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       #Post#: 318--------------------------------------------------
       Sendung "Passagen" von Ö1 mit Roland Düringer
       By: SilkeGiesinger Date: September 30, 2013, 2:57 pm
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  HTML http://oe1.orf.at/programm/350078
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       STOPP! - Ich höre auf. IM ZEIT-RAUM: Johannes Kaup im Gespräch
       mit dem Kabarettisten Roland Düringer
       (aufgenommen am 29. April im RadioKulturhaus)
       Bearbeitung: Haimo Godler
       Roland Düringer
       Wir sind umgeben von lauter Dingen und Angeboten, die uns
       versprechen, das Leben angenehmer zu machen, mehr Möglichkeiten
       zu haben und Zeit zu sparen. Einerseits stimmt das auch. Wohl
       kaum einer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass sich die meisten
       Zeitgenossen heute ein Leben ohne Mobiltelefon und Internet
       nicht mehr vorstellen können. Doch andererseits bedeuten
       ständige Verfügbarkeit und Bereitschaft auch neue Zwänge.
       Arbeits- und Entscheidungsprozesse haben sich beschleunigt.
       Berufs- und Privatleben verschwimmen. Die Aufgabe, flexibel zu
       sein, setzt stetige Mobilität voraus. Die Optionenvielfalt vom
       Supermarkt übers Fernsehprogramm bis zum Internet-Reisekatalog
       ist janusköpfig. Freiheit und Selbstbestimmung bietet sie nur
       jenen, die bereits wissen, was sie (nicht) wollen und
       (ab)wählen.
       Wie ist es eigentlich früher gewesen, zur Zeit unserer Kindheit,
       als es all das noch nicht gab? Waren die Menschen zufriedener
       als heute? Fehlte ihnen etwas zum Menschsein? Was ist eigentlich
       nötig für ein "gutes Leben"? Wann ist es genug?
       Der 1963 geborene Kabarettist Roland Düringer macht die Probe
       aufs Exempel. Er hat einen Selbstversuch gestartet, wie es ist,
       ohne heute selbstverständlich gewordene technische Hilfsmittel
       auszukommen. Er will schrittweise ohne Radio, TV, Printmedien,
       Mobiltelefon, Internet, Supermärkte, Handelsketten und Auto
       leben. Er hört dabei auf das, was ihm seine innere Stimme sagt.
       Diesen Selbstversuch dokumentiert er seit Anfang des Jahres mit
       seinem Video-Tagebuch www.gueltigestimme.at.
       Dort schreibt Düringer in seinem Vorwort: "Wir haben neue
       Werkzeuge entwickelt, Bequemlichkeiten geschaffen und damit
       vermeintlich viel Zeit gewonnen. Nur: Wo ist die Zeit? Wo haben
       wir die wertvollen Stunden liegengelassen? In welchen Systemen
       versickert unsere Zeit und in welchen Netzen wird sie gefangen
       gehalten? Was kostet mich ein Schritt zurück und was bekomme ich
       dafür? Ist mein verklärter Blick auf das einfache Leben meiner
       Kindheit nur ein Trugbild, oder ist der Schritt zurück der erste
       Schritt nach vorn, um Anlauf zu nehmen und den großen Graben der
       Verheißungen zu überspringen?"
       Wir leben in einer Gesellschaft, die von einer Wirtschaft
       geprägt ist, die davon lebt, immer neue Bedürfnisse zu erzeugen.
       Diese Bedürfnisse sind nicht natürlich, sondern künstlich. Die
       Überflussgesellschaft ist zudem nicht nachhaltig. Das bedeutet:
       Der ressourcenintensive Lebensstil, auf dem unser Wohlstand
       fußt, kann nicht als Modell für die ganze Welt dienen – obwohl
       uns heute im internationalen Vergleich viele dafür beneiden. Die
       globalen Probleme machen aber nicht an unseren Grenzen Halt.
       Klimawandel, Zerstörung natürlicher Lebensräume, Hunger und
       Armut, Flüchtlingsbewegungen, Rückgang der Biodiversität und
       Ressourcenkonflikte – diese Probleme bedrohen das "gute Leben"
       in vielen Weltregionen und damit das Überleben der Bevölkerung.
       Die Industrie- und Schwellenländer übernutzen die Ressourcen der
       Erde derzeit um den Faktor 1,4. Das geht kurze Zeit, ist aber
       nicht dauerhaft verlängerbar. Denn der Menschheit steht
       bekanntlich kein zweiter Planet zur Verfügung.
       Werden wir – wie in Goethes Zauberlehrling – die Geister, die
       wir riefen, nicht wieder los? Unsere Wachstumsgesellschaft zeigt
       sich gegenwärtig als unfähig aufzuhören: Sie betreibt weiter
       ihren konsumistischen Lebensstil. Dadurch geraten unsere
       Ökosphäre außer Balance und immer mehr Menschen an den Rand des
       seelischen Burn-outs.
       "Stopp! – Ich höre auf" ist der Versuch einer ehrlichen
       Bestandsaufnahme, ob es gelingen kann, die alltäglichen Routinen
       zu verändern, in denen wir uns eingerichtet haben. Aufhören
       bedeutet auch "innehalten" und "auf die Stimme zu hören, die uns
       zu einem Leben des eigenen Wesentlichen" aufruft. Vielleicht
       entpuppt sich dieser "Gehorsam" als ein Akt der Befreiung aus
       dem Hamsterrad, in dem wir glauben, täglich laufen zu müssen?
       Wie lebt es sich also im selbst gewählten Mangelzustand – ohne
       Handy, ohne E-Mail-Adresse, ohne Internet, Bankomat- und
       Kreditkarte, Auto u.v.m. – vor allem dann, wenn man in der
       niederösterreichischen Provinz auf einem Hügel in einem
       hölzernen Wohnwagen wohnt?
       Welche Erkenntnisse lassen sich daraus gewinnen für das, was wir
       ein erfülltes Leben nennen? Vielleicht entpuppt sich so mancher
       vermeintliche Verzicht als Gewinn, vielleicht aber stößt man
       bald an Grenzen? Mit Johannes Kaup begab sich Roland Düringer in
       einen launigen philosophischen Diskurs über das "gute Leben",
       seine Möglichkeiten, Sackgassen, Irrwege, Illusionen und den
       Mehrwert des Loslassens.
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