante Wachstumszahlen. Selbstheilung ist nah, wenn
Patienten jenseits der Sehnsucht nach "Schneller, höher, weiter"
ältere Werte entdecken, die unbezahlbar sind: Zeit zu haben für
sich und andere; sich gegenseitig zu helfen. Diese Werte wieder
in den Vordergrund zu rücken, eröffnet Spielräume für
Postwachstums-Visionen. Wer Lust auf Gemeinsinn statt auf Konsum
entwickelt, überlistet die mentalen Strukturen, die uns in der
Wachstumsfalle halten.
Tim Jackson, Professor für Nachhaltige Entwicklung an der
University of Surrey, Berater der britischen Regierung und Autor
des Buchs "Wohlstand ohne Wachstum", nennt den Lebensstil
"alternativen Hedonismus". Harald Welzer spricht von "dem
zivilgesellschaftlichen Projekt des 21. Jahrhunderts, dessen
Umsetzung man an niemanden delegieren kann".
Welzer hat die Stiftung "Futurzwei" gegründet. Sie stellt
Beispiele von Unternehmen und Initiativen vor, die anders leben
und wirtschaften, lokal, dezentral, experimentierfreudig. "Die
Beteiligten erleben, wie viel Spaß es macht, Wirklichkeit zu
verändern", sagt Welzer. "Psychologen nennen diese Erfahrung
'Selbstwirksamkeit', sie ist äußerst befriedigend."
Vordenker Ludwig Erhard
Würde er noch leben, wäre vielleicht auch Ludwig Erhard
alternativer Hedonist. Der "Vater" der sozialen Marktwirtschaft
prophezeite im Jahr 1957, irgendwann werde "mit Sicherheit" und
"zu Recht" die Frage gestellt werden, "ob es noch immer richtig
und nützlich ist, mehr Güter, mehr materiellen Wohlstand zu
erzeugen, oder ob es nicht sinnvoller ist, unter
Verzichtleistung auf diesen 'Fortschritt' mehr Freizeit, mehr
Besinnung, mehr Muße und mehr Erholung zu gewinnen".
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