# taz.de -- Bestechendes Bild
> Grüne Fassade Am Schloss soll dort, wo noch Barockfassadenteile fehlen,
> der „Humboldt Dschungel“ wachsen. Am Dienstagabend sprachen die
> Projektinitiatoren mit Experten und Vertretern der verschiedenen
> Schlossinitiativen über Realisationsmöglichkeiten
IMG Bild: Eine Utopie, die man am liebsten sofort realisieren sehen möchte: „Humboldt Dschungel“ von Hybrid Space Lab in Zusammenarbeit mit Uta Belkius und Notker Schweikhardt
von Brigitte Werneburg
Das Bild, meinte Wilhelm von Boddien vom Förderverein Berliner Schloss,
sei einfach zu ansprechend, „um sich nicht gezwungen zu sehen, sofort
dagegen zu argumentieren“. Da hat er wohl recht. Das Bild besticht. Der
„Humboldt Dschungel“, den Frans Vogelaar und Elizabeth Sikiaridi vom Hybrid
Space Lab und Uta Belkius und Notker Schweikhardt von Bündnis 90/Grüne am
Schloss wachsen lassen wollen, dort, wo die Barockfassadenteile fehlen,
weil es noch der Spenden dafür bedarf – diesen Humboldt Dschungel könnten
die Berliner dort schnell behalten wollen.
Doch ist nicht seine konkurrenzlose Attraktivität der Grund, warum das als
temporäres Projekt geplante Vorhaben wohl nicht umgesetzt werden wird. Das
machte am Dienstagabend ein ebenso vielfältig wie prominent besetztes
Expertengespräch deutlich, im Büro des Mitglieds des Abgeordnetenhauses,
Notker Schweikhardt, einem sommerlichen Pavillonzelt auf einer Stadtbrache
an der Kurfürstenstraße.
Das Schloss sei ein Hightech-Bau des 21. Jahrhunderts, so Johannes Wien,
kaufmännischer Vorstand der Stiftung Berliner Schloss Humboldtforum, der
vier Klimazonen einschließe, was eine homogene Fassade bedinge. Löcher für
temporäres Grün werde es keine geben, die Fassade wachse von unten nach
oben. Genau so wachsen die Pflanzen, und Pflanzen abstrahiert ja auch die
Ornamentik der Barockfassade. Es besteht, recht besehen, gar kein
Widerspruch zwischen Grün und Stein, die sich vielmehr auf raffinierte
Weise wechselseitig interpretieren. Dazu lieferte das vertikale Grün mit
seinen Gewächsen aus aller Welt einen sichtbarer Bezug auf das Schloss als
Ort der außereuropäischen Sammlungen aus dem Ethnologischen Museum und dem
Museum für Asiatische Kunst, die bislang in Dahlem zu Hause waren,
argumentierten die Projektinitiatoren aus Architektur und Politik.
Gerade aber in Bezug auf das Humboldtforum im Schloss ist der namensgleiche
Dschungel ein wirklicher Weckruf. Denn das Einbinden von Natur und
Pflanzenwelt ist für ein neu und anders gedachtes Museumskonzept des 21.
Jahrhunderts unabdingbar. Darauf wies Heinrich Suhr von der Stiftung
Zukunft Berlin hin, wo über die Idee eines „Weltgartens“ am Humboldtforum
nachgedacht werde.
Auch Klaas Ruitenbeek, Direktor des Museums für Asiatische Kunst, plädierte
entschieden für das Grün im Schloss, wobei er es sich an anderem Ort, etwa
dem Schlüterhof, vorstellen konnteund es sich vor allem, freilichohne
große Hoffnung, wie er zugab,im Innern seines Hauses wünschte.
8 Jul 2015
## AUTOREN
DIR Brigitte
DIR Brigitte Werneburg
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