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#Post#: 327--------------------------------------------------
Aktuelle Informationen zum Staudammprojekt Belo Monte, Brasilien
By: SilkeGiesinger Date: November 19, 2013, 1:51 pm
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HTML http://search.salzburg.com/news/artikel.html?uri=http%3A%2F%2Fsearch.salzburg.com%2Fnews%2Fresource%2Fsn%2Fnews%2Fsn1806_18.11.2013_41-49772680
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Schöner Berg zieht tiefe Gräben
18.11.2013
Umstritten. Das Staudammprojekt Belo Monte in Brasilien sorgt
seit Jahren für internationale Proteste. Auch Europäer sind
involviert – auf beiden Seiten.
Stephanie Pack Im Amazonasgebiet in Brasilien soll das
drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt entstehen. Am Bau sind auch
europäische Firmen beteiligt. Nicht zuletzt darum macht die
grüne Europa-Abgeordnete Ulrike Lunacek das Projekt Belo Monte
zum Thema im EU-Parlament. Mit zwei Kolleginnen ihrer Fraktion
hat sie die Baustelle in Brasilien besucht.
Frau Lunacek, was macht eine österreichische EU-Abgeordnete auf
einer Baustelle in Brasilien?
Lunacek: Ich war früher schon entwicklungspolitisch engagiert
und Themen wie Energiegewinnung haben mich als grüne Abgeordnete
im Nationalrat immer interessiert. Wir sind aber auch vor dem
Hintergrund hingefahren, dass europäische Firmen an dem Bau
beteiligt sind. Darunter das österreichische Unternehmen
Andritz, das die Turbinen liefert. Wir hören so viel von
Problemen, die es dort gibt, und wollten uns einfach selbst
anschauen, wie die Lage tatsächlich ist. Wie es aussieht mit den
Rechten der Indigenen, mit der Bevölkerung, die am Fluss lebt,
aber auch mit den ökologischen und rechtlichen Dingen. Es wurden
ja schon mehrfach Baustopps verhängt, die dann von höheren
Gerichten wieder aufgehoben wurden.
Derzeit wird weitergebaut. Welche Dimension hat das Projekt?
Lunacek: Altamira ist die Stadt, die am Fluss liegt. Von dort
macht der Fluss eine hundert Kilometer lange Schleife. Von der
Stadt wird jetzt quer durch das Land an die andere Seite der
hundert Kilometer langen Schleife ein 40 Kilometer langer Kanal
gebaut, wo das Wasser umgelenkt werden soll. An der anderen
Seite soll es dann an der Staumauer herunterfallen, wo die
Turbinen zur Energiegewinnung sein werden.
Was ist das Problem dabei?
Lunacek: Das bedeutet, dass in der hundert Kilometer langen
Schleife der Wasserspiegel sinken wird. Das bringt große
Probleme für die Bevölkerung, die dort zum Beispiel nicht mehr
fischen kann. Wir sind selbst mit dem Boot zu einem dieser Orte
in der Schleife gefahren und der Wasserspiegel war in der
Nichtregenzeit schon an und für sich sehr niedrig.
Überflutet werden an die 500 bis 600 Quadratkilometer. Das ist
weniger, als im ursprünglichen Plan vorgesehen, aber es ist
trotzdem noch sehr viel. Wir sind auch über diesen Kanal
geflogen. Das ist eine riesige Narbe. Auch wenn der Bau noch
gestoppt wird, ist das nicht mehr wiedergutzumachen. Und darüber
hinaus sind ja noch fünf weitere Kraftwerke geplant. Ich finde,
das entspricht nicht mehr der Art und Weise, wie im 21.
Jahrhundert Energie gewonnen werden kann. Da gibt es
mittlerweile Alternativen.
Die Firma Andritz, die am Bau beteiligt ist, hat 2011 gemeint,
die Proteste seien ein österreichisches Thema. Wie ist das
heute?
Lunacek: Es gibt auch in Deutschland schon länger Initiativen.
Es ist in den Niederlanden ein Thema und auch in Frankreich. In
Spanien ein wenig, weil auch ein spanisches Unternehmen
involviert ist. Es ist sicher in Österreich so, dass über
Bischof Kräutler, der seit Jahren in Altamira lebt, und einfach
auch durch seine Arbeit sehr viel an Interesse da ist. Das trägt
schon auch dazu bei.
Aber es protestieren weltweit zahlreiche NGOs. Sie sagen, solche
Megaprojekte bringen nicht, was die Regierung sich erwartet. Die
brasilianische Regierung selbst gibt zu, dass es im Schnitt nur
4000 bis 5000 Megawatt im Monat geben wird und nicht die 11.000,
die es zu Spitzenzeiten gibt. Diese 4000 sind so viel wie
tausend Windräder erzeugen würden. Es hat auch Studien vom WWF
gegeben, die berechnet haben, dass 40 Prozent des Energiebedarfs
von Brasilien bis 2020 über Energieeffizienz gewonnen werden
könnten. Das sind so viel wie 14 Belo-Monte-Staudämme. Soweit
uns gesagt wurde, wurden keine Alternativen berechnet.
In Brüssel haben Sie eine Konferenz zu Belo Monte organisiert.
Warum gehört das Thema auf die Agenda der EU?
Lunacek: Wir sind besorgter von unserer Reise zurückgekommen,
als wir hingefahren sind. Und wir haben gefunden, wir müssen
hier weitermachen. Es fehlt an Informationen und an Klarheit.
Die Umweltsituation, die Nichterfüllung von Auflagen – hier gibt
es viele Ungereimtheiten. Wir wollen die Öffentlichkeit in
Europa informieren. Zu unserer Konferenz haben wir auch die
brasilianische Regierung eingeladen. Es ist das erste Mal, dass
Regierungsvertreter zu einer solchen Konferenz zugesagt
haben.Wie geht es weiter, wird das EU-Parlament darüber
diskutieren? Lunacek: Es gibt aus dem Europaparlament in einer
Resolution von vor eineinhalb Jahren die Aufforderung, dass
dieses Projekt nicht in geplanter Weise durchgeführt wird. Und
was wir vorhaben: Wir werden mit dem Netzwerk der
Zivilgesellschaften klären, wie wir weitermachen. Wir hoffen,
dass es rund um die Fußball-WM und die Olympischen Spiele mehr
Aufmerksamkeit dafür geben wird. Und es gibt auch eine
Verantwortung der Firmen. Sie könnten auf Norte Energia (das
Konsortium der Betreiber und Investoren, Anm.) Einfluss nehmen,
damit zumindest die Auflagen erfüllt werden.Denken Sie, dass man
das Projekt noch stoppen kann? Lunacek: Die Hoffnung aufgeben
tue ich als Politikerin nie. Ich habe auch schon auf das
Beispiel Zwentendorf verwiesen, das schon gebaut war und nie in
Betrieb genommen worden ist. Jetzt steht es als Museum da. Man
kann so etwas schon noch stoppen. Ich hoffe, dass das möglich
ist, das wäre auch unser Ziel. Aber viel wichtiger ist, dass die
nächsten Kraftwerke nicht begonnen werden.
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