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       # taz.de -- Andreas Speit Der rechte Rand: Wie sich die AfD-Fraktion in Hannover zerlegt
       
       Die Auflösung der AfD-Landtagsfraktion in Niedersachsen beschäftigt die
       AfD-Bundesführung. Am Dienstag hatte die bisherige Fraktionsvorsitzende
       Dana Guth mitgeteilt, mit den Landtagsabgeordneten Stefan Wirtz und Jens
       Ahrends die Fraktion zu verlassen. Die weiteren sechs AfD-Abgeordneten
       haben durch den Bruch keinen Fraktionsstatus mehr. Vorangegangen war vor
       zwei Wochen ein Rechtsruck in der Partei mit der Abwahl der als moderat
       geltenden Guth als Landeschefin.
       
       Der Austritt sollte nach Ansicht des Vorsitzenden der
       AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, zu einem Parteiausschluss
       führen. Der Bundesvorstand hat auf Wunsch des Bundesvorsitzenden Tino
       Chrupalla für Mittwoch eine Sitzung einberufen. Auf der Tagesordnung steht
       nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) eine
       „Besprechung mit den Mitgliedern der ehemaligen AfD-Fraktion“ im Landtag
       sowie eine „Beratung über Parteiordnungsmaßnahmen“.
       
       Der Verlust des Fraktionsstatus hat auch negative Folgen für den
       Landesverband. Die AfD-Abgeordneten haben künftig nicht nur weniger
       parlamentarische Rechte, sie verlieren auch Zuschüsse in Höhe von 72.000
       Euro monatlich. Bisher hatte die Fraktion 15 Mitarbeiter*innen. Bis auf die
       persönlichen Mitarbeiter*innen jedes Abgeordneten in den Wahlkreisen
       bleiben künftig keine Mitarbeiter*innen mehr.
       
       Mit der „sinnlosen Sprengung der Fraktion durch Frau Guth“ sei die AfD „in
       einem wichtigen Bundesland parlamentarisch quasi handlungsunfähig“, sagte
       Gauland der dpa. „Wer nach einer innerparteilichen Niederlage gleich alles
       hinschmeißt, mit dem kann man nicht zusammen politisch kämpfen und der hat
       das Wesen einer demokratischen Partei nicht verstanden“, ergänzte er und
       spielt auf Guths Abwahl als Landesvorsitzende an.
       
       Auf dem Landesparteitag am 12. September in Braunschweig hatte sich der
       AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Kestner, der dem ehemaligen rechtsextremen
       „Flügel“ angehörte, gegen Guth durchsetzen können. Den Rechtsruck des
       Landesverbandes beklagte selbst die neu-rechte Wochenzeitung Junge
       Freiheit. Über einen möglichen Austritt der Drei aus der Fraktion war schon
       auf dem Parteitag spekuliert worden. Guth hatte allerdings erklärt, an der
       Fraktionsspitze bleiben zu wollen.
       
       Guth und ihre Mitstreiter erklärten ihren Austritt einen Tag nach der
       Verschiebung der Wahl zum Fraktionsvorsitz. Im Parlament und in der Partei
       wollen sie aber bleiben. Zu den geplanten Parteiordnungsmaßnahmen sagte
       Guth, das passe ins Bild: „Jetzt wird jeder kaputtgemacht, der sich nicht
       unterwirft.“
       
       24 Sep 2020
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Speit
       
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