# taz.de -- Interessen vor Entwicklung
Großes Streitthema ist die Zukunft des Entwicklungsministeriums. Die Union
will es ins Auswärtige Amt eingliedern, die SPD ist strikt dagegen. CDU/CSU
argumentieren, die Zusammenführung erhöhe die Effizienz. Sozialdemokraten
und auch Entwicklungsorganisationen fürchten, der
Entwicklungszusammenarbeit werde weniger Bedeutung zugemessen, während viel
Zeit für die Neuordnung verloren gehe. Die [1][Entwicklungsexperten
Stephan Klingebiel und Jörg Faust bezweifeln], dass eine Zusammenführung zu
mehr Effizienz führe. Sie fordern stattdessen eine bessere Koordination der
Ministerien. Das wollen beide Parteien auch in der Einrichtung eines
Nationalen Sicherheitsrats erreichen.
Zweiter Streitpunkt ist das Geld. Die SPD will mindestens die international
vereinbarten 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufwenden, die Union
will eine Absenkung des derzeitigen Niveaus.Zahlreiche
Entwicklungsorganisationen schlugen am Mittwoch Alarm, dass weitere
Kürzungen im Entwicklungsetat angesichts eines weltweiten Rückzugs, allen
voran von den USA und Großbritannien, fatale Auswirkungen habe.
Menschenleben stünden schon jetzt auf dem Spiel.
Vor diesem Hintergrund bleibt der Kompromiss, die Entwicklungspolitik solle
„zugleich werte- und interessengeleitet“ sein, eine Worthülse. Die
gemeinsamen Schwerpunkte des Papiers der Arbeitsgruppe 12 zu
Entwicklungspolitik sind Rohstoffsicherung, Energiepartnerschaften und
wirtschaftliche Zusammenarbeit. Auch der Fokus auf Bedingungen, etwa dass
Empfängerländer Geflüchtete zurücknehmen und Migration bekämpfen, stellt
deutsche Interessen in den Vordergrund. Hinzu kommt: die Förderung von
Unternehmen im Export und bei Investitionen im Globalen Süden erlebt ein
Revival.
Leila van Rinsum
27 Mar 2025
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