# taz.de -- taz-Abo an Gefangene
> Die Haft ist einsam und stigmatisiert. Gefangene haben meist keinen
> Zugang zum Internet und kein Geld für ein Zeitungsabo. Oft ist die
> gedruckte Zeitung der einzige Kontakt zur Außenwelt. Zeitunglesen ist ein
> wichtiger Beitrag zur Resozialisierung.
Doch lesen Sie hier, was die Gefangenen selbst schreiben:
Zitate aus den Jahren 2022/2023
Freiabonnements für Gefangene e. V. November 2023
Gefangener, JVA Schwalmstadt: „Ich lese die taz sehr gerne, weil von allem
etwas drin steht, was man in anderen Zeitungen kaum findet. Aber in der taz
steht das halt.“
Gefangener, Zentrum für Psychiatrie Emmendingen: „Ich lese Zeitung, weil
ich mich über das Weltgeschehen auf dem Laufenden halten möchte. Außerdem
ist das meine einzige Verbindung zur Freiheit. Ich habe keinen Fernseher in
der Zelle.“
Gefangener, Justizvollzugsanstalt Bruchsal: „Ich habe mich nicht wegen des
Gefängnisses verändert, sondern trotz des Gefängnisses. Die viele Zeit, die
man zum Nachdenken verwenden kann, verschafft andere Perspektiven.“
Gefangene, Justizvollzugsanstalt Chemnitz: „Um ehrlich zu sein, hatte ich
vorher nie wirklich darüber nachgedacht, wie es im Gefängnis ist. Ich hatte
ein eher behütetes Leben geführt, bei dem die längste Zeit mit der Aussicht
‚Knast‘ nicht zu rechnen gewesen wäre. Das meiste, was da vollmundig
gepriesen wird, ist in der Praxis nicht vorhanden oder nicht umsetzbar.
Nach meinem Gefühl muss man alles, was mit Resozialisierung zu tun hat, mit
der Lupe suchen. Ich musste für meinen Studienplatz z. B. 1 Jahr kämpfen,
wobei man doch eigentlich erwarten würde, dass die Unterstützung von
Bildungsmaßnahmen von der JVA ganz selbstverständlich kommen müsste.“
Gefangener, Justizvollzugsanstalt Darmstadt: „Eingesperrt sein bedeutet für
mich vor allem
Hilflosigkeit. Allein gelassen ohne Auskunft und Verständnis für die
eigenen Rechte, ohne Möglichkeit, sich zu informieren, Tage und wochenlang
hingehalten bei endlosen Anträgen ohne Antwort und extrem beschränkt bei
Information und Kommunikation. Früher habe ich über den Film ‚Brazil‘
gelacht und Kaba gelesen. Heute lebe ich darin.“
Gefangene, Justizvollzugsanstalt Aichach: „Meist höre ich in den
Nachrichten etwas, das mich interessiert. Das lese ich dann 1–2 Tage
später, gut recherchiert, in der Zeitung. So bleibe ich am Puls der Zeit.“
Gefangener, Justizvollzugsanstalt Heilbronn: „In der JVA Heilbronn ist es
bisher nicht möglich, digitale Zeitungen und Zeitschriften zu lesen, bisher
fehlt hierfür das notwendige technische Equipment. Auch E-Mails können
bisher hier nicht geschrieben, geschweige denn von Gefangenen empfangen
werden.“
Gefangener, Justizvollzugsanstalt Ulm: „Man verliert jeglichen Bezug zur
‚normalen Welt‘. Es ist nicht mehr möglich, zu machen, was und wann man
will. Im Gefängnis habe ich gelernt, die ganz kleinen Dinge sehr
wertzuschätzen. Sei es, einen Brief zu bekommen, telefonieren zu können
oder mal Besuch zu haben.“
Gefangener, Justizvollzugsanstalt Bützow: „Bitte entschuldigen Sie, ich
finde alle angebotenen Zeitungen so spannend. Sehen Sie es mir nach, erst
im Gefängnis merkt man, wie ausgehungert man nach Bildung ist. Die
Zeitungen würde ich, nachdem ich alles verschlungen habe, auslegen.“
Gefangener, Justizvollzugsanstalt Bruchsal: „Die Informationspolitik
innerhalb der JVA ist gleich null – ab und an 1 (!!!) Zeitung pro Flügel
für 100 Menschen. Ich hoffe, Sie erkennen die Problematik.“
Gefangener, Justizvollzugsanstalt Straubing: „Ihr seid eines der letzten
Auffangnetze für mich und viele andere, denn man freut sich jedes Mal
riesig, wenn man von außen Infos bekommt.“
25 Nov 2023
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