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       # taz.de -- Sit-in vor geschlossener Tür
       
       > Junge Geflüchtete protestierten gegen ihre perspektivlose Lage und für
       > eine Duldung. Die Innenbehörde fühlt sich nicht zuständig und Senator
       > Mäurer ist im Urlaub
       
       Von Gareth Joswig
       
       Während der Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) im Urlaub ist, protestierte am
       Donnerstag ein Bündnis von Geflüchteten vor der Innenbehörde. Mit einem
       Sit-in wollten die jungen Geflüchteten für eine Bleibeperspektive
       protestieren. Die Jugendlichen [1][klagen und widersprechen] gegen ihr
       behördlich festgesetztes Alter, weil sie nach eigenen Angaben minderjährig
       sind.
       
       Es handelt sich bei den Demonstrant*innen um das Aktionsbündnis
       „Shut-Down-Gottlieb-Daimler-Straße“, das bereits die Schließung ihrer
       unwürdigen Unterbringung, [2][je nach Sichtweise Zelte oder
       Leichtbauhallen], gegenüber der Sozialbehörde forciert hatte ([3][taz
       berichtete]). In die Einrichtung hatte die Sozialbehörde ausschließlich
       junge Geflüchtete gesteckt, deren Altersangaben sie bezweifelte und
       schätzen ließ – eine umstrittene Praxis, bei der Betroffene unter anderem
       zwangsweise geröntgt werden oder [4][Mitarbeiter*innen des Jugendamtes
       stumpf Pi mal Daumen deren Bartwuchs beurteilen]. Sozialsenatorin Anja
       Stahmann (Grüne) hat mittlerweile die Schließung der Einrichtung noch vor
       dem Winter angekündigt. Derzeit leben laut Sozialbehörde noch 44 Personen
       dort.
       
       Für die vor Ort circa 50 protestierenden Jugendlichen stellt sich jetzt die
       Frage: Wie geht es weiter? „Die Innenbehörde tut einfach so, als sei sie
       für die Jugendlichen, die sich seit vielen Monaten hier regulär aufhalten,
       aufenthaltsrechtlich nicht zuständig“, sagt Anna Schroeder von dem
       Aktionsbündnis.
       
       Und tatsächlich – ein Sprecher sagt der taz: „Wir sind verwundert, dass wir
       Adressat der Aktion sind. Wir haben keine Aktien in der Sache.“ Nur ganz am
       Ende eines Verfahrens habe man mit den Betroffenen zu tun.
       
       Das Aktionsbündnis sieht das anders. Die Jugendlichen seien seit vielen
       Monaten in Bremen untergebracht und damit faktisch geduldet. Dennoch
       erhielten sie keine Duldungspapiere. Die Ausstellung solcher Papiere sei
       die Zuständigkeit der Mäurer unterstellten Ausländerbehörde und könnte
       politisch entschieden werden. Mäurers Behörde aber stelle eine Duldung
       nicht einmal aus, wenn eine Klage gegen die Altersfeststellung erfolgreich
       war, wie Schroeder berichtet. Zudem versuche die Innenbehörde, Jugendliche,
       deren Klagen noch laufen, an andere Orte zu transferieren.
       
       Einer der Jugendlichen trägt ein Werder-Trikot. Er sagt ins Mikro: „Herr
       Senator, unterstützen sie uns, endlich anzukommen. Wir brauchen Papiere,
       damit wir lernen und später in Bremen arbeiten können.“ Die Jugendlichen
       wollten nach dem Protest zwei offene Briefe an den Senator übergeben. Aus
       der Behörde ließ sich niemand blicken.
       
       20 Jul 2018
       
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