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#Post#: 299--------------------------------------------------
Neuigkeiten aus Fukushima
By: SilkeGiesinger Date: August 9, 2013, 12:48 pm
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HTML http://www.klimaretter.inf
o/umwelt/hintergrund/14295-schutzwall-aus-frost-fuer-fukushima
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o/umwelt/hintergrund/14295-schutzwall-aus-frost-fuer-fukushima
Schutzwall aus Frost für Fukushima
Aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima strömen jeden Tag
300 Tonnen verstrahltes Wasser ins Meer. Radioaktiv kontamiert
sind aber auch Bereiche nahe dem AKW. Nun soll ein
unterirdischer Schutzwall aus gefrorenem Erdreich verhindern,
dass noch mehr Grundwasser in die Anlage eindringt.
Aus Frankfurt am Main Joachim Wille
Täglich fließen aus dem zerstörten AKW Fukushima 300 Tonnen
radioaktiv belastetes Wasser ins Meer. Verstrahlt seien jedoch
auch Bereiche in der Nähe der Anlage, meldete die
Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Angaben der
japanischen Regierung. Ein Schutzwall aus gefrorenem Erdreich
soll jetzt dafür sorgen, dass nicht noch mehr Grundwasser in die
Atomkraftwerksruine gelangen kann. Dazu sollen Rohre um die
Gebäude der teilweise zerstörten Reaktoren 1 bis 4 im Erdreich
verlegt werden, durch die Kühlmittel fließt. Ein
Regierungssprecher sagte, da der finanziell schwer belastete
Betreiberkonzern Tepco die dafür nötigen Mittel nicht aufbringen
könne, müsse der Staat einspringen. Der Bau eines
Frost-Schutzwalls von solchen Ausmaßen sei in der Welt
beispiellos. Er soll eine Länge von 1,4 Kilometern haben.
Vorher hatte Tepco versucht, die Lage mit einer anderen
Not-Operation zu verbessern – nämlich durch Abpumpen von
Grundwasser aus der Umgebung der Atomruine. Tepco hat auf dem
abgezäunten Gelände des zerstörten Kraftwerks in der Nähe von
Reaktor 1 einen neuen Brunnen bohren lassen, aus dem verseuchtes
Wasser hochgepumpt werden sollte. Ein in der vorigen Woche
gestarteter Versuch, hoch belastetes Wasser mit einer Art
chemischer Sperre zurückzuhalten, funktionierte nicht. Die
Mannschaften hatten dazu eine abdichtende chemische Substanz in
den Boden gepresst. Das Wasser stieg so schnell an, dass es über
die unterirdische "Barriere" fließen konnte.
Tepco fehlt das Risikobewusstsein, warnt die Atomaufsicht
"Die Situation ist Tepco aus den Händen geglitten", kommentierte
der pensionierte japanische AKW-Ingenieur Masashi Goto, der auf
Tepco-Anlagen gearbeitet hatte. Das Unternehmen habe zu lange
nichts gegen das Problem getan, sagte er der Agentur Reuters.
Experten vermuten, dass die radioaktiven Stoffe im Grundwasser
aus den Turbinengebäuden der Reaktoren stammen, die stark
verseucht sind. In den Kellern und Kabelkanälen hatte sich das
hoch belastete Wasser gesammelt, das die Mannschaften in den
Wochen nach dem Super-Gau am 11. März 2011 zur Not-Kühlung in
die teilweise geschmolzenen Reaktorkerne gespritzt hatten.
Die Entwicklung bedeutet Gefahr für den Pazifik. Der
Wasserspiegel am AKW werde "mit ziemlich großer
Wahrscheinlichkeit" weiter ansteigen, hatte der Experte Shinji
Kinjo von der Atomaufsicht NRA vorausgesagt, die nach Fukushima
neu gegründet worden war und die Atomkonzerne strikter als ihre
Vorgängerin kontrollieren soll. Dann werde es schnell ins Meer
ausfließen, sagte er. Das geschah dann noch schneller als
befürchtet. Kinjo wählte drastische Worte: Er sprach von einer
"Notfall-Situation" – und griff dabei Tepco scharf an: Dem
Konzern fehle wohl offensichtlich "das Bewusstsein für die
Gefahr". Solche Worte hätte man von der NRA-Vorläuferbehörde
kaum gehört.
Angeblich die Zentrale nicht informiert
Tatsächlich hatte Tepco erst im Juli eingeräumt, dass das
Problem mit dem Grundwasser überhaupt existiert. Dabei waren
erste Berichte über unterirdische Leckagen in dem verzweigten
Kanalsystem unter der Atomruine bereits im April veröffentlicht
worden. Tepco reagierte erst, nachdem die NRA den Verdacht
geäußert hatte, belastetes Wasser laufe aus den Reaktorkellern
in den Boden und von dort womöglich weiter in den Pazifik.
Angeblich, so Tepco, hätten Mitarbeiter vor Ort von dem Problem
gewusst, die Konzernzentrale aber nicht informiert.
Kürzlich meldete das Unternehmen dann, dass aktuelle Proben des
Wassers aus den Kabelkanälen unter dem havarierten Reaktor 2
noch fast genauso stark verseucht waren wie Proben, die man im
April 2011 untersucht hatte. Damals wurden 3,6 Milliarden
Becquerel unter anderem an Cäsium, Strontium und anderen
Nukliden pro Liter gemessen, jetzt 3,1 Milliarden. Die
Tepco-Ingenieure vermuten, dass sich unter Reaktor 2 die Lecks
befinden, die das Grundwasser verseuchen.
"Ernsthafte Entschuldigung"
Ein Sprecher des Konzerns räumte ein, man habe versucht zu
verhindern, dass Wasser außerhalb des Fukushima-Geländes
gelange. Doch das sei nicht gelungen. Und, typisch japanisch,
Tepco biete dafür seine "ernsthafte Entschuldigung" an.
Die neuen Notmaßnahmen verschärfen die Probleme bei den
Aufräumarbeiten. Tepco steht das Wasser in Fukushima nämlich
fast buchstäblich bis zum Hals. Seit über zwei Jahren fallen
dort täglich 420 Tonnen vor allem mit Cäsium und Strontium
belastetes Wasser aus der weiterhin notwendigen Kühlung der
Reaktorkerne an. Diese riesigen Mengen werden in Tanks auf dem
Gelände gelagert. Inzwischen stehen dort über 1.000 Behälter,
die bis zu 1.000 Tonnen fassen. Trotzdem geraten die Ingenieure
an Kapazitätsgrenzen. Die Tanks sind bereits zu 85 Prozent voll.
Ausweg ins Meer versperrt
Bei "Normalbetrieb" wären sämtliche Behälter nach Schätzungen im
Dezember voll, wie der Infodienst Spreadnews berichtete.
Allerdings dürften nun zu den 420 Tonnen Kühlwasser aus den
Untergeschossen der Reaktoren täglich noch weitere 100 bis 150
Tonnen Grundwasser hinzukommen, die ebenfalls gelagert werden
müssen. Die Kapazität wäre, wenn keine andere
Lagerungsmöglichkeit gefunden wird, möglicherweise bereits im
November erschöpft. Tepco plant allerdings, die Lager bis 2015
von derzeit 380.000 Tonnen auf 700.000 Tonnen auszuweiten und
hat, um Platz zu schaffen, dafür bereits Wald auf dem Gelände
gerodet. Die neue Lage erfordert nun noch mehr Behälter – und
das treibt die Kosten hoch.
Der Ausweg, den die Regierung in Tokio Tepco nach der
Reaktorkatastrophe bot, dürfte inzwischen verschlossen sein.
Damals war dem Unternehmen erlaubt worden, als Notfall-Maßnahme
Zehntausende Tonnen radioaktiv belastetes Wasser in den Pazifik
abzuleiten. Das hatte heftige Kritik von den Fischereibetrieben
der Region und auch von benachbarten Staaten ausgelöst. Ein
neuer Versuch Tepcos, das Wasserproblem durch "Entsorgung" im
Pazifik zu lösen, scheiterte in diesem Frühjahr. Der Konzern
plante, den Grundwasserspiegel über zwölf Pumpen abzusenken, um
ein weiteres Eindringen von Wasser in die verstrahlten
Reaktorkeller zu verhindern, und die angeblich nur gering
radioaktiv belasteten Mengen ins Meer abzuleiten. Die regionalen
Fischereivertreter ließen sich jedoch nicht überzeugen, sie
verweigerten ihre Zustimmung.
Die jüngsten Berichte über Lecks in der Anlage dürfte die
Fischer kaum gewogener machen, einer Ableitung zuzustimmen. Und
den Absatz des vor Fukushima gefangenen Fisches dürften sie
ebenfalls nicht fördern.
#Post#: 306--------------------------------------------------
Re: Neuigkeiten aus Fukushima
By: SilkeGiesinger Date: September 8, 2013, 5:59 am
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HTML http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2013-09/fukushima-arbeiten-in-der-strahlenruine
HTML http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2013-09/fukushima-arbeiten-in-der-strahlenruine
Seit Wochen werden die Nachrichten aus Fukushima beängstigender.
Vergangene Woche meldete die Atomregulierungsbehörde, dass neben
einem der Auffangtanks, in die das Kühlwasser für den
havarierten Atomreaktor abfließt, extrem hohe Strahlenwerte
gemessen wurden. Der Höchstwert betrug 2.200 Millisievert pro
Stunde. Kurz zuvor hatten Experten an anderer Stelle den
bisherigen Höchstwert an Strahlung gemessen – 1.800
Millisievert. Setzt sich ein Mensch ohne Schutzkleidung einem
solchen Ausmaß radioaktiver Strahlung aus, hieß es, würde er
binnen einiger Stunden sterben.
Tepco, die Betreiberfirma der Atomanlage, wird immer wieder mit
dem Vorwurf der Intransparenz konfrontiert. Wie sieht der Alltag
auf der Kraftwerksanlage wirklich aus? Ein vollständiges Bild
ist kaum zu zeichnen.
Wenn unbequeme Nachrichten doch herausgegeben werden, stellen
sich diese nicht selten als Verharmlosungen heraus. Längst muss
man sich auch sorgen, wie groß die Gefahr für jene Menschen ist,
die auf dem Komplex im Nordosten Japans arbeiten müssen. Die
Meldungen sind besorgniserregend. Einzelfälle, hartnäckige
Gerüchte und Geständnisse von Unternehmensseite lassen erahnen,
dass das, was bisher ans Licht getreten ist, nur die Spitze des
Eisbergs ist.
"Die Sicherheit der Arbeiter war bei Tepco nie die Priorität",
sagt Majia Nadesan, Professorin für Kommunikationswissenschaft
an der Arizona State University. Seit den Kernschmelzen im März
2011 untersucht Nadesan das Krisenmanagement in Fukushima, sieht
sich täglich die Kamerabilder der Anlage an, sammelt alle
möglichen Informationen. In ihrem Buch Fukushima and the
Privatisation of Risk beschreibt die US-Forscherin, basierend
auf Berichten von Medien und offiziellen Stellungnahmen, wie
sich die Situation seit Beginn der Krise entwickelt hat.
Eine Passage liest sich wie folgt: "An den ersten Tagen
erhielten die Arbeiter keine Dosimeter, um die Strahlung zu
messen, der sie ausgesetzt waren. Das von den Arbeitern genutzte
Kontrollzentrum stellte sich nach und nach selbst als verseucht
heraus, wodurch möglicherweise Tausende Arbeiter radioaktive
Partikel aufgenommen haben. Ein Arbeiter watete durch
radioaktives Wasser und wurde verbrannt, weil er nicht den
nötigen Schutz trug. Arbeiter waren nicht verpflichtet,
wasserfeste Schutzkleidung zu tragen, obwohl bekannt ist, dass
durch Regenwasser auch radioaktive Verschmutzung aus der Luft
auf den Boden gelangt."
Mangelnde Aufklärung für freiwillige Helfer
Immer wieder ist zu vernehmen, dass freiwillige Arbeitskräfte,
die sich zu bezahlten Aufräumarbeiten bei Tepco meldeten, kaum
darüber informiert wurden, welchen Job sie genau erledigen
sollten und welche Gefahren damit verbunden waren. Das scheint
sich bis jetzt nicht maßgeblich geändert zu haben. Erst im Juli
dieses Jahres wurden wieder entsprechende Äußerungen gemacht,
nachdem Tepco gestanden hatte, dass bei 1.973 Arbeitern die als
sicher angesehene Strahlenbelastung von 100 Millisievert
überschritten worden war.
Dieses Ergebnis kam erst zustande, nachdem unter anderem Japans
Gesundheitsministerium einer vorigen Analyse nicht getraut
hatte. Im vergangenen Dezember hatte Tepco denn schon einmal
seine Angestellten und Hilfskräfte auf Strahlung untersucht, um
diese Daten auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
vorzulegen. Asahi Shimbun, eine der auflagenstärksten
Tageszeitungen der Welt, berichtet, dass Tepco die Stichprobe
der Untersuchung aber bewusst gering hielt, als sich
herausstellte, dass die WHO die Daten veröffentlichen wollte. So
analysierte Tepco im Dezember nur 522 Arbeitskräfte, 178 davon
hatten Strahlenwerte jenseits der 100 Millisievert. Sieben
Monate später stellte sich nun heraus, dass die eigentliche
Anzahl mindestens zehnmal so hoch liegt.
Laut Asahi Shimbun, die angibt, mit mehreren betroffenen
Arbeitern in heimlichem Kontakt zu sein, haben schon mehrere
ihre Tätigkeit gekündigt. Zuletzt berichtete Tepco etwa, zehn
Arbeitskräfte, die erhöhter Strahlung ausgesetzt gewesen waren,
nach einem schnellen Abwischen in den Feierabend entlassen zu
haben. Am 13. August twitterte ein User namens Happy11311, der
angibt, auf der Anlage zu arbeiten: "Die Arbeiter waren dem
[radioaktiven] Dunst ausgesetzt, als sie am Eingangstor auf den
Bus warteten. Dieser Tepco-Bus erlaubt es, in einfachen
Klamotten ohne Schutzmaske einzusteigen. Diese Arbeiter haben
also nicht die angemessene Schutzkleidung getragen."
"Arbeiter werden unnötig sterben"
Derselbe Happy11311 schrieb Ende August, dass die 350 Tanks, aus
denen nun teilweise radioaktives Wasser leckt, auch deshalb so
behelfsmäßig gebaut worden seien, weil es an Arbeitskräften
mangele. Tepco muss große Schwierigkeiten haben, noch Personal
für seine havarierte Anlage zu finden.
So halten sich hartnäckige Gerüchte, dass die Yakuza, Japans
Mafia, dem Kraftwerksbetreiber längst behilflich ist. Die
Journalisten und Yakuza-Experten Jake Adelstein und Tomohiko
Suzuki berichten beide, dass die organisierte Kriminalität ihre
Schuldner, die wohl anders als durch deren Arbeitskraft nicht
zahlen können, nach Fukushima verfrachtet.
In dieser Sache kam es auch schon zur Festnahme eines
Yakuza-Bosses. Ob die Sache damit aber erledigt ist, bleibt
ungewiss. Fragt man Majia Nadesan nach ihrem Eindruck von der
Situation, lautet ihre Antwort: "Es gibt wohl viele, viele
Geheimnisse und ich glaube, Arbeiter werden unnötig sterben,
damit diese weiter verborgen bleiben." Harte Fakten habe sie
dafür keine, ähnlich wie die generelle Lage derzeit. Nur sei der
Fakt, dass so hohe Unklarheit herrscht, besorgniserregend genug.
Vielleicht gibt es für diesen Mangel an Transparenz ja einen
Grund. Das Wertpapier des Stromversorgers kostet heute nur noch
ein Viertel dessen, was es vor dem Beginn der Katastrophe im
März 2011 wert war. So riecht die Zurückhaltung von
Informationen nach dem verzweifelten Versuch der
Schadensbegrenzung, allerdings nicht für die involvierten
Menschen, sondern die Führung und die Aktionäre. Größter
Anteilshaber ist übrigens die japanische Regierung.
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