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       # taz.de -- apokalypse der woche: Die tödliche Hitze ist wieder da
       
       Wie sich die Folgen des Klimawandels äußern können, spürten Ende Mai die
       Bewohner:innen der indischen Hauptstadt Delhi. Dort stiegen die
       Temperaturen auf 52,9 Grad, den höchsten Wert, der jemals im Land gemessen
       wurde. Menschen waren gezwungen, tagsüber in den Häusern zu bleiben – falls
       sie Ventilatoren, Klimaanlagen und eine stabile Stromversorgung hatten.
       Noch bis Mitte Juni sollen in einigen Teilen des Landes Temperaturen von
       über 40 Grad herrschen, vor allem im nördlichen Indien. Der indische
       Wetterdienst sprach für Delhi und die Bundesstaaten Rajasthan, Haryana,
       Punjab und Madhya Pradesh Warnungen vor Hitzewellen aus.
       
       Die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung sind jetzt schon
       messbar. So wurden seit 1. März mindestens 16.000 Fälle von Hitzschlag
       verzeichnet. Am letzten Tag der Parlamentswahl am Samstag sind bei
       Temperaturen von mehr als 45 Grad mindestens 33 Wahlhelfer in nur einem
       Bundesstaat an einem Hitzschlag gestorben. Wie der oberste Wahlleiter für
       den nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh, Navdeep Rinwa, am Sonntag
       mitteilte, befanden sich unter den Hitzetoten auch Sicherheitsleute und
       Mitglieder von Rettungsdiensten. Die Familien der Angehörigen erhielten
       eine Entschädigung von umgerechnet 16.500 Euro. Laut dem Indischen
       Wetterdienst lagen die Temperaturen in der Stadt Jhansi, ebenfalls in Uttar
       Pradesh, bei 46,9 Grad.
       
       Ranjan Panda, ein bekannter indischer Umwelt- und Klimaaktivist und
       Mitglied der Water Initiatives, weist darauf hin, dass Frauen durch die
       extremen Temperaturen besonders gefährdet seien. Er fordert daher,
       besonders sie beim Hitzeschutz zu berücksichtigen. Panda macht darauf
       aufmerksam, dass die wachsende Not in den ländlichen Gebieten Indiens die
       Menschen dazu zwingt, in die heißeren Städte zu ziehen. „Zunehmender
       Hitzestress und andere Herausforderungen führen dazu, dass sie sich wie
       gefangen fühlen“, sagt Panda. „Während wir weiterschmoren, rechtfertigten
       Behörden immer noch Abholzungen“, klagte er. Der Klimawandel hat auch bei
       diesen Parlamentswahlen keine Rolle gespielt.
       
       Wie in Indien leiden auch die Menschen in Pakistan unter der extremen
       Hitze. Ihnen bleibt nur, auf den Monsun zu warten, der den südlichen
       Bundesstaat Kerala und Teile Nordostindiens bereits erreicht hat.
       
       Natalie Mayroth
       
       3 Jun 2024
       
       ## AUTOREN
       
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