# taz.de -- Alles wartet auf Berlin
> EU-Staaten wollen schärfere Klimaziele bei Öko-Energie und Effizienz,
> aber Deutschland bremst. Klimaziel der Groko für 2020 wird weit verfehlt:
> nur minus 32 statt 40 Prozent
IMG Bild: Flutwelle im sächsischen Gehringswalde am Samstag. Einzelereignisse bestätigten keinen Trend, meldete kürzlich das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, aber „was wir derzeit an Unwettern und Hitze beobachten, bestätigt die Annahmen der Klimaforscher zu den Folgen der globalen Erwärmung“
Von Bernhard Pötter
Die europäische Energiewende wartet auf Deutschland. Zum
EU-Energieministerrat am Montag in Luxemburg will eine breite Front von
EU-Staaten, EU-Parlamentariern, Umweltgruppen und Experten die Deutschen
dazu bringen, schärferen Klimazielen zuzustimmen: Die EU-Ziele für
erneuerbare Energien und Effizienz bis 2030 sollen angehoben werden. Das
zuständige Bundeswirtschaftsministerium dagegen bremst – es will keine
neuen Ziele festlegen, sondern lieber Mechanismen, die die bisherigen Ziele
auch umsetzen.
Bei dem Treffen legen die EU-Staaten fest, mit welchem Angebot sie in die
Verhandlungen („Trilog“) mit dem EU-Parlament gehen. Die Gremien müssen
sich beim Ausbauziel für Erneuerbare, bei Energieeffizienz und bei
allgemeinen Regeln auf neue Ziele bis 2030 verständigen, um das Pariser
Abkommen zum Klimaschutz umzusetzen. Bisher planen die Europäer, den Anteil
der Erneuerbaren bis 2030 auf 27 Prozent des gesamten Energieverbrauchs
ansteigen zu lassen (bisher: etwa 17 Prozent). Die Energieeffizienz soll
sich um 30 Prozent gegenüber dem Trend verbessern. Diese Maßnahmen reichen
aber nicht, um die Vorgaben von Paris zu erfüllen.
Deshalb will das EU-Parlament 35 Prozent Erneuerbare und 35 Prozent
Effizienz. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) denkt an 30/30, aber
das Umweltministerium fordert, Deutschland solle sich „deutlich auf die
Position des EU-Parlaments zubewegen“, heißt es. Auch die EU-Kommission hat
erklärt, ein Anteil von 34 Prozent bei Erneuerbaren sei wünschenswert und
gut für die Wirtschaft. Für die höheren Ziele plädieren außerdem Schweden,
Frankreich, Portugal und die Niederlande. Auch die neuen Regierungen in
Spanien und Italien wollen höhere Verpflichtungen.
In der Bundesregierung herrschte am Sonntag noch Tauziehen um eine
Position. Während das SPD-Umweltministerium von Svenja Schulze höheren
Verpflichtungen zustimmt, warnt das CDU-geführte Wirtschaftsministerium vor
Ehrgeiz, der nicht durch Maßnahmen gedeckt sei. Die Umsetzung der Ambition
sei wichtiger als neue Ziele, hieß es. Die Angst dahinter: Für ihre
Zustimmung zu höheren Zielen könnten manche Länder die Maßnahmen
aufweichen, die zur Erreichung der Ziele beschlossen werden sollen.
Tatsächlich sieht ein Kompromissvorschlag der bulgarischen
Ratspräsidentschaft, der am Freitag durchsickerte, für höhere Ziele einige
Abstriche bei Maßnahmen vor.
Ein Gutachten des Öko-Instituts setzt Wirtschaftsminister Altmaier
allerdings unter Druck. Die Experten haben berechnet, dass die Umsetzung
des offiziellen deutschen „Klimaschutzplans 2050“ bereits deutlich höhere
EU-Ziele möglich machen würde. Bei einem deutschen Pfad, der sich auf
Effizienz konzentriert, würden „alle Zielvorgaben bis zu 35 Prozent
Effizienz und 33 Prozent Erneuerbare auf Ebene der EU (…) klar erreicht“,
heißt es. Wähle Deutschland den Weg, seine Klimaziele über einen
verstärkten Ausbau der Öko-Energie zu erbringen, seien sogar EU-Ziele von
35 Prozent Erneuerbaren und 35 Prozent Effizienz machbar.
„Wenn Deutschland seine eigenen Klimaschutzziele ernst nimmt, muss es sich
für die schärferen EU-Vorgaben einsetzen“, sagt Elena Hofmann vom Deutschen
Naturschutzring DNR. Auch andere Verbände wie der WWF drängen auf mehr
Engagement aus Deutschland. Roland Joebstl vom Dachverband der
EU-Umweltorganisation EEB sagt: „Wenn Deutschland an Bord ist, könnte es
einen sehr guten Deal geben. Altmaier ist unter Druck, nicht den letzten
Rest des guten Images der Klimakanzlerin Merkel zu verderben.“
Dieses Image bekommt gerade einen weiteren Kratzer. Nach Informationen des
Spiegels rechnet die Bundesregierung inzwischen damit, das deutsche
Klimaziel für 2020 (minus 40 Prozent) mit nur minus 32 Prozent deutlich zu
verfehlen. Das stehe in einem Bericht des Umweltministeriums für das
Kabinettstreffen in dieser Woche, heißt es.
11 Jun 2018
## AUTOREN
DIR Bernhard Pötter
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