URI:
       # taz.de -- das portrait: Erck Rickmers flüchtet nach vorn
       
   IMG Bild: Will ungern als Umweltsünder dastehen: Reeder Erck Rickmers Foto: Markus Scholz/dpa
       
       Wenn die eigene Firma von Ermittlern durchsucht wird, gibt es für Erck
       Rickmers nur eine Lösung: ins Scheinwerferlicht treten.
       
       Am Mittwoch führte die Staatsanwaltschaft eine Razzia bei sieben Hamburger
       Schifffahrtsunternehmen durch, darunter auch bei der Erck Rickmers Holding.
       Der Vorwurf: Ein Tochterunternehmen wird verdächtigt, Containerschiffe
       nicht ordnungsgemäß abgewrackt zu haben. Eigentlich gibt es dafür
       Abwrackwerften, die unter Einhaltung von Umweltauflagen das Baumaterial
       recyclen.
       
       Stattdessen, so lautet der Vorwurf, hätten die Unternehmen die Schiffe an
       Dritte verkauft. Sie sollen nach Pakistan gebracht worden sein, wo sie auf
       einen Strand gefahren und dort unter umweltgefährdenden Umständen
       abgewrackt wurden, schreibt die Staatsanwaltschaft. Man gehe davon aus,
       dass den Beschuldigten dies beim Verkauf bekannt gewesen sei.
       
       Das Label „Umweltsünder“ passt nicht zu dem Bild, das der 57-jährige
       Unternehmer sonst von sich zeichnet. Vor knapp einem Jahr gründete Rickmers
       „The New Institute“, eine Denkfabrik, die nachhaltige Zukunftskonzepte
       entwickelt. 2016 hatte er bereits die International Foundation for the
       Humanities and Social Change in den USA gegründet.
       
       Um seine Unternehmen aus Schwierigkeiten zu holen, ist Rickmers zu vielem
       bereit: In der Schifffahrtskrise 2012 gab er seine Position als
       Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses für die SPD in der Hamburgischen
       Bürgerschaft auf. Er wolle sich auf seine Tätigkeit als Aufsichtsrat der
       Unternehmensgruppe konzentrieren, begründete er damals die Entscheidung.
       
       Auf die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft reagierte die Erck-Rickmers-Gruppe
       nun außergewöhnlich offen. Sie sei zwar nur mit weniger als 1 Prozent des
       Eigenkapitals an einem der Schiffe beteiligt gewesen, dennoch begrüße sie
       es, „wenn Verstöße gegen Umweltvorschriften aufgeklärt werden“ und
       kooperiere „vollumfänglich mit den ermittelnden Behörden“, teilte das
       Unternehmen mit. Für ein Gespräch mit der taz hatte Rickmers keine Zeit.
       Alexandra Hilpert
       
       27 Aug 2021
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Alexandra Hilpert
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA